Der Mensch im Angesicht Gottes

Wenn man Psalm 8 betet, bekennt man mit dem ersten Satz, dass Gott der im Himmel thronende König und zugleich der Schöpfer der Welt ist.
JHWH, unser Herrscher, wie gewaltig/majestätisch ist Dein Name auf der ganzen Erde, der Du gibst Deine Hoheit über die Himmel. Psalm 8,2
Die Titulierung „unser Herrscher“ (אֲדֹנֵ֗ינוּ, gesprochen: adonenu) verdeutlicht, dass die Betenden als Knechte und Mägde vollends abhängig sind von Gott, ihrem Herren. Die Betenden stehen im Dienst Gottes. Er besitzt königliche Macht über die gesamte Welt. Mit dem biblischen Konzept „Name“ (שֵׁם, gesprochen: schem) ist hier der Ruf Gottes gemeint: Der Name ist die Zusammenfassung dessen, was von Gott bekannt ist – sozusagen sein „image“. Nur er besitzt die spezifisch göttliche Mächtigkeit, die seine vom Anbeginn der Zeit ausgeübte Königsherrschaft auszeichnet. Es ist eine allumfassende Macht. Dr. Till Magnus Steiner

GOTT OFFENBART SEINE HERRLICHKEIT DURCH VERANTWORTUNGSÜBERGABE AN DEN MENSCHEN

(V. 7-9). „Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk“ (Vers 7). So lesen wir es inhaltlich auch im Schöpfungsbericht, vor dem Sündenfall. Das ist der Grundauftrag des Menschen (1Mose 1,28): Er soll sich die Erde untertan machen. Er soll über die Tiere herrschen. Gott hat dem Menschen Autorität gegeben, Verantwortung für diese Welt. Ein konkretes Beispiel finden wir in 1Mose 2: Der Mensch soll den Garten Eden bebauen und bewahren (Vers 15). Nach dem Sündenfall ist leider häufig nur noch das erste übriggeblieben. Und wir sind erst in den letzten Jahren und Jahrzehnten ganz langsam wieder darauf gekommen, dass wir die Erde auch bewahren müssen, weil sie sonst bald nicht mehr vernünftig bewohnbar sein wird. Lasst uns beten dafür, dass wir auch dieser Verantwortung gerecht werden, gerade auch als Christen, jeder ganz persönlich. Ich spare mir jetzt eine ökologische Detaildebatte. Das ist nicht mein Hauptgedanke. Aber der Text redet ein Stück weit davon. Deshalb gilt ganz grundsätzlich: Wir müssen uns dem stellen. Auch das ist ein Punkt, wo wir als Christen unserer Verantwortung gerecht werden müssen. Denn Gott könnte zwar das alles viel einfacher und besser selbst tun, aber Er tut es nicht und hat sich vielmehr dazu entschieden, uns als Seine Ebenbilder mit einzubeziehen! Letztlich sagt der Psalm hier am konkreten Beispiel: Der Mensch ist Herr, erst einmal über die Haustiere, z. B. Rinder und Schafe, dann aber auch über die wilden Tiere, über die Vögel und die Fische. David nennt also exemplarisch die ganze Tierwelt, über die der Mensch gesetzt ist. Letztlich ist das aber nur ein Teil. Die Welt ist größer, klar. Aber David sagt: „Lieber Leser, schon allein hier habt ihr eine echte, große Verantwortung.“ Um ein Beispiel zu nennen: Ich war kürzlich in einer Ausstellung, wo man solch kleine Käfige gezeigt hat, in denen man noch bis vor nicht so langer Zeit Hühner gehalten hat. Ist das wirklich angemessen? Gott sei Dank, dass das heute verboten ist. Aber wie lange haben wir damit einfach gelebt? Und die Tiere sind schlicht und einfach kaputtgegangen. Keiner will am Ende solche Bilder sehen z. B. mit Hühnern fast ohne Federn. Es gibt viele andere Punkte dabei. Aber das ist das, was der Psalm hier zunächst einmal anspricht. Der Mensch ist Herr über die Tiere. Aber wird er der Verantwortung auch gerecht? Leider Gottes an vielen Stellen nicht. Lasst uns beten dafür, dass das anders wird. Und dort, wo wir selbst unmittelbar herausgefordert sind, lasst uns wirklich unseren Teil tun, dass auch Tiere so behandelt werden, wie es Gott möchte, als Geschöpfe, die Er geschaffen hat. Denn auch Tiere sind Gott wichtig. Am Ende vom Buch Jona kommt das einmal schön zum Ausdruck. Jona ist ärgerlich auf Gott, weil er eigentlich gehofft hatte, dass Ninive untergehen würde. So sitzt er da und denkt: „Herr, wann wirfst du endlich Feuer vom Himmel und vernichtest die Stadt?“ Gott lässt daraufhin eine schöne Staude wachsen, an der sich Jona erfreut, die aber am nächsten Tag schon wieder eingegangen ist – und Jona, jetzt wieder voll der Sonne ausgesetzt, jammert furchtbar über diese eine Blume. Aber Gott sagt – etwas frei formuliert: „Geht’s dir noch? Du jammerst über diese Staude, die du nicht gepflanzt hast! Aber hier ist Ninive, diese riesige Stadt, hundertzwanzigtausend Menschen. Und ich sollte nicht jammern über diese Menschen, die nicht wissen, was rechts und links ist? Dazu auch viele Tiere?“ (nach Jona 4,10-11). Ja, da sind die Tiere ausdrücklich mit erwähnt. Und Jona jammert über eine Blume. Da sind dem großen Evangelisten die Verhältnismäßigkeiten offenbar völlig durcheinander geraten. Also, wir haben eine Verantwortung, auch für die Tiere. Werden wir ihr gerecht? Ich hoffe und bete darum. Gott hast uns zu Seinen Mitarbeitern in der Gemeinde und im Reich Gottes gesetzt (vgl. 1. Korinther 3,9). Wir reden viel darüber – und das ist gut und richtig und wichtig! Aber unser Leben ist breiter und größer, und Gott hat uns auch in diese Welt hineingestellt und in ihr Verantwortung gegeben. Wir sind nicht von der Welt, aber wir sind in dieser Welt. Lasst uns auch da Vorbilder sein. Bei ehrlicher Bestandaufnahme müssen wir eben leider Gottes sagen: Wir scheitern oft in unserer Verantwortung. Die Sünde tut in vieler Hinsicht ganze Arbeit. Deswegen bin ich froh, dass dieser Psalm auch im Neuen Testamente aufgegriffen wird und im Besonderen auf Jesus hin interpretiert wird, den Sohn Adams, den Menschensohn, der eines Tages wirklich und in jeder Hinsicht alles vollständig unter Seinen Füßen haben wird. So zitiert es Paulus in Epheser 1,21-22, und in 1. Korinther 15,26-27 greift Paulus den Vers auch noch einmal auf. Dort geht es dann sogar darum, dass Jesus den Tod besiegt haben wird. Ist das nicht