Calvins Einfluss in Genf

Weshalb war Calvin erfolgreich gewesen? Auf diese Frage gibt es keine einfach Antwort. Doch das wichtigste Element von Calvins Erfolg war vielleicht sein Predigtdienst. Im Jahre 1549 gab es tägliche Predigten- drei am Sonntag -, wöchentliche Katechismusklassen, theologische Diskussionen, Zusammenkünfte von Geistlichen zum Bibelstudium („congrégations“) und Konsistorialratssitzungen. … Man darf nicht vergessen, dass Calvin vor allem ein pflichtbewusster lokaler Geistlicher war. Er hatte sich selbst seinen Genfer Aufgaben verschrieben. Jeder Versuch, den Genfer Geistlichen und Politiker Calvin zugunsten des Theologen und der ‚Berühmtheit’ Calvins zu übersehen, ist problematisch.

William G. Naphy. Calvins zweiter Aufenthalt in Genf. Aus: Herman J. Selderhuis (Hg.) Calvin Handbuch. Mohr Siebeck: Tübingen 2008. S. 53.

Wenn Wahrheit nicht weniger kostbar wird als Irrtum

Wir haben es mit einem Geist zu tun, ich weiß nicht, wie ich ihn bezeichnen soll, außer dass ich ihn einen Geist der Mäßigung auf den Kanzeln protestantischer Gemeinden nennen kann. Die Menschen haben begonnen, die rauen Kanten der Wahrheit zu glätten, die Lehren von Luther, Zwingli und Calvin aufzugeben, und sie bemühen sich, diese an den Geschmack der Leute anzupassen. Heute magst du in eine römisch-katholische Kapelle gehen und eine gute Predigt von einem Priester des Papstes hören, als ob du einen protestantischen Prediger hörst, weil er strittige Punkte nicht anschneidet oder die kantigen Wahrheiten des protestantischen Glaubens nicht darlegt. Seht auch, welch eine Abneigung gegen gesunde Lehre in einem Großteil unserer Bücher zu finden ist. Die Autoren scheinen sich vorzustellen, dass Wahrheit nicht weniger kostbar ist als Irrtum, dass die Lehren, die wir verkündigen, von keiner Bedeutung sind; sie vertreten die Meinung, dass der nicht falsch sein kann, dessen Leben in Ordnung ist.
Auf den Kanzeln der Baptisten und jeder anderen Denomination schleicht sich eine Lethargie und Kälte ein, und damit eine Art Annullierung der Wahrheit. Während sie größtenteils nur wenige Irrtümer verkünden, wird doch die Wahrheit in so verdünnter Form dar-gereicht, dass niemand sie aufspürt, und in einer so zweideutigen Weise, dass niemand davon innerlich getroffen wird. Der Mensch hat Gottes Pfeile stumpf gemacht und am Tag des Kampfes zog er das Schwert zurück. Die Menschen hören die Wahrheit nicht mehr, wie sie es sollten. Der samtweiche Mund folgt auf das samtweiche Kissen, und die Orgel ist nicht das einzige, was einen gewissen Klang von sich gibt. Vor all diesen Dingen bewahre uns, Herr. Möge der Himmel all diesen Mäßigungsbestrebungen ein Ende setzen. In diesen gefährlichen Tagen wollen wir Wahrheit durch und durch, wir wollen einen Mann, der das spricht, was Gott ihm sagt, und sich um niemanden kümmert. O, hätten wir einige dieser alten schottischen Prediger. Jene schottischen Prediger, die Könige erzittern ließen; sie waren nicht Diener der Menschen, sie waren die eigentlichen Herren, wohin sie auch gingen, weil jeder von ihnen sagte: „Gott hat mir eine Botschaft gegeben.“ Wie Micha sagten sie: „So wahr der Herr lebt, ich will reden, was mir der Herr sagen wird!“ Helden der Wahrheit, Soldaten Christi, erwacht! Auch heute gibt es Feinde. Denkt nicht, dass die Schlacht vorüber ist, der große Kampf um die Wahrheit wird heißer und schärfer als je zuvor. O, Soldaten Christi, zieht eure Schwerter aus den Scheiden. Steht für Gott und seine Wahrheiten wieder auf, damit das Evangelium der freien Gnade nicht in Vergessenheit gerät. …. Charles Spurgeon
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