Mein Wort zum Palmsonntag:

„Und das Volk rief: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ (Matthäus 21,9)
„Hosianna“ ist – entgegen dem landläufigen Verständnis – kein Lobruf, sondern eine (durch den Adhortativ verdichtete) Bitte um Gottes rettendes Eingreifen („rette/erlöse doch!“). Womit wir beim Thema des Sonntags wären.
Abgesehen von den vielen verdienstvollen Aktionen einzelner Pfarrerinnen und Pfarrer haben die Kirchen in dieser Zeit kein eigenes Wort zu sagen. Ihr Verstummen, ihr Versagen, den religiös richtigen Ton zu treffen, ist symptomatisch für ihre lange versteckte Krise und zeigt ihre innere Erosion: Die appellativen politischen Statements auf den Kanzeln, die Larmoyanz über Politik und Gesellschaft, die für Klima und Flüchtlinge nicht genug täten, ist mit einem Mal pulverisiert und erweist sich, wenn es an das eigene Leben geht, als untaugliche Strategie, uns Mores zu lehren und dabei selbst wieder relevant zu werden.
Sie ist eher die gottvergessene Kirche, für die Gott als das große Thema unseres Lebens nur noch eine Chiffre für Flüchtlingshilfe, Klimawandel oder die mittlerweile ins Abseits geratenen Themen Weltfrieden und Abrüstung ist. Alles geschenkt. Dazu braucht man vor allem gesunden Menschenverstand – ohne religiös motivierte Überhöhung. Die Kirchen verkünden nicht das von Gott her Unerhörte, sondern repetieren das Gängige, das mal schwarz, mal braun, mal rot, mal grün ist.
Die Glut, die Leidenschaft des Apostels Paulus, der „in Christus“ lebte, lobte und liebte, für den Christus eine vitale und zum Greifen nahe dynamische Realität war, ist ihr abhanden gekommen. Corona offenbart, was jedes Kind über des Kaisers neue Kleider weiß: „Sie hat ja gar nichts an!“
Ihr derzeit grüner und staats- wie welttragender Moralismus („Weltverantwortung“) ist nur die höfliche Form ihres Unglaubens an den tatsächlich beistehenden und rettenden Gott (gratia adveniens). Dort, wo die Kirche etwas „tun“ kann, muss sie nichts glauben und keine darüber hinausgehende Realität verkünden, was sie weitgehend verlernt hat. Die systematisch-theologischen Fragen kamen für viele zuletzt im Studium vor. Das notwendende Handeln ist ja immer prioritär (natürlich!), aber es verleitet auch zum „Widerstandskitsch“ (Hans Michael Heinig), der in Zeiten von Corona obsolet wird und sich als Luxusproblem erweist, von der gesicherten Basis eines versorgten Lebens aus.
Das religiöse Kerngeschäft hat man derweil den Evangelikalen überlassen, die man – die Nase rümpfend – an der langen Leine laufen ließ, achselzuckend und meist augenrollend über deren Borniertheit.
Sie sind es aber, die in dieser Zeit nicht schweigen, sondern Lust und Hoffnung auf Gott verbreiten (lassen wir mal die Extremisten beiseite), der für sie kein Vorwand für billigen Moralismus ist, sondern gerade den moralisch depravierten Sünder in die Arme schließt, wie Paulus es auch tat. Die angesichts der Coronakrise nicht über Südafrika schwadronieren, wo alles noch schlimmer sei, sondern durch Fürbitte und Verkündigung dem Nächsten und nicht dem Fernsten nahe sein möchten.
„Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?” (Lk 18,8), fragte Jesus einst. Es ist die Frage, die an die Kirche und nicht an die ungläubige Welt gerichtet ist. Kim Strübind
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Ich habe nichts gegen das Sterben

