Wunder

Karl Barth (Theologie des Wortes Gottes), Paul Tillich (der Philosoph unter den Theologen) und Rudolf Bultmann (behauptet, der vorösterlicher Jesus ist theologische irrelevant) machen Urlaub am Zürichsee. Sie mieten sich ein Boot und fahren raus. Die Sonne brennt und sie kriegen Durst. „Ich geh mal paar Bier holen“, sagt Karl Barth, steigt aus dem Boot und läuft übers Wasser nach Zürich. Der Tag ist schön, das Bier ist gut und bald alle. „Paul, geh mal Bier holen“ sagt Karl Barth. Paul Tillich steigt aus dem Boot und kommt bald mit einem Sixpack zurück.Die Sonne brennt und bald haben sie wieder Durst. „Rudi“ sagt Karl Barth, „Du bist dran!“ Rudolf Bultmann wird blass. Die andern machen sich schon lustig: „Was’n los Rudi, ist doch eine der leichtesten Übungen!“ Bultmann tippt aufs Wasser, will sich nicht lumpen lassen, steigt schließlich aus. Blubb, blubb, weg war er. Betroffen schaut Tillich Karl Barth an: „Du Karl, hätten wir ihm doch sagen sollen, wo die Steine im Wasser sind?“Drauf Karl Barth: „Welche Steine?“
Was bringt der Witz zum Ausdruck? Es geht um den Umgang mit Wunder-Erzählungen. Für Bultmann gehören sie entmythologisiert, weil sie einer vergangenen Zeit angehören. Tillich versteht sie symbolisch und findet Steine. Aber Karl Barth hält unverdrossen an den Wundern fest.

Was ist ein Wunder

Wir sprechen von den Wundern der Technik und meinen damit die staunenswerten Leistungen auf diesem Gebiet. Aber so gro­sses Aufsehen sie erregen, sie sind doch nicht im Sinne des Neuen Testaments Wunder zu nennen.

Ein Wunder heisst hier nie, was der Mensch ersann oder was er willkürlich hervorrufen kann. Vielmehr das, worüber der Mensch nicht verfügt, was innerhalb dieser Weltzustände überhaupt nicht möglich ist, sondern was durch einen Einbruch von oben geschieht, heisst im Neuen Testament ein Wunder.

Die Wunder sind Merkmale dafür, dass irgendwie schon etwas von den künftigen Weltzuständen in diesen Weltlauf hereinragt.

Die Wunder werden oft auch Zeichen genannt (griechisch se­meía), und nicht selten finden wir die Wortverbindung Wunder und Zeichen (Apg. 2,22.43; 5,12; 6,8; 14,3). Zeichen bedeutet dann: Anzeichen der hereinbrechenden Gottesherrschaft.

Die Wunder sind Merkmale dafür, dass irgendwie schon etwas von den künftigen Weltzuständen in diesen Weltlauf hereinragt. In diesem Sinn sind die Wunder eine Bestätigung der göttlichen Sendung Jesu als des Welterneuerers (oder Urhebers des neuen Weltlaufs).

Petrus sagt: »Jesus von Nazareth, von Gott unter euch ausgewiesen durch Taten und Wunder und Zeichen« (als Bringer des neuen Äons, Apg. 2,22). Jesus sagt den Juden: »Diese Werke, die ich tue, bezeugen von mir, dass mich der Vater ge­sandt hat« (Joh. 5,36).

Keineswegs sind die Machtwirkungen Jesu als blosse Beglaubigung seiner Sendung anzusehen, als et­was, was einmal notwendig war und später, nachdem die Kirche entstanden, unnötig geworden wäre. Die Wunder gehören ganz organisch zu der hereinbrechenden Gottesherrschaft.

Es ist be­zeichnend für die Gottesherrschaft, dass der himmlische Vater sich unmittelbar zu den Menschenkindern herabneigt und ih­nen die Mächte des Himmels sendet, um sie zu befreien von dem, was hier in diesen Zuständen als Not und Plage auf ihnen lastet. Bezeichnend in diesem Sinn ist das Wort Jesu: »Wenn ich aber durch Gottes Finger die bösen Geister austreibe, so hat Gottes Königreich euch überrascht« (Luk. 11,20).

