Umkehr zu Gott

„Bringe uns HERR zu dir zurück, dass wir wieder heimkommen; erneuere unsere Tage, wie von alters!“ Klagelieder 5,21
„Bringe uns zurück“ heißt im Hebräischen eigentlich „kehre uns um“. Es geht um „Umkehr“ oder klassisch ausgedrückt um „Buße“. Buße, also Umkehr, vollzieht sich in zwei zusammenhängenden Schritten. Zum einen geht es um die Abkehr von etwas und zum anderen folgt die Hinwendung zu etwas Anderem. Umkehr ist die Abkehr von der Sünde und dem Lebensbedrohenden und die Hinwendung zur Vergebung und zur Lebensgemeinschaft mit Gott.
Viele sehen in der Buße aber immer nur die einseitige Abkehr von der Sünde. Buße, also Umkehr, bekommt daher immer eine negative Bedeutung. Die Betonung liegt auf unserem Versagen, auf unserer Schuld und auf all dem Schlechten im Leben, was wir bereuen sollen. Buße wird von dieser negativen Definition bestimmt, dass unser Leben miserabel ist und wir diese Unzulänglichkeiten und Sünden lassen sollen. Zu dieser Fokussierung auf des Böse, kommt oft auch das Unvermögen, die Sünde wirklich zu lassen und sich mit Erfolg von dem Bösen abzuwenden.
Diese niederschmetternde Betrachtung von Buße liegt daran, dass der zweite Aspekt meist vergessen wird: Die Hinwendung zu Gott. Buße gelingt nur, wenn ich das Böse lasse und mich dem Guten ganz zuwende. Ich schaffe die Umkehr nur, wenn ich mich neu ausrichte. Ich muss mein Augenmerk weg von der Sünde und hin zur Gemeinschaft mit Jesus wenden. Ich muss mich neu ausrichten, neu „füllen“ mit dem Reichtum Christi (Kolosser 2,3 „In welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.“). Jesus hilft mir dann auch die Sünde zu lassen. Er erfüllt mein Leben mit Gutem. Er schafft in uns, dass die Umkehr gelingt.
Dieser zweite Aspekt der Umkehr wird auch in diesem Text betont: „Bring uns HERR zu dir zurück.“ Es geht nicht nur darum das Elend zu verlassen, sondern wieder zurück zu Gott zu zukommen. Die Betonung liegt auf der Ausrichtung nach Gott. Das gilt auch für uns. Wenn Jesus uns zu sich zieht, haben wir die Kraft das Alte zu verlassen und das Neue anzunehmen. Mit Jesus allein gelingt die Umkehr. Jesus macht uns frei von der Sünde. Jesus bringt uns zurück, heim in Seine Gegenwart. Bei ihm sind wir geborgen.
Stefan Kiene
https://www.fackeltraeger.de/wort-zum-monat/umkehr-zu-gott

„Buße tun“?

„Buße tun“? Buße tun bedeutet, dass ich mein Denken ändere über Sünde, über mich selbst, über Gott und über Christus. Das ändert meine ganze Einstellung und damit auch meine Handlungen. Buße betrifft nicht nur den Verstand, sondern auch das Gewissen. Es ist das Eingeständnis des Sünders, dass er gottlos, verloren, hilflos und hoffnungslos ist und Gottes Gnade nötig hat. Es ist eine Umkehr von 180 Grad. Es bedeutet, dass ich mich auf Gottes Seite stelle, Gott Recht gebe und mich selbst verurteile. Es beinhaltet auch Reue, das heißt, Schmerz darüber, dass ich gesündigt habe. Aber es ist mehr als nur das. Denn manchmal tut es einem leid, dass man gesündigt hat, aber man hört nicht auf.William MacDonald

