Gott ist kein Add-on

Bei Computerprogrammen gibt es sogenannte „Add-ons“. Das sind optionale Zusatzprogramme, die das Hauptprogramm um bestimmte Funktionen erweitern. Sie sind häufig ganz nützlich, aber nicht notwendig für das Funktionieren des Hauptprogramms.
Ein wesentliches Problem unserer säkularisierten westlichen Gesellschaften ist aus meiner Sicht, dass wir Gott wie so ein optionales Add-on behandeln. Er kann, so meinen wir, ganz nützlich sein für den, der bestimmte Zusatzfunktionen im Leben braucht, sei es Trost in schweren Stunden, einen spirituellen Erweckung, oder sogar die Aussicht auf ein Weiterleben angesichts des nahenden Todes. Das Leben an sich aber funktioniert auch ganz gut ohne das Add-on Gott. Das Hauptprogramm benötigt die Ergänzung nicht…
Wenn es Gott aber tatsächlich gibt, einen Gott, der diese Bezeichnung wirklich verdient, dann müssen wir völlig anders von ihm denken. Dann ist er nämlich kein optionales Add-on, sondern dann ist er das Betriebssystem, ohne das im Computer überhaupt nichts läuft. Das Betriebssystem ist die Basis für alles andere, es gibt den Rahmen, die Sprache, die Abläufe aller anderen Elemente vor. Und wenn ein Programm richtig funktionieren soll, dann muss es sich an die Vorgaben des Systems halten, alles andere führt unweigerlich ins Chaos.
Genauso sieht es die Bibel. Sie bezeichnet den, der sein Leben ohne das Betriebssystem Gott führt, als Narren, als Dummkopf. „Die Toren sprechen in ihren Herzen: ‚Es ist kein Gott‘. Sie taugen nichts; ihre Treiben ist ein Gräuel; da ist keiner, der Gutes tut“ (Psalm 14,1). Umgekehrt ist das Rechnen mit Gott, die Beachtung des Betriebssystems, die Voraussetzung für ein gelingendes Leben: „Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang“ (Psalm 111,10). Wir täten gut daran, zu dieser Grundeinsicht zurückzukehren: dass das Leben nur dann richtig gelebt werden und gelingen kann, wenn wir die Basis, die Rahmenbedingungen, die Vorgaben beachten. Nur so lässt sich Chaos vermeiden bzw. Ordnung wiederherstellen. Die Basis ist Gott. Denn er ist kein Add-on. Er ist das Betriebssystem. Kurt Igler

Die Frage ist nicht nur, ob Gott existiert, sondern was für ein Gott existiert.

Der Gott, an den die Juden und Christen glauben, ist von allen anderen Göttern in der Welt völlig verschieden. Er ist ein persönlicher-unendlicher Gott. Die Gottheiten des Osten sind der Definition nach unendlich, indem sie alles gleichermaßen umschließen, Männliches und Weibliches, Grausamkeit und Nicht-Grausamkeit und so fort. Sie sind aber nie persönlich. Im Gegensatz dazu waren die Gottheiten des Westens, die griechischen und römischen Götter, der große Gott Thor und die Angelsächsischen Götter persönlich, aber immer begrenzt und endlich. Der Jüdische-Christliche Gott ist einzigartig. Er ist unendlich, und er ist zugleich persönlich. Das programmierte Ende. Umweltschutz aus christlicher Sicht | Francis A. Schaeffer | ISBN: 9783417004243 Seite 34

Eine richtige Gottesvorstellung ist nicht nur die Grundlage für die systematische Theologie, sondern auch für das praktische Glaubensleben.

“Eine richtige Gottesvorstellung ist nicht nur die Grundlage für die systematische Theologie, sondern auch für das praktische Glaubensleben. Sie ist das Fundament des Gottesdienstes. Ist es zu klein oder falsch gebaut, so muß das ganze Gebäude früher oder später zusammenstürzen. Ich glaube kaum, daß es irgendwelche Irrtümer in der Lehre oder Versagen im praktischen Christenleben gibt, die nicht letzten Endes alle auf unvollkommene und niedrige Gottesvorstellungen zurückgeführt werden können.