In der Got­tesherrschaft kann es einfach nicht geduldet werden, dass gott­entstammte Wesen von Dämonen zur Unkenntlichkeit entstellt werden; die Finsternismächte müssen das Feld räumen. Ebenso ist es mit den Krankheiten.

Wunder sind Tatbeweise dessen, wie nahe dem Schöpfer die Leiden seiner Geschöpfe gehen

Für Jesus ist auch der Leib eine herrliche Schöpfung Gottes (Matth. 6,25); er gehört unveräusserlich zum ganzen Menschen. Ist der Leib siech oder verletzt, so sind auch Seele und Geist schwer bedrängt.

Wir haben Hinweise darauf, wie es Jesus er­griff, wenn er Blinde oder Taubstumme sah oder Menschen, die jahrelang hilflos daliegen mussten, oder Aussätzige mit halb­zerfressenen Gliedmassen. Ebensowenig konnte es ihm gleich­gültig sein, wenn Männer und Frauen, Mütter und Kinder in der Wüste hungerten. Ja auch das lässt ihn nicht kalt, dass bei einer Hochzeit eine Verlegenheit entsteht, deretwegen nun die fröh­liche Gesellschaft vorzeitig auseinandergehen soll.

Die mäch­tige Gotteshilfe, die Jesus in solchen Fällen bringt, mutet an wie eine Liebkosung des Schöpfers; sie ist ein gütiger Zuruf des himmlischen Vaters an seine Menschenkinder, sie sollen nicht verzagen in den tausend Nöten ihres Leibes.

Wir finden im Neuen Testament nirgends eine Spur von der geistlichen Un­natur, die jede Krankheit und womöglich gar den Tod von vorn­herein als Segen ansehen will. Überall sehen wir die einfache und gesunde menschliche Auffassung: Krankheit ist ein schwe­res Übel, der Tod ist ein grauenhafter Zerstörer. Dass beides auf besondere Weise von Gott zum Besten gewendet werden kann, ist etwas ganz anderes.

Wunder sind nicht Störungen der Schöpfungsordnung, sondern ihre Wiederaufrichtung

Alles in allem: Die Wunder, namentlich die Krankenheilungen und Dämonenaustreibungen, stehen im Neuen Testament nicht da als etwas Unnormales, sondern als etwas ganz Normales.

Die Wunder sind die teilweise und stellenweise Wiederherstellung der Schöpfung Gottes, die Wiederbringung des Anfänglichen: der ursprünglichen Gesundheit des Menschen und seiner einstigen nahen Berührung mit den himmlischen Mächten.

Krankheit ist Unnatur. Heilung ist göttlich-natürlich. Die Wunder sind ein Anzeichen der schon angebrochenen und ein Unterpfand der einmal vollends kommenden Gottesherrschaft. Wo etwas von Gottesherrschaft ist, da sind auch Wunder. Die ganze Apostelgeschichte ist erfüllt von Wundern, und bis ins dritte Jahrhundert kamen sie sehr häufig in der Gemeinde vor.

Treten sie später auch nur vereinzelt auf, ganz haben sie nie gefehlt. Unter den Geistesgaben der Gemeinde werden auch ausdrücklich genannt: die Gabe, Kranke zu heilen, und andere göttliche Kraftwirkungen (Energiewirkungen göttlicher Kräfte) zu vollziehen (1. Kor. 12,9-10).
Autor: Ralf Luther Quelle: Neutestamentliches Wörterbuch
https://bibelkreismuenchende.wordpress.com/2019/10/04/wunder-sind-wichtig/

Wunder

Ich war in Gemeinden, die Wunder in ihren Versammlungen ankündigten… Diese Art von Aufführungen interessiert mich nicht. Du kannst Wunder nicht machen, wie man eine chemische Reaktion auslöst. Du kannst kein Wunder bekommen, wie ein Magier auf der Bühne eine erstaunliche Vorstellung vorführt. Gott gibt sich nicht in die Hände religiöser Magiker. An diese Art von Wunder glaube ich nicht. Ich glaube an die Art von Wundern, die Gott seinem Volk gibt, das so nah bei Ihm lebt, dass Gebete für gewöhnlich erhört werden und diese Wunder nicht ungewöhnlich sind. John Wesley hat sich nicht einmal herabgewürdigt, Wunder zu predigen. Aber die Wunder, die John Wesleys Dienst folgten, war unfassbar. Einmal hat er einen Predigttermin und sein Pferd wurde lahm, so dass er nicht weiter reiten konnte. Wesley ging auf seine Knie neben dem Pferd und betete für seine Heilung. Dann stand er auf und ritt weiter, ohne dass das Pferd lahmte. Er machte das Wunder nicht öffentlich und sagte: “Wir stellen ein großes Zelt auf und machen Werbung dafür.” Gott tat diese Dinge einfach für ihn. Während C. H. Spurgeon nicht über Heilung predigte, wurden auf sein Gebet hin mehr Menschen von Krankheiten befreit als durch irgendeinen Arzt in London. Dies sind die Wunder, über die ich spreche. A.W.Tozer (1897-1963)

