Die Chancen der Flüchtlingskrise erkennen

Einige Sätze aus Center Church Deutsch lesen sich im Licht der gegenwärtigen Flüchtlingskrise wie aus prophetischer Feder geschrieben. Sie lassen erkennen, welche Chancen für das Evangelium sich in der gegenwärtigen Situation bergen. Die Zeilen gelten nicht nur im Blick auf globale Großstädte, sondern sie sind in der westlichen Welt mühelos auch auf städtisches Leben im weiteren Sinn zu beziehen. Keller schreibt:
“Millionen dieser Neuankömmlinge in den aufkeimenden Städten der Welt sind dem christlichen Glauben gegenüber offener, als sie es in ihrer ursprünglichen Umgebung waren. Viele von ihnen wurden aus ihrer familiären und traditionellen Umgebung herausgerissen und haben die engen Familienbande und Stammesverbindungen hinter sich gelassen, die ihnen bisher Halt gaben. Und die meisten Städte in den Entwicklungsländern haben so gut wie keine funktionierende staatliche Hilfe zu bieten. Diese Neuankömmlinge brauchen Unterstützung in den moralischen, wirtschaftlichen, emotionalen und geistlichen Herausforderungen des Stadtlebens. Das ist eine Chance für die Gemeinde, ihnen Unterstützung durch eine Gemeinschaft, eine neue geistliche Familie und die befreiende Botschaft vom Evangelium zu vermitteln.”
https://gottundleben.wordpress.com/2016/01/15/die-chancen-der-fluechtlingskrise-erkennen

Stell dir vor, du öffnest deine Türe morgen für Flüchtlinge

„Stellt euch vor, ihr besitzt am Stadtrand einen schönen Schrebergarten. Mit viel Liebe und Mühe habt ihr die Beete neu gestaltet, einen Weg mit Platten gelegt, Blumen gezogen, ein neues Gartenhaus mit Cheminee selber gebaut, bequem ausgestattet und sogar einen kleinen Startplatz für eure Drohne eingerichtet. Das Wochenende verbringt ihr oft in diesem kleinen Paradies. Ihr sitzt an eurem Lieblingsplatz in eurem Lieblingsstuhl. Vor euch steht ein Glas Wein, ausgewählt aus dem kleinen „Weinkeller“ des Häuschens. Was wäre euch das wichtigste Anliegen?“
Mit diesem Vergleich begann eine angeregte Diskussion in der Familie. Wir überlegten uns, was sich bei uns ändern würde, wenn wir Flüchtlinge bei uns aufnehmen würden.
1. Es könnte sein, dass Gott uns Europäer aus der Komfortzone unserer selbstgebauten Paradiese treiben wird. Die Götzen Ruhe (ich will nicht gestört werden) und Wohlstand (die Paradiese werden immer mehr ausgebaut) haben uns träge und unempfindlich für die Not anderer gemacht.
2. Die Veränderung ist umso müheloser zu bewerkstelligen, je mehr wir schon losgelassen haben. Zum Beispiel: Wohnungseinrichtung, Urlaub, Ausgang, teure Kleider. Wir merkten, dass uns der „einfache Lebensstil“, den wir seit Jahren als Grossfamilie leben, in der Zukunft entgegen kommen wird. Jeder überlegte sich, was am schwierigsten wäre loszulassen.
3. Am schwersten würde uns wohl die Umstellung im Tagesablauf ankommen. „Ich will im Lernen nicht gestört werden.“ „Und wie ist es mit der Ruhe am Abend, wenn ich erschöpft bin?“ Die privaten Rückzugszonen wären nochmals spärlicher und müssten gut geplant und eisern eingehalten werden.
4. Es braucht Verständigung. Es wurde uns bewusst, wie wichtig das Erlernen von Fremdsprachen ist. In Französisch und Englisch wären wir wahrscheinlich schon genügend sattelfest. Und wie wäre es erst, wenn wir im Gegenzug zum Beispiel Arabisch lernen würden?
5. Ohne das übernatürliche Wirken des Heiligen Geistes sind wir verloren. Mit unserem Latein sind wir schnell am Ende. Er hilft uns damit umzugehen, wenn traumatisierte Menschen in der gleichen Wohnung leben und nachts schreien oder das Bett nässen. Wenn wir versuchen, zusammen Gottes Wort zu lesen, braucht es sein Eingreifen, damit die Worte auf zubereiteten „Boden“ fallen.
6. Es geht nicht ohne tragende Gemeinschaft in der Ortsgemeinde. Wir bräuchten eine solidarische Gemeinschaft von Singles und Familien, Älteren und Jüngeren, Handwerkern und Bürolisten, Menschen mit der Gabe des Evangelisten und des Hirten. Alle Hände wären gefragt.
7. Alle müssten mithelfen. Kochen, putzen, nähen, einkaufen: Alle diese Tätigkeiten könnten wir nicht alleine erbringen, sondern wären Gemeinschaftswerk.
8. Es bräuchte verbindliche Regeln. Ohne Abmachungen, an die sich alle halten, wäre das tägliche Leben erschwert. Es bräuchte eine elastisch-feste Tagesstruktur und Gefässe für Aussprache.
9. Wir würden uns vernetzen: Wir würden Bücher über Flüchtlinge lesen, andere Menschen mit Erfahrung interviewen, schwierige Situationen besprechen und Rat einholen. Damit können wir schon jetzt beginnen.
10. Was nicht ist, kann (wird) werden. Die Beschäftigung mit diesem Szenario hat uns als Familie gut getan. Nicht nur das: Wir beteten zum Schluss viel konkreter – für die Menschen, die in unsere Länder kommen und für einen Aufbruch bei und in uns selbst.
Anhang: Die Bibel ist ein Buch, das voll ist von Geschichten über Immigration und Flucht

Kolumnne: Stell dir vor, du öffnest deine Türe morgen für Flüchtlinge