Meiner Meinung nach ist die Auffassung der heutigen Christen von Gott so dekadent, daß sie in keiner Weise der Würde Gottes, des Allerhöchsten, entspricht. Daß dies auch bei ernsthaften Gläubigen so ist, ist beinahe so etwas wie eine moralische Katastrophe.”

(Tozer, A.W. Das Wesen Gottes, 1996, Seite 11-12)

Glauben alle Monotheisten an denselben Gott?

Existenz des Schöpfers contra Vertrauen auf den Schöpfer!
Die Frage, ob andere Religionen an denselben Gott glauben, führt aus evangelikaler Sicht leicht in die Irre, da es für Christen eher darum geht, ob man in einer Beziehung des Vertrauens zu diesem Gott steht und ob man seine Gnade und Vergebung empfangen hat, als darum, ob man seine Existenz für möglich hält. „Du glaubst, dass nur einer Gott ist? Du tust recht daran; die Teufel glauben’s auch und zittern“ (Jak 2,19), beschreibt der Jakobusbrief dramatisch die Leblosigkeit des rein theoretischen Glaubens an den grundsätzlich richtigen und gleichen Gott. Weiterlesen

Philosoph Robert Spaemann und sein Gottesbild

Das populärwissenschaftliche Magazin „P.M.“ hat für seine April-Ausgabe den bekannten Philosophen Robert Spaemann nach seinem Gottesbild befragt. Der erläutert in dem Interview nicht nur seinen persönlichen Gottesbeweis und die „Ungeheuerlichkeit“ der christlichen Vergebungslehre, sondern mahnt zugleich vor einer Abstumpfung in einer zunehmenden Medialisierung unserer Welt. Die Vorstellung von Gott sei ein starkes Argument für die Existenz Gottes, so lautet der Grundsatz des Gottesbeweises von Spaemann. Diesen erläuterte der 1927 geborene Emeritus für Philosophie an der Universität München zuletzt in seinem Buch „Der letzte Gottesbeweis“, das im Sommer vergangenen Jahres erschienen ist. „Man könnte ja auch sagen, das Vorkommen von Durst ist ein Argument für die Existenz von Wasser“, so Spaemann gegenüber „P.M.“. Auf die Frage „Wie können wir gewiss sein, dass Gott nicht doch ein bloßes Wunschbild ist?“ antwortet der gläubige Philosoph: „Es gibt überwältigende Erfahrungen, die überhaupt nicht funktional sind: die Erfahrung des Schönen, die uns hinreißt und überwältigt.“ Bei einem Sonnenaufgang oder einem schönen Menschen „entsteht ein Jubel im Herzen, der eben nicht funktional ist und mit den Sinneseindrücken nichts zu tun hat“. Argument gegen Evolution. Die Tatsache, dass Menschen gern und selbstaufopfernd einander Gutes tun, sei „evolutionstheoretisch ganz unerklärbar“. „Warum gibt es so etwas? Das passt nicht in die Welt des Fressens und Gefressenwerdens.“ Auch der immer wieder angebrachten Argumentation, dass die Aufklärung der Religion widerspreche, und „aufgeklärte“ Menschen zugleich „ungläubige“ Menschen sein müssten, tritt Spaemann entgegen. Er ist überzeugt: „Ein Gegensatz zwischen Glauben und Vernunft existiert nicht, weil die Vernunft selbst auf einem Glauben beruht.“ Deswegen komme auch die Aufklärung nicht ohne Gott aus. „Denn Aufklärung beruht auf dem Vertrauen in die Vernunft. Andersherum gesagt: Wenn Gott existiert, begründet das ein Vertrauen in die Vernunft.“ Für jede Wahrheit müsse es einen Träger geben, der diese Wahrheit denkt, so Spaemann. Das „Trägermedium“ der Wahrheit nennt Spaemann Gott. „Gott ist das Bewusstsein, in dem alle Wahrheit aufgehoben ist.“ Der P.M.-Autor fragt nach: „Wenn die Existenz Gottes logisch ableitbar ist – warum müssen wir dann an ihn glauben, anstatt von ihm zu wissen?