Die “Für mich”-Kultur

Die “Für mich”-Kultur

Ein für unsere Geisteskultur äusserst bezeichnendes Phänomen ist mir letztes Semester an der Uni besonders aufgefallen: Jeder zweite Satz aus dem Mund eines Studenten oder einer Studentin (mich mit eingenommen) beginnt mit “Für mich”. Variationen davon sind “Ich persönlich empfinde”, “Meiner Meinung nach”, “Meine Position” und viele weitere. “Mein persönliches Empfinden” (!) gegenüber diesem Phänomen ist ziemlich ambivalent. Einerseits stellt es einen Fortschritt der Gesprächskultur und Demut dar: “Meine Meinung ist nicht über alle Zweifel erhaben! Ich bin mir bewusst, mit meinem begrenzten Erfahrungshorizont nur ein Teilchen zum grossen Puzzle beitragen zu können!” Gleichzeitig schütze ich mit den besagten Floskeln meine Aussagen vor jeglicher Kritik und biete anderen keine Angriffsfläche mehr. Ich verschaffe mir Immunität, indem ich sage: “Ich beschreibe hier nur mein ganz privates Set an Erfahrungen und Überzeugungen und beabsichtige in keiner Weise, die entsprechenden Sets anderer Menschen damit zu diskreditieren.” Weiterlesen

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Spiritualität

spirituelle Kargheit

Bei aller – wie ich finde – wichtigen Rede, des Neuüberdenkens und Wiederentdeckens spiritueller Praktiken, sollten wir immer Bedenken, dass es sich hierbei nur um Hilfen handeln kann, den Weg zu gehen und dass diese nicht mit dem Weg selbst verwechselt werden dürfen. Folgendes Zitat, das ich heute morgen gelesen habe, verdeutlicht dies – wie ich finde – recht gut: Weiterlesen

Beweis für die christliche Wahrheit

„Der Beweis für die christliche Wahrheit ist nicht erschöpfend, aber genügend.

Es ist meistens nicht so, dass der Glaube an Christus praktiziert wird und sich als unzureichend erweist, sondern dass man den Glauben als unzureichend beurteilt und deswegen gar nicht praktiziert.“Os Guinness

Begegnung

„Immer wenn ich eine führende Persönlichkeit des Buddhismus treffe, steht vor mir ein Heiliger, immer wenn ich eine führende Persönlichkeit des Christentums treffe, ein Manager.“ Diese Äußerung eines japanischen Geschäftsmannes gegenüber einem Besucher aus dem Ausland erhellt schlaglichtartig, daß die Christenheit von der technokratischen Zivilisation des Westens wesensmäßig vielleicht schon stärker verändert worden ist, als es uns bisher bewußt war. Os Guiness

Größer als wir selbst

In uns allen liegt eine tiefe Sehnsucht. Sie ist verborgen, aber sie bestimmt unsere Träume, unsere Ziele, unser Handeln – und in Tagen wie diesen wird sie offen sichtbar. Es ist die Sehnsucht, Teil von etwas zu sein, das Größer ist als wir selbst. Wir können uns unsere Bedeutung nicht selbst erarbeiten – wir müssen sie verliehen bekommen. Weiterlesen

http://www.nikodemus.net/ von Jörg Dechert Gesendet: Dienstag, 4. Juli 2006 05:04

Glaubten die Menschen im Mittelalter, dass die Erde eine Scheibe ist?

In unserer Zeit wird allgemein angenommen, dass die ‚flache‘ Erde sozusagen ein grundlegender Bestandteil des mittelalterlichen Weltbildes war. Schüler, die gebeten wurden, in einer eigenen Zeichnung das Weltbild des Mittelalters auszudrücken, wählten ganz überwiegend die Darstellung der Erde als Scheibe.

In einer 2004 erschienenen Schrift wies der Historiker Jürgen WOLF [1] nach, dass diese heutige Auffassung von den damaligen Vorstellungen schlicht falsch ist.

