Gott bewahre uns vor einer falschen Toleranz

Gott bewahre uns also vor dieser „Toleranz“, von der wir so viel hören: Gott erlöse uns von der Sünde, mit denen gemeinsame Sache zu machen, die das gesegnete Evangelium Jesu Christi leugnen oder ignorieren!
Wenn Sie sich dafür entscheiden, für Christus zu einzustehen, werden Sie kein leichtes Leben haben. Natürlich können Sie versuchen, sich dem Konflikt zu entziehen. Alle Menschen werden gut von Ihnen sprechen, wenn Sie, nachdem Sie am Sonntag ein noch so unpopuläres Evangelium gepredigt haben, am nächsten Tag in den Kirchenräten nur gegen dieses Evangelium stimmen; man wird Ihnen gnädigerweise erlauben, an das übernatürliche Christentum zu glauben, so viel Sie wollen, wenn Sie nur so tun, als würden Sie nicht daran glauben, wenn Sie nur mit seinen Gegnern gemeinsame Sache machen. Das ist das Programm, das die Gunst der Kirche gewinnen wird. Ein Mensch mag glauben, was er will, solange er nicht stark genug glaubt, um sein Leben dafür zu riskieren und dafür zu kämpfen.
Aber um Toleranz zu beten, abgesehen von den eben genannten Formen, insbesondere um Toleranz zu beten ohne sorgfältig definieren, in welchem Sinne man tolerant sein soll, heißt nur, den Zusammenbruch der christlichen Religion herbeizubeten; denn die christliche Religion ist [im Blick auf die Lehre] durch und durch intolerant. Darin liegt das ganze Ärgernis des Kreuzes – und auch die ganze Kraft des Kreuzes. Immer wäre das Evangelium von der Welt mit Wohlwollen aufgenommen worden, wenn es nur als ein Weg der Erlösung dargestellt worden wäre; der Anstoß kam, weil es als der einzige Weg dargestellt wurde und weil es allen anderen Wegen unerbittlich den Kampf angesagt hat. Gott bewahre uns also vor dieser „Toleranz“, von der wir so viel hören: Gott erlöse uns von der Sünde, mit denen gemeinsame Sache zu machen, die das gesegnete Evangelium Jesu Christi leugnen oder ignorieren! Gott bewahre uns vor der tödlichen Schuld, die Anwesenheit derer als unsere Vertreter in der Kirche zuzulassen, die Jesu Kinder in die Irre führen; Gott mache uns, was immer wir sonst sind, zu rechten und treuen Boten, die ohne Furcht und Gunst nicht unser Wort, sondern das Wort Gottes verkündigen.
Christentum und Liberalismus: Wie die liberale Theologie den Glauben zerstört von Machen, J. Gresham (Autor)

Transgender Und Die Botschaft Für Unsere Kultur

„Das wichtigste, was unsere Kultur hören muss, ist das Evangelium Jesu Christi. [Und] Sie muss hören, dass die “Freiheit, die der Individualismus anbietet, doch keine Freiheit ist. Sie hat stattdessen Leute mit einem starken Gefühl des Verlorenseins gelassen. Sind wir aus dem Sumpf per Zufall zum Leben gekommen, gibt es keine Antwort auf die Frage, “Wer bin ich?”. Ich weiß nicht, wer ich bin. Ich habe keine Identität außer der, die ich mir selbst bastele. Ich bin verloren. Und dazu bin ich auch einsam. Denn, wenn man mich dazu auffordert, mein Agenda durchzusetzen und meine eigene individuelle Identität zu schaffen, werde ich unvermeidbar in Konflikt mit anderen anderen kommen, [die diese Idee auch durchsetzen wollen]. Und das wird uns weiter auseinander treiben.“
Vaughan Roberts, Transgender, s. 73.

Was ist das Evangelium?

