Historisch-kritische Bibelforschung

Die historisch-kritische Bibelforschung hat ihr Recht: sie weist auf eine Vorbereitung des Verständnisses, die nirgends überflüssig ist. Aber wenn ich wählen müßte zwischen ihr und der alten Inspirationslehre, ich würde entschlossen zu der letzteren greifen: sieh hat das größere , tiefere, wichtigere Recht, weil sie auf die Arbeit des Verstehens selbst hinweist, ohne die alle Zurüstung wertlos ist. Karl Barth
Vorwort zur ersten Auflage des Römerkommentar von 1922

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„Was in meinem Haus klassisches Latein ist, bestimme ich“ Friedrich Dürrenmatt in Drama und Roman von Sergej Pauli

Dürrenmatt ist ein Schriftsteller, der es mir in der Schulzeit besonders angetan hat. Der Roman „Der Richter und sein Henker“ und die Komödien „Die Physiker“ und „Der Besuch der alten Dame“ waren Pflichtlektüre. Im Vergleich zu Schiller schnitt Dürrenmatt bei uns Schülern deutlich besser ab. Ich war damals so angetan von Dürrenmatt, dass ich fast sein vollständiges Werk durchgearbeitet habe. Dieses gibt es übrigens für wenig Geld zu erwerben oder in so gut wie jeder Bibliothek (selbst in der Bibliothek unserer technischen Hochschule fand man diese). Dennoch schlich sich mir mehrfach der Verdacht auf, dass man gezielt die „konservativeren“ Werke Dürrenmatts nicht in die Schullektüre aufnahm, wie dieser kurze Überblick zeigen soll:

Prosa:

  • „Der Richter und sein Henker„‘ erzählt die Geschichte von Kriminalkommissar Bärlach, der einen bisher ständig davon gekommenen Verbrecher nicht anders zur Strecke bringen kann, als durch eine kompliziert Intrige. Gerechtigkeit scheint sich auf legalem Wege nicht durchsetzen zu können
  • Was viele nicht wissen ist, dass Komissar Bärlach einen weiteren Fall löst. (Ich hätte es mir gewünscht, dass die Lehrerschaft wenigstens mit einem Satz darauf aufmerksam gemacht hätte). In „Der Verdacht“ geht es um die Entlarvung eines KZ-Arztes. Sicherlich weniger tiefsinnig als der erste Teil, dafür näher an der Realität (zumindest der Nachkriegszeit).
  • Thematisch reiht sich der Roman „Das Versprechen“ an. Sehr sensibel bespricht Dürrenmatt das Thema des Kindesmissbrauchs. Auch hier kommt ein Komissar nur „falsch ermittelnd“ zum „richtigen Ergebnis“. An der sehr sehenswerten Verfilmung „Es geschah am helllichten Tage“ war Dürrenmatt ebenfalls beteiligt.
  • Ich denke, in „Die Panne“ wird Schuld uns Sühne, Verbrechen und Strafe am tiefgründigsten besprochen. Ein allzu durchschnittlicher Vertreter kommt vor ein Galgengericht. Bereits auf den ersten Seiten erahnt man das tragische Ende
  • In den späteren Jahren wird Dürrenmatts Werk bizarrer, was „Im Auftrag oder Vom Beobachten des Beobachters der Beobachter“ beweist. 24 Kapitel: Jedes nur einen Spagetti-Satz lang.
  • Schließlich muss noch das „Durcheinandertal“ erwähnt werden. Viele Stränge führen in ein kleines Schweizer Dorf. Doch die Idylle täsucht. Ein riesiges Hotel benutzt der schmierige Prediger „Moses Melker“ (welch Ironie) dazu, den Reichen dieser Welt die Armut zu zeigen. Im Winter jedoch dient das Hotel als Versteck für ein Verbrechersyndikat. Als ein 14jähriges Mädchen vergewaltigt wird, sucht man nicht das Nahe liegende, sondern vermutet lieber eine sowjetische Invasion. So viel Chaos kann natürlich nur in einer schlimmst möglichen Wendung enden.

