Angemessener Appell

Ich bleibe dabei: Alice Schwarzer denkt ihre Ansichten konsequent zu Ende, ohne Angst vor Widerspruch aus den eigenen Reihen. Den von ihr mit initiierten Appell gegen Prostitution unterstütze ich aber nicht nur deshalb. Sondern weil das deutsche Prostitutionsgesetz von 2002 in etwa dieselben Schwierigkeiten mit sich bringt wie der in den 70er Jahren entwickelte § 218a des Deutschen Strafgesetzbuchs: Die Intention war durchaus gut. In der Praxis hat’s aber offensichtlich nicht funktioniert. Nach wie vor prostituiert sich nur ein Bruchteil von Frauen – und Männern! – aus freien Stücken. Die anderen bleiben fremdbestimmte Opfer. Fein raus sind höchstens die Zuhälter. Das muss nicht so bleiben.
http://www.daniel-renz.de/wordpress/angemessener-appell/

Alice Schwarzers Kreuzzug gegen die Prostitution ist nichts Neues

Bei meiner Arbeit an einem antiquarischen Buch über die Stadt Münster (Elsass) bin ich auf folgende Textstelle gestoßen, die eine protestantische Kirchenordnung aus der Mitte des 16. Jahrhunderts wiedergibt. Sie zeigt, dass der besserwisserische und moralinsaure  Kreuzzug Alice Schwarzers gegen Prostitution eine sehr lange Tradition in Deutschland hat.
Die der Hurerey überführten Männer sollen mit Geld und Gefängnis gestraft werden, den Lasterstein tragen, und aus ehrlichen Gesellschaften und Wirtshäusern ausgeschlossen werden. Huren, die sich in ehrlichen Gesellschaften und auf Tänze begeben, und Kränze wie die ehrlichen Jungfrauen, um es auch zu scheinen, tragen, sollen die Kränze vom Kopf genommen werden und sie selber männiglich zum Spott unter die Steg (Steg = öffentlich einsichtiges Gefängnis, wo man dem allgemeinen Spott ausgesetzt wurde) gesetzt werden.
(Aus: Münster im Gregorienthal – Ein Beitrag zur politischen, kirchlichen und kulturhistorischen Geschichte des elsässischen Münsterthales, von Julius Rathgeber)
Von Peter Steil
http://www.peter-steil.de/wordpress/?p=1999