Von Selbstbejahung und Selbstverleugnung

John Stott schreibt in einem Buch Die große Einladung über die Selbstliebe (Brunnen, 2004, S. 81–82):
Was die psychologischen Konsequenzen des menschlichen Paradoxes betrifft [dass wir voller Würde und zugleich Verdorbenheit sind, Anm. RK], so wissen wir alle, wie wichtig ein ausgewogenes Selbstbild für unsere seelische Gesundheit ist. Manche Menschen leiden unter entsetzlichen Minderwertigkeitsgefühlen und einem sehr negativen Bild von sich selbst. Andere fallen in das entgegengesetzte Extrem. Der Amerikaner Carl Rogers zum Beispiel, der Begründer der «klientbezogenen Psychotherapie», kam zu der Überzeugung, dass der tiefste Kern des Menschen, die tiefsten Lagen seiner Persönlichkeit, der Grund seiner «animalischen» Natur, einen positiven Charakter haben. Und deshalb sollten wir, wenn es nach ihm geht, eine «bedingungslos positive Sicht von uns selbst» entwickeln.
Dieses Denken floriert auch in der Selbstverwirklichungsbewegung und hat viele Christen eingeholt. Sie vertreten die Meinung, wir sollten Gott, unseren Nächsten, aber zuallererst uns selbst lieben. Doch in Wirklichkeit lautet das biblische Gebot, dass wir unseren Nächsten so lieben sollen, wie wir uns selbst bereits lieben, da wir ja selbstsüchtige Menschen sind. Dass das biblische Gebot keine Aufforderung ist, uns selbst zu lieben, wird aus drei Argumenten deutlich. Erstens bestätigt Jesus das alttestamentliche Doppelgebot (Lukas 10,27), Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. Von einem weiteren Gebot: «Du sollst dich selbst lieben», ist nicht die Rede. Zweitens ist Selbstliebe die Essenz der Sünde (2. Timotheus 3,2). Drittens ist die Liebe, die unser Leben prägen soll, jene göttliche Agape-Liebe, die sowohl Opferbereitschaft als auch Dienstbereitschaft beinhaltet, deren «Gegenstand» wir also nicht selbst sein können. Wie könnten wir uns selbst aufopfern, um uns selbst zu dienen?
Was also ist ein angemessenes Selbstbild? Wenn wir uns selbst weder hassen noch lieben sollen, wie sollen wir dann zu uns selbst stehen? Hier kommt wieder das menschliche Paradox ins Spiel. Wir Menschen sollten daran denken, dass wir sowohl ein Produkt der Schöpfung als auch ein Produkt des Sündenfalls sind. Somit bejahen wir dankbar alles in uns, was unserer Erschaffung nach dem Bild Gottes zuzuschreiben ist, während wir alles in uns entschlossen ablehnen oder verneinen, was dem Sündenfall zuzuschreiben ist. Wir sind also sowohl zur Selbstbejahung als auch zur Selbstverleugnung berufen, und wir brauchen ein gutes Unterscheidungsvermögen, um zu erkennen, was in welcher Situation angemessen ist.

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Billie Eilish – Die Ausdehnung des Zeitgeistes in der Popkultur von Lars Reeh

Sie ist jung, lebt vegan, hat eine mentale Krankheit und die Welt liegt ihr zu Füßen. Nein, die Rede ist nicht von Greta Thunberg, sondern von Billie Eilish. Die 17-jährige Sängerin ist enorm erfolgreich; abzulesen an der harten Währung der Aufmerksamkeitsökonomie: Sie hat über 34 Millionen Follower auf Instagram und hunderte Millionen Klicks auf YouTube. Sie schreibt und singt Textzeilen wie diese:

„I’m that bad type
Make your mama sad type
Make your girlfriend mad tight
Might seduce your dad type
I’m the bad guy, duh
I’m the bad guy
I like it when you take control
Even if you know that you don’t
Own me, I’ll let you play the role
I’ll be your animal.“