Das Wort Evangelium bedeutet “gute Neuigkeit, die erzählt wird”. Das unterscheidet es von Religionen, die eher einem “gutem Rat, der befolgt werden sollte” ähneln.
Die gute Neuigkeit ist, dass wir so selbstzentriert und beziehungsunfähig sind, dass wir von uns aus Gott nicht finden können, und dass Gott zu uns gekommen ist, um uns zu finden und bedingungslos abzusichern. Dazu wurde er Mensch, Jesus von Nazareth. Er führte ein normales Leben, das nur in einer Hinsicht ungewöhnlich war: er beging nie einen Fehler. Er hielt sich an alle Gesetze Gottes, und übertrug das summa cum laude für diese Leistung allen, die ihn lieben und ihm vertrauen.
Zusätzlich dazu, dass er uns den Lohn für sein Leben schenkte, ertrug Jesus die Auswirkungen unseres selbstzentrierten Daseins selbst. Als er am Kreuz starb vergab er denen, die ihn töteten. Jesus blieb nicht tot, er lebt auch jetzt noch. Sterben konnte ihm nichts anhaben. Das Gleiche gilt für alle, die das auch möchten und ihm ihr Leben anvertrauen.
Unsere Wiedervereinigung mit Gott hängt deshalb nicht von unseren Bemühungen ab, auch nicht von der Stärke unseres Glaubens. Es ist nicht die Qualität unseres Glaubens, die uns absichert, sondern Jesus.
Die Kraft dieses Geschenks und Aufnahme in die Familie Gottes hat einen aha-Effekt im Leben jedes Christens. Dadurch, dass wir uns nicht mehr das ‘bestanden’ vor Gott erarbeiten müssen, sind wir frei ihn in Dankbarkeit und Freude zu lieben. Unser Gehorsam und unsere ‘guten Taten’ werden zum ersten Mal tatsächlich gut, weil sie aus Dank motiviert sind, nicht um richtig-gemacht-Punkte bei Gott oder Menschen zu sammeln.
Allmählich ähneln wir unserem Meister, der uns von allen einschränkenden Abhängigkeiten und Zwängen befreit hat. Jesus setzte sich restlos für die Welt ein. So sind auch wir dazu aufgerufen, aus Dankbarkeit Gutes für unsere Mitmenschen zu tun. Egal was sie glauben: Jesus bezeichnete sich als Diener für alle und sagte, dass wir uns aufopfernd für alle einsetzen sollten, wenn wir uns ihm zugehörig fühlen.
Was mache ich jetzt?
Eine Faszination für Jesus erfüllt noch nicht komplett, und reicht nicht aus, um sein lebensveränderndes Vermächtnis zur Geltung zu bringen. Neugierigkeit ist gut. Darüber hinaus darfst du intensiver nachforschen, etwa indem du Texte in der Bibel liest. Du kannst auch darüber nachdenken, dich einer christlichen Gruppe anzuschließen, in der Menschen persönlich an dir interessiert sind und dir helfen möchten, weiter zu kommen.
Timothy Keller: https://www.redeemer.com/skeptics_welcome/who_is_jesus/

Das Evangelium

Das Evangelium ist die himmlische Verkündigung der Gnade Gottes uns gegenüber, durch die der ganzen Welt, die unter dem Zorn Gottes steht, verkündet wird, dass Gott, der himmlische Vater, in seinem eingeborenen Sohn, unserem Herrn Jesus Christus, versöhnt ist, den er uns dargegeben hat, so wie er es den heiligen Vätern einst verheißen hatte; außerdem wird verkündet, dass uns alles, was zum glückseligen Leben und ewigen Heil notwendig ist, in Christus in Fülle gegeben worden ist, der ja für uns als Mensch geboren, gestorben, von den Toten wieder auferstanden und in den Himmel aufgenommen worden und zu unserem einzigen Herrn und Retter geworden ist, sofern wir unsere Sünden erkennen und an ihn glauben.
Heinrich Bullinger Schriften IV, 2006, S. 265

5 Dinge, die dem Evangelium schaden

Nach J.C. Ryle gibt es fünf Arten, dem Evangelium zu schaden:

  1. durch Substitution, indem wir die Person Christi durch etwas anderes ersetzen. Das kann eine Kirche, ein Amt oder sogar ein Glaubensbekenntnis sein.
  2. durch Hinzufügen, indem wir dem Motto „Christus allein“ noch etwas hinzufügen: die guten Werke zum Beispiel.
  3. durch Zwischenschaltung, indem wir zwischen Gott, Christus und uns weitere Vermittler zwischenschalten: die Heiligen, Maria…
  4. durch Unverhältnismäßigkeit, indem wir zweitrangigen Lehren oder Dinge zu viel Platz einräumen.
  5. durch Verwirrung, indem wir die einfachen Dinge des Glaubens zu kompliziert machen.

