„Genieße das Leben!“Genuss gehört zum Menschsein

Moment – hat sich da nicht einer mit der Überschrift vertan? Oder müsste jetzt nicht mindestens ein „aber“ kommen? Kann man die Menschen – oder gar die Christen – wirklich einfach so auffordern ihr Leben zu genießen? Ja – denn die Bibel tut dies!
Im Buch Prediger, dem dieses Zitat entnommen ist, heißt es: „Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, alle Tage deines nichtigen Lebens, das er dir unter der Sonne gegeben hat, all deine nichtigen Tage hindurch! Denn das ist dein Anteil am Leben und an deinem Mühen, womit du dich abmühst unter der Sonne.“ (Prediger 9,9)
Das ist biblischer Realismus. Es wird nicht verschwiegen, dass Mühe und Arbeit das Menschsein bestimmen. Eine Folge des Sündenfalls: „so sei der Erdboden verflucht um deinetwillen: Mit Mühsal sollst du davon essen alle Tage deines Lebens.“ (1.Mose 3,17) Jedoch hat Gott auch einen Ausgleich geschaffen, damit wir nicht am Leben und seinen Mühen verzweifeln: den Genuss.
Was bringt’s?
„Welchen Gewinn hat der Mensch von all seinem Mühen, mit dem er sich abmüht unter der Sonne?“ fragt der Prediger am Anfang seines Buches (1,3). Seine Sicht ist begrenzt. Es sieht das, was „unter der Sonne“ geschieht. Sein Urteil wirkt hart: „Ein übles Geschäft hat Gott da den Menschenkindern gegeben, sich darin abzumühen. Alles ist Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind“ (1,13; 3,14). Auch Genuss, auch Weisheit führen letztlich nicht weiter. Und das sagt jemand, der weiß, wovon er redet. Denn der Prediger war der König Salomo, der von beidem genug hatte. „Ich versagte meinem Herzen keine Freude“, sagt er (2,10). Er konnte es sich ja erlauben. Bis zum Überdruss: „Da hasste ich das Leben, denn das Tun, das unter der Sonne getan wird, war mir zuwider.“ (2,17) Man meint in seinen Worten die Verzweiflung der französischen Existentialisten zu hören. Der Mensch ist ins Dasein geworfen. Es gibt keinen Sinn! „Alles Existierende entsteht ohne Grund, setzt sich aus Schwäche fort und stirbt durch Zufall“, so Jean-Paul Sartre in „Der Ekel“
Doch Salomo endet nicht in der Verzweiflung. Er erhebt seine Augen über die Sonne und kommt zu der Überzeugung: „Es gibt nichts Besseres für den Menschen, als dass er isst und trinkt und seine Seele Gutes sehen lässt bei seinem Mühen. Auch das sah ich, dass dies alles aus der Hand Gottes kommt. Denn: »Wer kann essen und wer kann fröhlich sein ohne mich?« (2,24-25)
Das ist sein Teil!
Und diese Gedanken ziehen sich weiter durch das wohl philosophischste Buch der Bibel: „Siehe, was ich als gut, was ich als schön ersehen habe: Dass einer isst und trinkt und Gutes sieht bei all seiner Mühe, mit der er sich abmüht unter der Sonne, die Zahl seiner Lebenstage, die Gott ihm gegeben hat; denn das ist sein Teil.“ (5,17)
Auch warnt der Prediger uns vor den Extremen: „Sei nicht allzu gerecht und gebärde dich nicht übermäßig weise! Wozu willst du dich zugrunde richten? Sei nicht allzu ungerecht und sei kein Tor! Wozu willst du sterben, ehe deine Zeit da ist?“ (7,16-17)
Will er damit Ungerechtigkeit legitimieren? Nein – diese Aussagen sind aus einer tiefen Einsicht in das Wesen des Menschen gesagt: „Denn kein Mensch auf Erden ist so gerecht, dass er nur Gutes täte und niemals sündigte.“ (7,20)
Und zu dieser Ausgewogenheit gehört auch, dass neben der Mühe und der Arbeit der Genuss steht. Gott hat ihn uns geschenkt. Und deswegen gehört der Genuss zum Menschsein. Er ist nichts Unnützes oder gar sündig.
Genuss in einer genusssüchtigen Zeit
Doch leben wir heute nicht geradezu in einer genusssüchtigen Zeit. Muss man dazu nicht noch Einiges mehr sagen? Zunächst ist die Überbetonung des Genusses nicht neu. Schon in frühester Zeit gab es den Eudämonismus. Nach dieser Lehre war das Glück des Einzelnen Zentrum des Lebens. Und es gab die Sonderform des Hedonismus. Dort bestimmt das Streben nach Lust und Vergnügen alles menschliche Handeln. So warnt uns die Bibel davor, dem Genuss einen zu hohen Platz zu geben. Schon im Prediger ist der Genuss eingebettet in ein Leben der Arbeit. Er ist der Lohn für die Mühe. Genuss ist nicht ein Ziel an sich. Genuss als Selbstzweck führt zum Ekel (Sartre). Auch Salomo erkennt dies: „Ich sprach in meinem Herzen: „Wohlan denn, versuch es mit der Freude und genieße das Gute! Aber siehe, auch das ist Nichtigkeit.“ (2,1)
Paulus stellt später in 2. Thessalonicher 3,10 fest: „wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen.“ Wohl bemerkt, es heißt: „wer nicht arbeiten will“. Es gibt auch viele, die arbeiten wollen und nicht können, weil sie krank sind oder arbeitslos. Diese sind hier nicht gemeint.
