A Domesticated Jesus (Ein gezähmter Jesus)

Nichts wäre schlimmer als das: Ein gezähmter Jesus. Ein Jesus, der ruhiggestellt und gebändigt ist. Einer, der nicht mehr stört, sondern bestens ins Gefüge passt. Ja, der sogar für eigene (Macht-) Positionen nutzbar gemacht werden kann. Also einen Jesus, der perfekt in unser Gemeinde- und Gesellschaftsleben passt.
Genau das war er nicht. Er hat gestört. Er hat den Machtanspruch und das „System“ der (auch religiösen) Elite gefährdet. Er war ein Revolutionär, der Nächsten- und Feindesliebe nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt hat. Der Gerechtigkeit, statt Systemtreue gefordert hat (Mk 7). Seine Kritik galt der religiösen Elite, sein Augenmerk den Ausgestoßenen, Verwundeten und Prostituierten. In seinen Reden kommen sogar die verhassten Ausländer und Heiden besser weg. So ein Jesus war nicht tragbar. Er gefährdete das System. Die Loyalität des Volkes stand auf dem Spiel. Er war einfach unzähmbar. Man konnte ihn nicht ruhigstellen. Musste er denn immer die Heuchelei der Frommen anprangern? Er musste weg, koste was es wolle. Seine Verkündigung vom Reich Gottes war zu radikal, zu gerecht. Untragbar. Aber wie wird man ihn los?
Gemeindeausschlussverfahren? Gerne, funktioniert aber nicht. Er hatte zu viele begeisterte Anhänger. Die würden dem nicht zustimmen.
Bändigen oder einen halbwegsguten Kompromiss schließen? Alle Versuche scheiterten.
Der Sünde überführen? Selbst die besten Fangfragen durchblickte er. Er wurde zunehmend gefährlicher für das System.
Da blieb noch eine letzte Lösung: Als Irrlehrer und Verräter entlarven. Aus dieser Schublade ist noch keiner gekommen. Das war stichhaltig, denn er widersetzte sich der religiösen Gemeindeautorität und verriet den Gemeindetempel unerhörter weise als Räuberhöhle. Und für die römische Gesellschaft war er mit seinem Königsanspruch ebenfalls unpassend und gefährlich. Das lässt sich leicht kombinieren.
So wurde man ihn los. Dachte man zumindest.
http://gerris-blog.blogspot.de/2012/02/domesticated-jesus-ein-gezahmter-jesus.html

