„Das haben Sie sich verdient!“

Wenn Sie diesen Satz einmal in eine Internet-Suchmaschine eingeben, dann werden Sie überschüttet mit Wellness- und Urlaubsangeboten. Ja, das ist etwas Schönes. Das ganze Jahr hat man hart gearbeitet. Und dann möchte man sich auch etwas gönnen in den wenigen Urlaubswochen. Man hat es sich verdient. Ganz anders klingt das bei Gott:

„Als die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, erschien, machte er uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit. “ Titus 3,4-5 Im Gegensatz zum Wellnessurlaub kostet mich das nichts.

Ihren eigenen Kanon

Ich hatte einmal das Privileg, ein Live-Interview, wenn auch ein kurzes, auf CNN zu geben. Ich bereitete mich gut vor, indem ich die aktuelle Flut von Artikeln in Time, U.S. News and World Report und ähnlichen Magazinen durchsah sowie viele vor kurzem erschienene Bücher, welche die „letzten Entdeckungen“ der Kritiker enthüllen, die stets eifrig dabei sind, Jesus nach ihrem eigenen Bilde umzugestalten. Obwohl mein Gastgeber interessanterweise keinen dieser Kritiker mit Namen erwähnte, verrieten seine Fragen die populäre Stimmung, die von Gelehrten erzeugt wird, die Freude daran zu finden scheinen, der Bibel ihren Nimbus zu nehmen. Eine der Fragen, die er stellte, betraf den Unterschied zwischen dem christlichem Glauben und dem historischen Christus. In dieser Frage war die Behauptung impliziert, dass das, was die evangelikale Leichtgläubigkeit aus dem christlichen Glauben gemacht hat, keine Ähnlichkeit mit dem historischen Jesus, dem Sohn des Zimmermanns vor 2000 Jahren, hat. Die Zeit hat es mir nicht erlaubt, zu erklären, dass gerade diese Frage eine falsche Zweiteilung hervorbrachte, die uns von einigen aufgezwungen wird, deren philosophische Vorurteile ihre wissenschaftlichen Fähigkeiten überschreiten. Die Vernunft allein diktiert, dass der Christus des Glaubens und der Christus der Geschichte derselbe sein sollten, weil es sonst kein Glaube, sondern Leichtgläubigkeit ist. Die wirkliche Frage ist daher, nicht wie die Frage aussah, sondern: „Worin können wir den historischen Christus finden?“ In einiger Hinsicht ist die Literatur so seltsam ausgeheckt – die Absicht ist scheinbar, Jesus seiner Göttlichkeit zu berauben -, dass die Schlussfolgerungen, zu denen einige von ihnen kommen, lächerlich sind, wenn sie nicht so zerstörerisch wären. Eine der am weitesten hergeholten Vorstellungen kam in den 1970er Jahren von John Allegro, einem Gelehrten der Universität von Manchester. Er stellte die Theorie auf, dass Jesus ursprünglich eine Chiffre für einen heiligen, eingebildeten Kauz war, um den herum der christliche Kult entstand. Der neutestamentliche Gelehrte Edwin Yamauchi erzählt, dass Allegro einmal zu einem Freund, der für das Evangelium Interesse zu finden begann, sagte: „Zu der Zeit, wo ich mit der Kirche fertig bin, wird es keine Kirche mehr geben, der man sich anschließen könnte.“ Aber ach! Allegro ging den Weg allen Fleisches (sein letztes Buch wurde posthum veröffentlicht), während die Kirche weiterlebt. Ironischerweise kam einer der größten Gelehrten aller Zeit, F.F. Bruce ebenfalls aus Manchester. Seine gewaltigen Werke liefern eine brillante Verteidigung für die Autorität und die Echtheit der neutestamentlichen Dokumente. In seinem Buch „The Canon of Scripture“ (Der Kanon der Heiligen Schrift) bemerkt Bruce, dass der neutestamentliche Kanon nicht nur ein Werturteil, sondern eine Darlegung von Fakten ist. Er schreibt: „Einzelne oder Gemeinschaften mögen in Erwägung ziehen, dass er zu begrenzt oder zu umfassend ist; aber ihre Meinung hat keine Auswirkung auf die Identität des Kanons. Der Kanon wird durch das, was sie sagen oder tun, nicht abgeschwächt oder reduziert: Es ist ein literarischer, historischer und theologischer Maßstab.“ Jahre nach Allegros Buch haben zahllose Theorien auf ähnliche Weise die Aufmerksamkeit der Medien erobert und die Vorstellungen der Skeptiker genährt. Eine der neueren Macken gründet auf dem Thomas- und dem Judasevangelium. Autoren haben diese unbedeutenden Funde und ihre willkürlichen Gedanken genommen und mit ihnen die biblischen Evangelien als Konstrukt von Menschen attackiert, mit dem Versuch, Jesus zu etwas zu machen, was er nicht war. Aber die Methodik, die sie benutzen, ist ein Affront gegenüber jeder seriösen Wissenschaft. Eine der Ironien ihrer Argumente besteht darin, dass dieselben Annahmen, die sie vorbringen, um die Echtheit der Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes zu prüfen, die Gültigkeit dieser so genannten Evangelien völlig zerstören würde – lange bevor sie den kanonischen Evangelien selber irgendeinen Schaden zufügen. In einem Gespräch mit dem neutestamentlichen Gelehrten und Professor Donald Carson über dasselbe Thema, wunderte ich mich laut, was hinter derart mutwilligen, zerstörerischen Bemühungen einiger weniger stehen könnte. Carson erwiderte: „Sie möchten ihren eigenen Kanon haben.“ Dieser Satz fasst die gesamte Debatte so ziemlich gut zusammen. In der Tat leben wir in einer Zeit, wo wir unseren eigenen Kanon für alles haben möchten – von der Sexualität bis zum Geburtsrecht -, warum also nicht auch einen eigenen Kanon der Heiligen Schrift? In dieser Hinsicht kann jeder von uns auf seine Weise den Vorfall im Garten Eden erneut erleben, indem wir anzweifeln, was Gott sagte, und das Recht einfordern, unseren eigenen Kanon aufzurichten. Jede Generation wird das Gleiche ausprobieren und versuchen, die Heilige Schrift zu begraben, nur um dann festzustellen, dass die Bibel mit triumphaler Kraft neu auftaucht. Denn sie hat als ihr Zentrum den Einen, der den Weg aus dem Grab kennt – Jesus.