eine wunderbare Perspektive, die wir haben? Der irdische Tod ist nicht das Ende aller Dinge. Gott sei Dank! Jesus wird ihn eines Tages besiegt haben! Und dann wird wirklich alles unter Seinen Füßen sein. Ja, mehr noch. Selbst in der Ewigkeit ist Jesus der, der uns Anteil gibt an der Regierung über die Welt. Es wird ja nicht nur einen neuen Himmel geben, irgendwie ein paar schöne Wölkchen, wie man sich das manchmal so vorstellt. Es ist uns auch eine neue Erde verheißen, wie immer die auch aussehen wird. Sie wird auf jeden Fall schöner und herrlicher sein als die alte Erde. Ja, sie wird wirklich „Erde“ genannt. Es muss also irgendwie auch eine Kontinuität geben zwischen dem, was Gott am Anfang der Tage geschaffen hatte (und was Er ja „Sehr gut“ genannt hatte, aber was durch die Sünde kaputtgegangen ist) und was eines Tages neu kommen wird. Es gibt ein paar wenige Andeutungen im Neuen Testament, wo wir sehen können: Ja, wir werden Gott in ganz unterschiedlicher Weise preisen und ehren, und das unter anderem dadurch, dass wir Herrschaft und Autorität ausüben, wie Jesus es einmal in dem Gleichnis von den anvertrauten Pfunden sagt: Die, die treu sind, die wird Er setzen über zehn Städte, über fünf Städte usw. (Lukas 19,11-27). Wir haben keine Texte an der Hand, die uns dazu Details geben, was das konkret heißt. Ob da nun ein Bürgermeister wir oder nicht, wissen wir einfach nicht. Es ist müßig, darüber zu spekulieren. Aber ich glaube schon, dass z. B. dieser Text ein Hinweis darauf ist, dass wir Verantwortung haben werden, besser und schöner, als es im Paradies bei Adam und Eva der Fall gewesen ist. Und ich freue mich darauf! Ich sage ganz offen: Seit einigen Jahren ist mir gerade dieser Punkt persönlich immer wieder neu wirklich wichtig geworden. Man merkt, das irdische Leben ist doch überschaubar kurz, selbst wenn man eine normale Lebenserwartung hat. Und ich spüre, wie viele Dinge, die man eigentlich auch noch tun müsste und könnte und sollte und wofür man begabt ist, einfach keinen Platz mehr finden. Und was es noch alles Schönes auch in der Freizeit zu tun gäbe – und man kommt einfach nicht dazu. Vielleicht geht es dem einen oder anderen auch so oder ähnlich. Ich zumindest habe eine Liste im Kopf mit verschiedenen Dingen, die ich eigentlich noch machen will, aber wo aktuell einfach die Zeit und die Möglichkeiten fehlen. Manchmal sage ich dann ganz bewusst – und das ist nicht flapsig gemeint –, dass ich diese Dinge auf die neue Erde verschiebe. Das ist wirklich mein ganzer Ernst. Es gibt eine Menge Dinge, wo ich nach menschlichem Ermessen sicher sein kann, dass ich das in meinem irdischen Leben hier nicht mehr tun kann, einfach weil die Zeit fehlt oder weil andere Dinge effektiv wichtiger sind oder vielleicht auch, weil mich Sünde daran hindert. Und ich bin Gott von Herzen dankbar, dass es eine Zeit gibt, wo wir nicht mehr gebunden sind an 50, 60 oder 80 Jahre, sondern wo wir Zeit haben, all das Wunderschöne zu tun, was Gott geschaffen hat, was wir genießen können. Denn dafür war die Schöpfung auch da. Davon reden unter anderem diese Schöpfungspsalmen. Wie herrlich ist das, was Gott gemacht hat. Wir sollen es auch ein Stück weit genießen und dadurch Gott preisen und loben und Ihn verherrlichen. Lasst uns dankbar sein für diese Perspektive, die wir als Christen haben, wo auch keine Sünde mehr sein wird und wo endlich auch kein Tod mehr sein wird, wo alles das hinfällig sein wird, was hier noch kratzt und wo wir wieder traurig sind und Tränen vergießen. Und deshalb schließt der Psalm so, wie er angefangen hat: „Herr unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen“ (Vers 10). Lasst uns Ihn anbeten für das, was Er getan hat in der Schöpfung, aber gerade auch hier, wie Er sich verherrlicht hat und wie Er das immer noch tut an uns Menschen, sei es in den kleinen Kindern, sei es in der Niedrigkeit von uns Menschen, sei es aber auch darin, dass Er uns Verantwortung gegeben hat. Amen.   Titus Vogt © https://www.arche-gemeinde.de/fileadmin/Media/Print/Kanzeldienst/2012/07/P120729M.pdf

GOTT OFFENBART SEINE HERRLICHKEIT IN DER NIEDRIG-KEIT DES MENSCHEN

(V. 4-6). Gehen wir einen Schritt weiter, von den Kindern zu den Erwachsenen. Wenn wir auf die Erwachsenen schauen, ist die Botschaft des Psalms zunächst: Im Anblick der gesamten Schöpfung Gottes ist der Mensch eigentlich ein Nichts. Er ist niedrig. Er ist unbedeutend, auch der Erwachsene. „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast …“ (Vers 4). Das Weltall, der Kosmos mit allem, was wir sehen, und allem, was wir auch nicht sehen oder nur durch die Teleskope erkennen können und was uns die Wissenschaftler erklären, dieser Kosmos ist atemberaubend, riesig und schön. Im Internet kann man immer wieder Fotos sehen, wenn z. B. das Weltraumtele-skop Hubble gerade ganz neue Fotos geschossen hat. Wer sich so etwas einmal mit Bewusstsein angeschaut hat, kann nur sagen: Es ist einfach unglaublich schön und faszinierend, was Gott geschaffen hat. Die Botschaft hier in unserem Psalm ist: So schön das Weltall auch ist, Gott ist noch viel größer! Er benötigte ja sogar nur Seinen Finger, um das alles zu machen! „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk“. Es gibt andere Texte, wo davon die Rede ist, das Gott mit Seinen Händen etwas schafft. Hier reicht jetzt der Finger. Es ist ein Bild, was man nicht zu buchstäblich interpretieren sollte. Der Schöpfungsbericht sagt uns vielmehr: „Gott sprach, und es geschah“. Wie Gott genau geschaffen hat, ist aber nicht das Thema hier in Psalm 8. Er will uns vor allem deutlich machen: Gott ist so groß, dass es eigentlich ausreicht, wenn Gott mit dem Finger schnipsen würde – und die Welt wäre da. Gott ist so viel größer, dass wir es uns eigentlich nicht vorstellen können.