Darin beschreibt sich Billie Eilish als böse und verdorben. Sie macht deine Mutter traurig, deine Freundin wütend und ist bereit deinen Vater zu verführen. Ebenso wird ein sexuelles Dominazrollenspiel mit Tierbezügen angedeutet. Die Musik von Billie Eilish kann man als minimalistischen Elektro-Pop beschreiben der auch mal balladesk daherkommt. Dazu singt sie in ihrem einzigartigen Flüsterstil. Die talentierte Musikerin, die übrigens ein klassisches Tanz- und Gesangstraining genoss, wurde überdies von Dave Grohl gehypt. Dave Grohl ist der Frontmann der Foo Fighters und war der Schlagzeuger der Grunge Band Nirvana, mit der er Billie Eilish verglich. Nirvana wurden 1991 mit dem Song Smells like Teen Spirit und dem dazugehörigen Album Nevermind schlagartig weltberühmt. Die Gemeinsamkeit zwischen Kurt Cobain (Sänger und Gitarrist von Nirvana) und Billie Eilish liegt darin, dass beide den Nerv einer Generation getroffen haben, wobei Cobain ein breiteres Publikum erreichte. Billie Eilish hat ihre größte Anhängerschaft bei Mädchen, die noch jünger sind als sie selbst. Ich habe Schülerinnen aus meinem Umfeld in dieser Altersklasse nach Billie Eilish befragt und sowohl positive als auch negative Reaktionen bekommen. Viele kennen ihre Musik und finden die Sängerin cool. Sie sei anders, sie sei sie selbst und kümmere sich nicht um die Meinung anderer. Die negativen Kommentare beschrieben Billie Eilish schlichtweg als gruselig.

An dieser Stelle muss ich Billie Eilish zugutehalten, dass sie mit den künstlichen Schönheitsidealen früherer Popstars tatsächlich wenig zu tun hat. Eine puppenhafte Perfektion ist ihre Sache nicht, was zu einer Entlastung bei jungen Frauen in Bezug auf deren optisches Selbstbild führen kann. Daraus erklärt sich auch ein Teil des Erfolges und die soziale Zusammensetzung der Fangemeinde, wobei die Inszenierung der Authentizität sicher auch einer Business-Strategie folgt. Selbst wenn der Begriff Authentizität zutreffen sollte, so ist Billie Eilish jedoch eines sicher nicht: natürlich. Ein Blick auf ihren Instagram Account genügt um das zu erkennen. Dies relativiert die beschriebene Entlastungsfunktion, da Billie Eilish letztlich ein unrealistisches Schönheitsideal gegen ein anderes unrealistisches Schönheitsideal austauscht. Abgesehen von der Optik gibt es bezüglich der Inhalte weitere Herausforderungen, was mich zurück zu Kurt Cobain bringt. Dieser sagte „I hate myself …“, bei Billie Eilish findet sich eine Steigerung dieses Ausrufs. Sie sagte über sich: „I really, really, really, really hate myself “. Die Überschneidung bei Cobains teen spirit und Billie Eilish Gesamtwerk liegt im Nihilismus. Es ist der vertonte Zeitgeist der Sinnlosigkeit und des Schmerzes der sich durch die Gehörgänge der Jugendlichen frisst. Ein authentischer, postmoderner Nihilismus für Postmillenials. Nihilismus ist die Überzeugung, dass es keine absoluten Wahrheiten und Werte gibt, was zur Sinnlosigkeit führt:

„Durch die gedankliche Orientierung am Nichts beinhaltet der Nihilismus einen absoluten Vorrang des Individuums, das allein seinen Trieben und Neigungen folgt und dem alles erlaubt ist. Wenn aber die nihilistische Weltsicht so weit geht, dass selbst das Individuum […] angezweifelt wird, verlieren auch diese Triebe und Neigungen jede Bedeutung.“ [1]