Theaterstücke

  • „Die Physiker“: Sind Einstein, Newton und Möbius (mit siener Weltformel) eine Gefahr oder bleibt Ihnen nichts anderes übrig als sich vor den Verbrechern dieser Welt in einem Irrenhaus zu verstecken. Erstaufgeführt 1962 als sich die Großen Staaten dieser Welt von einer Megabombe zur Nächsten steigerten.
  • „Der Besuch der alten Dame“. Die Bürger eines heruntergekommen Schweizer Ortes werden doch nicht so gierig sein, jegliche Tugend zu vergessen, um an eine Großzügige Spende der alten Dame zu kommen? Leider ja!
  • „Romulus der Große“. Die letzten beiden Tage des römischen Reiches verbringt der Kaiser Romulus lieber mit Hühnerzucht. Man kommt nicht umhin Sympathie mit einem Tyrann zu entwickeln.

Hörspiele:

Die Nachkriegszeit war die Blütezeit des Hörspiels. Für Fernseher gab es (noch) nicht genug Geld, dafür war jeder mit Radios versorgt. Auch Dürrenmatt beteiligte sich kräftig, da vieles im öffentlichen Rundfunk erschien, finden sich viele Hörspiele immer noch auf youtube. Zumeist handelt es sich um Bearbeitungen von vorher oder parallel erschienen Theaterstücken.Der Prozess um des Esels Schatten: Ein Eselstreiber kann es nicht dulden, dass man auch den Schatten seines Esels nutzen will. Gier vermehrt sich bekanntlich schnell und endet in einer grausigen Zerstörung.

Stranitzky und der Nationalheld. Der Kriegsinvalide Adolf Josef Stranitzky sieht seine große Chance der Machtübernahme, als der Nationalheld Möwe aussätzig wird.

Herkules und der Stall des Augias: Der alternde und von Gerüchten und Schulden umgebene Herkules scheitert daran, die Statt Elis vom Pferdemist zu befreien.

Abendstunde im Spätherbst: Ein spannender kurzweiliger Krimi für zwischendurch.

Auch „die Panne“ und „Romulus der Große“ und „der Besuch der alten Dame“ wurden von Dürrenmatt höchstpersönlich als Hörspiele realisiert.

Besprechung

Eine ausführliche Dokumentation über Dürrenmatt findet sich auf youtube.

Dürrenmatt schaut tief in die menschliche Seele: Regelmäßig deckt er auf, dass in jedem auch so „frommen“ Spießbürger ein Tyrann steckt. Selbst wenn man diese innewohnende Tyrannei hinter großem Durcheinander und vielen Argumenten verstecken möchte, kann man vor Schuld nicht weglaufen.  Viele der Protagonisten unternehmen die verrücktesten Dinge um ihren Schein und Namen zu wahren. Alles also allzu menschlich. Wie oftmals wagt sich auch in diesem Fall ein Nichtchrist an eine aufrichtigere Analyse, als viele Christen es tun würden. Definitiv wird es dem Werk Dürrenmatts nicht gerecht, die Schuldfrage auf die Geschehen des dritten Reichs zu reduzieren.
https://www.nimm-lies.de/was-in-meinem-haus-klassisches-latein-ist-bestimme-ich/13588?fbclid=IwAR3mJEfd_whVP7jvBeHmebQsGPNCK1kDkgZej1C4G_ziXBC_8DiYId9haAI

Wenn die Statistiken stimmen, machen die Juden nur ein Prozent der Menschheit aus-

Historiker sagen, dass das jüdische Volk längst verschwunden sein müsste, doch obwohl es über die ganze Erde verstreut war, hat es als deutlich erkennbares Volk überlebt. Und Mark Twain schreibt im Jahr 1899 dazu:
„Wenn die Statistiken stimmen, machen die Juden nur ein Prozent der Menschheit aus – ein unbedeutender Funke im Glanz der Milchstrasse. Normalerweise sollte man vom Juden kaum etwas gehört haben, und doch hörten und hören wir immer wieder von ihm. An Berühmtheit kann er es mit jedem anderen Volk der Erde aufnehmen, und seine Bedeutung in Wirtschaft und Handel steht in keinerlei Verhältnis zu seiner Bevölkerungszahl. Sein Beitrag zur Liste großer Namen in Literatur, Naturwissenschaft, Kunst, Musik, Finanzwesen, Medizin und tiefer Gelehrsamkeit ist genauso erstaunlich. Er hat sich in all den Jahrhunderten großartig geschlagen in dieser Welt – und das mit auf den Rücken gebundenen Händen. Er könnte mit Recht hochmütig und stolz auf sich sein. Die Ägypter, Babylonier und Perser kamen an die Macht, erfüllten die Erde mit ihrem Glanz und ihren Klängen und gingen unter. Die Griechen und Römer folgten, machten viel Lärm und verschwanden. Andere Völker standen auf, ihre Fackel brannte eine Zeitlang, dann erlosch sie, und heute sitzen sie im Zwielicht oder sind ganz verschwunden. Der Jude sah sie alle, schlug sie alle und ist heute, was er immer war, zeigt keinen Verfall, keine Alterserscheinungen, keine Schwächen, kein Nachlassen der Energie, kein Abstumpfen seines wachen, dynamischen Geistes. Alle Dinge sind sterblich außer dem Juden-, alle anderen Kräfte vergehen, er bleibt. Was ist das Geheimnis seiner Unsterblichkeit?“ (zitiert: Lance Lambert „Israel, Zentrum der Weltgeschichte“ )
https://ahuvaisrael.wordpress.com/tag/mark-twain/

