Man soll uns nicht auch noch die ständige Besäufnis nehmen

Siebzig Jahre lang folgten wir der blindgeborenen, missratenen marxistisch-leninistischen Utopie, verloren ein Drittel unserer Bevölkerung, sei es im Schlund eines stümperhaft und selbstzerstörerisch geführten ‘Vaterländischen Krieges’, sei es auf dem Richtblock. Wir verschleuderten unseren einstigen Überfluss, vernichteten die Bauernklasse und ihre Dörfer. Wir wussten nicht mehr, was es heisst, Brot zu geben, gewöhnten der Erde ab, Frucht hervorzubringen, verwandelten sie in künstliche Meere und Sümpfe. Wir verpesteten die Flüsse, Seen und Fisch mit Instustrieabfällen. Wir verdarben das letzte Wasser, die Luft, den Boden mit den Dreingaben des Atomtodes, denn wir übernhamen zur Lagerung Atommüll aus dem Westen. Während wir uns für die künftigen gigantischen Eroberungen einer wahnsinnigen Führung zugrunde richteten, holzten wir räuberisch unsere Wälder ab, zerstörten ihre unvergleichlichen Schätze – das nicht wiederherzustellende Erbe unserer Enkel. Gnadenlos haben wir alles ins Ausland verkauft. Wir haben unsere Frauen durch körperliche Schwerstarbeit erschöpft, haben sie ihren Kindern entrissen, die Kinder der Barbarei, der Krankheit und einer falschen Erziehung ausgesetzt. Unsere Gesundheit ist vollständig zerrüttet, und es gibt keine Arzneien. Wir haben schon längst vergessen, wie man sich gesund ernährt. Millionen Menschen sind obdachlos, eine völlige Rechtlosigkeit hat das Land ganz und gar überflutet, und wir klammern uns nur an eins: Man soll uns nicht auch noch die ständige Besäufnis nehmen.

Alexander Solschenizyn. Russlands Weg aus der Krise. Ein Manifest. Piper: München/Zürich, 1990. (7)

Kann Gesundheit wirklich das Wichtigste sein

Noch etwas hat sich in der Corona-Zeit eingebürgert. Wievielmal täglich hören Sie den Wunsch „Tschau und bleib gsund!“? Inzwischen höre ich darüber hinweg. „Bleib gsund!“ trifft es nicht. Oder es trifft falsch, nämlich dann, wenn jemand krank ist. Auch will ich nicht darüber hinwegsehen, dass mein Leben zu Ende geht. Kann Gesundheit wirklich das Wichtigste sein? „Bleib gsund!“ Ja, wie denn? Was soll ich mit diesem Wunsch anfangen?
Neu ist solches Wünschen nicht. Die alten Römer grüssten sich mit „Salutem!“ In diesem Wort steckt „Salus“. Das heisst so viel wie Gesundheit, Heil, Sicherheit, Rettung, Leben. So las ich es bei Melanie Möller. Sie ist Professorin für klassische Philologie an der Freien Universität Berlin. Die Römer personifizierten Salus und verbanden sie als Göttin mit der griechischen Hygieiainer Tochter von Heilgott Äskulap. Die vergötterte Salus war für die Gesundheit aller Staatsangehörigen zuständig, insbesondere für die der Kaiser.
Das Coronavirus bringt uns neue Wörter und Grusswörter, aber hoffentlich keine neuen Götter! Denn das eine Wort, das uns hilft, können wir weder erfinden noch uns selber geben. Dieses eine Wort ist Jesus Christus. Unmissverständlich deutlich hat Karl Barth im Widerstand gegen das Dritte Reich in der Barmer Erklärung formuliert: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“
Rolf Höneisen/ ideaschweiz.ch

Dürfen Christen einen Arzt aufsuchen?

Es gibt viele Menschen, die sich so sehr dem Willen Gottes hingeben wollen, dass sie darüber alle Ärzte und Medikamente verachten und sich selbst dadurch des Öfteren vernachlässigen.
Sie sagen nämlich: »Ich habe mich nun einmal Gott hingegeben, er muss mein Arzt sein, und ich will von keinem Menschen Rat oder Medikamente annehmen.« Diese Menschen handeln zwar nicht falsch, wenn sie sich Gott vertrauensvoll ergeben. Dass sie jedoch nicht erkennen, wie Gott an allen seinen Geschöpfen durch angemessene natürliche Mittel handelt, ist ein Fehler und Missverständnis. Wir reden hier aber nicht von Wundern und Zeichen, sondern vom üblichen Lauf der Natur, wie ihn Gott eingepflanzt und erschaffen hat. Gott könnte alle Welt auf wundersame Weise speisen, wie er im Evangelium fünftausend Mann mit fünf Broten und danach viertausend mit sieben Broten speiste (vgl. Mt 14,13–21; 15,32–39). Aber er hat den Ackerbau eingesetzt, um die Welt zu ernähren. Wer nun sagen wollte: »Ich habe mich Gott hingegeben, der wird mich wohl speisen, ich muss weder säen noch ernten«, der würde nicht nur der Ordnung Gottes widersprechen und ihr zuwiderhandeln, sondern Gott versuchen. Ebenso hätte Gott das Rote Meer in einem Augenblick ohne Mitwirkung anderer Naturgewalten zerteilen können. Er ließ aber die ganze Nacht hindurch einen starken Wind wehen, um seinem Volk den Weg zu bereiten (vgl. Ex 14,21). Genauso könnte Gott auch in einem Augenblick alle Krankheiten über den Menschen ausschütten und sie in einem anderen Augenblick wieder von den Menschen fortnehmen. Gott verwendet aber passende Mittel und schickt den Menschen die Krankheiten durch schlechte und verdorbene Luft, durch Speise und Trank sowie durch Magenbeschwerden. Entsprechend nimmt er die Krankheiten durch Arzneien auch auf angemessene und natürliche Weise hinweg. Denn es kann doch niemand leugnen, dass Gott den Wurzeln und Kräutern eine besondere Kraft und Wirkung verliehen hat. Mein Lieber, warum sollte also niemand mehr als Arzt tätig sein?
Gott wollte König Hiskia von den Geschwüren der Beulenpest heilen und befahl ihm, Arznei für den Körper zu nehmen (vgl. Jes 38,21). Und der heilige König war nicht so ungefügig und widerspenstig, dass er geredet hätte: »Will Gott mich heilen, so kann er es wohl, was sollten da die Feigen auf dem Geschwür nützen?« Denn es steht im zweiten Buch der Könige, Kapitel 20, geschrieben [2Kön 20,7]: »Und Jesaja sprach: Bringt ein Feigenpflaster her. Und als sie es brachten, legten sie es auf das Geschwür, und er wurde gesund.«
Heinrich Bullinger (Schriften I, 2004, S. 115–117)

