„Seid heilig, denn ich bin heilig.“

Oft machen wir den Standard für unser Verhalten an falschen Maßstäben fest. Wir denken: „Solang ich mehr in der Gemeinde mache als der Durchschnitt, reicht es.“ „Wenn ich in Gesprächen merke, dass ich mein Christenleben besser im Griff habe als mein Gegenüber, habe ich alles erreicht was ich brauche.“ „Schau mal auf ihn/sie. Zum Glück bin ich da doch ein wenig christlicher.“
Gott gibt uns unsere Geschwister nicht, damit wir uns mit oder an ihnen messen. Wenn er auf unser Leben schaut, dann wird er unsere Taten auch nicht mit dem Durchschnitt der Christenheit vergleichen. Er wird seinen eigenen Maßstab an unser Verhalten legen. Und wer kann dann von sich behaupten, ein wirklich guter Christ zu sein?
Gott sagt: „Seid heilig, denn ich bin heilig.“ (1. Petr 1,16). Die Hürde, die wir dafür überspringen müssten, ist zu hoch für uns. Niemand ist völlig heilig. Völlig perfekt. Niemand liebt Gott zu jeder Zeit mit allem was er hat und seinen Mitmenschen wie sich selbst. Und weil wir das merken, suchen wir uns eine niedrigere Hürde: Die Mit-Sünderinnen und Sünder dieser gefallenen Welt. Solang wir da im Mittelfeld mithalten, fühlen wir uns gut genug.
Lasst uns neu darauf ausrichten, Gottes Maßstab an unser Leben zu legen und uns in seinem Licht zu sehen. Er will uns heiligen, nicht nur „ein bisschen besser“ als den Durchschnitts-Christen machen. Sind wir dazu bereit?
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„Ihr sollt heilig sein“

Eine oberflächliche Art, sich nicht an die Welt anzupassen, ist die allseits bekannte Fußangel des Pharisäertums. Beim Reich Gottes geht es nicht um Knöpfe, Kinobesuche oder Tanzvergnügungen. Die Belange Gottes drehen sich nicht um Essen und Trinken. Bei der Berufung zu einem christlichen Lebensstil in Abgrenzung von der Welt geht es stattdessen um eine viel tiefgründigere Gerechtigkeit, die über die äußerlichen Dinge weit hinausgeht. Wenn man Frömmigkeit ausschließlich anhand von Äußerlichkeiten definiert, geht man an der Lehre der Schrift vorbei […]. Wer dies tut, dem ist entgangen, was Jesus sagen will, wenn er seinen Zuhörern erklärt, dass nichts von dem, was in den Mund hineingeht, den Menschen verunreinigt, sondern das, was aus dem Mund herauskommt. Wir wollen das Reich Gottes oft nur noch auf „Essen und Trinken“ beschränken. S. 195
Was wir für Kennzeichen der Frömmigkeit halten, kann in Wirklichkeit letztendlich Gottlosigkeit unter Beweis stellen. Wenn wir uns vorwiegend bei Kleinigkeiten aufhalten und unbedeutende Belanglosigkeiten überbewerten, äffen wir die Pharisäer nach. Wenn wir Nebensächlichkeiten zum Prüfstein der geistlichen Gesinnung erheben, setzen wir eine billige Moral an die Stelle echter Gewissenhaftigkeit. Wir tun das, um die tiefer gehenden Fragen im Blick auf praktische Gerechtigkeit zu verdunkeln. Jeder kann gewisse Nebensächlichkeiten vermeiden. Das erfordert keine moralische Anstrengung. Viel schwieriger ist es, die Zunge im Zaum zu halten, rechtschaffen zu handeln und die Frucht des Geistes hervorzubringen. […] Wer wirklich „gegen den Strom schwimmt“, ist ein Mensch, der sich nicht nach seinen Begierden richtet, der aufhört, Schlechtes über andere zu reden, der seine Faulheit aufgibt, der aufhört, zu hassen und bittere Gefühle zu nähren, und der die Frucht des Geistes in seinem Leben wachsen lässt. S. 195f. R. C. Sproul  Die Heiligkeit Gottes