Anti- CDU Video

Mit seinem viel beachteten Video macht der YouTuber Rezo kurz vor der Europawahl 2019 leicht durchschaubare Wahlwerbung für die Partei der Grünen. Das pauschalisierende Fazit seiner einstündigen Polemik gegen die Politik der Bundesregierung lautet: die CDU zerstöre „unser Leben und unsere Zukunft“. Deshalb könne man keinesfalls die CDU / CSU, aber auch nicht die SPD oder die AfD wählen. Wenn man dann noch die Linken mit ihrer historischen Hypothek der DDR- Diktatur abzieht, bleiben demnach nur noch die Grünen.
Bei einem Wahlvideo zur Europawahl würde man aber erwarten, dass auch Themen der Europapolitik aufgegriffen werden, denn um diese politische Entscheidung geht es doch momentan. Davon spricht der YouTuber Rezo aber kaum. Stattdessen lässt er sich beispielsweise über die deutsche Bildungspolitik aus, wobei diese nicht einmal Bundes- sondern Landesangelegenheit ist und dabei gerade die CDU / CSU- geführten Länder außergewöhnlich gut abschneiden. Überhaupt geht Rezo mit Fakten und Statistiken sehr eigenwillig um. Häufig lässt er wichtige Informationen einfach weg, fälscht ganz offensichtlich oder verschweigt absolut notwenige Bezugspunkte, wie beispielsweise der Bevölkerungsanteil junger Menschen im Vergleich zu den jeweiligen Bildungsausgaben. Offensichtlich geht es ihm nicht darum Fakten darzustellen, sondern Stimmungen zu wecken. Dazu passt auch sein beharrliches Verschweigen offensichtlicher Regierungserfolge: Die niedrige Arbeitslosenrate, das vergleichsweise gute Gesundheitssystem, die große politische Stabilität, den stetig steigenden Anteil regenerativer Energien oder die Spitzenposition deutscher Umwelttechnik, die massiv mit Steuergelder gefördert wird, die Abschaffung der Kernkraftwerke usw.
Rezos Video macht vor allem eines, es schürt Angst und Unzufriedenheit bei den Zuschauern. Bei einer seit längerem regierenden Partei ist so etwas natürlich leicht und entspricht durchaus den üblichen Methoden des Wahlkampfs. Schließlich macht jeder Fehler, der in Verantwortung steht und Entscheidungen treffen muss. Die Opposition muss nur die Fehler der Regierenden benennen und kann dann vollkommen utopische Alternativen einfordern. Diese Ideen wirklich umsetzen oder auch nur deren reale Umsetzbarkeit nachweisen muss sie nicht. Fast nie macht eine daraufhin neu gewählte Regierungspartei wirklich das, was sie vorher angekündigt hatte. Ganz plötzlich ist sie dann in der Realität angekommen und wird mit all den Sachzwänge, Kosten und demokratisch zu erringenden Kompromissen konfrontiert.
Rezos YouTube- Video erzeugt gerade bei vielen jungen Menschen Angst, bei einigen sogar Panik: Die Welt steht demnach kurz vor dem absoluten Kollaps. Deshalb müssen unverzüglich radikale Maßnahmen ergriffen werden. Mit seiner Ansprache verstärkt Rezo lediglich die durch führende Medien seit Jahren geschürten Emotionen. Allerdings sind solch radikalen Veränderungen auf demokratischem Weg kaum machbar, selbst wenn man sie wirklich wollte, weil dem eben nicht alle Bürger so zustimmen. Wirbt Rezo also indirekt für eine Art Diktatur, die ihre Interessen durchsetzt, weil sie sie heute eben für die einzig möglichen hält. Wer aus welchen Gründen nicht mitgehen will, oder die Notwendigkeit der geforderten Veränderungen nicht einsieht, muss quasi gezwungen werden, so scheint es.
In der Vergangenheit fuhren die Deutschen durchaus gut damit, nicht jeder gesellschaftlichen Panik gleich mit drastischen Mitteln zu begegnen: In den 1960er Jahren war man auf den Kampf gegen die „böse Macht“ der Sowjetunion eingestimmt, sodass viele schon mit dem Gedanken eines prophylaktischen Atomschlags spielten. In den 70er Jahren war der einhellige Mainstream, Atomkraft löst alle unsere Energieprobleme. In den 1980er Jahren wurden alle möglichen drastischen Eingriffe gegen den unmittelbar bevorstehenden „Tod der Wälder“ gefordert. In den 1990er Jahren grassierte die Angst vor der Gentechnik und dem Zusammenbruch aller Computersysteme zum Jahrtausendwechsel. – Nur gut dass man auch damals erst genau analysiert und nicht gleich jeder Panik nachgegangen ist. Ganz sicher, aktuelle gesellschaftliche Probleme müssen gelöst werden. Bestimmt geschieht das aber nicht mit einer weiter zugespitzten Polemik und politischen Radikalisierung, die sich am Ende nur noch die Daten heraussucht, die dann auch zu der längst festgelegten Meinung passen.
Der eher CDU- kritische und politisch links ausgerichtete SPIEGEL nennt einige Manipulationen Rezos, Beispiele für grobe Falschinformation und Manipulation; offensichtlich nicht mit dem Ziel zu informieren, sondern die CDU- Regierung möglichst schlecht dastehen zu lassen: spiegel.de
Rezo-Video: Die YouTube-Angriffe auf die CDU im SPIEGEL-Faktencheck46
Michael Kotsch FB