Offenbarung der Herrlichkeit Gottes am Menschen 5 Ich erinnere mich an einen Abend im August vor ein paar Jahren. Wir waren im Schwarzwald im Urlaub und sind abends noch einmal spazieren gegangen. Es war sternenklarer Himmel. Und es war noch schön warm. So haben wir uns am Ende auf einen Waldweg, der gut asphaltiert und schön sauber war, hingelegt und einfach in den Himmel geschaut. Es war gerade die Zeit mit sehr vielen Sternschnuppen. (Jedes Jahr um den 12. August kommt die Erde in den Sternschnuppenstrom der Perseiden, die dann wirklich gut zu sehen sind, wenn nicht gerade Wolken den Himmel bedecken.) Im Halbminutentakt sind die Sternschnuppen gefallen – hier und da und dort. Auf dem Boden liegend, hatten wir ein sensationelles Panorama. Ich weiß noch wie heute, wie faszinierend es war, Gottes Schöpfung so zu sehen – einfach traumhaft. Das ist das, worauf der Psalm hier anspielt, auf diese wundersamen Dinge, Mond und Sterne, alles, was wir im Weltall sehen. Und was wäre da eigentlich der nächste Gedanke? „Wie so gar nichts ist dagegen der hinfällige winzige Mensch.“ So hat es einmal der Autor eines alten Bibelkommentars ausgedrückt. Wenn ich das Weltall anschaue, alles, was so wunderbar ist, „wie so gar nichts ist dagegen der hinfällige winzige Mensch“. Wir sind ein Staubkorn, oder? Und wie viele Leute, auch wie viele Wissenschaftler, wie viele Evolutionisten wollen uns genau das sagen? Schaut euch das an. Wir haben nicht mehr die Erde im Mittelpunkt. Gut, das glauben wir schon lange nicht mehr. Aber plötzlich ist auch die Sonne mit unserem Planeten nicht mehr im Mittelpunkt. Wir sind irgendwo am Rande der Galaxie. Und unsere Galaxie ist auch irgendwo. Der Mensch – im Zentrum des Denkens Gottes? Warum sollte Er? Es mag tausende Erden geben, wo es Menschen gibt. Es hat noch keiner welche gesehen, aber das ist das, was viele uns sagen. Und irgendwo kann man das ja fast verstehen. Aber der Psalm geht anders weiter! Er fragt: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“ Wie kommt es um alles in der Welt, dass Gott des Menschen gedenkt, obwohl der Mensch so winzig ist im Verhältnis zu Sonne und Mond, Sternen und Sternschnuppen? „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst und des Menschen Kind (oder: des Menschen Sohn), dass du dich seiner annimmst?“ Dieser große, dieser gewaltige Gott, der Schöpfer Himmels und der Erde, Er lässt sich herab und kümmert sich um den Menschen. Das ist das, was hier steht.
Wie unglaublich ist das! Gott offenbart Seine Herrlichkeit tatsächlich auch in der Niedrigkeit des Menschen. Er ist sich nicht zu fein, ganz unmittelbar persönlich am einzelnen Menschen tätig zu werden. „Deswegen wird über den Gedanken, dass der Mensch so winzig ist, hinausgeschritten“, so schreibt der Kommentator weiter, „um in dankbarer Rührung und staunender Anbetung die in umso herrlicherem Lichte erscheinende Liebe Gottes zu feiern, die sich zu dem armen Erdenstaube herausbläßt.“ Wir als Menschen sind vom Staub genommen, so sagt es der Schöpfungsbericht. Und die Bezeichnungen, die hier im Psalm verwendet werden, deuten auch darauf hin. Es gibt im Hebräischen verschiedene Wörter für „Mensch“. Der erste Begriff („enosch“) weist auf die Ohnmacht, die Hinfälligkeit und die Sterblichkeit des Menschen hin. Der zweite Begriff, „der Sohn des Menschen“ (oder „Kind des Menschen“, wie es Luther übersetzt) ist auch ein Hinweis darauf, dass der Mensch vom Erdboden genommen ist. Da steht nämlich das Wort „Adam“. Und Adam ist nicht nur der Eigenname des ersten Menschen gewesen, sondern heißt zunächst einmal „Mensch“. Die allgemeine Bezeichnung für Mann und Frau in den ersten Kapiteln der Bibel ist einfach „Adam“. Warum? Der Mensch heißt deshalb „Adam“, weil er von der „Adamah“, von dem Erdboden, genommen ist. Deswegen haben manche das mit einem Wortspiel wiedergegeben: „Der Mensch ist ein Erdling.“ Er ist ein Erdling, weil er von der Erde, vom Staub der Erde genommen ist. Von dieser Seite aus betrachtet ist dann an dem Begriff „Adam“ nichts Großartiges mehr dran. Es ist Staub, Materie, vergänglich, nichts, womit wir Gott von uns aus beeindrucken könnten. Und gerade heute sind wir durch den Tod eines lieben Bruders unserer Gemeinde wieder an diese Vergänglichkeit erinnert worden. Dieser Leib, durch den Sündenfall gezeichnet, ist nicht für die Ewigkeit gemacht. Wir müssen ihn eines Tages zurücklassen. Aber Gott hat uns verheißen, dass es einen neuen, einen Auferstehungsleib gibt. Preis dem Herrn! Aber diesen alten Leib müssen wir zurücklassen. Das tut weh. Letzte Woche hatten wir auch eine Situation, wo wir als Familie wieder einmal mit dem Tod konfrontiert waren und ich habe gedacht: Ich hasse ihn, ich hasse den Tod! Solche Punkte im Leben sind die stete Erinnerung daran, dass wir in einer gefallenen Welt leben, die Erlösung braucht. Der Psalm sagt uns viel Positives. Und doch erinnert er uns hier auch durch die Begriffe für den Menschen daran, dass wir nach dem Sündenfall leben. Gott sei Dank kommt eine Zeit, wo Gott das alles zur Seite setzt, wo Sünde nicht mehr sein wird, ja wo Tod nicht mehr sein wird. Wenn der Psalm hier vom „Sohn des Menschen“ redet, ist das auch ein erster leiser Hinweis auf den einen Menschensohn, der (aus der Sicht Davids) einst