Ohne absoluten moralischen Massstab…

    …lässt sich nicht endgültig sagen, ob etwas gut oder böse ist. Mit absolut meinen wir hier etwas, das immer gilt, das immer einen endgültigen Massstab liefert, ein ‚Allgemeines’. Es muss ein Allgemeines geben, wenn es Moral geben soll, und es muss ein Allgemeines geben, wenn es wirkliche Werte geben soll. Wenn es jenseits der menschlichen Gedanken kein Allgemeines gibt, dann gibt es keine letzte Instanz, an die man sich wenden könnte, wenn die moralischen Entscheidungen verschiedener Einzelner und Gruppenmiteinander in Konflikt geraten. Es bleiben lediglich widersprüchliche Meinungen, von denen eine so gut wie die andere ist.
Wenn die Absoluta verschwunden sind und wir weder das hedonistische Chaos noch die bestimmende Mehrheit der ‚einundfünfzig Prozent’ wollen, bleibt nur noch eine Alternative: Ein einzelner oder eine Elite muss autoritäre, willkürliche Absoluta setzen. Hier gilt eine einfache, aber inhaltsschwere Regel: Wenn keine Absoluta vorhanden sind, nach denen die Gesellschaft zu beurteilen ist, dann ist die Gesellschaft absolut.
Der moderne Mensch hat keine wirklichen Maßstäbe dafür, was er tun sollte; er weiss nur, was er tun kann. Moralische Pflichten und das im Augenblick soziologisch Akzeptierte werden gleichgesetzt. Aus: Francis Schaeffer. Wie können wir denn leben? Hänssler: Holzgerlingen 2000.

Camus im Widerspruch

Der französische Philosoph Albert Camus dachte die Vorstellung, dass es keine absoluten Werte gebe, zu Ende. Trotzdem blieben seine Thesen in sich widersprüchlich. Auch Camus konnte nicht ohne Werte Leben. Camus hat eine -absurde Philosophie geschaffen in der er ganz auf eint absolute Ethik und auf absolute Werte verzichten will. Er ist sich dabei durchaus im klaren, was eine relative Ethik mit sich bringt: «Wenn man an nichts glaubt, wenn nichts Sinn hat und wenn wir keinen Wert bejahen können, ist alles möglich und nichts von Wichtigkeit. Es gibt dann kein Für und kein Gegen, der Mörder hat weder unrecht noch recht. Man kann die Verbrennungsöfen schüren, so wie man sich der Pflege Leprakranker weiht. Bosheit und Tugend sind zufällig oder Launen.» Weiterlesen