Ravi Zacharias International Ministries, http://www.rzim.org, © 2007

 

Fragen zu Weihnachten

Name: Jesus. Beruf: Zimmermann. Eltern: Der Heilige Geist und Maria, ein Mädchen vom Lande. Dieser Mann soll Gott selbst gewesen sein? Für viele fällt die Geschichte von Jesus Christus in den Bereich der antiken Märchenwelt. Die Traditionen und die Glaubwürdigkeit der biblischen Berichte.

Feiern wir in diesem Jahr Weihnachten tatsächlich zum 2007. Mal?

Nein, sicher nicht. Als man sich im 6. Jahrhundert unter Papst Johannes I. entschloss, die Zeitrechnung an der Geburt Jesu festzumachen, kam es leider beim Zurückrechnen zu einem Fehler. Es gilt heute als sicher, dass Jesus zwischen 4 und 7 vor unserer Zeitrechnung geboren wurde.

Wenn nun schon in unserer Zeitrechnung ein Fehler vorliegt, was ist denn dann noch alles falsch an dem, was wir heute mit Weihnachten verbinden?

Leider ziemlich viel. Um kaum ein biblisches Ereignis hat sich ein solcher Wulst von Traditionen gebildet. Das eigentliche Wunder von Weihnachten, nämlich dass Gott als Mensch auf diese Erde geboren wurde, geht oft völlig unter. Ein Mythos bezieht sich auf den Stall, in dem Jesus geboren sein soll. Die Bibel berichtet lediglich, dass Joseph und Maria zur Volkszählung nach Bethlehem kamen. Dort wurde dann irgendwann Jesus geboren und in Windeln gewickelt in eine Krippe gelegt. Maria und Joseph hatten in dem Gästezimmer des Hauses keinen Platz mehr gefunden. Ein typisches Bauernhaus in der damaligen Zeit hatte einen grossen Raum, der in zwei Bereiche geteilt war. Auf einer etwas höher gelegenen Ebene war der Wohnbereich, davor war der Raum für die Tiere, die nachts hereingeholt wurden. Im Boden oder in der Wand befanden sich hier Futtertröge. Wenn das Haus noch ein Gästezimmer hatte, so befand sich dies häufig im zweiten Stock. Es ist anzunehmen, dass Joseph und Maria mit der üblichen orientalischen Gastfreundschaft in einem Privathaus aufgenommen wurden. Hier bekam Maria ihr Kind. Weil das Gästezimmer bereits belegt war, blieb die junge Familie in dem grossen Wohnraum der Familie, wo das neugeborene Jesuskind in einen der Futtertröge gelegt wurde.