Wolf schreibt, dass die Scholastiker nie Vorstellungen von einer flachen Erde unterstützten. Vielmehr vergleichen alle relevanten Zitate aus mittelalterlichen Quellen ihre Gestalt mit der eines Eies, eines Apfels oder einer Orange. Ein in mittelhochdeutschen Texten häufig verwendetes Wort ist Sinewel, das dem Sinappel im heutigen Niederländischen oder eben – durch Vertauschung der beiden Wortteile – unserer Apfelsine entspricht. In der kopernikanischen Kontroverse ging es nicht um die Gestalt der Erde, sondern um die behauptete Zentralität der Sonne im Weltall.

Wie konnte der Meta-Mythos von der flachen Erde dann überhaupt entstehen?

Der Autor weist nach, dass man um die Zeit der Französischen Revolution – also am Ende des 18. Jahrhun-
derts – bemüht war, das Mittelalter als möglichst rückständig erscheinen zu lassen. Diese Bemühung habe zur gezielten und absichtlichen Falsch-Information geführt, dass die mittelalterlichen Gelehrten an die Flachheit der Erde geglaubt hätten.

Wolf schreibt, dass vereinzelte Autoren in der späten Antike – so etwa Laktanz und der Kirchenvater Kosmas – die Sicht der flachen Erde tatsächlich vertraten. Ihre Wichtigkeit sei jedoch in der frühen Neuzeit weit übertrieben dargestellt worden.

Ein weiterer interessanter Punkt in der Arbeit von Wolf besagt, dass der lateinische Begriff Orbis in mehrdeu-
tiger Weise verwendet wurde. Er bezeichnete alternativ entweder kreisförmige oder auch zylindrische und kugelförmige Gegenstände. Manche Leute legten offensichtlich keinen Wert darauf, zwischen diesen Formen genauer zu unterscheiden. Mit der Verbreitung des Buchdrucks zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden einige Bücher gedruckt und verbreitet, in denen die Erde flach gezeichnet war. Allerdings war sowohl die geographische als auch die nautische (Seefahrt-) Praxis zu dieser Zeit schon lange auf der Kugelform der Erde gegründet.

In einem Schlussabschnitt befasst sich Jürgen Wolf mit dem erst vor kurzer Zeit entstandenen Märchen, wonach Kolumbus und sogar Magellan zu Beginn ihrer Seereisen an eine flache Erde geglaubt hätten und erst unterwegs von der Kugelform überzeugt worden seien.

Literatur
[1] WOLF Jürgen. Die Moderne erfindet sich ihr Mittelalter – oder wie aus der mittelalterlichen Erdkugel eine neuzeitliche Erdscheibe wurde. Akademie der Wissenschaft und Literatur Mainz, Franz Steiner Verlag Stuttgart (2004) ISBN 3-515-08627-7 Autor: Eberhard Bertsch, 31.10.2005
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Sehen, Kaufen, Freuen

Diese drei Schlagworte standen auf einer großen Werbetafel für den Sommerschlussverkauf. Aber dieses Glaubensbekenntnis unserer Konsumgesellschaft stimmt nur selten: Man kann gar nicht alles kaufen, was man gern besäße; und manchmal ist die Freude über den neuerworbenen Besitz längst erloschen, wenn die letzte Rate fällig wird. Was wir Lebensfreude nennen, ist mehr als das, was man kaufen kann. Der Wirklichkeit des Lebens entrinnt man nicht, indem man immer neue Kaufverträge unterschreibt und Schecks ausstellt. Urlaub kann ein herrliches Erlebnis sein. Wir freuen uns über ein schickes Kleid und einen eleganten Anzug. Aber das Leben macht das noch nicht aus. Oft meinen wir, wir wären dem Leben auf der Spur, wenn wir uns verlieben. Aber auch da bleiben Enttäuschungen nicht aus. Die steigenden Scheidungsziffern sprechen eine deutliche Sprache. Wir kommen nicht daran vorbei: Die Wirklichkeit des Lebens beginnt in uns selbst. Es ist etwas in uns zerbrochen, das wir allein nicht mehr reparieren können. Nur Gott kann diese Lücke ausfüllen. Denn sie ist dadurch entstanden, dass wir ihn aus unserem Leben ausgeschlossen haben. Aber das braucht nicht so zu bleiben. Jesus Christus kann diese Lücke in unserem Leben schließen. Und was wir in unserem Leben zerstört haben, das macht Er „neu“. Deshalb ist Er die Erfüllung unseres Lebens.

ETG Berglen-Oppelsbohm – 23.07.2006, 00:07

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