kommen wird. So ist es nicht verwunderlich, dass der Psalm ein paar mal im Neuen Testament aufgegriffen und auf Jesus hin, also messianisch ausgelegt wird. Für den Begriff des „Menschensohns“, den Jesus häufig als Selbstbezeichnung gebraucht, bezieht man sich traditionell auf Daniel 7,13. Da ist von dem Menschensohn die Rede, der vom Himmel kommt. Aber hier in Psalm 8,5 steht es auch ganz wortwörtlich so da. Somit ist der Psalm 8 nicht weniger Anknüpfungspunkt für den Begriff des Menschensohns als Daniel 7. Gott gedenkt also dieses Adams, dieses sterblichen Menschen. Ja, Er schreibt sogar ein „Gedenkbuch“ (Maleachi 3,16). Alle Menschen, die Ihm wichtig sind, die Seine Kinder sind, werden in ein Buch eingetragen, und das wird regelrecht „Gedenkbuch“ genannt. Gehen wir ganz zurück an den Anfang der Bibel. In 1Mose 8,1 haben wir die erste Stelle, wo dieser Begriff auftaucht: Gott „gedenkt“ an Noah und an die Arche, an die Tiere in der Arche, an die Familie von Noah. Im zweiten Buch Mose „gedenkt“ Gott des Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob (2Mose 2,24). Das ist nicht nur einfach eine Erinnerung, nach dem Motto: „Ach so, ja, da war mal was.“ Nein, wenn Gott einer Sache gedenkt, ist da deutlich mehr dahinter. Er wird aktiv. Er handelt. „Gott nimmt sich seiner an“, das ist die zweite Formulierung hier in Psalm 8, die dieses Gedenken noch ein Stück illustriert. Und ist das nicht wirklich faszinierend? Der Gott, der ein solches Weltall geschaffen hat, eine solche Schönheit gemacht hat, der kommt und denkt an dich! Er nimmt dich an! So unbedeutend du sein magst als Mensch – oder vielleicht kommst du dir auch nur so vor – Gott nimmt dich an! Ist das nicht Grund zu Lob und Preis? Ja, mehr noch. Der Psalm sagt: „Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott.“ Der Mensch wird fast in den Himmel gehoben, hat man den Eindruck, wenn man das so liest. Aber zunächst einmal ist dies eine Erinnerung daran, dass Gott den Menschen nach Seinem Bild geschaffen hat (1Mose 1,27). Und davon ist immer noch etwas da. Es ist nicht alles kaputtgegangen. Es ist viel kaputtgegangen. Gott sei’s geklagt! Die Sünde hat auch da ganze Arbeit getan. Aber es ist nicht alles kaputtgegangen. So kann Gott auch den Menschen zur Rechenschaft ziehen, wenn unter Menschen Mord und Totschlag geschieht. „Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden“. Warum? „Denn Gott hat den Menschen zu seinem Bilde gemacht“ (1Mose 9,6). Einen Menschen umzubringen, ist kein Kavaliersdelikt, weil der Mensch im Ebenbild Gottes geschaffen ist. Und das gilt eben nicht in gleicher Weise von den Tieren, von den Pflanzen, von den Bergen und Seen und was Gott sonst noch geschaffen hat. Der Mensch ist insoweit wirklich etwas Besonderes. Er ist nicht einfach nur ein höheres Tier. Nein, er ist tatsächlich die Krone der Schöpfung. Der Text sagt: „Mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.“ Dieser Mensch, der heute in Sünde lebt, vielfach in grausamer Sünde lebt, ist trotzdem zunächst einmal der, den Gott mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt hat. Und deshalb kümmert Er sich um den Menschen. Deshalb hat Er auch einen Weg geschaffen, damit gefallene Menschen wieder zurückkommen können zu Ihm als dem Vater im Himmel. Der Mensch ist Ihm insoweit wirklich wichtig. Gott sagt: „Ich lasse das nicht alles kaputtgehen. Nein, ich schaffe einen Weg des Heils durch meinen Sohn Jesus.“ Im Neuen Testament werden gerade diese Verse aufgegriffen. Und sie werden ganz ausdrücklich auf Jesus bezogen. In Hebräer 2,5ff werden diese Verse zitiert, dort allerdings in einer klein wenig abweichenden Übersetzung, nämlich so, wie es die Septuaginta, die griechische Übersetzung des Alten Testaments wiedergibt. Die Elberfelder und die Schlachter Übersetzung haben das dann gewissermaßen aus dem NT zurück ins AT übernommen und schreiben deshalb auch in Psalm 8,6 nicht: „Etwas weniger als Gott“, sondern „etwas weniger als die Engel“. Der hebräische Begriff „Elohim“ heißt an den allermeisten Stellen einfach „Gott“, hat aber doch im Grundsatz eine gewisse Bedeutungsbreite, die auch an einigen anderen Stellen im AT zum Tragen kommt, so dass die Übersetzung der Septuaginta hier wohl prinzipiell möglich ist. Weitere Details sprengen den Rahmen einer Predigt. Worauf aber der Hebräerbrief hinaus will, ist dies: Jesus ist der Mensch, der Sohn des Menschen, der Sohn Adams, nämlich der neue oder letzte Adam, der gekommen ist und der im vollsten und besten Sinne Mensch ist, wie Gott es sich vorgestellt hat, der auch die Sünde überwunden hat, der alles wiederhergestellt hat. Ja, Jesus ist der, von dem dann gesagt wird, dass Ihm dereinst, wenn alles vollendet ist, auch wirklich alles vollständig unter die Herrschaft Seiner Füße gekommen sein wird. So ist Jesus der Prototyp des neuen Menschen schlechthin. Wir haben hier zwei verschiedene Blickrichtungen: Der Psalm selbst hat stärker den Blick von der Schöpfung her und legt einen Fokus auf das, was noch intakt ist. Das Neue Testament, besonders jetzt hier in Hebräer 2, hat stärker den Blick von der Erlösung her und erinnert uns daran, was schon kaputtgegangen ist und wiederhergestellt werden muss. Beides zusammen erschließt uns den Psalm in seiner vollen Bedeutung.
