Christen immer gut für einen Nachschlag Matt. 5, 39 „Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Matthäus 5,39 Luther 1984

Es gibt manche Aussagen, die sind kurz und könnten in einer langen Rede untergehen. Und doch sind es genau diese Aussagen, die einem im Gedächtnis bleiben. Entweder weil sie in einer Situation besonders treffen oder weil ich sie so herausfordernd sind.
Ein Lehrer hat einmal an diesem Satz „halt die andere Wange hin“ das ganze Christentum für Quatsch erklärt hat. Er sagte, wenn wir das so tun dann würden wir Menschen schlimmer, bekloppter als Tiere leben und wären morgen alle Tod.
Die Aussage in Mt 5,39 „Widersteht nicht dem Bösen …“ ist oft so verstanden worden, als wenn Christen sich prinzipiell nicht gegen das Böse wehren sollen und als wenn jede Selbstverteidigung, die das Alte und das Neue Testament zulassen, verboten sei. Zunächst einmal setzt ja die Aufforderung Jesu voraus, dass der Christ unterscheidet, was Gut und Böse ist.
Es geht hier also auf keinen Fall um ethische Gleichgültigkeit gegenüber dem Geschehen.
In den Versen 38-42 befasst sich Jesus mit dem, was als Lex Talionis (Gesetz der Vergeltung) bekannt wurde. Die Schriftgelehrten und Pharisäer hatten diese Stelle aus dem Gesetz genommen und zurechtgebogen, um selbstsüchtige Handlungen persönlicher Rache zu rechtfertigen. Die Anweisung „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ hatte Gott niemals für persönliche Rache und Vergeltung gegeben. Immer wenn dieses Gesetz im Alten Testament erwähnt wird (2Mo 21,24; 3Mo 24,20; 5Mo 19,21), ist im Zusammenhang von Zivilrecht die Rede, nicht von einem persönlichen „Wie du mir, so ich dir“. „Die Strafe muss dem Vergehen angemessen sein“ – dies war Gottes Anordnung für Zivilrecht und – Ordnung. Das Gericht konnte dem Angeklagten, der einem anderen nur ein blaues Auge geschlagen hatte, nicht das Auge ausstechen. Der Richter konnte dem Mann, der seinem Vorgesetzten auf den Mund geschlagen hatte, nicht jeden Zahn ziehen! Gott gab dieses Gesetz als eine zivile Beschränkung und nicht als Erlaubnis für persönliche Freiheit. Aber im Laufe der Jahre wurde dieses Gesetz immer mehr falsch ausgelegt und von den Schriftgelehrten und Pharisäern benutzt, um ihre persönliche Rache auszuüben. Die andere Wange hinhalten An diesem Punkt tadelt der Herr die Schriftgelehrten und Pharisäer (und auch uns!) sehr ernst. Er erklärt, dass wir in den persönlichen Beziehungen „die andere Wange hinhalten“ und „die zweite Meile gehen“ müssen.
Wie weit setzen wir das Prinzip, „die andere Wange hinzuhalten“, um, wenn wir diese Schriftstelle heute auf unsere persönlichen Beziehungen anwenden? Bestimmt erlauben wir uns nicht die „Freude“ persönlicher Vergeltung. Die Einstellung „Das werde ich dir heimzahlen!“ oder „Warte, bis ich dich in die Finger kriege!“ ist keine Alternative für einen Christen. Gott verspricht uns, dass Er sich auf seine Weise um diese Probleme kümmern wird (Röm 12,19). Aber was ist, wenn ein Dieb in mein Haus einbricht, meine Familie überfällt und das Haus vollständig ausräumt? Sollte ich „die andere Wange hinhalten“ und nicht versuchen, mich selbst und meine Familie zu verteidigen? Sollte ich „die zweite Meile gehen“, ihm die 100 Euro zeigen, die oben auf dem Wandschrankregal versteckt sind, und ihm dann helfen, meine Möbel auf seinen Lastwagen aufzuladen? Natürlich nicht! Zur Erinnerung: Der Zusammenhang dieser Schriftstelle betrifft persönliche Rache und Vergeltung, nicht Verteidigung bei einem Angriff oder Überfall und ebenso wenig rechtliche Angelegenheiten, wo zivile Gesetze gebrochen werden. In diesem Fall muss ein Dieb der staatlichen Justiz übergeben werden. Der Staat (unter Gott) muss nach dem Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ handeln. Unser Herr hat dieses Prinzip des Zivilrechts nicht im Entferntesten abgeändert. Man kann sich die Kriminalität und das Chaos vorstellen, das daraus resultieren würde, wenn unsere Gerichte nach dem Prinzip „Halte die andere Wange hin“ handeln würden. Zur Erinnerung: Wir sind sowohl Staatsbürger als auch Himmelsbürger. Wir haben die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass ein Dieb zivile Gerechtigkeit erfährt. Wir wären dem Staat gegenüber unverantwortlich (und in gleicher Weise würden wir Böses unterstützen), wenn wir einfach nach dem Motto „Schwamm drüber!“ handeln würden.