Zwischen Cobains Welterfolg und Tod lagen weniger als drei Jahre. Er war 24 Jahre alt als er berühmt wurde und 27 als er starb (Drogenabhängigkeit, Suizid). Mit Cobain als Vergleichspunkt befürchte ich, dass Billie Eilish innerhalb der nächsten drei Jahre sterben wird. Ihre Todessehnsucht ist allgegenwärtig („I wanna end me“). Wenn ein junger Mensch mit diesem Stil und diesen Inhalten so erfolgreich ist, wird es brandgefährlich! Die Horrorästhetik von dem Video zu bury a friend und das an den Film Der Exorzist angelehnte Albumcover sprechen die eindeutige Sprache der Düsterheit. Dazu kommt die (subtile) Erotik in den Texten und Videos, welche fleischliche Lust kanalisiert. Das Neue daran ist der Grad der Ausdehnung der Weltlichkeit in der Welt. Billie Eilish ist eine Mischung aus Justin Bieber und Marilyn Manson, welcher seinen Künstlernamen aus den Namen der Filmikone Marilyn Monroe und des Massenmörders Charles Manson bastelte und dabei die oberflächliche Popkultur mit den Abgründen des Menschenhasses kreuzte. Billie Eilish performt ähnliche Stilbrüche. Antonia Baum bringt es passend zum Ausdruck:

„Billie Eilish kombiniert auf sehr interessante Weise das Interesse an den eigenen Schmerzen der eher weiblich konnotierten Emo-Kultur mit der breitbeinigen f*** you attitude ihrer Lieblingsrapper. Für sich genommen, ist beides in seinen härtesten Ausprägungen unerträglich, aber in dieser Kombination ist es fantastisch, wie eine neue Geschichte. Sie zeigt, wie man mit Würde leiden kann, was naturgemäß insbesondere für junge Frauen interessant ist, deren Schmerzvarianten immer eng mit einem passiven Opferdasein verbunden sind. Das von Billie Eilish dargestellte Leid ist eben nicht das eines Opfers, sondern wird getragen wie das Top-Statussymbol im Hip-Hop, die Halskette (…).“ [2]

„Zahlreich werden die Schmerzen derer sein, die nicht den einzig wahren Gott anbeten.“

Ps 16,4

Die Schmerzen der Nihilistin Billie Eilish sind Folge ihres Götzendienstes. Sie hat die Herrlichkeit ihres Schöpfers eingetauscht gegen Nichtigkeit (Röm 1,23). Das Leben unter der Sonne – ohne Gott – ist ein Leben voller Nichtigkeiten (Pred 1,2). Ein Leben des Nichts, des Nichts-ismus, des Nihilismus. Die Gefahr von Billie Eilishs Kunst liegt in dem Kontakt mit der Dunkelheit. Die Musikerin kreiert eine dunkle audiovisuelle Kammer in der das Echo des Schmerzes klingt. In der Zuwendung zu dieser Musik füllen wir uns mit der Sinnlosigkeit und öffnen uns dem Schmerz, der sich aus dieser Sinnlosigkeit speist. Damit tun sich Kinder Gottes keinen Gefallen. Um deutlicher zu werden: Christinnen und Christen sollten sich die Musik von Billie Eilish nicht geben! Wir haben einen lebendigen Gott und eine lebendige Hoffnung, deswegen sollten wir nicht die Gottlosigkeit und die Hoffnungslosigkeit zelebrieren, welche Kennzeichen der Weltlichkeit sind. Als Kinder des Lichts sind wir dazu aufgerufen uns von der Welt fern zu halten (Eph 5, 8+11), denn – wie es Billie Eilish selbst sagt:

„The world is dark as f***.“

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Nihilismus (20.08.2019)

[2] https://www.zeit.de/2019/15/billie-eilish-saengerin-teenager-hip-hop-authentizitaet (14.08.2019)
Lars Reeh (Jg. 1986) ist Lehrer und geht in die BERG in Gießen. Er interessiert sich für die Überschneidungsfelder von Theologie und Kultur (besonders Apologetik und Pädagogik).
https://www.josia.org/2019/09/billie-eilish-die-ausdehnung-des-zeitgeistes-in-der-popkultur/

„Unterbrich mich nicht, Herr – ich bete!“

Vater unser, der du bist im Himmel …
Ja?
Unterbrich mich nicht! Ich bete.
Aber du hast mich doch angesprochen!

Dich angesprochen? Äh … nein, eigentlich nicht. Das beten wir eben so: Vater unser, der du bist im Himmel.

Da, schon wieder! Du rufst mich an, um ein Gespräch zu beginnen, oder? Also, worum geht’s?

Geheiligt werde dein Name …

Meinst du das ernst?

Was soll ich ernst meinen?

Ob du meinen Namen wirklich heiligen willst. Was bedeutet das denn?