Woody Allen, der Filmregisseur, meinte einmal: „Ich habe nichts gegen das Sterben. Ich möchte nur nicht dabei sein, wenn es passiert.“ Er spricht aus, was viele denken und empfinden. Doch ist das klug?
Im Alten Testament betete Mose: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90,12) Wer den Gedanken an das Sterben zulässt, lässt existenzielle Fragen zu: „Was wird bleiben? Wo werde ich sein? Was ist deshalb wirklich wichtig?“ Das sind Fragen, bei denen wir begründete Antworten brauchen. Wer diese Antworten sucht, kommt an dem nicht vorbei, der von sich gesagt hat: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit.“ (Johannesevangelium 11,25-26) So sagt es Jesus. Er gibt die Antwort, mit der sich leben lässt. Und mit der sich sterben lässt. Gibt dir das Hoffnung? Darum Ostern

Die Auferstehung Jesu

Die Auferstehung Jesu aus der Sicht eines Historikers
„Ist Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube eine Illusion…dann seid ihr noch in euren Sünden…dann laßt uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot.“ So schrieb Paulus an die Christen in Korinth (1.Korinther 15,14.17.32).
Ohne die Auferstehung Jesu gäbe es keinen christlichen Glauben. Ohne die Auferstehung Jesu gäbe es keine christliche Hoffnung, auch nicht auf die Vergebung unserer Sünden. Was kann ein (Alt-)Historiker über diese Auferstehung sagen? Kann er überhaupt etwas dazu sagen? Sollte er überhaupt etwas dazu sagen? Schließlich ist das Ganze doch eine Glaubenssache – oder nicht? Beruht der christliche Glaube etwa auf (fragwürdigen?) historischen Behauptungen? Den Schreibern des Neuen Testaments und den ersten Christen war die historische Frage wichtig, deshalb ist später der Name von Pontius Pilatus als einziger Name neben dem von Jesus Christus ins Glaubensbekenntnis aufgenommen worden. „Gekreuzigt unter Pontius Pilatus“, d.h. nicht irgendwann, irgendwo, irgendwie, sondern in der Zeit der Statthalterschaft von Pilatus in Judäa (26-36 n.Chr.). Zunächst sollen einige grundlegende Vorüberlegungen und Vorfragen angesprochen werden: In jeder Wissenschaft richtet sich die Methode, mit der man arbeitet, nach dem Gegenstand, über den man die Wahrheit herausfinden will. Deshalb arbeiten Historiker z.B. anders als Naturwissenschaftler, denn Historiker können ja nicht einfach in einem wiederholbaren Experiment die historische Vergangenheit rekonstruieren. Historiker arbeiten eher wie Juristen. Sie rekonstruieren vergangene Ereignisse auf Grund von Quellen, Indizien, Zeugenaussagen; sie führen also einen Indizienprozeß. Manchmal muß man auf Grund einer neuen Quellenlage, neuer Indizien einen Fall auch erneut aufrollen. Ein besonderes Problem stellt die Frage dar: „Sind historische Überlieferung und Bewertung nicht subjektiv? Unsere Bewertungen bezüglich der Bedeutung von Ereignissen ändern sich doch immer wieder einmal.“ Das stimmt. Überlieferung und Bewertung von Ereignissen können subjektiv sein. Die Ereignisse aber sind es nicht; Ereignisse finden statt. Die Geschichte der Welt findet statt, die Geschichte meines Lebens findet statt. Und nicht immer findet das statt, was am wahrscheinlichsten ist. Das wissen wir aus der Geschichte unseres eigenen Lebens und aus der Geschichte der Welt. So war es z.B. Anfang Oktober 1989 noch extrem unwahrscheinlich, daß die Berliner Mauer jemals, oder jedenfalls in absehbarer Zeit, fallen würde. Aber sie ist Anfang November 1989 gefallen. In der Geschichte tritt nicht immer das ein, was am wahrscheinlichsten ist. Die entscheidende Frage bei allen Berichten, die wir über Ereignisse hören, sehen oder lesen, lautet deshalb: „Ist der Bericht wahr? Hat das wirklich stattgefunden?“ Historiker haben es also mit einem Indizienprozeß zu tun. Welche Indizien, Quellen oder Zeugnisse gibt es nun für die Auferstehung Jesu? Historisch ernst zu nehmen sind hier vor allem die Schriften des Neuen Testaments, d.h. die Evangelien, die Apostelgeschichte und auch die Briefe. Weiteres Material außerhalb des Neuen Testaments ist historisch nicht sehr ergiebig. Eine interessante Ausnahme stellt hierbei eine Notiz des römischen Geschichtsschreibers Tacitus (ca. 55-110 n.Chr.) dar, der sich im Zusammenhang mit dem Brand Roms zur Zeit des Kaisers Nero auch über die Christen (sie wurden von Nero fälschlich als Brandstifter bezeichnet) äußert und schreibt, daß „…der Stifter dieser Sekte, Christus…unter der Regierung des Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden“ ist (Tacitus, Annalen XV,44), also eine präzise Übereinstimmung mit der gleichen Aussage im Neuen Testament. Eine andere Vorfrage lautet: Wollen die Texte des Neuen Testaments überhaupt historisch verstanden werden? War das überhaupt ihr Selbstverständnis? Hatten die Autoren der Evangelien ein Interesse an historischen Fragen und falls ja, hatten die Menschen in der Antike nicht andere Vorstellungen von historischer Wahrheit als wir heute? Sehen wir uns daraufhin den Prolog von Lukas aus seinem Evangelium (Lukas 1,1-4) an: „Da es nun schon viele unternommen haben, einen Bericht von den Ereignissen zu verfassen, die sich unter uns zugetragen haben, wie sie uns die überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind, hat es auch mir gut geschienen, der ich allem von Anfang an genau gefolgt bin, es dir, vortrefflichster Theophilos, der Reihe nach zu schreiben, damit du die Zuverlässigkeit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist.“

