Wunder

»Viele Leute sagen: „Die Menschen in alten Zeiten konnten an Wunder glauben, weil sie eine falsche Vorstellung vom Universum hatten. Sie hielten die Erde für das Größte, das in ihm enthalten war, und den Menschen für das wichtigste Geschöpf. Deshalb schien die Annahme vernünftig, der Schöpfer sei besonders am Menschen interessiert und könne zu seinem Nutzen sogar den Naturablauf unterbrechen. Doch jetzt, da wir wissen, wie unermesslich das Universum ist – jetzt, da wir unseren eigenen Planeten und sogar das ganze Sonnensystem als winziges Stäubchen erkannt haben – jetzt ist es einfach lächerlich, noch länger an Wunder zu glauben. Wir haben unsere Bedeutungslosigkeit entdeckt und können nicht länger daran glauben, dass sich Gott für unsere unwichtigen Angelegenheiten so handgreiflich interessiert.“«
Dann lässt er aber seine drei Schlüsse folgen.
Erstens: »Welchen Wert dieses Argument auch haben mag, eines steht von vornherein fest: den Tatsachen entspricht es jedenfalls nicht. Die Unermesslichkeit des Universums ist keine Entdeckung der modernen Zeit. Vor mehr als siebzehnhundert Jahren lehrte bereits Ptolemäus, dass die Erde im Verhältnis zu der Entfernung der Fixsterne als ein Punkt ohne Größe zu betrachten sei. Sein astronomisches System war im Mittelalter allgemein anerkannt. Die Kleinheit der Erde war für Boetius, König Alfred, Dante und Chaucer ein ebensolcher Gemeinplatz wie für H.G. Wells oder Professor Haldane. Dem widersprechende Behauptungen in der modernen Literatur beruhen auf Unwissenheit.«
Zweitens: »Wenn darauf bestanden wird, dass etwas so Kleines wie die Erde in jedem Fall zu unbedeutend sein muss, um die Liebe des Schöpfers zu verdienen, so entgegnen wir, dass kein Christ jemals geglaubt hat, wir verdienten sie. Christus starb nicht für die Menschen, weil sie es wert gewesen wären, dass für sie gestorben wurde, sondern weil er Liebe ist und deshalb unendlich liebt.«
Drittens: »Was sagt letztlich die Größe einer Welt oder eines Geschöpfes über dessen „Bedeutung“ oder Wert aus? Wir alle spüren zweifellos das Unangemessene einer Vermutung wie etwa der, dass der Planet Erde wichtiger sein könnte als der große Andromedanebel. Andererseits sind wir uns ebenso sicher, dass nur ein Verrückter einen Mann von 1,80 Meter Größe zwangsläufig für bedeutender hält als einen von 1,70 Meter Größe oder ein Pferd für bedeutsamer als einen Menschen oder das Bein eines Menschen für wichtiger als dessen Gehirn.« – Quelle: C.S. Lewis in „Wunder“

Wunder sind wichtig

Wunder bringen Menschen zum Staunen.
Wunder fordern heraus, weil sie die Grenzen der eigenen Erkenntnisfähigkeit vor Augen führen.
Wunder sind Antworten Gottes auf scheinbar aussichtslose Situationen.
Wunder fördern das Vertrauen in die Fürsorge und Nähe Gottes.
Wunder sind Spuren der Gegenwart Gottes.
Wunder faszinieren, weil sie aus dem berechenbaren Alltag herausragen.
Wunder offenbaren die Grenzen menschlicher Möglichkeiten.
Wunder sind mehr als glückliche Zufälle oder noch nicht bekannte Phänomene der Natur.
Wunder machen es dem Menschen unmöglich Gott zu verdrängen.
Wunder müssen interpretiert werden, um aussagekräftig zu sein.
Wunder sind keine Grundlage des Glaubens; aber sie sind bestätigende Ermutigungen.
Wunder sind nicht berechenbar, planbar oder erzwingbar.
Wunder gehen allein auf Gottes Initiative und Aktivität zurück.
Wunder rücken die Verhältnisse zwischen Gott und Mensch zurecht.
Wunder ermöglichen einen Blick in die Ewigkeit Gottes.
Wunder sind erlebbare Mitteilungen Gottes.
Wunder geben Hoffnung in schweren Zeiten.
Wunder sind ein Ärgernis für Feinde Gottes oder für Gleichgültige.
Wunder sind überraschend, unberechenbar und einschüchternd.
Wunder wecken auf aus alltäglichen Sorgen und nie endenden Aufgaben.
Wunder beglaubigen die Realität Gottes. Michael Kotsch