Gibt es Wunder?

„Ich kann sie gut verstehen, die Menschen, die sich schwertun mit der Vorstellung eines Gottes, der in den Gang der Natur eingreift. Es ist nicht einfach, an Wunder zu glauben, und das soll auch so sein. In Matthäus 28 lesen wir, wie die Apostel auf einen Berg in Galiläa gehen, um Jesus zu treffen. „Als sie ihn dort sehen, vielen sie vor ihm nieder. Einige aber zweifelten, ob es wirklich Jesus war.“ (V. 17). Ein bemerkenswerter Satz! Der Verfasser eines der frühesten Dokumente des christlichen Glaubens teilt uns mit, dass mehrere der Gründer dieses Glaubens das Wunder der Auferstehung schier nicht glauben konnten, obwohl sie Jesus mit ihren eigenen Augen vor sich sahen und mit den Händen greifen konnten. Es gibt keine Erklärung dafür, warum dieses Detail in dem Bericht enthalten ist, außer dass es wirklich so war. Dieser Bibelabschnitt zeigt uns mehreres. Erstens: wir sollten uns nicht einbilden, dass nur wir modernen, wissenschaftlich aufgeklärten Menschen Probleme mit Wundern haben, während die primitiven Menschen der Antike dieses Problem nicht hatten. Die Apostel reagierten gerade so wie die meisten Menschen heute: die einen trauten ihren Augen, die anderen nicht. Zweitens macht uns die Szenen Mut zu mehr Geduld. Alle Apostel wurden später bedeutende Führungspersönlichkeiten der Alten Kirche, aber einigen fällt das glauben halt schwerer als anderen.
Der Sinn der Wunder und Heilungen
Doch das Eindrücklichster an diesem Text ist, was er uns über den Sinn der Wunder in der Bibel verrät. Wunder führen nicht los zum Glauben im Sinne von Für–wahr–halten, sondern zur ehrfürchtigen Anbetung. Die Wunder Jesu waren nie magische Tricks, die die Menschen beeindrucken oder manipulieren sollten. Wir lesen nirgends, dass Jesus sagte: „Seht ihr den Baum da drüben? Wartet, den lass‘ ich gleich in Flammen aufgehen!“ Er benutzte seine Wundermacht viel mehr dazu, Kranke zu heilen, Hungrige zu speisen und Tote aufzuerwecken. Warum das? Wir Heutigen stellen uns Wunder so vor, dass sie die Natur außer Kraft setzen; Jesus wollte mit Ihnen die Natur wiederherstellen und heilen. Die Bibel berichtet uns, dass Gott die Welt ursprünglich ohne Krankheit, Hunger und Tod erschuf. Jesus kam in die Welt, um zu erlösen, wo sie erlösungbedürftig ist, und um zu heilen, was zerbrochen ist. Seine Wunder sind nicht nur Erweise seiner Macht, sondern ein greifbarer Vorgeschmack darauf, was er einmal mit dieser Macht tun wird. Die Wunder Jesu sind nicht nur eine Herausforderung unseres Denkens, sondern ein Zuspruch an unsere Herzen – das die Welt, nach der wir uns alle sehnen, kommen wird.“
Dr.Timothy Keller, Warum Gott?, (Brunnen Verlag, Gießen 2010), S. 124-125