Es bedeutet … es bedeutet … meine Güte, ich weiß nicht, was es bedeutet! Woher soll ich das wissen?

Es heißt, dass du mich ehren willst, dass ich dir einzigartig wichtig bin, dass dir mein Name wertvoll ist.

Aha, hm. Ja, das verstehe ich. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden …

Tust du was dafür?
Dass dein Wille geschieht? Natürlich! Ich gehe regelmäßig zum Gottesdienst, ich zahle Gemeindebeiträge und gebe Spenden für die Mission.

Ich will mehr: dass dein Leben in Ordnung kommt; dass deine Angewohnheiten, mit denen du anderen auf die Nerven gehst, verschwinden; dass du von anderen her und für andere denken lernst; dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, auch dein Vermieter und dein Chef. Ich will, dass Kranke geheilt, Hungernde gespeist, Trauernde getröstet und Gefangene befreit werden; denn alles, was du diesen Leuten tust, tust du doch für mich, oder?

Warum hältst du das ausgerechnet mir vor? Was meinst du, wie viele steinreiche Heuchler in den Kirchen sitzen. Schau die doch an!

Entschuldige! Ich dachte, du betest wirklich darum, dass mein Herrschaftsbereich kommt und mein Wille geschieht. Das fängt nämlich ganz persönlich bei dem an, der darum bittet. Erst, wenn du dasselbe willst wie ich, kannst du ein Botschafter meines Reiches sein.

Das leuchtet mir ein. Dann darf ich jetzt mal weiterbeten? Unser tägliches Brot gib uns heute …

Du hast Übergewicht, Mann! Deine Bitte beinhaltet die Verpflichtung, etwas dafür zu tun, dass die Millionen Hungernden dieser Welt ihr tägliches Brot bekommen.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern …

Und Paul?

Paul? Jetzt fang nicht auch noch von dem an! Du weißt doch, dass er mich öffentlich blamiert, dass er mir jedes Mal dermaßen arrogant gegenübertritt, dass ich schon wütend bin, bevor er seine herablassenden Bemerkungen äußert. Und das weiß er auch! Er nimmt mich als Mitarbeiter nicht ernst, er tanzt mir auf dem Kopf rum, dieser Typ hat …

Ich weiß, ich weiß! Und dein Gebet?

Ich meinte es nicht so.

Du bist wenigstens ehrlich. Macht dir das eigentlich Spaß, mit so viel Bitterkeit und Abneigung im Bauch herumzulaufen?

Es macht mich krank!

Ich will dich heilen. Vergib Paul, und ich vergebe dir. Dann sind Arroganz und Hass die Sünden von Paul und nicht deine. Vielleicht verlierst du Geld, ganz sicher verlierst du ein Stück Image, aber es wird dir Frieden ins Herz bringen.

Hm. Ich weiß nicht, ob ich mich dazu überwinden kann.

Ich helfe dir dabei.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen …

Nichts lieber als das! Meide bitte Personen oder Situationen, durch die du versucht wirst.

Wie meinst du das?

Du kennst doch deine schwachen Punkte: Unverbindlichkeit, Umgang mit Geld, Sexualität, Aggression, Erziehung. Gib dem Versucher keine Chancen!

Ich glaube, dies ist das schwierigste Vaterunser, das ich je gebetet habe. Aber es hat zum ersten Mal etwas mit meinem alltäglichen Leben zu tun.

Schön, wir kommen vorwärts. Bete ruhig zu Ende.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Weißt du, was ich herrlich finde? Wenn Menschen wie du anfangen, mich ernst zu nehmen, echt zu beten, mir nachzufolgen und dann das tun, was mein Wille ist; wenn sie merken, dass ihr Wirken für das Kommen meines Reiches sie letztlich selbst glücklich macht.

