Und sie blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und in den Gebeten. (Apostelgeschichte 2:42)

Es ist in vielen evangelikalen Gemeinden mittlerweile üblich, so viel Unterhaltung wie möglich zu bieten und dabei so wenig wie nur möglich die Leute zu belehren. Ganz besonders bei den jungen Leuten. Es ist in den meisten Fällen nicht einmal möglich die Menschen zu einem Treffen zu bewegen, bei dem die einzige Attraktion Gott ist. Wenn man Menschen mit einem Leckerbissen, in Form von Spielchen und Erfrischungen, versteckt in einem Mantel der Religiosität, zu Gott locken müssen, dann kommen wir nur zu einem Ergebnis. Seine Kinder können nichts mit Ihm anfangen. Diese Methode hat das Gemeindeleben schwer geprägt. So weit, dass die Gemeinde sich neu ausgerichtet hat, nämlich um das Goldene Kalb zu behausen. Es tritt dadurch ein ungewöhnliches Phänomen auf – rechtes Bekenntnis, falsche Praxis. Die – „ich habe Leckerbissen Masche“ – ist heutzutage schon so tief verwurzelt in unseren Glaubensvorstellungen. Wir sehen sie schon als selbstverständlich an. Die Opfer dieser Methode würden sich niemals vorstellen können, dass diese Vorgehensweise kein Teil der Belehrungen Christi und der Apostel sind! Tozer

Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der vielfältigen Gnade Gottes 1.Petr. 4,10

Dieser Vers wurde in einer Zeit geschrieben, in der sich die Christinnen und Christen einem großen Unverständnis und sogar der Verfolgung gegenüber sahen. In dieser Situation ermahnt der Autor die Lesenden, nicht von dem eingeschlagenen Weg abzukommen. Daher zählt der Autor verschiedene wichtige Merkmale dieses christlichen Weges auf. Ein solches Merkmal ist das gegenseitige Dienen. Die Vorstellung, sich umeinander zu kümmern, ist für viele Familien sehr wichtig.
„Vor Jahren wurde die Anthropologin Margaret Mead von einer Studentin gefragt, was sie als das erste Zeichen der Zivilisation in einer Kultur betrachtete. Der Schüler erwartete, dass Mead über Angelhaken oder Tontöpfe oder Schleifsteine spricht.
Aber nein. Mead sagte, dass das erste Zeichen der Zivilisation in einer antiken Kultur ein Oberschenkelknochen war, der gebrochen und dann geheilt wurde. Mead erklärte, dass man im Tierreich stirbt, wenn man sich das Bein bricht. Du kannst nicht vor Gefahr weglaufen, zum Fluss gehen, um etwas zu trinken oder nach Nahrung zu jagen. Du bist Fleisch für treibende Tiere. Kein Tier überlebt ein gebrochenes Bein lange genug, damit der Knochen heilen kann.
Ein gebrochener Oberschenkelknochen, der geheilt ist, ist ein Beweis dafür, dass sich jemand Zeit genommen hat, um bei demjenigen zu bleiben, der gefallen ist, die Wunde gebunden hat, die Person in Sicherheit gebracht und die Person durch Genesung versorgt hat. Jemand anderem durch Schwierigkeiten zu helfen, ist der Ort, an dem Zivilisation beginnt, sagte Mead.
Wir sind in Bestform, wenn wir anderen dienen. ”
Quelle: Ira Byock

Fehlende Gemeinschaft

“Es kann sein, daß Christen trotz gemeinsamer Andacht, gemeinsamen Gebetes, trotz aller Gemeinschaft im Dienst allein gelassen bleiben, daß der letzte Durchbruch zur Gemeinschaft nicht erfolgt, weil sie zwar als Gläubige, als Fromme Gemeinschaft miteinander haben, aber nicht als die Unfrommen, als die Sünder. Die fromme Gemeinschaft erlaubt es ja keinem, Sünder zu sein. Darum muß jeder seine Sünde vor sich selbst und vor der Gemeinschaft verbergen. Wir dürfen nicht Sünder sein. Unausdenkbar das Entsetzen vieler Christen, wenn auf einmal ein wirklicher Sünder unter die Frommen geraten wäre. Darum bleiben wir mit unserer Sünde allein, in der Lüge und der Heuchelei; denn wir sind nun einmal Sünder.“ – Dietrich Bonhoeffer: Gemeinsames Leben, hrsg. von E. Bethge u.a., Gütersloh 29. Auflage 2010, S.93

Die Parabel von den Stachelschweinen

Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einem kalten Wintertage recht nahe zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder voneinander entfernte. Wenn nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, sodass sie zwischen beiden Leiden hin- und hergeworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.
Der Erfinder dieser Fabel, der Philosoph Arthur Schopenhauer, war ein großer Pessimist und scharfer Kritiker von Kultur und Gesellschaft. Was soll diese Fabel bedeuten? Schopenhauer selbst hat dazu geschrieben: Wie die Stachelschweine, so treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Inneren entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab. Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden und bei welcher ein Beisammensein bestehen kann, ist die Höflichkeit und feine Sitte.
Welch ein Gegensatz dazu der Text in der Apostelgeschichte, in dem das Leben der frühesten Gemeinde beschrieben wird, derjenigen, die nach der Pfingstpredigt des Petrus „das Wort annahmen und sich taufen ließen“ (Apg 2,41a).
Und dieser Text lautet (Apg 2,42-47):
(42) Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.
(43) Es kam aber Furcht über ihre Seelen, und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel.
(44) Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam.
(45) Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte.
(46) Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen.
(47) und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.
Zwei Geschichten, zwei Bilder: hier die Gesellschaft, wie sie der kritische Philosoph wahrnimmt, dort die Gemeinde in ihren Anfängen, wie sie in der Apostelgeschichte erzählt wird.
Hier der raue Winter, der die Stachelschweine zusammentreibt: die Menschen auf der Flucht vor sich selbst, vor ihrer inneren Leere und Monotonie, auf der Suche nach etwas, das ihrem Leben Sinn und Richtung gibt – dort die ersten Anhänger Jesu, die sich in der Stadt Jerusalem im Tempel und in Häusern treffen: die erste Gemeinde, die nach den unglaublichen Ereignissen des Todes, der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu zusammenkommt und ein so nie gekanntes, so nie erfahrenes Miteinander erlebt;
hier die spitzen Stacheln, die widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler der anderen, unersättlich in ihrem Egoismus, abstoßend in ihrer Selbstbezogenheit und Eitelkeit – dort jene, die gläubig geworden sind, und zusammen halten und alle Dinge gemeinsam haben, die ihre eigenen Güter und ihre Habe verkaufen und sie so verteilen, wie es für den einzelnen nötig ist; hier schließlich die Sitte und Höflichkeit, um überhaupt miteinander auskommen zu können, der freundlich distanzierte Umgang, um sich nur ja nicht zu nahe zu kommen – dort das gemeinsame Essen und Trinken, die tiefe Freude aneinander, das Glück geteilter Zeit und in allem und über allem: der Lobpreis und Ehre für Gott.