Titus Vogt © https://www.arche-gemeinde.de/fileadmin/Media/Print/Kanzeldienst/2012/07/P120729M.pdf

GOTT OFFENBART SEINE HERR-LICHKEIT IN DER UNMÜNDIGKEIT VON KINDERN

(V. 3):„Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet.“
Ist das nicht wunderbar? Gott hat durch den Mund von Kindern gesprochen. Das heißt es geht nicht einfach nur um das bloße Dasein. Ja, Kinder sind ganz nett und süß, besonders wenn sie klein sind. Aber der Psalm sagt mehr: durch den „Mund“ der Kinder und Säuglinge, also irgendwie durch eine lautliche Äußerung offenbart sich Gott. Bei Säuglingen ist das erst einmal ein Schreien, ein irgendwie bemerkbar Machen. Aber die Begriffe hier in dem Psalm sind relativ breit. Also wahrscheinlich geht es nicht nur um die Null- bis Einjährigen, sondern auch um etwas ältere Kinder, aber in jedem Falle um Unmündige, nicht um reife Erwachsene. Gott nimmt sich als Beispiel des Menschen erstmal die Kleinsten, die, die am wenigsten zu sagen haben, die Unbedeutendsten, die Unmündigen. Was macht Er mit ihnen? Gott „gründet eine Macht“ (ELB), Er „errichtet ein Bollwerk“ (ZÜR), Er „bereitet ein Lob“ (SCH). Macht, Stärke und Lob scheinen da irgendwie zusammenzuhängen. Warum? „… um deiner Feinde willen“. Von den Feinden Gottes ist hier die Rede. Man mag sich fragen, wie das gehen soll? Wie kann man sich das vorstellen? Kleine Kinder sollen gegen Gottes Feinde auftreten? Nach menschlichem Ermessen ist das ein völliges Unding. Gott sei Dank hat es nicht viele Situationen in dieser Welt gegeben, wo Menschen versucht haben, Kinder buchstäblich in einen Kampf zu schicken. Und dort, wo es das gegeben hat, war es eine absolute Katastrophe. Kindersoldaten in Afrika sind in den letzten Jahren durch Gerichts-prozesse vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag immer wieder ein Thema gewesen. Das ist nicht das, was hier gemeint ist! Auch im Mittelalter gab es einen Kreuzzug mit Kindern. Unglaublich! Das ist schwerste Sünde gegen Kinder. Das ist überhaupt nicht das, was in Psalm 8 gemeint ist. Gott hat ganz andere Wege. Aber Gott gebraucht Kinder. Er benutzt Unmündige. Gott möchte uns hier sagen: Es kommt nicht auf die rhetorisch geschliffene Rede von Erwachsenen an, auf supertolle, intellektuelle Überzeugungsarbeit – so gut und recht das alles zur richtigen Zeit ist. Es geht auch nicht darum, ein Plädoyer für Dummheit oder Laschheit abzugeben, nein. Aber Gott ist nicht wirklich darauf angewiesen. Er benutzt die Kleinsten und die Unbedeutendsten, um zu Seinem Ziel zu kommen. Dieser Psalm ist ein Plädoyer für eine richtige Selbsteinschätzung im Angesicht Gottes, also ein Plädoyer gegen Selbstüberschätzung, Hochmut und Stolz. Wir sollen uns erkennen als das, was wir sind: Geschöpfe Gottes. Und zunächst einmal sind wir ganz winzig klein und eigentlich ganz unbedeutend. Jesus sagt uns: „Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Matthäus 18,3; EIN). Irgendwie kennen wir den Text, lesen ihn regelmäßig. Er ist uns präsent. Aber leben wir ihn auch? Haben wir verstanden, worum es geht? Kinder haben ein natürliches Urvertrauen zu ihren Eltern. Gott hat das so in sie hineingegeben – und das ist auch das Beste, was im Normalfall passieren kann, wenn Eltern ihre Verantwortung wahrnehmen. Das ist ein Aspekt, nur ein Aspekt, aber es ist ein Gedanke, der Gott wichtig ist: Wir sollen Ihm so vertrauen, wie Kinder ihren Eltern vertrauen: Das, was der Vater im Himmel sagt, ist das Beste für mich. Wenn ich das lebe, kann es nur gut sein. Dann kann Leben wirklich gelingen. Aber der Vers sagt: „… eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen, dass du vertilgst den Feind und den Rachgierigen“ (LUT). Die Elberfelder übersetzt etwas zurückhaltender: „dass die Feinde zum Schweigen gebracht werden“. Im Hebräischen steht hier das Verb, von dem „Sabbat“ kommt. Der Sabbat ist zunächst einmal der Ruhetag. Es hat also irgendetwas mit „ausruhen“ oder „zur Ruhe bringen“ zu tun. Wenn jemand vertilgt ist, ist er auch ruhig. Aber er muss nicht vertilgt sein, um zur Ruhe zu kommen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dass Feinde am Ende nicht mehr Feinde sind, sei es, weil sie wirklich nicht mehr da sind, sei es, weil sich vielleicht auch bekehrt haben. Paulus reflektiert das einmal im Römerbrief: Jesus starb für uns, „als wir noch Feinde waren“ (Römer 5,10). Wenn wir unsere Sünde erkennen und zu Gott umkehren, verwandelt Gott uns – und aus Feinden werden Freunde Gottes. Der Psalm redet davon, dass die Unmündigen für Gott wichtig sind. Wir haben dazu im Neuen Testament einige Beispiele, die das illustrieren. Schauen wir zunächst in 1. Korinther 1, wo Paulus über die Weisheit der Welt schreibt, die in den Augen Gottes nicht taugt. Gegen Ende des Kapitels schreibt er: „Was töricht ist vor der Welt“, „was schwach ist vor der Welt“, „das Geringe“ und „das Verachtete“ – Was ist damit? – „das hat Gott erwählt“ (Vers 27-28). Das ist Gott wichtig. Das, was für die Welt nichts ist, gerade das nimmt Gott. Auch da geht der Text weiter: „… um zuschanden und zunichte zu machen, was vor der Welt etwas gilt“. Nämlich die, die sich selber für weise halten, die sich selber für klug halten, die macht Gott „zunichte“ oder die bringt Er zurecht, wenn es positiv läuft. Warum? In Vers 29 heißt es dann: „damit sich kein Mensch vor Gott rühme.“ Das ist das Ziel: Menschliche Weisheit, menschliche Klugheit ist nicht der Weg, um brillant vor Gott dazustehen. Das Evangelium ist anders. Es ist ein Anerkennen dessen, dass ich nichts bin. Und wer sieht, dass er „töricht“, „schwach“, „gering“ und „verachtet ist vor der Welt“, der kann schlecht auf sich selber schauen und sagen: „Schau mal, wie toll ich bin – super gemacht.