A Domesticated Jesus (Ein gezähmter Jesus)

Nichts wäre schlimmer als das: Ein gezähmter Jesus. Ein Jesus, der ruhiggestellt und gebändigt ist. Einer, der nicht mehr stört, sondern bestens ins Gefüge passt. Ja, der sogar für eigene (Macht-) Positionen nutzbar gemacht werden kann. Also einen Jesus, der perfekt in unser Gemeinde- und Gesellschaftsleben passt.
Genau das war er nicht. Er hat gestört. Er hat den Machtanspruch und das „System“ der (auch religiösen) Elite gefährdet. Er war ein Revolutionär, der Nächsten- und Feindesliebe nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt hat. Der Gerechtigkeit, statt Systemtreue gefordert hat (Mk 7). Seine Kritik galt der religiösen Elite, sein Augenmerk den Ausgestoßenen, Verwundeten und Prostituierten. In seinen Reden kommen sogar die verhassten Ausländer und Heiden besser weg. So ein Jesus war nicht tragbar. Er gefährdete das System. Die Loyalität des Volkes stand auf dem Spiel. Er war einfach unzähmbar. Man konnte ihn nicht ruhigstellen. Musste er denn immer die Heuchelei der Frommen anprangern? Er musste weg, koste was es wolle. Seine Verkündigung vom Reich Gottes war zu radikal, zu gerecht. Untragbar. Aber wie wird man ihn los?
Gemeindeausschlussverfahren? Gerne, funktioniert aber nicht. Er hatte zu viele begeisterte Anhänger. Die würden dem nicht zustimmen.
Bändigen oder einen halbwegsguten Kompromiss schließen? Alle Versuche scheiterten.
Der Sünde überführen? Selbst die besten Fangfragen durchblickte er. Er wurde zunehmend gefährlicher für das System.
Da blieb noch eine letzte Lösung: Als Irrlehrer und Verräter entlarven. Aus dieser Schublade ist noch keiner gekommen. Das war stichhaltig, denn er widersetzte sich der religiösen Gemeindeautorität und verriet den Gemeindetempel unerhörter weise als Räuberhöhle. Und für die römische Gesellschaft war er mit seinem Königsanspruch ebenfalls unpassend und gefährlich. Das lässt sich leicht kombinieren.
So wurde man ihn los. Dachte man zumindest.
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