Kein Platz für das Royal-Baby

Noch weit von der Pensionierung entfernt, bin ich bereits zum fünften Mal Grossvater geworden. Was für eine Ehre! Erneut fand ich die Bestätigung: Keine Geburt ist wie die andere. So individuell wie die Menschen sind, so kommen sie auch auf die Welt. Geburts-Routine gibt es nicht. Geburten fördern das Beten. Und Neugeborene gehören umarmt und wollen ins Herz geschlossen werden. Neben meinem jüngsten Enkel, der per Kaiserschnitt ins Licht gehoben wurde, beschäftigten mich in diesen Tagen noch zwei andere Geburten.
Archie Harrison Mountbatten-Windsor. So heisst der Sohn von Herzogin Meghan und Prinz Harry. Archie gehört zur britischen Königsfamilie. In der Thronfolge reiht er sich an siebter Stelle ein – direkt nach seinem Vater. Für seinen Grossvater Kronprinz Charles ist Archie das vierte Enkelkind und somit das achte Urenkelkind von Queen Elizabeth. Archie wird im „Frogmore Cottage“, einem schlossartigen Haus inmitten eines riesigen Parks aufwachsen. Bei der Einrichtung des Kinderzimmers genügte die elterliche Vorstellungskraft nicht. Eine Innenarchitektin gestaltete ein Kinderparadies in wie es heisst „geschlechtsneutralen“ Tönen. Noch vor Archies Geburt wurde das ganze Gebäude mit einem Millionenbetrag renoviert. Archie soll in einer standesgemässen Umgebung gross werden. „Wir sind unfassbar glücklich, unser eigenes kleines Bündel Glück zu haben.“ So schwärmte Prinz Harry vor der Kamera. Er hat Archie ins Herz geschlossen.
Das Kinderzimmer hätte der praktisch veranlagte Josef selber hergerichtet. Doch sie hatten ja nur einen Raum; hier spielte sich das ganze Leben ab. Und dann auch noch dies: Als der Geburtstermin näher rückte, rief der römische Kaiser zur Volkszählung. Als Nachkomme Davids musste Josef von Nazareth nach Betlehem reisen; im Schlepptau die hochschwangere Maria. Endlich dort angekommen, setzen die Wehen ein. Niemand lässt die beiden ins Haus. Was jetzt? Wohin? Schliesslich ist es eine Hütte, ein Stall, ein „Cottage“, wo Maria ihr Kind zur Welt bringt und es dann in die Futterkrippe legt. Josef nennt das Kind Jesus. Obwohl aus einer Königslinie stammend – mit so klingenden Namen wie David, Salomo oder Hiskia als Vorfahren – heisst man ihn nicht willkommen. Kein Platz für das Royal-Baby! Schliesslich sind es Engelwesen, welche die Lage erfassen. Sie schwärmen vom Kind: Er ist der Retter, der Erlöser, der Messias, der Herr! Jesus braucht kein Schloss. Er will ins Herz geschlossen werden. Rolf Hoeneisen FB

