Sterbehilfe: Forderung evangelischer Theologen ist armselig

Professor Dietrich Korsch hat sich unzweideutig zur Sterbehilfedebatte innerhalb der Evangelische Kirche geäußert. Die Theologen Reiner Anselm, Isolde Karle und Ulrich Lilie hatten sich in dem Beitrag „Evangelische Theologen für assistierten professionellen Suizid“ für die kirchliche Begleitung und Suizidbeihilfe von Sterbewilligen in kirchlichen Einrichtungen ausgesprochen (siehe auch hier).
Hier Auszüge aus seinem Leserbrief (FAZ vom 16.01.2020, Nr. 13, S. 8):
Das gedanklich fehlerhafte Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum assistierten Suizid, das Selbsttötung als Fall von Selbstbestimmung auffasst und nicht als deren Ende versteht, entlässt punktgenau die zu erwartenden Konsequenzen. Der vorgelegte Beitrag „Den assistierten professionellen Suizid ermöglichen“ betreibt die erforderliche Entsorgung des Gewissens von Ärzten und Seelsorgern im Umgang mit Suizidanten im Namen einer abstrakt-normativen Selbstbestimmung. Bestürzend ist die Beobachtung, dass sich mit den vorgebrachten Wendungen auch eine Tötung auf Verlangen rechtfertigen ließe, wenn sie denn dem festen Willen, also der „Selbstbestimmung“, von Individuen entspringt – nur die geltende Rechtslage bewahrt einstweilen vor dieser Konsequenz. Ethisch kann jedoch mit den Vorbringungen der Autoren nichts dagegen eingewandt werden.
Dass es, wie es sogar im eigenen evangelischen Online-Portal hieß, „hochrangige Vertreter der evangelischen Kirche“ seien, die diesen Weg empfehlen und ihre eigene positionelle Auffassung als „Position der evangelischen Ethik“ ausgeben, kann über die Armseligkeit der Argumentation nicht hinwegtäuschen. Dass zu den Verfassern aber auch der Präsident der „Diakonie Deutschland“ gehört, den schon sein Amt an solchen Verlautbarungen hindern muss, erregt nicht nur tiefe Besorgnis über den Zustand dieses großen kirchlichen Arbeitszweiges; es erfüllt auch mit Zorn.
Vielen Dank für diese klaren Worte!
https://theoblog.de/sterbehilfe-forderung-evangelischer-theologen-ist-armselig/36132/

Gutes Töten kann es nicht geben

Ist die Sterbehilfe, die in immer mehr Ländern legalisiert wird, ein Meilenstein im Projekt der Moderne? Die Ärzte Gerrit Hohendorf und Fuat Oduncu und der Philosoph Robert Spaemann argumentieren in ihrem Buch Vom guten Sterben für ein Verbot der abrufbaren Suizidhilfe.

51PeVgGDHbL SX303 BO1 204 203 200Stephan Sahm schreibt in seiner Rezension:

Eine Klarstellung der Begriffe stellen die Autoren, die mit der Wirklichkeit in Kliniken vertraut sind, voran. Zudem machen sie den Leser mit den Ergebnissen aktueller Erhebungen zur Praxis der Hilfe beim Suizid in den Ländern bekannt, in denen sie rechtlich und gesellschaftlich akzeptiert ist. Die Zahl der Suizide nimmt dort ausnahmslos zu.

In fünf abschließenden Thesen sprechen sich die Autoren gegen die institutionalisierte Hilfe bei der Selbsttötung aus. Ihre Überlegungen zum Umgang mit Suizidalität in der medizinischen Praxis lohnen die Lektüre auch für diejenigen, die darüber anders denken. Wer sich daranmacht, die Praxis der Medizin nachhaltig zu verändern, sollte wissen, was ansteht.

Wenn etwa Ärzte, wie manche vorschlagen, Patienten in fortgeschrittener Krankheit bei der Selbsttötung sollen helfen dürfen, dann sind sie niemals nur ausführendes Organ des selbstbestimmten Subjekts. Die Umsetzung des Suizidwunsches ist immer, wie die Autoren zu berichten wissen, ein „sozialer Aushandlungsprozess“: Die Ärzte stecken mittendrin, müssen den Suizid gutheißen.

Mehr: www.faz.net.

VD: JS

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Verdeckte Förderung der Euthanasie. Wird Sterben Pflicht?