Unterschied zwischen dem Gesetz und Evangelium

„Denn dieser Unterschied zwischen dem Gesetz und Evangelio ist die höchste Kunst in der Christenheit, die alle und jede, so sich des christlichen Namens rühmen, oder annehmen, können und wissen sollen. Denn wo es an diesem Stück mangelt, da kann man einen Christen vor einem Heiden oder Juden nicht erkennen; so gar liegt es an diesem Unterschied.“1Martin Luther
„Das Gesetz ist gegeben, damit die Gnade gesucht werde, die Gnade ist gegeben, damit das Gesetz erfüllt werde“ Augustinus

Die Gabe des einen Evangeliums

Unsere heutige Welt befindet sich in einem Zustand großer Verwirrung und Dunkelheit, und Angst hat die Menschen herzlos gemacht. Hat die christliche Kirche ein Wort des Zuspruchs, ein Licht, eine Hoffnung für den Menschen in seiner Verwirrung, in seiner Dunkelheit, in seiner Angst? Es ist eine der größten Tragödien unserer Zeit, dass die Gemeinde Jesu in dem Augenblick an ihrem Missionsauftrag zu zweifeln beginnt, in dem der Ruf der Welt nach dem Wort Gottes immer lauter wird. Der Grund für den nachlassenden Missionseifer liegt allein in dem schwindenden Vertrauen in die christliche Botschaft. Wir Christen sollten aus fester Überzeugung bekunden, dass Jesus unser Herr ist, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben wurde, und der uns auffordert, alle Völker zu seinen Jüngern zu machen und sie zu lehren, was er gelehrt hat (Matth. 28, 18. 19). Er gab uns den Auftrag, seinen Namen als den des gekreuzigten und auferstandenen Retters zu predigen. Er hat uns gesagt, das allen, die Buße tun und an ihn glauben, Vergebung und ein neues Leben geschenkt wird (vgl. Luk. 24, 44–49). Wir haben kein Recht, die Richtlinien, die Christus seiner Gemeinde gegeben hat, auch nur geringfügig zu verändern. Es gibt nur ein Evangelium. Wir dürfen es niemals in irgendeiner Weise ausschmücken, abwandeln oder nach unserem Belieben auslegen. Unsere Aufgabe ist es, Verkündiger der Frohen Botschaft Gottes zu sein, unsere Stimme mit Macht zu erheben, uns nicht zu fürchten und die Erlösung durch unseren Herrn überall bekannt zu machen (Jes. 40, 9; 52, 7). Die Botschaft ist uns gegeben, wir haben sie nicht erfunden. Wir sollen nur unsere Stimme, unser Leben und unsere Liebe einsetzen, um das Evangelium zu verbreiten. In dieser Hinsicht gleicht jeder Christ Johannes dem Täufer. Jeder von uns soll eine Stimme in der Wüste der Welt sein, die von Christus zeugt; jeder von uns soll abnehmen, damit er wachsen kann (Mark. 1,2. 3; Joh. 1, 6–8; 19–23; 3, 30). John Stott (Die Autorität der Bibel, Hänssler, 1977, S. 45–46)

Die Liebe, um die es im Evangelium im Unterschied zu aller Philosophie geht,

„Die Liebe, um die es im Evangelium im Unterschied zu aller Philosophie geht, ist nicht eine Methode des Umgangs mit Menschen, sondern ein Hineingezogenwerden und Hineinziehen in ein Ereignis, nämlich in die in Jesus Christus vollzogene Gemeinschaft Gottes mit der Welt, ‚Liebe‘ gibt es nicht als abstrakte Eigenschaft Gottes, sondern als reales von Gott Geliebtsein des Menschen und der Welt. Jeder Versuch, ein von weltlichen ‚Verunreinigungen‘ destilliertes Christentum der ‚reinen‘ Liebe darzustellen, ist falscher Purismus und Perfektionismus, der die Menschwerdung Gottes verachtet und dem Schicksal jeder Ideologie verfällt“ (Bonhoeffer, Ethik, 240f.).