(nach einer Idee von Clyde Lee Herring)

Antipsalm 23

Ich bin alleine.
Niemand schaut nach mir oder beschützt mich.
Ich spüre das Gefühl eines ständigen (ungestillten) Verlangens.
Nichts passt wirklich.
Ich bin immer unruhig.
Ich werde leicht frustriert und bin oft enttäuscht.
Es ist ein Dschungel – Ich bin überfordert.
Es ist eine Wüste – Ich verdurste.
Meine Seele fühlt sich zerbrochen an, sie ist verdreht und steckt fest.
Ich kann mich selbst nicht wieder zusammen setzen.
Ich stolpere durch dunkle Pfade.
Und doch bestehe ich darauf: Ich möchte tun, was ich will, wann ich es will und wie ich es will.
Aber das Leben ist verwirrend.
Warum klappen die Dinge denn nie?
Ich werde verfolgt von Leere und Nichtigkeit. Von den Schatten des Todes.
Ich habe Angst vor dem großen Schmerz und der letzten Niederlage.
Der Tod wartet auf mich am Ende jeder Straße,
Aber daran möchte ich nicht denken.
Ich verbringe mein Leben damit, mich zu schützen.
Schlechte Dinge können passieren.
Ich finde keine bleibende Geborgenheit.
Ich bin alleine … stelle mich allem, was mich verletzen könnte.
Sind meine Freunde wirklich meine Freunde?
Andere benutzen mich für ihre eigenen Ziele.
Eigentlich, kann ich niemandem vertrauen.
Niemand steht für mich ein.
Niemand ist wirklich für mich – außer ich.
Und ich drehe mich so sehr um mich selbst, dass es manchmal ekelhaft ist.
Ich gehöre niemanden, als nur mir alleine.
Mein Becher, ist nie wirklich voll genug.
Ich bleibe leer zurück.
Enttäuschung folgt mir mein Leben lang.
Werde ich am Ende einfach ausgelöscht, ins Nichts hinein?
Werde ich für immer obdachlos im freien Fall in die tiefe stürzen?
Sartre hat gesagt: „Die Hölle sind andere Menschen.“
Ich muss hinzufügen: „Die Hölle bin auch ich.“
Es ist ein lebender Tod. Es ist ein totes Leben
und dann sterbe ich.
Ray Ortlund fügt hinzu:
Aber hier sind die grünen Auen und das frische Wasser, zu dem wir immer rennen können, durch den Glauben, durch das vollendete Werk Christi am Kreuz:
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er lagert mich auf grünen Auen,
Er führt mich zu stillen Wassern.
Er erquickt meine Seele.
Er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen.
Auch wenn ich wandere im Tal des Todesschattens, fürchte ich kein Unheil,
Denn du bist bei mir;
Dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde;
Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt,
Mein Becher fließt über.
Nur Güte und Gnade werden mir folgen alle Tage meines Lebens;
Und ich kehre zurück ins Haus des HERRN lebenslang.
(Dank an Joseph McMahon für die Übersetzung)
http://mehrerekanonen.blogspot.com/2019/08/antipsalm-23.html