“ Das funktioniert nicht, das ist nicht überzeugend. Ja, Gott nimmt gerade diese Menschen, die vor der Welt nichts gelten. Gott sei Dank – in Klammern gesagt – nimmt Er nicht nur diese. Es heißt nicht: Wer besonders klug ist, hat keine Chance vor Gott. Aber der Fokus ist hier: Gott nimmt im Besonderen das Geringe und das Schwache an. Unser Psalm wird auch in Matthäus 21 zitiert: Einzug in Jerusalem. Die Menge jubelt Jesus zu. Er geht in den Tempel. Er sieht dort die Händler. Er ist erbost und erzürnt. „Gottes Haus soll ein Bethaus sein. Ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus“ (Matthäus 21,13), sagt Jesus. Dann kommen die Hohenpriester und Schriftgelehrten zu Jesus und meckern. Sie sagen: „Hast du gehört? Da gibt es doch Kinder, die rufen: ‚Hosianna dem Sohn Davids.‘ Mach etwas! Schreite ein! Was sollen die Kinder da? Wir sind doch hier anständige Erwachsene“ (nach Matthäus 21,15). Als Jesus das hört, zitiert Er diesen Vers aus Psalm 8 und sagt: „Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet.“ Die Feinde, auf die Psalm 8,3 Bezug nimmt, sind hier ganz offensichtlich die Hohen-priester und Schriftgelehrten – und Jesus dreht sich herum und geht. Gehen wir zeitlich noch ein klein wenig zurück, direkt zum Einzug von Jerusalem. Die Menge kommt mit Jesus nach Jerusalem. Sie breiten ihre Kleider aus, legen Palmwedel auf den Weg. Jesus reitet auf dem Esel in Jerusalem ein. Und die Menge ruft: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn“ (Lukas 19,38). Aber dann kommen Pharisäer und sagen zu Je-sus: „Meister, weise doch deine Jünger zurecht“ (Lukas 19,39). Gut, die Jünger waren sicher schon Erwachsene, und doch waren es in einem Sinn Schüler gewesen. Im Verhältnis zum Meister waren sie die, die am Lernen waren, die ein Stück weit Unmündige waren. Insofern ist das in einem indirekten Sinn auch ein Beispiel für die Wahrheit von Psalm 8,3. Was sagt Jesus? „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien“ (Lukas 19,40). Gott benutzt das, was nichts ist vor der Welt. Jeder weiß, Steine im buchstäblichen Sinn können nicht schreien. Es ist ein dramatischer Ausdruck, den Jesus hier wählt, um deutlich zu machen: Nein, die Unmündigen, die Kleinen, die Unbedeutenden, die sind mir wichtig. Jesus geht sogar einen Schritt weiter. In Matthäus 10,29 lesen wir: „Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen?“ Für ein paar Cent? „Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater.“ Das, was in dieser Welt völlig unbedeutend scheint, ist Gott wichtig. Noch ein alttestamentliches Beispiel: David und Goliat. Bevor David gegen Goliath kämpft, steht eine andere Geschichte. 1. Samuel 16. Samuel kommt zu Isai, dem Vater von David und seinen Brüdern. Samuel hatte von Gott den Auftrag, einen neuen König zu salben, weil Gott Saul von seinem Königtum verworfen hatte. Isai bringt alle seine Söhne, einen nach dem anderen, und stellt sie vor Samuel hin. Samuel muss im Auftrag Gottes immer sagen: „Nein, der ist es nicht. Und der auch nicht.“ Gott sagt dann: „Schau nicht auf das Äußere, auf den äußeren Wuchs, die Größe und Schönheit. Das ist nicht das, was vor Gott zählt. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an“ (1. Samuel 16,7). Dann sind alle Söhne durch, aber Samuel hat immer noch keinen gewählt. Er fragt: „Sind das alle? Oder hast du nicht doch noch irgendwo einen Sohn?“ Na ja, und dann erklärt Isai: „Ja, da ist noch der Jüngste, der David. Der ist da draußen irgendwo auf dem Feld. Er hütet die Tiere.“ Und Samuel sagt: „Ja, lass ihn holen. Vielleicht ist er es.“ Und tatsächlich, Gott sagt: „Der ist es.“ Der Kleinste, der Jüngste, der Unbedeutendste, den greift sich Gott und erwählt ihn. So salbt ihn Samuel. Nur ein Kapitel später, in 1. Samuel 17, kommt dann die Geschichte, dass Israel angegriffen wird und in großer militärischer Not ist. Plötzlich wird David geholt, einer, der militärisch gesehen eigentlich nichts ausrichten kann. Die Rüstung ist ihm zu schwer. Er sagt: „Vergesst es. Ich kann ja keinen Schritt laufen.“ Er nimmt nur seine kleine Schleuder – und besiegt damit Goliat und mit ihm das ganze feindliche Heer. Es ist wieder dieses Prinzip Gottes: Er greift das Unbedeutende heraus. Er macht aus fast nichts einen dramatischen Sieg. Er benutzt Kinder, Unmündige, junge Leute, die nichts vor der Welt sind und erweist dadurch Seine Macht und Herrlichkeit. Wenn wir heute in unserer Zeit zum Teil sogar in unserer Gesellschaft Kleines und Geringes wertschätzen, ist das keinesfalls selbstverständlich. Es gibt viele Kulturen und Religionen in dieser Welt, wo das nicht im Ansatz Teil des Denkens ist. Lasst uns dankbar sein, wenn das in unserer Kultur ein Stück weit so ist. Es ist ein Erbe der Bibel. Es ist eine christliche Prägung. Das ist nicht selbstverständlich. Viele haben uns das einfach als Schwachheit ausgelegt. Es gab Zeiten, wo das genau so gepredigt wurde. Friedrich Nietzsche (1845-1900), ein einflussreicher Philosoph, ist bekannt für seine „Gott ist tot“-Theologie. Die Ethik der Bibel bezeichnete er als „Sklavenmoral“. Er sagte: „Wir Deutschen, wir sind die Herrenmenschen. Biblisches Denken: Liebe deine Feinde zum Beispiel, liebe, die dich hassen, das ist Sklavenmoral!“ Es hat nicht lange gedauert, dass das Politiker aufgegriffen haben – und wir kennen die Folgen. Sie waren katastrophal für Deutschland und für viele Länder ringsherum. Millionen Menschen sind gestorben wegen dieser wahnsinnigen Ideologie. Lasst uns deshalb dankbar sein für einen Gott, der das Geringe wertschätzt, und auch dankbar sein für eine Gesellschaft, wo das immer noch oder wieder ein Stück weit erkannt und anerkannt wird.
