Einsamkeit, mein treuer Begleiter

Wir müssen Einsamkeit spiegelverkehrt betrachten und richtig auf sie reagieren, wenn wir weise werden wollen. In den paar Jahrzehnten, in denen ich alleine lebte, war mir meine Einsamkeit nicht wie ein Freund, sondern wie ein Feind. Sie diente dazu, mich an meine früheren Beziehungsversagen zu erinnern – Beziehungen, von denen ich mir erhofft hatte, dass sie mir dieses schmerzliche Gefühl wegnehmen würden. Hierin liegt die lauernde Gefahr von Einsamkeit: wenn sie nicht dein Freund ist, ist sie aller Wahrscheinlichkeit nach ein vernichtender Gegner in deinem Leben. Wir alle kennen Menschen, deren Bewältigungsmechanismus Selbstisolation ist, welche entweder auf ein Fehlen von Beziehungen oder auf Kummer bezüglich Beziehungen zurückzuführen ist (Spr 18,1). Für diese Menschen wird Einsamkeit eher zu einer Schlucht, in der sie leben, anstatt zu einem Tal, das sie durchqueren.
Während Einsamkeit deutlich bei denen in der Gesellschaft wahrzunehmen ist, die zurückgezogen leben, kennen doch die meisten von uns ein allgemeines, zwischenmenschliches Unwohlsein und hoffen, dass jemand kommt und unsere Einsamkeit wegnimmt. Um es frei nach Henry David Thoreau zu sagen: Die meisten Menschen führen ihr Leben in ruhiger Verzweiflung. Mit dieser Pandemie ist die ruhige Verzweiflung in den meisten Wohnungen sogar eine noch einsamere Verzweiflung.

Wie man Einsamkeit erträgt

Einsamkeit ist Teil unserer inneren Architektur als Ebenbilder Gottes. Sie verhält sich wie die Signalgeber unseres Autos, die uns anzeigen, wenn etwas fehlt – Öl im Motor oder Luft in den Reifen. Wir wurden für Gott und für Gemeinschaft untereinander geschaffen.
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