Gemeinsame Erklärung der Vorsitzenden der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz zum Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung

Anlässlich des heute (26. Februar 2020) ergangenen Urteils des Bundesverfassungsgerichts zum § 217 StGB und der Aufhebung des Verbots der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung, erklären der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm:
„Mit großer Sorge haben wir zur Kenntnis genommen, dass das Bundesverfassungsgericht am heutigen Tag (26. Februar 2020) das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung (§ 217 StGB) aufgehoben hat. Dieses Urteil stellt einen Einschnitt in unsere auf Bejahung und Förderung des Lebens ausgerichtete Kultur dar. Wir befürchten, dass die Zulassung organisierter Angebote der Selbsttötung alte oder kranke Menschen auf subtile Weise unter Druck setzen kann, von derartigen Angeboten Gebrauch zu machen. Je selbstverständlicher und zugänglicher Optionen der Hilfe zur Selbsttötung nämlich werden, desto größer ist die Gefahr, dass sich Menschen in einer extrem belastenden Lebenssituation innerlich oder äußerlich unter Druck gesetzt sehen, von einer derartigen Option Gebrauch zu machen und ihrem Leben selbst ein Ende zu bereiten.
Wir haben die sehr verantwortliche gesellschaftliche und politische Debatte zum assistierten Suizid, die über mehrere Jahre und auf vielen Ebenen geführt wurde, aktiv begleitet. Den Kompromiss, den schließlich eine breite politische Mehrheit über alle Fraktionen des Deutschen Bundestages hinweg gefunden hat, haben wir als maßvolle Regelung empfunden, die die Selbstbestimmung besonders verletzlicher Menschen in ihrer letzten Lebensphase schützen sollte. Die Einbettung dieser gesetzlichen Maßnahme in den Kontext einer deutlichen Verbesserung der palliativen und hospizlichen Versorgung überzeugt uns nach wie vor.
An der Weise des Umgangs mit Krankheit und Tod entscheiden sich grundlegende Fragen unseres Menschseins und des ethischen Fundaments unserer Gesellschaft. Die Würde und der Wert eines Menschen dürfen sich nicht nach seiner Leistungsfähigkeit, seinem Nutzen für andere, seiner Gesundheit oder seinem Alter bemessen. Sie sind – davon sind wir überzeugt – Ausdruck davon, dass Gott den Menschen nach seinem Bild geschaffen hat und ihn bejaht und dass der Mensch sein Leben vor Gott verantwortet. Die Qualität einer Gesellschaft zeigt sich gerade in der Art und Weise, wie wir einander Hilfe und Unterstützung sind. Daher setzen wir unsere Bemühungen fort, Menschen in besonders vulnerablen Situationen Fürsorge und Begleitung anzubieten. Neben den bereits bestehenden und weiter auszubauenden Angeboten palliativer und hospizlicher Versorgung gehört dazu auch zunehmend die Frage, wie wir Menschen, die einsam sind, Hilfe anbieten und sie seelsorglich begleiten können. So wollen und werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass organisierte Angebote der Selbsttötung in unserem Land nicht zur akzeptierten Normalität werden.“
Hannover, 26. Februar 2020 Pressestelle der EKD  Carsten Splitt
https://www.ekd.de/gemeinsame-erklaerung-dbk-und-ekd-zum-urteil-selbsttotung-53539.htm

Verdeckte Förderung der Euthanasie. Wird Sterben Pflicht?