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KATHOLIKEN UND EVANGELIKALE IN DEN MEDIEN

Für alle die es noch nicht bemerkt haben: Wir leben in einer boulevardesken Schlagwortkultur. In den großen Fernsehredaktionen und den alt-ehrwürdigen Verlagshäusern redet man zwar noch gern mit Pathos vom investigativen Journalismus, von knallharter Recherche und journalistischem Ethos, doch handelt es sich dabei wohl eher um die Selbstbeweihräucherungsrhetorik eines Berufsstandes, der sich in Zeiten von Twitter und Facebook selbst in der Krise weiß. Denn tatsächlich ist die so genannte Fünfte Gewalt (die selbst keiner Gewaltenkontrolle unterliegt) mit ihren suggestiven Schlagzeilen und Anmoderationen längst aufgesprungen auf den Zug der reißerischen und verkürzenden Tweets und Textmessages.
Doch mehr als das: Anstatt dem Bildungs- und Informationsauftrag nachzukommen, scheint man sich in so mancher Redaktion darauf verlegt zu haben, die geneigte Leser- bzw. Zuschauerschaft abzurichten wie pavlovsche Hunde (oder Schafe, wenn man so will). Indem man gewisse Begriffe beständig in einen gewissen Kontext stellt, schafft man Reizworte, die im Leserhirn schon bei bloßer Nennung die gewünschte Reaktion auslösen. Dass inzwischen so mancher Zeitgenosse meint, Kindesmissbrauch sei ein rein katholisches Problem, ist kein Zufall; und auch die weitverbreitete Vorstellung, das erklärte Fernziel der Evangelikalen bestünde in der Machtübernahme und der Errichtung eines autokratischen Gottesstaates, verdankt sich der bundesdeutschen Berichterstattung.
Überhaupt sind es auffällig oft konservative katholische und evangelikale Christen, die in den Medien ihr Fett weg kriegen. So mancher Schreiberling scheint dabei von der hehren Idee beseelt zu sein, Fortschritt, Demokratie und Aufklärung einen Dienst zu erweisen, wenn er die gefühlt Mittelalterlichen, ihre ihm verquer erscheinende Sexualmoral und ihr missionarisches Sendungsbewusstsein in einem beständig schlechten Licht erscheinen lässt. Der Zweck heiligt dann oft die Mittel – und die Mittel steigern die Auflage: Während es die evangelischen Protestanten mit ihrer Grundgesetzfrömmigkeit und ihrer grünen Anpassungsethik nur selten in die Schlagzeilen schaffen, jagt man den Lesern mit Geschichten von vermeintlichen Katholiban und evangelikalen Gotteskriegern des Öfteren wohlig-gruselige Bestätigungsschauer über den Rücken.
Umso wichtiger erscheint es, dass besagte Gruppen, Katholiken und Evangelikale, enger zusammenrücken und sich nicht erleichtert bis schadenfroh zeigen, wenn gerade die jeweils ‚andere‘ Seite am medialen Pranger steht. Der Neutestamentler Klaus Berger hat Recht, wenn er sagt, dass der Graben längst nicht mehr primär entlang der konfessionellen Grenzen verläuft, sondern vielmehr zwischen denen, die noch christlich glauben und denen, die es nicht mehr wirklich tun. Soll heißen: Der traditionelle Katholik steht dem bibeltreuen Evangelikalen oft näher als dem Gremiums-Aktivisten in der eigenen Kirche. Und umgekehrt dürfte der Durchschnitts-Evangelikale mehr mit Papst Benedikt gemein haben als mit Katrin Göring-Eckhardt.
Vor diesem Hintergrund freut es mich immer, Meldungen wie die folgenden zu entdecken. Die evangelikale Nachrichtenagentur Idea berichtet unter dem Titel „Evangelikale ehren katholischen Bestsellerautor Lütz“:
Wenn wir Jesus Christus als Zentrum des christlichen Glaubens haben, werden konfessionelle Unterschiede unwichtig. Davon ist der katholische Theologe, Mediziner und Bestsellerautor Manfred Lütz (Köln) überzeugt. Christus sei das Wesentliche überhaupt. Weil das viele evangelikale Christen begriffen, hätten sie innerhalb der Ökumene auch den größten Schritt im Miteinander mit katholischen Christen getan. Er selbst fühle sich von Evangelikalen oft mehr verstanden als von Besuchern von Katholikentagen
Und auch auf der Internetseite der Evangelischen Allianz in Deutschland (EAD) hieß es vor einiger Zeit:
Papst Benedikt XVI. und evangelikale Christen stimmen in der entscheidenden Frage überein: Beide sind der Auffassung, dass das Herz des christlichen Glaubens die Beziehung zu Jesus Christus ist. Das sagte der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), auf der ersten gemeinsamen Theologischen Studienkonferenz des Arbeitskreises für evangelikale Theologie (AfeT) und der Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten (KBA). Das Treffen mit rund 110 Teilnehmern fand vom 17. bis 19. November im thüringischen Bad Blankenburg statt. Nach Ansicht Schirrmachers vollzieht sich derzeit eine „Evangelikalisierung der katholischen Kirche“. Dort seien zwar Traditionalismus und liberale Theologie weiterhin stark, jedoch nähmen die missionarischen Bemühungen Roms zu.
Hoffen und beten wir, dass es – den theologischen Unterschieden zum Trotz – auf diesem Weg des Respekts und der Anerkennung in Zukunft weiter gehen wird. Wir liegen schließlich schon jetzt weitestgehend in den selben Schützengräben.
http://what-else-is.blogspot.de/2013/01/katholiken-und-evangelikale-in-den.html