Das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts für kommerzielle Sterbehilfe ist ein fatales Signal (26.2.2020). Wie von den gewinnorientierten Sterbehilfeorganisationen gefordert, wurde das Verbot „gewerblicher“ Hilfe zur Selbsttötung gekippt. Sterbewillige bezahlen bis zu 5000 Euro für ein Giftcocktail mit dem sie sich dann das Leben nehmen können. Die Gewinnspannen für solche Sterbehelfer sind enorm. Und wie bei jedem Geschäftszweig besteht deren Interesse natürlich nicht darin, Menschen zum Weiterleben zu motivieren, sondern Kunden die eigene Dienstleistung, hier den Tod, attraktiv zu verkaufen.
In der öffentlichen Werbung für ihre Dienstleistung setzen die Sterbehilfeorganisationen vor allem auf das Argument „persönliche Selbstbestimmung“. Alle, die regelmäßig mit Kranken oder Suizidgefährdeten zu tun haben, wissen, dass Millionen Menschen während ihres Lebens Phasen haben, in denen sie sich das Leben nehmen wollen. Werden diese Personen medikamentös oder seelsorgerlich behandelt überwinden sie diese Krise zumeist. Häufig brauchen die Betroffenen keine schnelle Möglichkeit zur Selbsttötung, sondern eine neue Perspektive für den Rest ihres Lebens. Sterbehilfe liefert ihnen stattdessen eine fatale Bestätigung der negativen Selbstbeurteilung ihrer Lebenssituation.
In einer Welt, die Alten, Kranken und weniger Erfolgreichen beständig Minderwertigkeit suggeriert, leiden viele Menschen unter zeitweiligen Lebensüberdruss oder tiefer Verzweiflung. Hunderttausende wünschen sich nach einer gescheiterten Beziehung, dem Tod eines Kindes, dem Verlust eines Arbeitsplatzes, der Diagnose einer schweren Erkrankung usw. den eigenen Tod. Ändert sich die Situation oder die persönliche Perspektive, dann wollen die meisten Betroffenen durchaus weiterleben. Eine Gesellschaft, die Alten, Kranken und weniger Begabten beständig einen gewissen Grad von Minderwertigkeit vermittelt, fördert durch gewerbliche Sterbehilfe den vorschnellen Tod tausender Menschen, die sich in einer Krisenphase zum Selbstmord entscheiden.
Zur Manipulation der Bürger setzen die Befürworter der Sterbehilfe auch auf die emotionale Wirkung von dramatischen Einzelbeispielen. Stark unter Schmerzen leidende Personen mit aussichtsloser Diagnose werden dann angeführt. Die ebenfalls mit Hilfe von Sterbehilfeorganisationen getöteten Depressiven, Alten und Kranken, die sterben, obwohl sie noch Jahre relativ gut leben könnten, wenn man ihnen über die momentane Krise hinweghilft, werden dabei bereitwillig übergangen.
Hinter der sogenannten „Sterbehilfe“ steht letztlich immer die Euthanasie, die Entscheidung über lebenswertes und nicht mehr lebenswertes menschliches Leben. Diese Entscheidung wird aber deutlich stärker von gesellschaftlichen Trends als von wirklicher, persönlicher Überzeugung beeinflusst. Wie schon bei der Durchsetzung der Abtreibung agieren die Euthanasie- Befürworter nach der ziemlich effektiven Salamitaktik: In kleinen Schritten wird die Gesellschaft an die Tötung „minderwertiger“ Menschen gewöhnt. Alte und Kranke sollen zukünftig einsehen, dass es besser ist zu sterben, als ihre Mitmenschen zu belasten. Behinderte Ungeborene werden schon heute legal von ihren Eltern getötet, ehe sie überhaupt eine Chance zum Leben erhalten. Gewerbliche Sterbehilfe ist menschenverachtend und ein Stritt hin zur Euthanasie, die über den Zeitgeist bestimmt, wer ein lebenswertes Leben führt und wer nicht.
Für Christen ist jedes Leben ein Geschenk Gottes. Allein der Schöpfer hat die Kompetenz über Leben und Sterben zu entscheiden. FB Michael Kotsch
Sterben ist die einzige Pflicht, um die wir nicht herumkommen, doch ich wünschen Christen sich, dass der Herr dazu ruft – und sonst niemand! Ali Februar 27, 2020 Blog

Sterbehilfe: Das Angebot schafft die Nachfrage

Das umstrittene Urteil des Bundesverfassungssgerichts zur Sterbehilfe wird kontrovers diskutiert. Zum Glück sind sich die Kirchen in Deutschland in der Ablehnung einer Öffnung der Sterbehilfe einig.
Natürlich gibt es die Härtefälle, die uns emotional berühren. Und verständlich ist auch der Wunsch, diesen Menschen einen Ausweg aus dem Leid zu ermöglichen.
Das Problem ist nur, dass jede Entscheidung, die man mit Blick auf Einzelfälle trifft, potentiell nicht bei diesen Einzelfällen stehen bleibt, sondern die Türen für weitere Entwicklungen öffnet, die man ursprünglich gar nicht im Blick hatte.
Gerade bei der Frage der Sterbehilfe kann man das aufgrund der Erfahrungen in anderen Ländern sehr gut beobachten.
Die Zeit druckt ein Interview mit dem niederländischen Ethiker Theo Boer. Er war ein Gutachter in einer Prüfungskommission, die über Anträge zur aktiven Sterbehilfe befand.
Seine Erfahrungen mit den Entwicklungen der aktiven Sterbehilfe sind eine deutliche Warnung davor, diesen Weg weiter zu beschreiten.
Frage: Sie begutachteten bereits vollzogene ärztliche Sterbehilfefälle. Was können solche Untersuchungen denn noch ausrichten?
Boer: Sie hörten vielleicht von dem Fall einer demenzkranken Frau, die bei der Vollziehung Widerstand geleistet hat. In ihren Kaffee hatte man zwar ein Beruhigungsmittel getan, weil man schon fürchtete, dass diese Patientin vielleicht die Spritze nicht akzeptiert. Bei dem Prozedere ist sie aufgewacht und hat sich gewehrt. Die Familienmitglieder hielten sie fest und der Arzt tötete sie unter Anwendung von Zwang. Solche Ereignisse würden nie ans Licht kommen, wenn man das Prüfungsverfahren vor dem Tötungsakt einleitet statt hinterher.
Frage: Soll denn eine juristische Instanz über den Tod befinden?
Boer: Meine Vorstellung war auch, was man reglementiert, hat man im Griff. Das hat sich nicht bewahrheitet. Vielmehr hat sich gezeigt: Wenn man eine umstrittene Praxis legalisiert, stellt man sie in einem Schaufenster aus als Warenangebot. Ich habe feststellen müssen, dass das Angebot zum Teil tatsächlich die Nachfrage weckt.
Karl Karzeleks
http://www.kapeka.eu/sterbehilfe-das-angebot-schafft-die-nachfrage/