Mit der „Verkaufsmasche“ kommen wir nicht weit

Als ich eines Nachmittags allein in der Cafeteria saß, weit weg von zu Hause, überwältigt und allein auf einem Campus von zwanzigtausend Studenten, kam ein älterer Student auf mich zu, lächelte und fragte, ob er sich zu mir setzen dürfe. Als er Platz nahm, war ich darauf vorbereitet, mit ihm eine hitzige Diskussion über Politik, Philosophie oder Wissenschaft zu führen. Da ich mich freute, Gesellschaft zu haben, bereitete ich mich mental auf alles Mögliche vor, was er mir an den Kopf werfen könnte.
Als er von seinem Teller Spaghetti aufblickte, war das erste, was er sagte: „Hast du Jesus Christus als deinen persönlichen Herrn und Retter angenommen?“
Ich war perplex und wusste nicht, wie ich antworten sollte. „Äh, ja, das habe ich in der Tat“, antwortete ich schließlich.
„Oh“, sagte er. „Ok, das ist gut“. Er sah etwas enttäuscht aus. Er hatte sich den falschen Tisch ausgesucht; er hatte gehofft, das Evangelium mit einem Nichtchristen besprechen zu können. Wir unterhielten uns höflich, während ich meinen Burger fertig aufaß. Er aß schnell und entschuldigte sich. Ich habe ihn seitdem niemals wiedergesehen.
Ich bin sicher, dass er Gott aufrichtig dienen wollte, indem er in dieser Cafeteria Zeugnis gab. Das Evangelium weiterzugeben ist gut, aber die Art und Weise, wie er nach meiner Errettung fragte, klang mehr wie eine Verkaufsmasche als wie eine ernste Frage. Das Mindeste, was mein Kommilitone hätte tun können, wäre gewesen, nach meinem Namen zu fragen und Interesse an mir als Person zu zeigen, bevor er mir eine Frage stellt, die durchaus berechtigt ist.
Viele Jahre lang dachte ich immer an diesen Tag zurück, wenn ich das Wort Evangelisation hörte. Der Begriff leitet sich von dem griechischen Wort evangel ab: gute Nachricht. Wie seltsam ist es darum, dass Evangelisation oft so aussieht, als ob man Jesus verkauft und hofft, dass man einen Nichtchristen überzeugen kann, Errettung „zu kaufen“.
Die Gute Nachricht muss nicht verkauft werden. Schlechte Nachrichten müssen verkauft werden, aber nicht gute. Als ich aufwuchs, wurde mir beigebracht, dass ich vor allem anderen das Geschäft abschließen musste, wenn ich evangelisiere. Ich lernte, dass ein Nichtchrist so schnell wie möglich das „Sündergebet“ sprechen oder im Gottesdienst nach vorn kommen müsse, egal was es kostet, denn morgen könnte er sterben. Das heißt, ich musste den Verkauf jetzt abschließen.
Als ich ernsthaft damit begann, die Evangelien zu lesen, bemerkte ich etwas Seltsames: Die Menschen drängten sich permanent um Jesus, obwohl er niemals ein Traktat verteilte. Er ging auf Leute zu und sagte: „Folge mir nach“, und im nächsten Moment gaben sie ihr Leben auf, um ihm überall hin zu folgen. Er war kein Handelsreisender.
Christen sind dazu aufgerufen, das Evangelium mit anderen zu teilen und auf die Kraft des Heiligen Geistes für sein Werk in ihrem Leben zu vertrauen, und gleichzeitig das Evangelium niemals als eine Verkaufsmasche zu behandeln. Manche Christen – besonderes neue, die begeistert von ihrem neuen Glauben sind – haben einen Eifer und eine Bereitschaft, das Evangelium zu teilen. Anderen fällt es schwerer und viele tun es überhaupt nicht. Ich vermute jedoch, dass die Zurückhaltung des durchschnittlichen Christen, seinen Glauben weiterzugeben, weniger mit Furchtsamkeit und Mangel an Mut zu tun hat. Viele Christen habe keine Hemmungen, zu erklären, warum sie einen besonderen Politiker oder eine Initiative unterstützen, sogar weniger populäre. Wieso also ist ihre Zunge gelähmt, wenn das Thema darauf kommt, warum sie an den Schöpfer des Universums glauben?
Ich vermute, dass es oft an unserem falschen Verständnis des Begriffs Glauben liegt. In unserer Zeit ist dieser Begriff fast ein Synonym geworden für ein irrationales – oder zumindest nicht-rationales – Festhalten an Glaubensüberzeugungen, für die wir keine Beweise haben. Statt zu behaupten, dass wir sowohl angeborenes als auch empirisches Wissen über Gott haben (was die Philosophen einen „gerechtfertigten wahren Glauben“ nennen), unterstellen wir, dass wir ein schwammiges Vertrauen hätten, dass irgendetwas da draußen ist – obwohl wir es nicht beweisen könnten. Wenn wir Christen solch ein schwaches Bild von Gott wiedergeben, ist es kein Wunder, dass Ungläubige nicht die Notwendigkeit verspüren, uns ernst zu nehmen.
Aber unser Glaube ist keine Ablehnung von Vernunft. Er ist nicht blind. Die gute Nachricht ist keine Einladung, eine irrationale Entscheidung zu treffen, sondern eine Geschichte über eine Person, die gelebt hat, gestorben ist und doch immer noch lebt. Wir geben nicht Nachrichten über eine Vorstellung eines Wesens wieder, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Während Ungläubige vielleicht kein erfahrungsmäßiges Wissen von dieser Person haben mögen, sind sie doch im Ebenbild Gottes geschaffen und haben so eine gewisse Fähigkeit, ihn zu erkennen. Das ist die gemeinsame religiöse Grundlage, die wir mit ihnen teilen.
Unsere evangelistische Mission besteht deshalb einfach darin, mit anderen die gute Nachricht zu teilen, damit sie auch erkennen können, was wir erkannt haben. Bei meinem Erlebnis in der Cafeteria war es nicht die Frage des Studenten, die falsch war, sondern seine Herangehensweise. Er behandelte das Evangelium als eine Verkaufsmasche.
Gott kann Gebetskarten und Traktate gebrauchen, um verlorene Menschen zum Heil zu führen. Er kann junge Männer gebrauchen, die Seelen retten wollen, selbst wenn sie sich gar nicht für die Person interessieren, denen sie das Heil bringen wollen. Aber ich vermute, dass Jesus es vorziehen würde, wenn wir ihn als eine Person vorstellen, statt des Versuchs, ihn als eine Neuigkeit zu verkaufen. Ich denke, er würde wollen, dass wir erkennen, dass seine gute Nachricht nur weitergegeben und niemals verkauft werden braucht.
Joe Carter dient als Ältester in der Grace Hill Church in Herndon, Virginia (USA) und arbeitet als Redakteur bei der der Gospel Coalition.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Ligonier Ministries. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr Ressourcen von Ligonier Ministries.
https://www.evangelium21.net/media/1222/mit-der-verkaufsmasche-kommen-wir-nicht-weit