Warum sind die Evangelien, die doch eher von einfachen Männern geschrieben wurden, in ihrer Berichterstattung historisch glaubwürdig?

Zunächst muss festgehalten werden, dass es unter den Schreibern der Evangelien auch einen Mann wie Lukas gab, der als Arzt durchaus sehr gebildet war. Gerade von ihm stammen ja die ausführlichsten Berichte über die Geburt von Jesus. Und warum sollte ein Bericht unglaubwürdig sein, nur weil der Schreiber keine besondere Schulbildung hatte? Zudem wird die Glaubwürdigkeit der Bibel heute durch etliche archäologische Funde und historische Erkenntnisse unterstrichen.

Auch die Schilderungen der Geburt Jesu?

Ja. Nur ein Beispiel: Lange hiess es, vieles an dem biblischen Bericht entspräche nicht den tatsächlichen, historischen Gegeben ­heiten. Man behauptete etwa, dass Quirinius zwar eine Volkszählung durchgeführt habe, dies sei jedoch zwölf Jahre später geschehen. Mittlerweile weiss man allerdings, dass auch um 7 v. Chr. ein gewisser Quirinius Statthalter von Syrien war und es mehrere Volkszählungen gegeben hat. Die historische Zuverlässigkeit der biblischen Berichte wird durch solche Forschungsergebnisse in den letzten Jahren sehr stark untermauert.

Gibt es ausserbiblische geschichtliche Quellen, die von Jesus berichten?

Konkret zur Geburt von Jesus nicht. Doch dass Jesus gelebt und gewirkt hat, dass seine Jünger auch nach seinem Tod noch an ihn glaubten und behaupteten, er sei auferstanden, wird dagegen auch von antiken Schriftstellern wie Cornelius Tacitus, Flavius Josephus und anderen bestätigt.

Ein weiterer Stolperstein für viele Menschen ist die Jungfrau Maria, die vom Heiligen Geist schwanger geworden sein soll. Warum kann man dieser biblischen Aussage Glauben schenken?

Aus dem gleichen Grund, warum man der Bibel überhaupt glauben und vertrauen kann: Weil man in ihr das Wort des lebendigen Gottes erlebt, wenn man sich darauf einlässt. Die Bibel verschweigt ja übrigens keineswegs, dass die Jungfrauengeburt menschlich nicht vorstellbar ist. Nicht einmal Joseph wollte diese Geschichte glauben. Gott musste sie ihm noch einmal ganz persönlich bestätigen. Auf der anderen Seite wird gerade dadurch unterstrichen, dass Jesus Gott und Mensch zugleich war.

Warum sollte jemand glauben, dass der einzig wahre Gott gerade in Jesus von Nazareth zur Welt kam und nicht in Gestalt eines Buddha oder Dalai Lama?

Jesus selbst wurde einmal gefragt, woran man denn erkennen könne, dass seine Worte nicht seinen eigenen Ideen entsprängen, sondern wirklich von Gott seien. Er antwortete darauf mit einer ganz konkreten Einladung: Wer sich auf seine Worte einlasse, würde erleben, dass sie nicht von einem Menschen, sondern von Gott selbst stammen. Es gibt in der Tat keinen neutralen Glaubwürdigkeitstest und keine Möglichkeit, die Gottheit Jesu und die Zuverlässigkeit der Bibel als unbeteiligter Dritter zu überprüfen. Aber jeder kann für sich selbst den Test machen, indem er sich auf Jesus einlässt.

Was ist das Besondere daran, dass Gott die Gestalt eines Menschen annahm? Warum sollte der allmächtige Gott sich so etwas antun?

Das ist eine gute Frage. Gott hätte es wirklich nicht nötig gehabt, seinen eigenen Sohn als Mensch auf diese Welt zu schicken und ihm hier die ganze Schuld der Menschen aufzuladen! Gott tut dies aus Liebe zu uns. Er hat nach einem Weg gesucht, zugleich seiner Gerechtigkeit und seiner Liebe Ausdruck geben zu können. Das Kreuz, an dem Jesus für uns starb, steht für beides. Hier wird deutlich, dass Gott nicht „fünf gerade sein lassen” kann. Aber auch seine Liebe wird in ihrer ganzen Tiefe sichtbar. (Hauskreisthema)

Wie kann das Christentum den Anspruch auf Ausschließlichkeit erheben?