Titus Vogt © https://www.arche-gemeinde.de/fileadmin/Media/Print/Kanzeldienst/2012/07/P120729M.pdf

Offenbarung der Herrlichkeit Gottes am Menschen

„Ein Psalm Davids, vorzusingen, auf der Gittit.
Der Psalm beginnt mit einem kurzen Hinweis, für wen er geschrieben ist, nämlich für den „Chormeister“ (BUB, ZÜR) oder den „Chorleiter“ (ELB) oder den „Vorsänger“ (SCH). Luther übersetzt hier einfach mit „vorzusingen“. Aber wahrscheinlich ist es ein Hinweis auf eine Person. Und wenn von einem „Chorleiter“ oder „Vorsänger“ die Rede ist, ist relativ schnell klar, dass der Psalm nicht nur für den privaten Gebrauch und für das private Gebet gedacht ist, sondern wohl schon für einen gemeinschaftlichen Gottesdienst. Insofern passt es auch gut, dass wir ihn jetzt gemeinsam als Gemeinde betrachten, gemeinsam Gott die Ehre geben für das, was Er uns hier zu sagen hat. Im Psalmtext kommt dann dieses merkwürdige Fremdwort, was keiner kennt: „auf der Gittit“ (SCH) oder „nach der Gittit“ (ELB). Keiner weiß, was das ist. Die einen vermuten ein Musikinstrument, wahrscheinlich dann ein Saiteninstrument. Andere vermuten eine besondere Melodie. Wie auch immer, wir haben noch zwei weitere Psalmen, wo dieser Begriff vorkommt. Psalm 81 von Asaf und Psalm 84 von den Söhnen Korachs. Und wenn wir uns diese drei Gittit-Psalmen anschauen, stellen wir fest, dass alle drei Loblieder auf Gott sind. Sie preisen den Herrn für das, was Er getan hat. Und nicht zuletzt sagt uns Vers 1, wer den Psalm geschrieben hat, nämlich David, der ja einen großen Teil der Psalmen verfasst hat. Wann dieser Psalm geschrieben wurde, wissen wir nicht, da es im Text keinen Anhaltspunkt gibt. Aber für das Verständnis dieses Psalms ist es auch nicht wichtig.
Predigt vom 29.07.2012 von Titus Vogt ©
https://www.arche-gemeinde.de/fileadmin/Media/Print/Kanzeldienst/2012/07/P120729M.pdf

Psalm 8

Die Anführung mehrerer Verse dieses Psalms im Neuen Testament macht klar, dass hier sehr Bedeutsames über den Herrn Jesus Christus vorausgesagt wird. Auf Ihn trifft zu, dass Er erniedrigt und danach mit Herrlichkeit und Pracht gekrönt sein würde. Er würde über die Werke Gottes gesetzt sein, und alles würde Ihm unterworfen sein (Vers 6). Im Brief an die Hebräer Kap. 2,5–9 werden diese Aussagen auf Jesus Christus bezogen; sie haben durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes und durch Seine Erhöhung zur Rechten Gottes ihre Erfüllung gefunden. Jesus Christus ist der vollkommene Mensch nach Gottes Ratschluss, der in diesem Psalm vorgestellt wird. Er allein entspricht den hohen Anforderungen der Verse 6 und 7. Durch Ihn werden die Ziele Gottes mit dieser Schöpfung erreicht.
Der Ausruf „HERR, unser Herr, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde!“ zu Anfang und nochmals am Ende des Psalms ist kennzeichnend für seinen Inhalt. Es geht um die Verherrlichung des Namens Gottes und im Besonderen darum, in welcher Herrlichkeit und Majestät Er Seine Eigenschaften und Sein Wirken offenbart.
Bei der Geburt des Herrn Jesus hatte der Engel des Herrn mit einer Menge der himmlischen Heerscharen im Voraus angekündigt: „Herrlichkeit Gott in der Höhe und Friede auf Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen!“ (Lk 2,14). Als der Herr Jesus auf einer Eselin reitend in Jerusalem einzog und viele Ihm den höchsten Platz zuerkannten mit dem Ausruf: „Hosanna dem Sohn Davids! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!“, waren Kinder zugegen, „die im Tempel schrien und sagten: Hosanna dem Sohn Davids!“ (Mt 21,9.15; 23,39; Joh 12,13). Gegenüber den Hohenpriestern und Schriftgelehrten verteidigte der Herr damals die Kinder, indem Er den ersten Teil des dritten Verses aus Psalm 8 anführte. Diese Kinder anerkannten Seine Person, als Sohn Davids auf diese Erde gekommen, und verherrlichten auf ihre einfache Weise Gott, der Sich in Jesus offenbarte. Das ist höchster Ruhm zur Ehre Gottes, und diese gute Tat wird in Psalm 8 durch David prophezeit (Vers 3). Indessen ist Gott nur in der Person und durch das Werk Jesu, des Sohnes Gottes, in Vollkommenheit verherrlicht worden. Und dadurch ist jetzt in der Zeit des Christentums die Möglichkeit geschaffen, Gott in lebendiger Verbindung mit Christus und in Seinem Geist und Sinn in rechter Weise zu verehren. Nur durch Christus und Seinen Geist bewirkt, kommt es zu dem wahren Lob Gottes: „HERR, unser Herr, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde“ (Verse 2 und 10). Das wird in ewiger Vollkommenheit geschehen, nachdem unser Zeitalter der Gnade und auch das Tausendjährige Reich ihr Ende gefunden haben, „wenn er (Christus) das Reich dem Gott und Vater übergibt, wenn er weggetan haben wird alle Herrschaft und alle Gewalt und Macht. …Denn alles hat er seinen Füßen unterworfen“ (1. Kor 15,24.27).