“ Spaemann antwortet: „Wir müssen, um zu wissen, unserem Wissen vertrauen.“ Auch das Wissen von Gott sei – wie jedes andere Wissen – untrennbar von einem Akt des Vertrauens. Atheisten stumpfen ab. Auch Menschen, die nicht an Gott glauben, könnten ein ethisch akzeptables Leben führen, meint der Philosoph. „Aber meiner Meinung nach können Atheisten letztlich nicht begründen, warum sie diese ethischen Maßstäbe haben“, fügt er hinzu. „Das Problem des Atheismus ist, dass er nicht wahr ist.“ Gläubige Menschen seien der Wahrheit näher als Atheisten, ist Spaemann überzeugt. „Das, was ich den Jubel im Herzen nenne, hängt meiner Meinung nach damit zusammen.“ Weil „die stärkste Emotion, die sich aus dem Glauben an Gott ergibt“, die Freude sei, bleibe für einen Atheisten letztendlich „alles banal“. An der Lehre Jesu bewundere er, dass darin die durchschnittliche Lebensweise als falsch dargestellt werde. „Weil es ein Leben in Selbstbezogenheit ist. Es fehlt, was im Neuen Testament Lieben heißt“, so Spaemann. „In virtuellen Welten wird Gott entbehrlich“. Damit verbindet Spaemann seine Kritik an der zunehmenden Medialisierung der Welt: aus der Selbstbezogenheit erwachse eine „allgegenwärtige Tendenz der Menschen, sich in virtuelle Welten zurückzuziehen“. Spaemann: „Virtuelle Welten sind Nichtwirklichkeiten. Und wenn wir in virtuellen Welten leben, wird Gott entbehrlich.“ Der Wunsch des Menschen, aus dem Hier und Jetzt zu fliehen, sei daher im Grunde „ein Aussteigen aus der Dimension des Göttlichen“, so Spaemann. „Virtuelle Welten sind auch eine Konkurrenz für die Frömmigkeit.“ Unter Frömmigkeit versteht er dabei eine „Aufmerksamkeit der Gegenwart“. Wer den Fernseher einschalte, sei woanders, „nicht mehr in meiner eigenen Gegenwart. Und ich muss mir anschauen, was andere sich ausdenken.“ Fernsehen und Internet lassen Wahrnehmung für unsichtbare Welt verkümmern. Dass dies schlimme Auswirkungen habe, könne man etwa bei Kindern sehen. Kinder, die regelmäßig fernsehen, malten Bilder, „die klein und kümmerlich sind, weil sie nur ein Viertel des Raumes auf dem Zeichenblatt ausnutzen. Kinder hingegen, die wenig oder gar nicht fernsehen, malen kraftvolle, großflächige Bilder. Im Grunde haben uns das Fernsehen und andere virtuelle Medien in eine atheistische Atmosphäre geführt, die tendenziell die menschlichen Organe für die unsichtbare Welt zum Absterben bringt.“ Spaemann warnt: „Wenn wir keine Heiligkeit mehr kennen, sind wir den Gegebenheiten, dem Grau-in-Grau des Alltäglichen, ausgeliefert.“ Als „himmlische Rechenkunst“, die den Menschen mehr und mehr verloren gehe, bezeichnet Spaemann die Fähigkeit, „unsere gewohnten Sichtweisen zu verrücken“ und „Nachteile als Vorteile zu sehen: „Demütigung als Ehre, Verlust als Gewinn, (…) den eigenen Komfort als einen Überfluss, der in Wirklichkeit den Armen gehört“. Er selbst bringe „den Alltag ins Gebet“ und mache ihn „durchsichtig für das Einmalige unseres Daseins“. Das Wichtigste am Christentum, fasst er zusammen, sei die Lehre von der Vergebung, so Spaemann: „Dass ein Mensch tatsächlich immer wieder neu beginnen kann im Zustand der Unschuld – das ist eine ungeheuerliche Sache: ein Einbruch der Ewigkeit in diese Welt des Verfalls.“ Quelle: Medienmagazin pro Geschrieben von Ali um 22:54) http://www.soulblog.de