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Warum Ostern gefeiert wird

Ostern ist das älteste christliche Fest. Es hat zentrale Bedeutung, weil Jesus in dieser Zeit von den Toten auferweckt wird und aufersteht. Die Feier seiner Auferstehung ist der Höhepunkt der Ostertage. Der Ostertag überforderte zunächst die ersten Christen. Die Enttäuschung von Petrus, Johannes, Jakobus war bodenlos, die Frustration grenzenlos und die Angst machte haltlos. Zum Osterjubel gab es zunächst überhaupt keinen Grund. Sie konnten Jesus noch nicht den sehen, der auferstanden war, sondern nur den, der sie hatte sitzen lassen. Nicht Auferstehung hiess ihre Devise, sondern Aufstehen und Abhauen.

Osterbotschaft – kein Betrug

Die Jünger konnten und wollten sich mit dem Scheitern ihrer Hoffnungen nicht abfinden und haben das grösste Täuschungsmanöver der Weltgeschichte in Szene gesetzt, sagen manche Kritiker. Diese Behauptung ist unwahrscheinlich: Die Jünger Jesu, die ihn nach seinem Tod schon verlassen und verleugnet hatten, haben sich durch diese Botschaft von der Auferstehung ungeheuren Unannehmlichkeiten ausgesetzt, die in einigen Fällen im Märtyrertod gipfelten. Dafür lohnt kein Betrug. Die Osterberichte in der Bibel wirken gerade darin sehr authentisch, weil sie von dem Zweifel und der fehlenden Bereitschaft der ehemaligen Jünger berichten, die Tatsache anzuerkennen, dass Jesus wieder unter ihnen war. Schliesslich war er gekreuzigt worden und in der schlimmsten Stunde seines Lebens hatten sie ihn alleingelassen. Jesus hatte alle Not, sich gegenüber der Skepsis der Jünger durchzusetzen. Sie waren bereit, alles möglich zu akzeptieren: dass es sich um einen Geist oder einen Gärtner handele, oder dass Jesu Leichnam gestohlen worden sei, nur das eine nicht, dass ihr Meister von den Toten auferstanden war. Es bestand also keinerlei Bereitschaft zum Betrug. Mit Ostern bekam das Hoffen der ersten Christen ein sicheres Fundament und viel Grund zur Freude. Deshalb kann Ostern durch nichts ersetzt werden. Wenn es darum geht, wie der Tod überwunden wird, ist Ostern ohne Vergleich und ohne Entsprechung. Hauskreis-Thema