 

Keine Alternative und das Outsourcing der Gemeinde

“Jünger” Jesu sind von der Bedeutung her Lernende
Sie sitzen nicht im Klassenraum, sondern sind in der Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus und miteinander. Das Lernen findet via learning by doing statt. Fragen werden während der Tätigkeit geklärt.
Und zwischendurch immer wieder das: “Und jetzt versucht es selbst!”
So will Jesus es fortgesetzt haben. In Matthäus 28,18 ff sagt Jesus: “Geht hin.. macht alle Völker zu meinen Jüngern….”
Aber damit hört es nicht auf.
Weiter spricht Jesus: “…und lehrt sie halten alles, was ich euch geboten habe…”
Und was hat Jesus geboten?
“Geht hin und macht alle Völker zu meinen Jüngern!”
Natürlich hatte Jesus noch viel mehr Weisungen in der Tasche.
Doch viele von ihnen zielen letztlich darauf ab, in der Gemeinschaft mit Ihm zu bleiben. Eben in der Lebens- und Lerngemeinschaft zu sein.
Dort lernen wir, Gott und den Nächsten zu lieben wie uns selbst.
Es gibt keine bessere Reaktion auf die Gottes Liebe zu uns.
Es ist ohne Alternative im Christsein.
Interessanterweise haben viele Gemeinden diesbezüglich schon früher das Outsourcing als manche Firma betrieben.
Die Lehre wurde in die Bibelschulen und Universitäten verlegt.
Die Evangelisation wurde einzelnen Organisationen übertragen.
Die Diakonie wurde ebenso ausgelagert.
Auch für den Lobpreis lassen sich Bands anheuern.
Und für die Seelsorge sucht man sich am besten einen Profi außerhalb der Gemeinde.
Nichts gegen diese “Verstärker” in der christlichen Landschaft. Es gibt viele hilfreiche Symbiosen zwischen solchen Einrichtungen und Gemeinden.
Und doch muss es dann nicht wundern, wenn sich das Gemeindeleben auf die sonntägliche Gottesdienstfeier konzentriert. Denn das kann man ja nicht auch noch “outsourcen”.
Vielleicht ist auch diese Entwicklung ein Grund dafür, weshalb Jüngerschaft kaum in den Gemeinden gelebt wird.
Glaubst’e nicht?
Dann gehe in Deine Gemeinde und frage:
“Wer von Euch begleitet jemanden im Glauben, so dass dieser wiederum befähigt ist, zu den Menschen zu gehen und andere zu Jüngern zu machen?”
Wahrscheinlich wird sich – abgesehen vom bezahlten Pastor – kaum jemand daraufhin melden.
Es ist Zeit, dass Jüngerschaft wieder in den Gemeinden gelebt wird!
http://berlinjc.wordpress.com/2012/12/16/ohne-alternative/#comments

Salzkraft

Wenn man viele Christen in ihrer oft weichen und femininen und süßlichen Art sieht, möchte man meinen, daß sie doch den Ehrgeiz hätten, der Honigseim der Welt zu sein. Sie versüßen und verzuckern die Bitternis des Schicksals durch eine allzu billige Vorstellung vom lieben Gott. Sie erweichen die Härte der Schuld durch eine fast beängstigende Kindschaftsromantik. Sie haben die Hölle wegretuschiert und sehen nur den Himmel offen. Sie stecken vor Teufel und Anfechtung den Kopf in den Sand und haben das ewige und verkrampfte Lächeln einer gespielten Weltüberwindung auf ihren Zügen. Weiterlesen