Das Evangelium in einer nach-christlichen Kultur

Wor­auf müs­sen wir heute ach­ten, wenn wir unse­re Gesell­schaft neu mit der Lie­be von Jesus und sei­ner guten Nach­richt (dem Evan­ge­li­um) errei­chen wol­len?

Eine Ana­ly­se von Tim Kel­ler:

„Wir tre­ten in eine neue Ära ein, in der man als Christ nicht nur kei­ne sozia­len Vor­tei­le mehr hat, son­dern effek­tiv einen Preis dafür bezahlt … Die heu­ti­ge (west­li­che) Kul­tur prägt die Men­schen so, dass sie das Chri­sten­tum nicht nur anstös­sig, son­dern unver­ständ­lich fin­den … Die Lei­ter der Kir­chen müs­sen neue Wege fin­den, um Men­schen zu errei­chen, denen es nicht im Ent­fern­te­sten in den Sinn käme, in die Kir­che zu kom­men oder auch nur an die grund­le­gend­sten christ­li­chen Grund­la­gen zu glau­ben.“ – Zitat Timo­thy Kel­ler, eige­ne Über­set­zung

Ange­sichts der neu­en gesell­schaft­li­chen Rea­li­tä­ten ist es für Kel­ler aber kei­ne Fra­ge, ob man zugun­sten die­ser die theo­lo­gi­schen Grund­la­gen opfern müss­te:

Oft wird ja bezwei­felt, dass es mög­lich ist, an einer soli­den pro­te­stan­ti­schen Theo­lo­gie fest­zu­hal­ten und den­noch in Kon­tex­ten, in denen Christ­sein schein­bar kom­plett abge­lehnt wird, ganz­heit­lich und frucht­bar Gemein­de zu bau­en. Doch es ist mög­lich – nicht trotz einer klas­si­schen kon­ser­va­ti­ven Theo­lo­gie, son­dern gera­de auf die­ser Grund­la­ge. – Timo­thy Kel­ler, Cen­ter Church (deut­sche Aus­ga­be) S. 352f

In der Fol­ge nennt Timo­thy Kel­ler fünf Grund­ele­men­te, um den post-christ­li­chen Westen mit dem Evan­ge­li­um zu errei­chen.