Paulus ermahnt diejenigen, die auf Kosten anderer leben wollen. Die Genuss ohne Mühe wollen. Sie sollen für sich selber sorgen. Das Ziel ist Selbstversorgung – jeder soll soweit wie möglich für sich selber Verantwortung übernehmen (siehe auch 2. Thessalonicher 3,11-12, 1. Thessalonicher 4,11; Epheser 4,28). Derjenige aber, der sich dieser Herausforderung stellt, für den gilt dann auch wieder, dass Gott den Genuss als Lohn für seine Mühe gibt.
… alles reichlich darreicht zum Genuss
In 1. Timotheus 6,17 warnt Paulus die Reichen, nicht auf ihren Besitz zu vertrauen. Stattdessen sollen sie ihre Hoffnung auf Gott setzen, „der uns alles reichlich darreicht zum Genuss“. An anderer Stelle warnt er vor einer gesetzlichen Askese, die durch Genussverzicht versucht vor Gott Punkte zu sammeln (Kolosser 2,20-23). In 1. Timotheus 4,1-3 weist er die Irrlehrer zurecht, die u.a. gebieten „sich von Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat zur Annahme mit Danksagung für die, welche glauben und die Wahrheit erkennen.“ Und so folgert er in Vers 4: „Denn jedes Geschöpf Gottes ist gut und nichts verwerflich, wenn es mit Danksagung genommen wird“.
Der schwierig Weg der Freiheit
Natürlich gibt es auch die anderen Aussagen: dass wir die Gesinnung Jesu haben sollen (Philliper 2,5ff.), der kam um zu dienen (Matthäus 20,28); dass wir auch einen Blick für die Bedürfnisse der Anderen haben sollen (Philipper 2,4); dass wir einander dienen sollen und unsere Freiheit nicht missbrauchen sollen (Galater 5,13).
Freiheit ist nicht ohne Gefahren. In der Freiheit liegt die Möglichkeit des Missbrauchs. Und manche gehen da lieber auf Nummer sicher, dass es erst gar nicht dazu kommt. Sie versuchen sich zu schützen, indem sie Mauern aufbauen, Gesetze schaffen. Das hieße z.B. für unser Thema: damit wir nicht in Gefahr kommen Genuss zu missbrauchen, gehen wir lieber davon aus, dass es geistlicher ist, Genuss zu meiden. Doch so haben die Pharisäer gedacht: sie haben einen Zaun um das Gesetz errichtet. Um die Ordnungen Gottes zu schützen wurden aus den 651 Einzelvorschriften des Alten Testamentes rund 15.000 Gebote und Verbote. So wollten dem Missbrauch vorbeugen. Und doch waren sie nicht auf der sicheren Seite. Im Gegenteil: sie waren weit weg von Gott (Siehe Matthäus 23).
Auch wenn Genuss missbraucht werden kann, so heißt das noch lange nicht, dass wir nicht mehr genießen dürften. Missbrauch hebt den rechten Gebrauch nicht auf. Und Genuss gehört zum Menschsein, weil Gott ihn uns gibt. Das sollen wir dankbar annehmen!
Mit Gott Schritt halten
Dietrich Bonhoeffer schreibt in einem Brief aus dem Gefängnis Tegel an einen Freund: „Dass ein Mensch in den Armen seiner Frau sich nach dem Jenseits sehnen soll, das ist , milde gesagt, eine Geschmacklosigkeit und jedenfalls nicht Gottes Wille. Man soll Gott in dem finden und lieben, was er uns gerade gibt; wenn es Gott gefällt, uns ein überwältigende irdisches Glück genießen zu lassen, dann soll man nicht frömmer sein als Gott und dieses Glück durch übermütige Gedanken und Herausforderungen und durch eine wildgewordene religiöse Phantasie, die an dem, was Gott gibt, nie genug haben kann, wurmstichig werden lassen. Gott wird es dem, der ihn in seinem irdischen Glück findet und ihm dankt, schon nicht an Stunden fehlen lassen, in denen er daran erinnert wird, dass das Irdische nur etwas Vorläufiges ist und dass es gut ist, sein Herz an die Ewigkeit zu gewöhnen … Aber das alles hat seine Zeit und die Hauptsache ist, dass man mit Gott Schritt hält und nicht immer schon einige Schritte vorauseilt, allerdings auch keinen Schritt hinter ihm zurückbleibt.“
Gott hat uns als Menschen so geschaffen, dass wir genießen können. Er hat seine Schöpfung mit großer Schönheit ausgestattet. Es geht nicht nur um Zweckmäßigkeit. Und so schenkt er uns zu unserem oft mühevollen Leben den Genuss. Wenn wir ihn dankbar annehmen, dann ehren wir Gott damit.
Bibeltexte
Und ich pries die Freude, weil es für den Menschen nichts Besseres unter der Sonne gibt, als zu essen und zu trinken und sich zu freuen. Und dies wird ihn begleiten bei seinem Mühen die Tage seines Lebens hindurch, die Gott ihm unter der Sonne gegeben hat. Prediger 8,15
Geh hin, iss dein Brot mit Freude und trink deinen Wein mit frohem Herzen! Denn längst hat Gott Wohlgefallen an deinem Tun. Deine Kleider seien weiß zu jeder Zeit, und das Salböl fehle nicht auf deinem Haupt. Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, alle Tage deines nichtigen Lebens, das er dir unter der Sonne gegeben hat, all deine nichtigen Tage hindurch! Denn das ist dein Anteil am Leben und an deinem Mühen, womit du dich abmühst unter der Sonne. Prediger 9,7-9
Der Autor, Ralf Kaemper ist zusammen mit Dieter Ziegeler für die Redaktion der Zeitschrift PERSPEKTIVE (Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg) verantwortlich.
https://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/texte/genuss.html#fn1