Tipp: Der Untergang des christlichen Abendlandes Kleine Einführung von Dr. W. J. Ouweneel

Eines der Frühwerke von Ouweneel.
Es trägt den durchaus provozierenden Titel: „Der Untergang des Christlichen Abendlandes“ und ich würde das Buch als leichten Einstieg zu Schaeffers ausführlich gestalteter Analyse „Wie können wir denn Leben?“ sehen.  Ich fand das Buch neulich in meinem Bücherregal und habe die 60 Seiten sehr schnell durchgelesen.
Der Autor arbeitet heraus, dass der Existenzialismus für die Popkultur am Ende des zwanzigsten Jahrhundertes die Leitidee war. Der Existenzialismus kennt nur Relative Aussagen und ist hoffnungslos. Diese Hoffnungslosigkeit geht zunächst in die Kunst über und erreicht schnell junge Menschen und irgendwann die ganze Gesellschaft. Die Früchte dieser Entwicklung seit den 60 Jahren können wir heute überall ernten:

Das hat ganz einschneidende Konsequenzen. Früher war es absolut verboten zu morden, zum Beispiel auch, gesunde Kinder zu töten. Heute gibt es aber Fälle, in denen das Leben von Mutter und Kind nicht gefährdet ist und kein wirklich unlösbares Problem vorliegt, und doch erwogen wird, die Tötung des Kindes im Mutterleib zu legalisieren. Früher war es Personen desselben Geschlechts verboten, miteinander geschlechtlichen Umgang zu haben. Heutzutage ist es denkbar, das zu tolerieren oder sogar zu propagieren. Wir leben nicht mehr mit Gegensätzen zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Gutem und Bösem. Früher wurden die Kinder mit absoluten moralischen Maßstäben erzogen. Das ist nicht mehr so. Und darum gibt es keine echten Antworten mehr auf die drängenden Fragen der Jugend. (S. 33)

Wem Schaeffer zu kompliziert sein sollte, der sollte zu diesem Buch greifen. Jedoch wird man schnell sehen, eine genauere Analyse bräuchte sicher mehr Platz.  Das Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich. Mein Exemplar würde ich für 5 EUR inklusive Versand verkaufen. Wer zuerst kommt mahlt zuerst. Von Sergej Pauli
https://www.nimm-lies.de/tipp-der-untergang-des-christlichen-abendlandes/12910