Die Gabe des einen Evangeliums

Unsere heutige Welt befindet sich in einem Zustand großer Verwirrung und Dunkelheit, und Angst hat die Menschen herzlos gemacht. Hat die christliche Kirche ein Wort des Zuspruchs, ein Licht, eine Hoffnung für den Menschen in seiner Verwirrung, in seiner Dunkelheit, in seiner Angst? Es ist eine der größten Tragödien unserer Zeit, dass die Gemeinde Jesu in dem Augenblick an ihrem Missionsauftrag zu zweifeln beginnt, in dem der Ruf der Welt nach dem Wort Gottes immer lauter wird. Der Grund für den nachlassenden Missionseifer liegt allein in dem schwindenden Vertrauen in die christliche Botschaft. Wir Christen sollten aus fester Überzeugung bekunden, dass Jesus unser Herr ist, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben wurde, und der uns auffordert, alle Völker zu seinen Jüngern zu machen und sie zu lehren, was er gelehrt hat (Matth. 28, 18. 19). Er gab uns den Auftrag, seinen Namen als den des gekreuzigten und auferstandenen Retters zu predigen. Er hat uns gesagt, das allen, die Buße tun und an ihn glauben, Vergebung und ein neues Leben geschenkt wird (vgl. Luk. 24, 44–49). Wir haben kein Recht, die Richtlinien, die Christus seiner Gemeinde gegeben hat, auch nur geringfügig zu verändern. Es gibt nur ein Evangelium. Wir dürfen es niemals in irgendeiner Weise ausschmücken, abwandeln oder nach unserem Belieben auslegen. Unsere Aufgabe ist es, Verkündiger der Frohen Botschaft Gottes zu sein, unsere Stimme mit Macht zu erheben, uns nicht zu fürchten und die Erlösung durch unseren Herrn überall bekannt zu machen (Jes. 40, 9; 52, 7). Die Botschaft ist uns gegeben, wir haben sie nicht erfunden. Wir sollen nur unsere Stimme, unser Leben und unsere Liebe einsetzen, um das Evangelium zu verbreiten. In dieser Hinsicht gleicht jeder Christ Johannes dem Täufer. Jeder von uns soll eine Stimme in der Wüste der Welt sein, die von Christus zeugt; jeder von uns soll abnehmen, damit er wachsen kann (Mark. 1,2. 3; Joh. 1, 6–8; 19–23; 3, 30). John Stott (Die Autorität der Bibel, Hänssler, 1977, S. 45–46)

Heinrich Heine: Meine Erleuchtung

In der Vorrede zur 2. Auflage der Geschichte der Religion und Philosophie gibt der deutsche Dichter Heinrich Heine Auskunft, wie er zu Gott zurückfand. Er wies neugierige Fragen zu seiner Bekehrung ab, gibt jedoch eine Antwort, die es in sich hat. Er schrieb 1852 in Paris (zitiert aus: W.R. Brauer, Heinrich Heines Heimkehr zur Gott, 1981, S. 32, das Zitat ist auch hier zu finden):
In der Tat, weder eine Vision, noch eine seraphitische Verzückung, noch eine Stimme vom Himmel, auch kein merkwürdiger Traum oder sonst ein Wunderspuk brachte mich auf den Weg des Heils. Ich verdanke meine Erleuchtung ganz einfach der Lektüre eines Buches. — Eines Buches? Ja, und es ist ein altes, schlichtes Buch, bescheiden wie die Natur, auch natürlich wie diese; ein Buch, das werkeltägig und anspruchslos aussieht, wie die Sonne, die segnend und gütig uns anblickt wie eine alte Großmutter, die auch täglich in dem Buche liest, mit den lieben, bebenden Lippen, und mit der Brille auf der Nase — und dieses Buch heißt auch ganz kurzweg das Buch, die Bibel. Mit Fug und Recht nennt man diese auch die Heilige Schrift; wer seinen Gott verloren hat, der kann ihn in diesem Buche wiederfinden, und wer ihn nie gekannt, dem weht hier entgegen der Odem des göttlichen Wortes.
https://theoblog.de/heinrich-heine-meine-erleuchtung/34048/