Lust am Herrn

Frust statt Lust am Herrn? Warum viele Christen die Wirklichkeit Gottes in ihrem Leben so wenig erfahren.
«Habe deine Lust am Herrn, er wird dir geben, was dein Herz wünscht.»Psalm 37,4
«So seid nun Gott untertan. Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch. Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch. Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, ihr Wankelmütigen.» Jakobus 4,7 bis 8
Die meisten Christen hoffen, dass nach ihrer Umkehr zu Gott auf einen Schlag alles anders ist: Selbstbezogenheit und die negativen Charaktereigenschaften wären einfach verschwunden. Weil dem nicht so ist, plagt sie tiefe Unruhe oder zumindest Unzufriedenheit mit sich selbst und der Tatsache, dass sie die Wirklichkeit Gottes in ihrem Leben immer weniger erfahren. Sie fragen sich: Bin ich wirklich wiedergeboren? Ist tatsächlich etwas Neues in mir geschehen? Kann ich mich ändern? Die Bekehrung ist der Anfang des christlichen Lebens. Die anschliessende Erneuerung hingegen ist ein Prozess. Die Bibel nennt ihn Heiligung. Gott arbeitet an uns, aber es ist unsere Sache, an dieser Veränderung mitzuarbeiten. Die neue Persönlichkeit ergibt sich nicht von selbst; sie will geformt werden. Wie kann das geschehen? Indem wir täglich ganz bewusst unsere inneren Haltungen und Motive von Gott formen lassen. Indem wir unsere Selbstbezogenheit aufbrechen und uns durch Gottes Geist bestimmen lassen, der in uns die Eigenschaften hervorbringen will, die wir an Jesus sehen. Gott hat uns geschaffen, dass wir seinem Bild ähnlich seien. Sein grösster Wunsch ist es, dass wir wieder werden, wozu wir geschaffen sind. Wir sollen Gottes Wesen spiegeln. Natürlich ist das Heil etwas, das uns ausschliesslich aus Gottes Gnade und ohne jedes menschliche Bemühen geschenkt wird (Römer 9,16). Aber ein Leben, das Gott entspricht, wird nicht dadurch erreicht, dass wir ein schnelles Gebet sprechen, mit dem wir unser Leben Gott unterstellen oder den Finger in die Bibel stecken und gleich wie in einem Orakel den aufgeschlagenen Text als Willen Gottes interpretieren. Christus möchte ein neues Leben in uns entfalten. Das Christenleben soll keine lästige Pflichtübung sein, vielmehr geht es darum, in einer lebendigen Gemeinschaft mit dem Herrn zu leben – Lust zu haben an ihm. Wie kommen wir dazu? Es gibt zwei Meinungen darüber, wie wir Gott erfahren können. Es gibt Christen, die ihn und seine Nähe vor allem in ihrer Seele erleben wollen, in Einsamkeit, Gebet und Stille. Und dann gibt es Christen, für die Gott ausschliesslich in gehorsamem Tun erfahrbar ist. Beide Sichtweisen sind begrenzt. Wer das äussere Tun einseitig betont, steht in der Gefahr, perfektionistisch und gesetzlich zu werden und damit zu einem Menschen, der keinen Zugang zur Gnade und Barmherzigkeit Gottes und zur Kraft, die darin liegt, findet. Bibelkenntnis ist absolut wichtig, aber theologische Richtigkeiten allein bringen noch kein Leben, solange ein Mensch nicht weiss, wie er die geistlichen Wahrheiten in seinen Alltag übersetzen soll. Deshalb soll Gottes Wort wie ein ganz persönlicher, wichtiger Brief zu mir sprechen! Angenommen, ich wäre in finanzieller Not und mir würde brieflich mitgeteilt, ich könnte auf der Bank eine Million Euro abholen, würde das bei mir eine starke Reaktion auslösen. Wäre der Absender des Briefes zuverlässig, würde ich mich unverzüglich aufmachen und das Geld holen. Christus muss mich zuerst ergreifen – doch ich muss mich von ihm auch tatsächlich ergreifen lassen. Anderseits – wird die innere Erfahrung zu stark betont, kann man leicht irregeleitet werden. Losgelöst von der Autorität der Schrift kann persönliche Erfahrung zum Götzen werden. Ein Mensch, der sich alleine auf seine Erfahrung beruft, steht in Gefahr, sich als «besserer Christ» zu fühlen. Die Erneuerung seines Wesens, die Heiligung, entschwindet seinem Blickfeld. Beides gehört zusammen: Wir brauchen immer wieder die Begegnung in der Stille mit dem Herrn. Je mehr wir ihn suchen, desto kostbarer wird uns seine Nähe. Damit wir aber nicht Selbsttäuschungen unterliegen, brauchen wir Gottes Wort, das uns Leitung und Korrektur ist. Weiterlesen