„Viel Glück und Segen!“

Das wünschen wir uns zur Hochzeit und zu Geburtstagen. Reflexartig, wenig überlegt, wie automatisch. Derzeit steht in Bonn ein Segensroboter auf der Strasse. Er spricht sieben Sprachen, wahlweise mit weiblicher oder männlicher Stimme. Die Art der Segenssprache lässt sich am Bildschirm wählen. Der ist auf der Roboterbrust montiert. Auf den Touchscreen gedrückt, rotieren die Blecharme von BlessU-2 – so heisst der Roboter – in die Höhe. Während die Handflächen blinken, spricht die Maschine ein Segenswort. Anschliessend lässt sich der Vers wie eine Quittung ausdrucken. Ist das nun witzig, sinnlos oder ernst zu nehmen?
So, wie sich „Freundschaft“ letztlich nicht definieren lässt, ist es auch mit dem „Segen“. Wir begnügen uns zu oft mit der Oberfläche, reden rasch von einer „gesegneten Begegnung“ und „gesegneten Tagen“. Was aber machte die Begegnung, diese Tage im Unterschied zu anderen „gesegnet“? Zum Beispiel dies: Versöhnliche Worte nach dem Streit, eine Ermutigung nach Tagen der Angst, das Ablegen einer sündhaften Gewohnheit, der Ruf in eine neue Aufgabe. In vielen Fällen zeigt sich Segen in sehr konkretem Verhalten. Dies allerdings ist anstrengender als Segenssprüche, die an der Oberfläche bleiben.
Woher kommt das Wort „segnen“? Vom Lateinischen „cruce signare“, mit dem Kreuz zeichnen. Gesegnete sind Gezeichnete. Ausgezeichnet mit der Kraft Gottes, die den Tod in Leben wandelt. Ja, Segen wandelt Böses in Gutes. Segnen ist mitunter ein Ausdruck von Gottes Macht. Auf alle Zeiten sichtbar ist sie am Kreuz. Diesen Galgen, dieses Fluchinstrument macht Gott zum Heilszeichen. Er erweckt Jesus Christus zu neuem Leben.
Wir lernen dieses Prinzip in der Bibel kennen. Die Söhne Jakobs verkaufen ihren Bruder Josef als Sklaven nach Ägypten. Menschenhandel aus purer Eifersucht. Josef macht aber Karriere. Er steigt auf zum Berater des Pharao. Am Ende kriegen es Josefs Brüder mit der Angst vor seiner Rache zu tun. Doch er sagt ihnen: „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen“ (1. Mose 50,20). Josef segnet sie. Damit werden Beziehungen wieder möglich, das Leben geht gut weiter. Im Segen liegt die „gantze Theology auff einen Hauffen“. So sagte es Martin Luther. Der Segen steht in Verbindung mit dem Heil, das Christus schenkt. Und das Alltägliche wird für den zum Segen, der dies dankbar erkennt. Sei ein Segensträger!
Chefredaktor: Rolf Höneisen ideaschweiz.ch (FB)

Segnen heißt:

Die Hand auf etwas legen und sagen:
Du gehörst trotz allem Gott.
So tun wir es mit der Welt,
die uns solches Leid zufügt.
Wir verlassen sie nicht.
Wir verwerfen, verachten, verdammen sie nicht,
sondern wir rufen sie zu Gott.
Wir geben ihr Hoffnung,
wir legen die Hand auf sie und sagen:
Gottes Segen komme über dich.
Wir haben Gottes Segen empfangen
im Glück und im Leiden.
Wer aber selbst gesegnet wurde,
der kann nicht mehr anders
als diesen Segen weitergeben,
ja, er muss dort, wo er ist,
ein Segen sein.
Nur aus dem Unmöglichen
kann die Welt erneuert werden,
dieses Unmögliche ist der Segen Gottes.
Dietrich Bonhoeffer am 8.6.1944 DBW 8, 675