Kalter Kaffee in neuen Schläuchen

Verkaufsfördernd wird Shane Claibornes und Tony Campolos Buch als „Revolution“ angekündigt, doch bis auf ein paar postmoderne Anwendungen nennen die Autoren keinen wirklich neuen Gedanken, der in den vergangenen 50 Jahren nicht schon viele Male von anderen Links-Evangelikalen veröffentlicht wurde. Lediglich einige Formulierungen wurden modernisiert. „Die Jesus Revolution“ ist eine Übersetzung des 2012 bei Thomas Nelson in Nashville/Tennessee herausgekommenen Buches mit dem Titel „Red Letter Revolution“. Formal ist es ein Gespräch zwischen Shane Claiborne und Tony Campolo über politisches und soziales Engagement von Christen in den USA. Tony Campolo (geb. 1935) ist US-amerikanischer Soziologe mit baptistischem Hintergrund. Zeitweilig war er als Berater Präsident Clintons tätig. Häufig äußert er sich in christlichen Kreisen zu sozialen und politischen Themen. Shane Claiborne (geb. 1975) ist einer der Sprecher der amerikanischen Links-Evangelikalen. Seit Jahren engagiert er sich in sozialen Projekten und äußert sich insbesondere zu politischen, ökologischen und ökonomischen Themen. › Eigener Anspruch nicht erfüllt Das Buch wird als „selbstkritisch“ beworben (6). Dabei äußern die Autoren keinerlei Selbstkritik an ihrem eigenen Konzept des sozialen Evangeliums und einer postmodernen Frömmigkeit. Kritisiert werden nur evangelikale Gegner, die stärker auf Bekehrung und Bibelwissen setzen. Wieder einmal rechnet man mit seinen „eigenen“ Eltern ab und mit dem, was vor dreißig Jahren in der evangelikalen Welt Common Sense war (38f, 131f). Mit dem amerikanischen Titel des Buches bezeichnen sich die Autoren als Red-Letter-Christians, also als Christen, die sich insbesondere auf die in vielen amerikanischen Bibeln fett oder rot gedruckten Aussagen Jesu berufen (17ff.). Das klingt gut und ambitioniert. In der Realität jedoch findet diese Orientierung an den Aussagen Jesu gerade nicht statt. Zwar sprach sich Jesus deutlich gegen den Materialismus aus, jedoch nicht als Forderung zu politischer Umverteilung, sondern als Gegensatz zur Hinwendung zu Gott und seinem jenseitigen Reich. An keiner Stelle forderte Jesus, wie Claiborne und Campolo es machen, zu einer politischen Revolution auf. Ganz im Gegenteil ließ er die ungerechten politischen Verhältnisse des Römischen Reiches unangetastet, forderte sogar noch eine Unterordnung unter dieselben: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.“ (Mk 12,17). Den Armen und Unterdrückten wird keine Klassengerechtigkeit auf Erden versprochen, sondern Gottes Lohn in der Ewigkeit. „Jesus beim Wort nehmen“ wollen die Autoren (7, 17f). Dabei hat man weit eher den Eindruck, dass lediglich die Bibelstellen herausgesucht werden, die zu einem links-evangelikalen Weltverbesserungs-Konzept passen. Ich halte es für eine problematische Vorgehensweise, eine Jesus gemäße Lebensweise vorstellen zu wollen und dann den Großteil des Neuen Testaments auszublenden. Denn abgesehen von sehr ausgewählten Abschnitten der Evangelien ndet der Rest des NT kaum Beachtung. Die Autoren rechtfertigen diesen Kanon im Kanon sogar. Für sie gibt es in der Bibel wichtige Stellen und eher zweitrangige (27f, 131f). Dabei werden Thesen der historischen Bibelkritik bedenkenlos übernommen und fromm formuliert als erstrebenswerte Erkenntnisse präsentiert. Zwar sei die Bibel inspiriert, aber natürlich nicht wörtlich (30f). Begriffe wie „allmächtig, allwissend, allgegenwärtig“ seien nicht urbiblisch, sondern entsprächen lediglich „griechischem Denken“ (31). So wird beispielsweise ohne lange Begründung oder eine Berufung auf Aussagen Jesu behauptet, dass auch Muslime, Buddhisten und die Anhänger anderer Religionen durch Christus errettet sind (42, 45, 47f, 51f). Auf Seite 49 heißt es: „Jesus bestätigt alle diejenigen, die sich für andere Menschen einsetzen, egal, ob sie an alle ‚richtigen‘ Dinge glauben oder nicht.