Wir leben mühelos mit tausenderlei ungelösten Rätseln

Wir leben mühelos mit tausenderlei ungelösten Rätseln „Die Leute wollen nicht mehr wissen, warum irgendwas passiert ist, nur, dass es passierte und dass die Welt voller Leichtsinn, Gefahr, Bedrohung und Unglück ist, die unsereins nur streifen, dagegen die unachtsamen, vielleicht nicht auserwählten Mitmenschen ereilen und umbringen. Wir leben mühelos mit tausenderlei ungelösten Rätseln, die uns morgens zehn Minuten beschäftigen und dann vergessen werden, ohne Unbehagen, ohne die geringste Spur zu hinterlassen. Wir spüren die Notwendigkeit, uns in nichts mehr zu vertiefen, uns mit keinem Vorfall, keiner Geschichte länger aufzuhalten, unsere Aufmerksamkeit soll immer weiterhüpfen, sie will immer neues fremdes Unglück, als dächten wir bei jedem Einzelnen: ‚Natürlich, wie grauenvoll. Weiter. Welchen Schrecken sind wir noch entkommen? Wir müssen uns täglich als Überlebende, als Unsterbliche fühlen, den anderen zum Trotz, also her mit neuen Gräueln, die gestrigen haben wir schon verbraucht.'“[Javier Marias im Roman „Die sterblich Verliebten“, aus dem Spanischen übersetzt von Susanne Lange, Frankfurt/Main, 2012, S. 46]

Choose Life!

Life is hard and complicated; death is easy and simple. Choose life! We can choose death but we don’t have to; it will happen to us naturally. But we do have to choose life. Our natural life just happens “naturally” but our spiritual life (complete life) must be received from God, chosen and lived. Life is possible because of the death and resurrection of Jesus Christ. We cannot make life. Only God makes life. We only need to receive it from Him. Make life a habit. Be thankful. God bless you.
Wähle das Leben!
Das Leben ist hart und kompliziert; der Tod ist einfach und einfach. Entscheide dich für das Leben! Wir können den Tod wählen, müssen aber nicht; es wird uns natürlich passieren. Aber wir müssen das Leben wählen. Unser natürliches Leben geschieht einfach ′′ natürlich aber unser spirituelles Leben (komplettes Leben) muss von Gott empfangen, ausgewählt und gelebt werden. Das Leben ist möglich wegen des Todes und der Auferstehung Jesu Christi. Wir können das Leben nicht schaffen. Nur Gott macht das Leben. Wir müssen es nur von Ihm erhalten. Mach das Leben zur Gewohnheit. Sei dankbar. Gott segne dich. Ellis H.Potter