Lust am Herrn

Frust statt Lust am Herrn? Warum viele Christen die Wirklichkeit Gottes in ihrem Leben so wenig erfahren.
«Habe deine Lust am Herrn, er wird dir geben, was dein Herz wünscht.»Psalm 37,4
«So seid nun Gott untertan. Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch. Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch. Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, ihr Wankelmütigen.» Jakobus 4,7 bis 8
Die meisten Christen hoffen, dass nach ihrer Umkehr zu Gott auf einen Schlag alles anders ist: Selbstbezogenheit und die negativen Charaktereigenschaften wären einfach verschwunden. Weil dem nicht so ist, plagt sie tiefe Unruhe oder zumindest Unzufriedenheit mit sich selbst und der Tatsache, dass sie die Wirklichkeit Gottes in ihrem Leben immer weniger erfahren. Sie fragen sich: Bin ich wirklich wiedergeboren? Ist tatsächlich etwas Neues in mir geschehen? Kann ich mich ändern? Die Bekehrung ist der Anfang des christlichen Lebens. Die anschliessende Erneuerung hingegen ist ein Prozess. Die Bibel nennt ihn Heiligung. Gott arbeitet an uns, aber es ist unsere Sache, an dieser Veränderung mitzuarbeiten. Die neue Persönlichkeit ergibt sich nicht von selbst; sie will geformt werden. Wie kann das geschehen? Indem wir täglich ganz bewusst unsere inneren Haltungen und Motive von Gott formen lassen. Indem wir unsere Selbstbezogenheit aufbrechen und uns durch Gottes Geist bestimmen lassen, der in uns die Eigenschaften hervorbringen will, die wir an Jesus sehen. Gott hat uns geschaffen, dass wir seinem Bild ähnlich seien. Sein grösster Wunsch ist es, dass wir wieder werden, wozu wir geschaffen sind. Wir sollen Gottes Wesen spiegeln. Natürlich ist das Heil etwas, das uns ausschliesslich aus Gottes Gnade und ohne jedes menschliche Bemühen geschenkt wird (Römer 9,16). Aber ein Leben, das Gott entspricht, wird nicht dadurch erreicht, dass wir ein schnelles Gebet sprechen, mit dem wir unser Leben Gott unterstellen oder den Finger in die Bibel stecken und gleich wie in einem Orakel den aufgeschlagenen Text als Willen Gottes interpretieren. Christus möchte ein neues Leben in uns entfalten. Das Christenleben soll keine lästige Pflichtübung sein, vielmehr geht es darum, in einer lebendigen Gemeinschaft mit dem Herrn zu leben – Lust zu haben an ihm. Wie kommen wir dazu? Es gibt zwei Meinungen darüber, wie wir Gott erfahren können. Es gibt Christen, die ihn und seine Nähe vor allem in ihrer Seele erleben wollen, in Einsamkeit, Gebet und Stille. Und dann gibt es Christen, für die Gott ausschliesslich in gehorsamem Tun erfahrbar ist. Beide Sichtweisen sind begrenzt. Wer das äussere Tun einseitig betont, steht in der Gefahr, perfektionistisch und gesetzlich zu werden und damit zu einem Menschen, der keinen Zugang zur Gnade und Barmherzigkeit Gottes und zur Kraft, die darin liegt, findet. Bibelkenntnis ist absolut wichtig, aber theologische Richtigkeiten allein bringen noch kein Leben, solange ein Mensch nicht weiss, wie er die geistlichen Wahrheiten in seinen Alltag übersetzen soll. Deshalb soll Gottes Wort wie ein ganz persönlicher, wichtiger Brief zu mir sprechen! Angenommen, ich wäre in finanzieller Not und mir würde brieflich mitgeteilt, ich könnte auf der Bank eine Million Euro abholen, würde das bei mir eine starke Reaktion auslösen. Wäre der Absender des Briefes zuverlässig, würde ich mich unverzüglich aufmachen und das Geld holen. Christus muss mich zuerst ergreifen – doch ich muss mich von ihm auch tatsächlich ergreifen lassen. Anderseits – wird die innere Erfahrung zu stark betont, kann man leicht irregeleitet werden. Losgelöst von der Autorität der Schrift kann persönliche Erfahrung zum Götzen werden. Ein Mensch, der sich alleine auf seine Erfahrung beruft, steht in Gefahr, sich als «besserer Christ» zu fühlen. Die Erneuerung seines Wesens, die Heiligung, entschwindet seinem Blickfeld. Beides gehört zusammen: Wir brauchen immer wieder die Begegnung in der Stille mit dem Herrn. Je mehr wir ihn suchen, desto kostbarer wird uns seine Nähe. Damit wir aber nicht Selbsttäuschungen unterliegen, brauchen wir Gottes Wort, das uns Leitung und Korrektur ist. Weiterlesen