Das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts für kommerzielle Sterbehilfe ist ein fatales Signal (26.2.2020). Wie von den gewinnorientierten Sterbehilfeorganisationen gefordert, wurde das Verbot „gewerblicher“ Hilfe zur Selbsttötung gekippt. Sterbewillige bezahlen bis zu 5000 Euro für ein Giftcocktail mit dem sie sich dann das Leben nehmen können. Die Gewinnspannen für solche Sterbehelfer sind enorm. Und wie bei jedem Geschäftszweig besteht deren Interesse natürlich nicht darin, Menschen zum Weiterleben zu motivieren, sondern Kunden die eigene Dienstleistung, hier den Tod, attraktiv zu verkaufen.
In der öffentlichen Werbung für ihre Dienstleistung setzen die Sterbehilfeorganisationen vor allem auf das Argument „persönliche Selbstbestimmung“. Alle, die regelmäßig mit Kranken oder Suizidgefährdeten zu tun haben, wissen, dass Millionen Menschen während ihres Lebens Phasen haben, in denen sie sich das Leben nehmen wollen. Werden diese Personen medikamentös oder seelsorgerlich behandelt überwinden sie diese Krise zumeist. Häufig brauchen die Betroffenen keine schnelle Möglichkeit zur Selbsttötung, sondern eine neue Perspektive für den Rest ihres Lebens. Sterbehilfe liefert ihnen stattdessen eine fatale Bestätigung der negativen Selbstbeurteilung ihrer Lebenssituation.
In einer Welt, die Alten, Kranken und weniger Erfolgreichen beständig Minderwertigkeit suggeriert, leiden viele Menschen unter zeitweiligen Lebensüberdruss oder tiefer Verzweiflung. Hunderttausende wünschen sich nach einer gescheiterten Beziehung, dem Tod eines Kindes, dem Verlust eines Arbeitsplatzes, der Diagnose einer schweren Erkrankung usw. den eigenen Tod. Ändert sich die Situation oder die persönliche Perspektive, dann wollen die meisten Betroffenen durchaus weiterleben. Eine Gesellschaft, die Alten, Kranken und weniger Begabten beständig einen gewissen Grad von Minderwertigkeit vermittelt, fördert durch gewerbliche Sterbehilfe den vorschnellen Tod tausender Menschen, die sich in einer Krisenphase zum Selbstmord entscheiden.
Zur Manipulation der Bürger setzen die Befürworter der Sterbehilfe auch auf die emotionale Wirkung von dramatischen Einzelbeispielen. Stark unter Schmerzen leidende Personen mit aussichtsloser Diagnose werden dann angeführt. Die ebenfalls mit Hilfe von Sterbehilfeorganisationen getöteten Depressiven, Alten und Kranken, die sterben, obwohl sie noch Jahre relativ gut leben könnten, wenn man ihnen über die momentane Krise hinweghilft, werden dabei bereitwillig übergangen.
Hinter der sogenannten „Sterbehilfe“ steht letztlich immer die Euthanasie, die Entscheidung über lebenswertes und nicht mehr lebenswertes menschliches Leben. Diese Entscheidung wird aber deutlich stärker von gesellschaftlichen Trends als von wirklicher, persönlicher Überzeugung beeinflusst. Wie schon bei der Durchsetzung der Abtreibung agieren die Euthanasie- Befürworter nach der ziemlich effektiven Salamitaktik: In kleinen Schritten wird die Gesellschaft an die Tötung „minderwertiger“ Menschen gewöhnt. Alte und Kranke sollen zukünftig einsehen, dass es besser ist zu sterben, als ihre Mitmenschen zu belasten. Behinderte Ungeborene werden schon heute legal von ihren Eltern getötet, ehe sie überhaupt eine Chance zum Leben erhalten. Gewerbliche Sterbehilfe ist menschenverachtend und ein Stritt hin zur Euthanasie, die über den Zeitgeist bestimmt, wer ein lebenswertes Leben führt und wer nicht.
Für Christen ist jedes Leben ein Geschenk Gottes. Allein der Schöpfer hat die Kompetenz über Leben und Sterben zu entscheiden. FB Michael Kotsch
Sterben ist die einzige Pflicht, um die wir nicht herumkommen, doch ich wünschen Christen sich, dass der Herr dazu ruft – und sonst niemand! Ali Februar 27, 2020 Blog