Wie kann das Christentum bei den zahllosen Religionen in der Welt den Anspruch auf Ausschließlichkeit erheben? Ich habe diese Frage oft in verschiedenen Situationen gestellt. Aber ich war immer von der Tatsache fasziniert, dass der christliche Glaube der einzige ist, der diese Frage gestellt zu haben scheint. Die Wahrheit ist, dass jede größere Religion in der Welt Ausschließlichkeit beansprucht, und jede größere Religion in der Welt hat einen Punkt des Ausschlusses. Der Hinduismus beispielsweise wird oft als der Glaube, der am tolerantesten ist die größte Akzeptanz zeigt, dargestellt. Das ist jedoch nicht wahr. Alle Hindus glauben an zwei fundamentale, kompromisslose Doktrinen – das Gesetz des Karma und der Glaube an die Reinkarnation. Diese beiden werden nicht aufgegeben. In der Tat, der Buddhismus wurde aus der Ablehnung zweier anderer sehr dogmatischer Behauptungen des Hinduismus geboren. Buddha lehnte die Autorität der Veden und das Kastensystem des Hinduismus ab. Die Frage ist hier nicht, wer richtig oder falsch lag. Die Wahrheit ist, dass sie systematisch unterschiedlich waren – und beide Religionen beanspruchen Richtigkeit für sich. Der Islam verkörpert, wie Sie wissen, deutlich einen exklusiven Anspruch auf Gott. Ein Muslim wird Ihnen niemals sagen, dass es keine Rolle spielt, was man glaubt oder dass alle Religionen wahr sind. Aber bevor wir uns über solche Ansprüche aufregen, wollen wir uns daran erinnern, dass es das Wesen von Wahrheit ist, das uns mit dieser Realität konfrontiert. Wahrheit ist definitionsgemäß exklusiv [ausschließend]. Es kann nicht alles wahr sein. Wenn alles wahr ist, dann ist nichts falsch. Und wenn nichts falsch ist, dann wäre es auch wahr zu behaupten, dass alles falsch ist. Wir können nicht beides haben. Man sollte über die Ansprüche auf Exklusivität nicht überrascht sein. Die Realität ist, dass sogar diejenigen, welche die Ausschließlichkeit der Wahrheit ablehnen, in Wirklichkeit diejenigen ausschließen, die sie nicht ablehnen. Die Wahrheit tritt rasch zutage. Das Gesetz des „Nicht-Widerspruchs“ gilt für die Wirklichkeit: Zwei gegensätzliche Aussagen können nicht beide im gleichen Sinne wahr sein. Das Gesetz des „Nicht-Widerspruchs“ zu leugnen bedeutet somit, es gleichzeitig zu bejahen. Man könnte genauso gut über einen Stecken mit nur einem Ende sprechen wie über die Wahrheit, die all-inklusiv ist. Was folgt nun für uns daraus? Wir sollen über Wahrheitsansprüche nicht überrascht sein, sondern wir müssen sie prüfen, bevor wir ihnen glauben. Wenn die Prüfung die Wahrheit beweist, dann sind wir moralisch verpflichtet, sie zu glauben. Das ist genau der Punkt, vor dem viele wegzulaufen versuchen. Wie G. K. Chesterton sagte, besteht das Problem mit dem Christentum nicht darin, dass es ausprobiert und als unzulänglich empfunden wurde, sondern dass es als schwierig empfunden und unerprobt blieb. Christus ist entweder der unermessliche Gott oder Einer, der schrecklich verloren ist. Wenden Sie den Test der Wahrheit auf die Person und die Botschaft Jesu Christi an. Sie sehen dann nicht nur seine Ausschließlichkeit, sondern auch seine Einzigartigkeit. Dr. Ravi Zacharias http://www.rzim.org/slice/slicetran.php?sliceid=145

Gebet

Durch Gebet weicht der Staub von der Seele und die Last vom Gewissen, die Angst aus dem Herzen. Der Mensch wird frei, die Fesseln fallen. Gebet ist Zusammenschluss mit dem Erlöser.

Hermann Bezzel

Ist Gott nur eine Illusion?