1. Die Kultur anhand des Evangeliums erklären
Bevor wir einer Kul­tur das Evan­ge­li­um erklä­ren kön­nen, müs­sen wir die Kul­tur ANHAND des Evan­ge­li­ums erklä­ren.
Es genügt nicht zu bewei­sen, dass der christ­li­che Glau­be aktu­ell ist und mit unse­rer moder­nen Kul­tur mit­hal­ten kann, indem wir z.B. histo­ri­sche Bewei­se für die Auf­er­ste­hung von Jesus oder der Echt­heit der Bibel auf­füh­ren. Es braucht mehr als das.

Der bekann­te Kir­chen­va­ter Augustinus übte bei­spiels­wei­se mit sei­ner Schrift ‹Von der Bür­ger­schaft Got­tes› radi­ka­le Kri­tik an der vor­herr­schen­den heid­ni­schen Kul­tur und zeig­te auf, wie die­se heid­ni­sche Kul­tur an ihren eige­nen Stan­dards schei­tert. Erst durch die­se direk­te Kon­fron­ta­ti­on bekam das Evan­ge­li­um eine ernst­zu­neh­men­de Rele­vanz, weil es einen bes­se­ren Weg auf­zeig­te.

In dem Sin­ne kom­men wir auch heu­te nicht dar­um her­um, die vor­herr­schen­de säku­la­re Kul­tur des Westens und ihren Anspruch auf Neu­tra­li­tät, Objek­ti­vi­tät und Uni­ver­sa­li­tät anhand des Evan­ge­li­ums zu hin­ter­fra­gen. Ins­be­son­de­re soll­te ein sol­ches Vor­ge­hen auf­zei­gen, dass das moder­ne säku­la­re Bezugs­sy­stem im Bestre­ben, das indi­vi­du­el­le Selbst voll­stän­dig von allen Ansprü­chen der Tra­di­ti­on, Reli­gi­on, Fami­lie und Gemein­schaft zu befrei­en, zu unse­ren moder­nen Ver­hält­nis­sen geführt hat, in der

  • alle Wer­te rela­tiv
  • alle Bezie­hun­gen ein Tausch­han­del
  • alle Iden­ti­tä­ten hoch­gra­dig zer­brech­lich
  • alle (angeb­li­chen) Quel­len der Erfül­lung ent­täu­schend sind.

Das Nar­ra­tiv der Spät­mo­der­ne lau­tet: „Frei sein ist der Sinn des Lebens“. Es gilt, die­se herr­schen­de Defi­ni­ti­on von Frei­heit anhand des Evan­ge­li­ums zu beleuch­ten und zu hin­ter­fra­gen und die Frei­heit durch Chri­stus in Rela­ti­on zu stel­len, wie dies im näch­sten Punkt beschrie­ben wird.
2. Eine Evangeliums-Dynamik, die dem Nach-Christentum gerecht wird
Nie­mand kann ohne Sinn, Zufrie­den­heit, Frei­heit, Iden­ti­tät, Ver­ge­bung und Hoff­nung leben. Es gilt also, die gän­gi­gen Ant­wor­ten der Men­schen auf die gros­sen Fra­gen des Lebens respekt­voll zu hin­ter­fra­gen und zur gege­be­nen Zeit in Rela­ti­on zur unüber­trof­fe­nen Erfül­lung zu stel­len, die das Evan­ge­li­um bereit­hält:

  • Einen Sinn im Leben, der nicht durch Leid genom­men wer­den kann (gege­be­nen­falls sogar ver­tieft wer­den kann)
  • Eine Zufrie­den­heit, die nicht auf Umstän­den basiert
  • Eine Frei­heit, die Gemein­schaft und Lie­bes­be­zie­hun­gen nicht zu einem Tausch­han­del degra­diert
  • Eine Iden­ti­tät, die nicht zer­brech­lich ist und nicht auf Lei­stung oder Abgren­zung basiert
  • Einen Weg, um mit Schuld und Ver­ge­bung umzu­ge­hen, ohne blei­ben­de Bit­ter­keit und Scham
  • Eine Grund­la­ge, um Gerech­tig­keit zu bewir­ken, ohne dabei selbst zum Unter­drücker zu wer­den
  • Einen Weg, um nicht nur der Zukunft, son­dern dem Tod selbst gelas­sen und im Frie­den zu begeg­nen

In Anleh­nung an Jona 2,10: «Bei dem HERRN ist Ret­tung.» sieht Kel­ler fol­gen­de zwei Kern­ele­men­te in der Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums in einer post-christ­li­chen Kul­tur als unum­gäng­lich:

  • Die schlech­te Nach­richt: Du ver­suchst dich sel­ber zu erlö­sen, aber du schaffst es nicht.
  • Die gute Nach­richt: Du kannst nur durch Chri­stus erlöst wer­den, nicht durch dei­ne Bemü­hun­gen.

