Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen Psalm 31,16

Der Psalm ist eine Bitte um Rettung und Schutz vor Feinden. In diesem Zusammenhang wird das Vertrauen zu Gott ausgedrückt. Von ihm ist sein „Schicksal“ abhängig. Gott hat die Dinge in seiner Hand unter Kontrolle.
Ähnliche Aussagen findet man in Prediger 3; Hiob 14,5. Zum Thema passen auch Bibeltexte wie Lukas 9,51; 12,16-21 und Johannes 7,6+30
Ein Mann hatte einen großen Terminkalender und sagte zu sich selbst: „Alle Termine sind eingeschrieben, aber noch sind die Tagung X und die Konferenz Y sowie die Sitzung der Unterausschüsse und die Treffen unseres Teams nicht eingeplant Wo soll ich sie alle unterbringen?“ Und er kaufte sich einen größeren Terminkalender mit Einteilungsmöglichkeiten der Nachtstunden, machte aus Abendessen Arbeitsessen, aus Wochenenden Klausurtage, disponierte noch einmal, trug alles sorgfältig ein und sagte zu sich selbst: „Nun sei ruhig, liebe Seele, du hast alles gut geplant, versäume nur nichts!“
Und je weniger er versäumte, umso mehr wuchs sein Informationsvorsprung. Er konnte überall mitreden. Er stieg im Ansehen und wurde in den Ausschuss Q und in den Vorstand K gewählt, zweiter und erster Vorsitzender, Ehrenmitglied. Und eines Tages war es so weit: Gott sagte: „Du Narr, diese Nacht stehst du auf meinem Terminkalender!“ (Gottfried Hänisch)
Was für eine provozierende Geschichte! Ist sie nicht wahr? Stunde um Stunde wird geplant, terminiert, getimt. Zeit ist Geld. Zeit ist Wissen. Zeit ist Macht. Zeit ist Einfluss. Und wir machen die Zeitrechnung ohne den Wirt.
Die Bibel kommt uns da in die Quere. Das Bekenntnis des Psalmisten stellt unsere Zeitrechnung in Frage: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Wir dürfen es lernen, bevor wir auf Gottes Terminkalender stehen: Zeit ist ein Geschenk, Stunde um Stunde. Mir anvertraut von Gott dem Schöpfer, dem Ursprung aller Zeit.
„Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Luther hat einmal nach überstandener Krankheit folgende Erfahrung mit diesem Wort notiert: „Diese Zeile habe ich jetzt in dieser Krankheit gelernt und will sie korrigieren, denn ich bezog sie früher nur auf die Todesstunde. Sie soll aber heißen: In deinen Händen sind meine Zeiten, mein ganzes Leben, alle Tage, Stunden und Augenblicke.“ Das alles spricht der Psalmist schonungslos offen aus. Aber in dieser extremen Situation äußerer und innerer Bedrängnis geht er nicht unter. Er vertraut sich Gott an:
„Meine Zeit, mein Leben mit allem, was dazu gehört, steht in deinen Händen.“
„Meine Zeit steht in Gottes Händen“ wäre missverstanden, wollte man daraus eine Art „Firewall“ gegen alles Böse, alles Schicksalhafte, alles Schlechte oder Gewaltsame ableiten.
Die Termine mit Gott sind wichtig. Verlorene Zeiten, sagt der Spötter. Erfüllte Zeiten, staunt der Glaube. Zeiten, in denen Gottes Geist an uns arbeitet.
Es gehört zur Schule der Demut, dass wir unsere Zeit nicht in eigene Regie nehmen, sondern sie von Gott füllen lassen. Dietrich Bonhoeffer

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