Unser Problem sind die Normalen

„Es muss der Grundsatz gelten, dass ein Mensch im Zweifel gesund ist. Sonst wird die Welt zur Diktatur der langweiligen Normopathen, der grauen Mäuse jeder Gesellschaft, die mit einer Ideologie korrekter Normalität alles Außerordentliche einebnen und eine willfährige Psychatrie dazu missbrauchen, alles Irritierende in diagnostische Schubladen zu sperren.“ Manfred Lütz
Quelle:Irre! Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen. Gütersloh, 2009. ISBN 978-3579068794. S. 31

Heilung

Heilung ist ein Merkmal des Christentums in der Bibel und durch die Geschichte der Kirche. Wir sind alle gebrochen und krank und Gott will unseren Körper, unsere Emotionen, unseren Geist und unsere Einstellungen heilen. Körperliche Heilung ist ein Teil unserer totalen Heilung, die geschehen wird, wenn Jesus erscheint. Wenn unser Körper geheilt ist und unsere Herzen nicht sind, verlieren wir. Wenn unsere Herzen geheilt sind und unser Körper nicht, gewinnen wir. Körperliche Heilung ist ein Aufholjob, weil wir irgendwann sterben werden. Die Heilung unserer Herzen ist dauerhaft und ewig. Ellis H.Potter

Heilung – Jesu Auftrag für die Gemeinde?

Im Verlauf der Geschichte des Christentums traten immer wieder Heilungen als Antwort auf das Gebet auf. Angefangen von der Zeit der Apostelgeschichte, wo Jesu Jünger erlebten wie Gott Menschen heilte, während sie das Evangelium verbreiteten, bis hin in unsere Zeit macht Gott Menschen gesund. Im Lauf der letzten hundert Jahre wurden einige Heilungsevangelisten weltweit bekannt. Neben der Evangeliumsverkündigung und dem Aufruf zur Bekehrung gehörte das Gebet für Kranke zu ihrem Dienst. Wegen mancher Exzesse werden sie oft abgelehnt. Andere beließen es nicht dabei, Heilung als gelegentliche Antwort des erbarmenden Gottes auf das Gebet der Gläubigen einzuordnen oder sie als eine der Gemeinde Jesu manchmal zugeteilte Gnadengabe zu sehen. Heilung gehört für sie zum Auftrag, zur Anweisung Jesu für das Handeln der Jünger bis er wiederkommt. In diese Linie gehören Joh.Chr. Blumhard, Otto Stockmayer, Vertreter der Faith-Cure-Movement, wie A.J. Gordon, A. Murray oder A.B. Simpson. Im späteren 20. Jahrhundert führten Vertreter der charismatisch geprägten Erweckungsbewegungen, z.B. F. MacNutt oder G. Bennett, diesen Ansatz weiter. Vertreter der Word-of-Faith-Bewegung, wie K. Hagin oder der deutsche W. Margies, fordern alle kranken Christen auf, sich im Glauben auf die Seite der Heilung zu stellen. Denn Gott wolle Heilung. Durch die „Dritte Welle“ vollzog sich eine Art “Demokratisierung�? des Heilungsgedankens. Theologen wie Wimber und Wagner popularisierten aufgrund des Gedankens, dass Heilung zum Auftrag der Christen gehöre, Gebet um Heilung als Aktivität jedes Christen.
Für die genannten Theologen ist Heilung Teil des Auftrags Jesu an seine Gemeinde. Unsere Aufgabe ist es, ihre Hauptargumente dafür zu prüfen. Es sind dies die Jüngeraussendungen zur Zeit Jesu, die Verheißung der “größeren Werke�? aus Joh 14,12, die Missionsbefehle des Auferstandenen, die Berichte aus dem Leben der Urgemeinde und die Anweisung aus Jak 5. Ziel ist es, festzustellen, ob und inwieweit das Mandat zu heilen noch Relevanz für den Auftrag der Gemeinde heute hat. Weiterlesen