Greta Thunberg

International ist ihr Name vermutlich erst 2018 in die Schlagzeilen geraten. Das Thema Umwelt und Erderwärmung hat sie allerdings bereits seit ihrem 8. Lebensjahr interessiert. Seit diesem Zeitpunkt versucht sie aktiv, ihren Zielen durch entsprechendes Handeln Glaubwürdigkeit zu verleihen (z.B. lange Bahn- statt schnelle Flugreisen, E-Auto statt Benzinbetrieben). Die Schwedin Greta Thunberg hat einiges bewegt, das muss man ihr lassen. Sie trifft sich auf höchster Ebene mit Gleichgesinnten, sprach u.a. auf der UN Klimakonferenz im Dezember 2018 und der Weltwirtschaftskonferenz im Januar 2019 in Davos.
Greta ist gerade mal 16 Jahre alt (* 3. Januar 2003) und bewegt die Welt. In Davos erklärte sie: „Ich will, dass ihr in Panik geratet. Unser Haus brennt“ An anderer Stelle sagte sie: Ich habe gelernt, dass man nie zu klein dafür ist, einen Unterschied zu machen.“ „Es gibt keine Grauzonen, wenn es ums Überleben geht.
Gretas Engagement für ihr Anliegen ist zu einer globalen Bewegung geworden. Überall schwänzen Schüler freitags den Unterricht, um an Demos gegen die Klimaerwärmung teilzunehmen. Die Reaktionen darauf, die an dieser Stelle nicht bewertet werden sollen, sind natürlich unterschiedlich. Es sind nicht nur sachliche, positive und negative Reaktionen, sondern auch unberechtigte Angriffe auf „ihr Alter, ihr Geschlechtund das Asperger-Syndrom“, um sie als „als „Person und Individuum abzuwerten“.
Egal, wie man über die Inhalte und Methoden dieses Teenagers denkt, ein Maß an Respekt kann da schon entstehen. Ich stelle mir allerdings auch eine ganz andere Frage: Hier steht ein junger Mensch auf, wird laut für ihre Überzeugungen, scheut keine Auseinandersetzung – auch nicht mit denen, die nicht mit ihr übereinstimmen und schafft eine weltweite Bewegung, die mit ihr steht. Sie scheut keine Kosten und stellt ihr Leben radikal um, auch wenn das scheinbare Nachteile bringt. Sie hat scheinbar kein anderes Ziel, als das zu bewegen, was nach ihrer Meinung das Wichtigste ist zum Leben und zum Sterben. Klingelt da was?
Ich frage mich, ob ich so konsequent für das lebe, von dem ich weiß(!) dass es das Wichtigste ist im Leben und im Sterben. Ich frage mich, ob ich den 15 und 16jährigen Teenagern in meinem Umfeld ein Vorbild bin, für Jesus zu brennen. Sehen junge Menschen in Deinem und meinem Umfeld in uns Jünger Jesu, die laut für ihre Überzeugungen aufstehen, keine Auseinandersetzung scheuen, keine Beleidigungen scheuen, keine Kosten scheuen, keine scheinbaren Nachteile scheuen und keine Anfeindungen scheuen? Habe ich das eine Ziel, für das ich lebe, rede, Geld verdiene, Geld opfere, Zeit opfere, Bequemlichkeit und „Rechte“ opfere – ein Ziel, das mein Alles wert ist, mein Einsatz, mein Leben und Sterben? (ohne Letzteres anzustreben!)
Aber nicht nur die gehobene Altersklasse soll hier angesprochen werden. Greta zählt sich noch keine 4 Jahre unter die Teenager, aber ihr Leben hat bereits ein Ziel. Sie hat etwas gefunden, von dem sie glaubt, dass sich ihr ganzer Lebenseinsatz dafür lohnt. Das sollte bei allen jungen Christen die Glocken läuten lassen. So wichtig der Klimaschutz in aller Welt für unser Leben ist – es gibt tatsächlich etwas noch Wichtigeres: Die lebensrettende Botschaft von Jesus muss in aller Welt zu allen Menschen, jedem Einzelnen, gebracht werden. Das hat für uns Christen absolute Priorität. Gottes Wort fragt uns in Matthäus 16:26:

„Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber seine Seele verliert?

Paulus hatte diese Wahrheit erkannt, verinnerlicht und umgesetzt und macht uns damit Mut, seinem Beispiel zu folgen. Paulus bekennt:
Ich jage aber danach, dass ich das auch ergreife,wofür ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. (Philipper 3:12)

„Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise etliche rette. Dies aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben. (1 Korinther 9:22b+23)

Wofür lebst Du?
Wofür bist Du bereit, alles zu geben?
Wofür bist Du bereit, alles zu opfern?

Eingestellt von Wolfgang Jung (Pastor CCFG) https://ccfg-neunkirchen.blogspot.com/2019/03/greta.html

Daß ein gutes Deutschland blühe

1. Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.
2. Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.
3. Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.
4. Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s
Und das Liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs
(Berthold Brecht, Kinderhymne)