Als der Unwandelbare steht der Herr hoch erhaben über dem Geschaffenen. Vers 4 erwähnt rühmend „deine Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast“. Der Weltraum ist für unser Empfinden unfassbar groß und gewaltig. Demgegenüber erscheinen wir Menschen gering und winzig. Zudem ist das Weltall der Grenzbereich, den wir mit unseren Sinnen zwar noch „anschauen“, aber schon nicht mehr wirklich erfassen können. Darüber hinaus reicht unser Vorstellungsvermögen jedenfalls nicht.
Welche Stellung nimmt in diesem unbegreiflich ausgedehnten Raum der Mensch, der Staubgeborene ein? Kommt ihm darin überhaupt eine wesentliche Bedeutung zu? „Was ist der Mensch?“ (Vers 5). Bezeichnend ist, dass an dieser Stelle das im Hebräischen für ‚Mensch‘ gebrauchte Wort auch die Bedeutung ‘schwach, hinfällig‘ hat. Gleich danach ist in Vers 5 von „des Menschen Sohn“ die Rede, und da bedeutet das für ‘Mensch‘ verwendete Wort ‘von Erde‘ (oder: Adam). Wenn nun den Menschen eine so unbedeutende Herkunft und angesichts des Universums eine derartige Geringfügigkeit und Ohnmacht kennzeichnet, was gab dann Anlass, vom Menschen noch viel Aufhebens zu machen und ihm besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden? (Ps 144,3.4). Als „Gott sprach: Lasst uns Menschen machen“ (1. Mo 1,26) und das Baumaterial dazu von der Erde nahm, entstanden irdische menschliche Wesen, die nur unter den Gegebenheiten des Planeten Erde lebensfähig sind. Sie bleiben stets abhängig von den dort geltenden Naturgesetzen und sind dabei Zeit und Raum absolut unterworfen. Die besonderen Fähigkeiten himmlischer Wesen, wie die Engel sie haben, besitzen die Menschen nicht.
Wie beeindruckend ist hier der Gedanke an die Erniedrigung und die Erhöhung des Sohnes des Menschen (Heb 2,5ff; 1. Kor 15; Eph 1). Adam war das Bild Dessen, der da kommen sollte. Christus ist der Mensch nach Gottes Ratschlüssen. „In den Gedanken Gottes ist die gesamte Schöpfung nur der Fußschemel für den zweiten Adam.“ (Rossier, H.: Betrachtungen über die Psalmen, 1978, S. 91) Er, der menschgewordene Sohn Gottes, ist wegen des Leidens des Todes ein wenig unter die Engel erniedrigt worden. Christus ist es, der in Seiner Person und durch Sein Wirken die Aussagen des Psalms 8 erfüllt. Er ist der ewige Sohn Gottes, dem einst alles zu Füßen liegen wird. Durch Seine Offenbarung als Mensch ist sichtbar geworden, was Gott mit der Erschaffung des Menschen bezweckt. In Seiner wunderbaren Person steht tatsächlich und in gottgewollter Weise ein Mensch als Herrscher über der gesamten Schöpfung. Wenn Er in der Zukunft als Gebieter offenbart wird, ist Jesus, der einst der Knecht Gottes auf Erden war, vor allen Lebenden verherrlicht. Er, der sich erniedrigt hat, Mensch auf Erden zu sein, ist dann vor aller Augen mit Herrlichkeit und Pracht gekrönt (Vers 6; Ps 148,13; Jes 59,18.19; 60,1.2; 66,18; Joh 1,49–51). Jeder Feind, vor allem Satan, ist dann zum Schweigen gebracht (Vers 3; Ps 76,9.10; Jes 2,10.11; Hab 2,20). Gottes und des Menschen Sohn, Jesus Christus, ist der wirkliche Träger aller Herrlichkeit in der Schöpfung. Nur Ihm, dem zweiten Menschen, dem Menschen vom Himmel, kommt die überragende Bedeutung zu, die Psalm 8 als die eigentliche Absicht Gottes bei der Erschaffung des Menschen beschreibt. Er ist in der Niedrigkeit eines Menschen auf diese Erde gekommen, Er, der von Ewigkeit her der Sohn Gottes ist.
Von entscheidender Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Auferstehung Jesu Christi, der als auferstandener Mensch in den Himmel gegangen ist und dessen Platz seitdem „zur Rechten Gottes ist, indem Engel und Gewalten und Mächte ihm unterworfen sind“ (1. Pet 3,21.22). In Bezug auf das Leiden des Todes auf Erden war Er niedriger (oder: geringer) gemacht als die Engel, aber nun ist Er „mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ (Heb 2,6–9). Durch das Zitat der Verse 5 bis 7 aus dem vorliegenden Psalm in dem Brief an die Hebräer macht der Heilige Geist klar, wer hier in Psalm 8,6.7 gemeint ist und dieses prophetische Wort erfüllt hat. Wie sollte einer von diesen geringen, unzuverlässigen Mensch mit Herrlichkeit und Pracht gekrönt und zum Herrscher über die Werke Gottes gemacht werden? Wer ist der überragende Mensch, dem Gott alles unter die Füße stellen kann? Gott Selbst hat durch die Sendung Christi auf diese Fragen geantwortet, denn niemand unter den Menschen hätte jemals diesen Anforderungen gerecht werden und zur Verherrlichung Gottes sein können. Darum hat Er Seinen eigenen Sohn herab gesandt und in Ihm den fehlerlosen Menschen offenbart, der, durch Liebe getrieben, in vollkommenem Gehorsam die Kreuzigung zu erleiden hatte und in den Tod ging. Alles das, was dem Menschen zu der vorgesehenen hohen Bestimmung fehlte, ist in Christus vorhanden, und es wird aus Gnade dem zuerkannt, der an Ihn glaubt und sich in Ihm geborgen weiß. Der gläubige Christ ist „zu seinem eigenen Reich und seiner eigenen Herrlichkeit“ berufen, „zur Erlangung der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus“ (1. Thes 2,12; 2. Thes 2,14). Diese wunderbare Stellung jedes wahrhaft Gläubigen hat der Herr Jesus ermöglicht. Karl Mebus
https://www.bibelkommentare.de/kommentare/k-5962/die-psalmen/psalm-8