“ Solch große Worte klingen gut in einer Welt, die der Mission zunehmend kritisch gegenübersteht. Aber diese steilen Thesen sollten dann doch durch mehr als ein paar kleine Anekdoten begründet werden. › Realitätsferne Claibornes und Campolos Kritik an einem rein traditionsgebundenen, lebensfremden Christsein ist rundheraus zuzustimmen. Problematischer ist, dass die Autoren in den konkreten Beispielen ihres Buches nicht nur das Namenschristentum ablehnen, sondern auch theologisch, seelsorgerlich und missionarisch ausgerichtete Gemeinden. Sozial lebende Menschen hingegen werden generell gelobt, ganz gleich ob sie nun Christen oder Muslime sind. Den Autoren geht es anscheinend weit mehr um eine Kritik am bürgerlichen Leben und die Bewerbung eines postmodernen, experimentierfreudigen Milieus. Die deutliche Aufforderung des Buches, zu leben wie Jesus gelebt hat, sollte selbstverständlich jeden Christen herausfordern (36). Wie das konkret aussehen soll, bleibt in der „Jesus Revolution“ aber nicht nur schnell in christlichen Allgemeinplätzen stecken, sondern dabei auch noch in postmoderner Einseitigkeit. Mit Begeisterung karikieren die Autoren die evangelikale Welt, um sie dann lächerlich zu machen und ihr neu-altes Konzept eines sozial-engagierten Christentums als Lösung der vorgeblichen Einseitigkeiten zu präsentieren (19, 31f, 131f). Gelegentlich fragt man sich, ob die Autoren in derselben Welt leben oder in klassenkämpferischen Gedanken der Vergangenheit steckengeblieben sind. Heftig wird kritisiert, wie „höllenbesessen“ die Evangelikalen seien (38f). Ich selbst habe seit Jahren keine Predigt über die Hölle mehr gehört. Mir scheint hier eher ein weiteres evangelikales Tabu vorzuliegen, zumindest in Deutschland. Tatsächlich sind die meisten von den Autoren genannten Beispiele sehr einseitig oder schon recht verstaubt. Es wird moniert, wie sehr die Frauen in evangelikalen Gemeinden unterdrückt würden (131f). Meines Wissens stehen Frauen in allen großen deutschen Freikirchen fast alle Aufgaben offen (Methodisten, Baptisten, FeG usw.). An den deutschen theologischen Fakultäten studieren zwischenzeitlich 70% Frauen. Wie auch bei anderen Themen werden hier von den Autoren missliebige Bibelstellen einfach ignoriert oder für irrelevant erklärt. Dass evangelikale Christen verbissen gegen die Evolutionstheorie kämpfen, entspricht zumindest in Deutschland kaum der Realität (26). Der evangelikale Mainstream versucht, das Thema Evolution eher weiträumig zu umschiffen. Evolutionskritische Bücher oder Vorträge haben in den meisten evangelikalen Gemeinden gegen- wärtig eher Seltenheitswert. Es ist durchaus spannend, was Jesus über die Staatsverschuldung, über Fair-Trade, gerechte Entlohnung, den Nahost- Konflikt usw. zu sagen hätte. In den Ausführungen von Claiborne und Campolo kommt allerdings weni- ger Jesus zu Wort, sondern vielmehr die politisch korrekte Sicht amerikanischer Links-Evangelikaler oder ganz allgemein des liberal-expeditiven Milieus (124f, 191ff, 202f). Wer sowieso im gegenwärtigen gesellschaftlichen Trend mitschwimmt, also links, sozial und ökologisch denkt, der wird seine Freude an der vehementen Kritik an bisher als evangelikal geltenden Werten haben. Endlich kann man mit gutem Gewissen der öffentlichen Meinung zustimmen, ärgerliches Anderssein überwinden: Homosexualität ist jetzt für Christen genauso o.k. wie die Evolutionstheorie (137, 142f, 145f). Bibel und Mission treten zurück. In den wesentlichen Konflikt-Themen zwischen einer säkularisierten Welt und der Bibel hat man sich bequem auf die Seite der Meinungsumfragen geschlagen, zumindest was die europäische Situation betrifft (27, 131f.). Christen, die das anders sehen, werden schnell als dumm oder diskriminierend hingestellt (130). So kommt man dort an, wo die evangelischen Kirchen schon mehrfach standen: beim Kultur-Protestantismus, bei den religiösen Sozialisten, der Befreiungstheologie oder den Millenniumszielen des Ökumenischen Rates der Kirchen. › Anpassung statt echter Neuorientierung Michael Diener, der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, will die Autoren und ihre Sympathisanten in seinem Vorwort gleich einmal vorsorglich gegen christliches „Mobbing“ in Schutz nehmen (13). Hoffentlich gilt das auch