3. Eine dem kulturellen Standard entgegengesetzte Art des Gemeinschaftslebens
Die christ­li­che Gemein­de der ersten Jahr­hun­der­te leb­te mit Über­zeu­gung fol­gen­de fünf Wesens­merk­ma­le, die zusam­men ein unzer­trenn­ba­res Gan­zes bil­den:


  1. Mul­ti-kul­tu­rell: In den Gemein­den leb­ten Men­schen ver­schie­den­ster eth­ni­scher Hin­ter­grün­de zusam­men
  2. Sozi­al: Sie küm­mer­ten sich mit gros­sem Enga­ge­ment um Arme und Rand­stän­di­ge
  3. Gewalt­los: Sie such­ten Ver­ge­bung statt Ver­gel­tung
  4. Schutz des Lebens: Sie waren vehe­ment und ganz prak­tisch gegen Abtrei­bung und Kinds­tö­tung
  5. Alter­na­ti­ve Sexu­al­ethik: Ihre Sexu­al­ethik war revo­lu­tio­när anders als die Sexu­al­ethik der römi­schen Kul­tur

Wich­tig ist zu ver­ste­hen, dass die­se fünf aktiv geleb­ten, ethi­schen Wer­te der Chri­sten für die römi­sche Gesell­schaft anstös­sig, aber gleich­zei­tig auch anzie­hend waren.
Indem die ersten Chri­sten die fünf Wer­te leb­ten, zeig­ten sie durch ihr Leben die Schwä­chen des römi­schen Rei­ches und des­sen Kul­tur auf. So wur­de das Chri­sten­tum mit der Zeit zu einer ernst­zu­neh­men­den und sogar attrak­ti­ven Opti­on für eine Gesell­schaft, wel­che die Chri­sten gleich­zei­tig ver­folg­te und ver­ach­te­te.
In die­sem Sin­ne inter­pre­tier­ten die Chri­sten durch ihr Leben die römi­sche Kul­tur anhand des Evan­ge­li­ums (sie­he Punkt 1).

4. Ein Gegen-Katechismus für ein digitales Zeitalter

Kel­ler bezieht hier das Wort ‹Kate­chis­mus› nicht auf das klas­si­sche Fra­ge-Ant­wort-Sche­ma, son­dern betont die grund­sätz­li­che Art und Wei­se, wie die Kir­che die Chri­sten mit den bibli­schen Leh­ren form­ten. Denn es ging dabei nicht nur dar­um, sich die bibli­sche Leh­re als sol­che ein­zu­prä­gen, son­dern die­se auch in Rela­ti­on zur domi­nan­ten Alter­na­ti­ve zu set­zen, wel­che die vor­herr­schen­de Kul­tur anbie­tet. Chri­sten soll­ten dar­in gelehrt und trai­niert wer­den, den Zeit­geist und sei­ne Ansprü­che anhand der bibli­schen Leh­re zu dekon­stru­ie­ren und sich vor sei­nem Ein­fluss zu schüt­zen.
Das bedeu­tet: Die Nar­ra­ti­ve der domi­nan­ten Kul­tur und ihre Defi­ni­ti­on von Iden­ti­tät, Frei­heit und Moral müs­sen auf der Grund­la­ge der Bibel als sol­che iden­ti­fi­ziert und als nicht-plau­si­bel ent­larvt wer­den. Die Kir­che muss zudem ihre Mit­glie­der dar­auf trai­nie­ren, ihren Glau­ben in ihren Arbeits­all­tag zu inte­grie­ren (statt nur am Sonn­tag zu ‹polie­ren›), damit das Evan­ge­li­um auf natür­li­che Wei­se ‹Salz und Licht› sein kann.