Wunder

»Viele Leute sagen: „Die Menschen in alten Zeiten konnten an Wunder glauben, weil sie eine falsche Vorstellung vom Universum hatten. Sie hielten die Erde für das Größte, das in ihm enthalten war, und den Menschen für das wichtigste Geschöpf. Deshalb schien die Annahme vernünftig, der Schöpfer sei besonders am Menschen interessiert und könne zu seinem Nutzen sogar den Naturablauf unterbrechen. Doch jetzt, da wir wissen, wie unermesslich das Universum ist – jetzt, da wir unseren eigenen Planeten und sogar das ganze Sonnensystem als winziges Stäubchen erkannt haben – jetzt ist es einfach lächerlich, noch länger an Wunder zu glauben. Wir haben unsere Bedeutungslosigkeit entdeckt und können nicht länger daran glauben, dass sich Gott für unsere unwichtigen Angelegenheiten so handgreiflich interessiert.“«
Dann lässt er aber seine drei Schlüsse folgen.
Erstens: »Welchen Wert dieses Argument auch haben mag, eines steht von vornherein fest: den Tatsachen entspricht es jedenfalls nicht. Die Unermesslichkeit des Universums ist keine Entdeckung der modernen Zeit. Vor mehr als siebzehnhundert Jahren lehrte bereits Ptolemäus, dass die Erde im Verhältnis zu der Entfernung der Fixsterne als ein Punkt ohne Größe zu betrachten sei. Sein astronomisches System war im Mittelalter allgemein anerkannt. Die Kleinheit der Erde war für Boetius, König Alfred, Dante und Chaucer ein ebensolcher Gemeinplatz wie für H.G. Wells oder Professor Haldane. Dem widersprechende Behauptungen in der modernen Literatur beruhen auf Unwissenheit.«
Zweitens: »Wenn darauf bestanden wird, dass etwas so Kleines wie die Erde in jedem Fall zu unbedeutend sein muss, um die Liebe des Schöpfers zu verdienen, so entgegnen wir, dass kein Christ jemals geglaubt hat, wir verdienten sie. Christus starb nicht für die Menschen, weil sie es wert gewesen wären, dass für sie gestorben wurde, sondern weil er Liebe ist und deshalb unendlich liebt.«
Drittens: »Was sagt letztlich die Größe einer Welt oder eines Geschöpfes über dessen „Bedeutung“ oder Wert aus? Wir alle spüren zweifellos das Unangemessene einer Vermutung wie etwa der, dass der Planet Erde wichtiger sein könnte als der große Andromedanebel. Andererseits sind wir uns ebenso sicher, dass nur ein Verrückter einen Mann von 1,80 Meter Größe zwangsläufig für bedeutender hält als einen von 1,70 Meter Größe oder ein Pferd für bedeutsamer als einen Menschen oder das Bein eines Menschen für wichtiger als dessen Gehirn.« – Quelle: C.S. Lewis in „Wunder“

Wunder sind wichtig

Wunder bringen Menschen zum Staunen.
Wunder fordern heraus, weil sie die Grenzen der eigenen Erkenntnisfähigkeit vor Augen führen.
Wunder sind Antworten Gottes auf scheinbar aussichtslose Situationen.
Wunder fördern das Vertrauen in die Fürsorge und Nähe Gottes.
Wunder sind Spuren der Gegenwart Gottes.
Wunder faszinieren, weil sie aus dem berechenbaren Alltag herausragen.
Wunder offenbaren die Grenzen menschlicher Möglichkeiten.
Wunder sind mehr als glückliche Zufälle oder noch nicht bekannte Phänomene der Natur.
Wunder machen es dem Menschen unmöglich Gott zu verdrängen.
Wunder müssen interpretiert werden, um aussagekräftig zu sein.
Wunder sind keine Grundlage des Glaubens; aber sie sind bestätigende Ermutigungen.
Wunder sind nicht berechenbar, planbar oder erzwingbar.
Wunder gehen allein auf Gottes Initiative und Aktivität zurück.
Wunder rücken die Verhältnisse zwischen Gott und Mensch zurecht.
Wunder ermöglichen einen Blick in die Ewigkeit Gottes.
Wunder sind erlebbare Mitteilungen Gottes.
Wunder geben Hoffnung in schweren Zeiten.
Wunder sind ein Ärgernis für Feinde Gottes oder für Gleichgültige.
Wunder sind überraschend, unberechenbar und einschüchternd.
Wunder wecken auf aus alltäglichen Sorgen und nie endenden Aufgaben.
Wunder beglaubigen die Realität Gottes. Michael Kotsch