für die, welche in diesem Buch angegriffen werden, denen Bibel und Seele wichtiger sind als soziale Revolution und pluralistische Gesellschaft. Dieners Bedenken, Verlag und Herausgeber der „Jesus Revolution“ könnten ein größeres Risiko eingehen, ist nur schwer nachvollziehbar. Diener deutet an, dass sich Evangelikale in Deutschland neu hinterfragen und positionieren müssten. Das Wort „evangelikal“ solle neu finiert werden (7, 15). Das wäre in mancher Hinsicht durchaus begrüßenswert. Angesichts der recht eindeutigen Thesen des Buches fragt sich der Leser allerdings, in welche Richtung sich Diener diese Neupositionierung vorstellt? Soll die geforderte Neuausrichtung in erster Linie darin bestehen, alle Themen, über die man sich bisher in der säkularen Umgebung ärgerte, einfach zu neutralisieren (27, 137ff)? Heißt die Botschaft dann: „Akzeptiert endlich Homosexualität, vielfältige Partnerschaftsmodelle, Abtreibung und Evolution und setzt euch dann verstärkt für Umweltschutz, Ökumene, Schuldenerlass in der Dritten Welt und ganz allgemein für linksorientierte Politik ein?“ Eine solche „Jesus Revolution“ ist weder revolutionär, noch entspricht sie der Lehre von Jesus oder dem Leben der ersten Gemeinden. Diener emp ehlt Claibornes und Campolos Buch als Gedankenanregung für eine evangelikale Selbstreflektion (14f). Dazu kann natürlich alles irgendwie beitragen. Das Buch behauptet aber doch, Antworten von Jesus auf die brennenden Fragen der Zeit zu geben. Schaut man genauer hin, dann versucht es nur, die Antworten unserer Zeit einigermaßen mit Aussagen von Jesus zu harmonisieren. › Wie echte Neuorientierung aussehen muss Schon in der Bibel, aber auch im Verlauf der Kirchengeschichte haben Gläubige wiederholt versucht, Antworten auf die brennenden Fragen ihrer Generation zu nden. Ihre wirkliche Bedeutung lag oft darin, dass sie ihre eigene Zeit anhand der Aussagen Gottes in Frage gestellt und Defizite aufgezeigt haben. Das war immer unpopulär, hat verärgert und dem Menschen seine Grenzen und die Größe Gottes eindringlich vor Augen geführt. Was aber Claiborne und Campolo fordern, ist weitgehender Mainstream einer gut ausgebildeten, westlichen Elite, die sich durch punktuelle Initiativen besser fühlt. Meinem Eindruck nach täte den Evangelikalen eine gewisse Neuorientierung tatsächlich gut. Es sollten durchaus solche alten Traditionen und theologischen Modelle in Frage gestellt werden, die nicht der Bibel, sondern lediglich dem Zeitgeist vergangener Jahrzehnte entsprechen. Dabei hilft es allerdings nichts, wenn man den alten lediglich gegen einen neuen Zeitgeist austauscht, wie es Claiborne und Campolo vorschlagen. Wenn alte theologische Formen, Begriffe und Festlegungen überprüft und abgestaubt worden sind, gilt es, sich neu am Wort Gottes auszurichten und verständliche Antworten auf die Defizite unserer Tage zu formulieren, insbesondere bei den Fragen, bei denen nur Christen Orientierung geben können: Vergebung von Sünden, echte Erfüllung, tragfähiger Lebenssinn, Kraft im Leiden, Erkenntnis Gottes usw. Soziale Probleme und politische Korrekturen können andere Menschen ebenso gut angehen, beim „Kerngeschäft“ der Gemeinde hingegen fehlt allen anderen die nötige Kompetenz. › Mehr „Seelenheil“ Natürlich ist es heute in der westlichen Welt weit populärer, sich für sein soziales Mitgefühl loben zu lassen, als für Aussagen zur biblischen Ethik und Erlösungslehre Steine nachgeworfen zu bekommen. Gemessen an dem Heilsarmee-Slogan „Seife, Suppe, Seelenheil“ wünschte ich mir mehr Seelenheil bei Claiborne und Campolo. Eine Jesus-Revolution kündigt das neue Buch an. Es will einer Neu-Positionierung der Evangelikalen dienen. Tatsächlich aber wärmt es nur altbekannte Positionen auf, die aber neuerdings einen starken Eingang bei vielen Evangelikalen gefunden haben. Statt der notwendigen Ausrichtung an der Bibel wird nur ein Zeitgeist-Modell gegen das andere ausgetauscht. https://bibelbund.de/2015/04/kalter-kaffee-in-neuen-schlaeuchen/ Michael Kotsch Veröffentlicht am 28. April 2015 aus Bibel und Gemeinde 115, Band 1 (2015), Seite 12-16.