5. Gnade auf den Punkt bringen
Das Ver­ständ­nis für den Unter­schied zwi­schen Evan­ge­li­ums-Gna­de und reli­giö­sem Mora­lis­mus darf uns nie­mals abhan­den­kom­men, so Kel­ler. Er bezeich­net die nach-christ­li­che Welt in einem Vortrag als immun gegen das Chri­sten­tum, weil die Men­schen das Evan­ge­li­um mit Mora­lis­mus ver­wech­seln. Kel­ler selbst for­mu­liert das Evan­ge­li­um der Gna­de so:

Du bist so feh­ler­haft und ver­lo­ren, dass Chri­stus für dei­ne Erlö­sung ster­ben muss­te, aber gleich­zei­tig so sehr geliebt und ange­nom­men, dass er es ger­ne für dich tat. Timo­thy Kel­ler

Jesus macht im Gleich­nis der ver­lo­re­nen Söh­ne in Lukas 15 klar und deut­lich, dass das Evan­ge­li­um weder mit Rela­ti­vis­mus (jün­ge­rer Sohn) noch mit Mora­lis­mus (älte­rer Sohn) zu ver­wech­seln ist. Auch der Kir­chen­va­ter Tertullian bemerk­te, dass jede Wahr­heit zwi­schen zwei Häre­si­en gekreu­zigt wird. Die befrei­en­de Wahr­heit des Evan­ge­li­ums der Gna­de ist die drit­te und bes­se­re Opti­on.

Johan­nes Hartl sagt in ei­nem Vor­trag die «Euro­pä­er den­ken, Christ sein bedeu­te, ein guter Mensch zu sein.» Hartl nennt die­se Defi­ni­ti­on ein ‹Fake-Evan­ge­li­um›. Denn was bedeu­tet es, ein guter Mensch zu sein? Der Rela­ti­vist sagt: «Ich bin ein guter Mensch, denn es gibt nur gute Men­schen. Jeder soll so leben, wie es für ihn stimmt». Der Mora­list sagt: «Ich bin ein guter Mensch, weil ich kei­ner von den Bösen bin! Ich bin ein guter Mensch, weil ich Gutes tue.» Pikant dar­an: Bei­de Defi­ni­tio­nen und die dar­aus resul­tie­ren­den Ver­hal­tens­wei­sen kön­nen völ­lig reli­gi­ons­un­ab­hän­gig gelebt wer­den, auch als Athe­ist.
Die bibli­sche Botschaft vom Kreuz hin­ge­gen besagt:

  • Der Mora­list hat schon ein wenig recht, es gibt die Bösen. Doch die gan­ze Wahr­heit lau­tet: Wir alle gehö­ren zu den Bösen. Johannes 3,19
  • Der Rela­ti­vist hat auch ein wenig recht, denn es gibt den guten Men­schen. Doch die gan­ze Wahr­heit lau­tet: Kei­ner von uns ist gut! Römer 3,12
  • Es gibt nur einen guten Men­schen, und der besieg­te das Böse durch sei­nen stell­ver­tre­ten­den Tod für die Mensch­heit. 2.Korinther 5,21
  • Das Evan­ge­li­um der Gna­de rich­tet unse­ren Blick auf den gekreu­zig­ten Got­tes­sohn und sagt uns: «So ver­lo­ren wärst du. Und so geliebt bist du.» Johannes 3,16

Timo­thy Kel­ler beschreibt in ei­nem Vortrag über das Evangelium in der Postmoderne sein Umden­ken wie folgt:
Ich hielt das Evan­ge­li­um lan­ge nur für Anfän­ger-Wahr­hei­ten, die das erfor­der­li­che Mini­mum an Leh­re für den Ein­stieg ins Glau­bens­le­ben beschrei­ben. Theo­lo­gie, so dach­te ich, ist das anspruchs­vol­le­re, sub­stan­zi­el­le­re, tie­fe­re, bibli­sche Zeug. Wie falsch ich damit lag!
Alle Theo­lo­gie muss eine Erläu­te­rung und Dar­stel­lung des Evan­ge­li­ums sein, ins­be­son­de­re im post­mo­der­nen Zeit­al­ter… in dem die Grund­la­gen der christ­li­chen Welt­an­schau­ung weit­ge­hend unbe­kannt sind. Dar­um müs­sen wir in unse­ren Aus­sa­gen jedes Mal zum Herz­stück der Sache vor­drin­gen, dem Evan­ge­li­um der Gna­de. Der ungekürzte Artikel ist auf nachfolgende Internetseite zu finden. (Emanuel Hunzinker)
https://danieloption.ch/featured/das-evangelium-in-einer-nach-christlichen-kultur