„Hoffentlich hast Du keinen Dreck am Stecken.“

Wer „Dreck am Stecken hat“, muss sich nicht gerade waschen, vielmehr sollte er seine dunkle Vergangenheit aufräumen. Zumeist spricht man nicht von sich selbst sondern über einen anderen, der „Dreck am Stecken hat“, weil er irgendetwas Unschönes vor seiner Umgebung zu verbergen sucht. Obwohl die Angelegenheit nicht öffentlich bekannt ist, ahnt man aufgrund von Gerüchten oder aufgrund des auffälligen Verhaltens oder Redens einer Person, dass sie irgendeine Untat hinter einer schönen Fassade verbergen will.
Vor Jahrhunderten, zu der Zeit, als die Redewendung „Dreck am Stecken haben“ entstanden ist, konnte man noch nicht so sicher, bequem und sauber reisen wie heute. Wo gegenwärtig die Straßen in Mitteleuropa sauber und gepflegt sind, waren es im ausgehenden Mittelalter zumeist staubige und steinige Pfade, die sich bei Regen in regelrechte Schlammpisten verwandelten. Wer hier unterwegs war kam fast unweigerlich mit Schmutz und Staub an Schuhen, Kleidern und Mantel an sein Ziel. Deshalb ist es stellenweise bis heute üblich, beim Betreten eines Hauses oder einer Wohnung die Schuhe abzuputzen, selbst wenn diese verhältnismäßig sauber sind. Gelegentlich wird man sogar aufgefordert, die Straßenschuhe auszuziehen und Hausschuhe anzulegen. Diese Sitte dient nur teilweise der Bequemlichkeit des Gastes. Vor allem sollte sie früher die Wohnung vor dem Schmutz der Straße schützen, der in großen Teilen an Schuhen und Straßenkleidung klebte. Andernorts konnte man seine Schuhe anbehalten, musste sie aber vor dem Betreten des Hauses reinigen, manchmal mit dem Ärmel des Mantels, zumeist aber mit den obligatorischen Wanderstock – dem Stecken. Nach der Prozedur waren Schuhe und der ausgeschüttelte Mantel verhältnismäßig sauber, nicht natürlich der Stecken. Trat nun jemand im Laufe des Tages mit der Behauptung auf, er sei die ganze Zeit zuhause gewesen, verriet der „Dreck am Stecken“ ob die Person log oder die Wahrheit sagte. Hielt ein Mensch daran fest, das Haus nicht verlassen zu haben, hatte aber „Dreck am Stecken“, konnte man zu Recht vermuten, dass der Betreffende etwas zu verbergen hatte, irgendein dunkles Geheimnis.
In späterer Zeit wurden Dreck und Schmutz zu Symbolen für Schuld, Betrug und Unmoral. Unschuldige Menschen hingegen wurden als „sauber“ und „rein“ umschrieben. Natürlich wollen auch heute noch die meisten Menschen gut, also ethisch „rein“ und „sauber“ vor ihrer Umgebung dastehen. Manchmal aber lässt ihr Verhalten oder Reden etwas von ihrer „schmutzigen“ Vergangenheit oder ihrem „unsauberen“ Charakter erahnen – man vermutet, dass sie „Dreck am Stecken haben“. Diese Menschen haben sich gut „gereinigt“ und meinen, niemand könne mehr erkennen, was sie wirklich gemacht haben. Doch winzige Details haben sie vergessen, wie den „Dreck am Stecken“, der von aufmerksamen Beobachtern trotz aller Bemühungen wahrgenommen wird. Wer „Dreck am Stecken hat“ ist nicht echt, er spielt etwas vor, um die Menschen seiner Umgebung zu täuschen, um einen besseren Eindruck zu erwecken als es der Realität entspricht.
Auch wenn sicher nicht jeder ein verkappter Verbrecher ist, so haben die meisten doch ihre „dunklen“, „schmutzigen“ Geheimnisse, die sie sicher hüten, verbergen oder am liebsten ungeschehen machen würden. Gelegentlich aber kommen diese „Geheimnisse“ doch heraus und stellen den Betreffenden bloß, zeigen einen Teil seines Lebens, den er lieber geheim gehalten hätte. Jeder, der „Dreck am Stecken hat“, sollte sich nun nicht endlos bemühen, sein Handeln zu verstecken, sondern den angerichteten Schaden wieder gutzumachen oder um Entschuldigung zu bitten. Wer das macht, kann kaum noch durch unverhofft auftauchende Informationen aus der Vergangenheit beschämt oder bloßgestellt werden. Sich verstellen und anderen „heile Welt“ vorzuspielen hilft tatsächlich häufig – zumeist aber nur kurzzeitig. Irgendwann fällt auf, dass man „Dreck am Stecken hat“. Allemal weiß Gott um den „Dreck am Stecken“ jedes Menschen – und auf ihn kommt es letztendlich an. Wer nun „Dreck am Stecken hat“ sollte zuallererst seine Fehler vor Gott offenlegen und ihn um Vergebung und um Hilfe bei Veränderung bitten.
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