Diese Frage erinnert an die sogenannte „Projektionsthese“ von Ludwig Feuerbach, atheistischer Philosoph am Ende des 19. Jahrhunderts. Er behauptet: „Gott hat keine objektive Existenz, sondern ist nur ein Wunschbild des Menschen, eine Projektion seiner Bedürfnisse und Ängste, die das Leben in dieser Welt mit sich bringen.“ Dabei klingt der polemische Vorwurf an, dass Gottgläubige einen „überirdischen Schutz“ bräuchten, um ihr Leben bewältigen zu können, und dass nur wirklich mutige Charakter und kühne Denker sich trauten, einer Welt ohne jeden Gott ins Angesicht zu schauen. Die Tatsache, dass Gott zweifellos auch eine Erscheinung in unserem subjektiven Bewusstsein, eine menschliche Vorstellung oder manchmal auch ein persönliches Wunschbild ist, sagt ja nichts darüber aus, ob es ihn außerhalb des menschlichen Bewusstseins gibt oder nicht gibt. Dass also Gott in unseren Gehirnen vorkommt, heißt nicht, dass er nicht auch außerhalb davon existiert. Schon viele Menschen (- und Religionsstifter -) wollten Götter sein. Doch nur ein Gott wollte Mensch sein. In der Person Jesus Christus ist Gott Mensch geworden. Vor 2000 Jahren hat er das Leben von vielen Menschen verändert und er tut es bis heute. Sie können Gott begegnen. Lesen Sie die Bibel und prüfen Sie selbst, ob ihre Aussagen glaubwürdig sind.

Oscar Wilde und das Leben

„Wohlstand, Vergnügen und Erfolg mögen zwar rau in der Körnung und gewöhnlich in der Faser sein, aber Schmerz [Sorge, Kummer] ist das Sensibelste von allem Geschaffenen.“ Dies sind die Worte des berühmten Vergnügungssuchenden Oscar Wilde. In seinem Buch De Profundis, das er im Gefängnis schrieb, schrieb er mit tiefem Ernst darüber, was Schmerz ihn gelehrt hatte. Er fuhrt mit der Bemerkung fort: „Wo es Schmerz gibt, dort gibt es heiligen Boden. Eines Tages werden Menschen erkennen, was dies bedeutet. Sie werden vom Leben nichts verstehen, bis sie dies erkennen.“ Wenn ich über diese Worte nachdenke, nehme ich zuerst zur Kenntnis, wer sie geschrieben hat. Ein Leben von Schmerz war das Entfernteste in seinem Sinn, als er seine Entscheidungen traf. In dieser Hinsicht würde keiner von uns Schmerzen wählen. Aber ich nehme aus seinen Worten noch etwas anderes zur Kenntnis. Sein Anspruch ist kühn; er bekennt nicht nur eine Idee, die seine Weltanschauung prägt, sondern eine, wie er darauf beharrt, die ganze Welt betrifft: Schmerz ist heiliger Boden, und diejenigen, die nicht lernen, dort zu wandeln, wissen nichts davon, was Leben bedeutet. Was er allermindestens meint ist, dass einige der heiligsten Wahrheiten inmitten von Schmerz gelernt werden. Er lernte z.B. dass rohes, unverfälschtes Vergnügen um des Vergnügens willen nie erfüllendes Vergnügen ist. Die Entweihung des Heiligen im Streben nach Glück ist keine echte Quelle von Glück. In der Tat, sie tötet das Glück, weil sie über viele Opfer rücksichtslos hinweggehen kann. Vergnügen, das entweiht, ist Vergnügen, das zerstört. Schmerz andererseits – während man ihn nie anstrebt – tritt in unser Leben und zwingt und dazu, unsere eigene Begrenztheit und Zerbrechlichkeit zu sehen. Sie erfordert von uns Ernsthaftigkeit und Zartheit, wenn wir das Leben auf die Art und Weise leben wollen, wie es gelebt werden soll. Eines der wichtigsten Dinge, die Schmerz bewirkt, besteht darin, uns zu zeigen, was sie benötigt und woraus sie reagiert. Wilde sagte es selber: „Schmerz ist eine Wunde, die blutet, wenn irgendeine Hand, außer die der Liebe, sie berührt, und die sogar dann wieder bluten muss, obgleich nicht in Schmerz.“ Von allen Beschreibungen über Jesus, gibt es nur eine, die unverfroren herausragt, um uns zu konfrontieren. Es ist eine Beschreibung des Propheten Jesaja, der Verstand und Herz auf einmal anstachelt: „Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre“ (Jes 53,3-5). Vielleicht befinden Sie sich in Ihrem Leben in einer Zeit, in der Schmerz in ihren Gedanken groß geschrieben ist. Der Herr Jesus ist mit Ihrem Schmerz nicht unvertraut. In der Tat, er nähert sich besonders mit einer Hand der Liebe. Ihre Wunde mag noch eine Weile lang bluten, um Sie an Ihre Schwachheit zu erinnern. Aber er kann helfen, den Schmerz zu tragen, um Sie in seiner Stärke zu tragen. Dies könnte für Sie heiliger Boden sein. Dr. Ravi Zacharias http://www.rzim.org, © 2007 http://www.rzim.org/slice/slicetran.php?sliceid=1380