„In Christus“.

Ein Ausdruck, den wir alle schon einmal gehört haben. Albert Schweitzer bezeichnete das „In-Christus-Sein“ als Hauptmysterium der Lehre des Apostels Paulus. Und Schweitzer musste es schließlich wissen. Als berühmter Theologe, Musiker und bedeutender Missionsarzt war der Elsässer einer der herausragendsten Deutschen des 20. Jahrhunderts. 1952 wurde ihm der Nobelpreis verliehen. In seinem 1931 erschienenen Buch Die Mystik des Apostels Paulus streicht Schweitzer den wichtigen Aspekt heraus, dass christliches Leben in Christus, nicht Gott-Mystik sei, sondern, wie er es selbst bezeichnet, Christus-Mystik.
Andere Religionen, auch Propheten, Wahrsager oder Philosophen suchen – in welcher Form auch immer – nach „Gott“. Schweitzer aber erkannte, dass für Paulus des Christen Hoffnung und tägliches Leben eine speziellere und gewisslichere Ausrichtung besitzt – nämlich neues Leben in Christus bedeutet. In seinen Briefen verwendet Paulus den Ausdruck „in Christus“ nicht weniger als zwölf Mal. Ein gutes Beispiel hierfür ist die so erbauliche Textstelle im 2. Korintherbrief 5,17: „Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
Albert Schweitzer war letztendlich kein orthodoxer Christ, nur wenige Menschen schilderten jedoch den Christ gemäßen Geist eindrucksvoller als er. Die diesbezüglichen Gedanken des Apostels Paulus fasste er mit folgenden Worten zusammen: „Erlöst sind für ihn [Paulus] die Gläubigen dadurch, dass sie in der Gemeinschaft mit Christo durch ein geheimnisvolles Sterben und Auferstehen mit ihm schon in der natürlichen Weltzeit in den überirdischen Zustand eingehen, in dem sie im Reiche Gottes sein werden. Durch Christum werden wir dieser Welt enthoben und in die Seinsweise des Reiches Gottes versetzt, obwohl dieses noch nicht erschienen ist …“ (Die Mystik des Apostel Paulus, S. 369).
Man beachte, wie Schweitzer aufzeigt, dass Paulus die beiden Aspekte des Kommens Christi in einem Endzeit-Spannungsbogen miteinander verbunden sieht – Reich Gottes im jetzigen Leben und seine Vollendung im künftigen Leben. Einige mögen es vielleicht nicht gutheißen, wenn Christen mit Ausdrücken wie „Mystik“ und „Christus-Mystik“ herumschwadronieren und sich eher amateurhaft mit Albert Schweitzer beschäftigen; unstrittig ist jedoch, dass Paulus mit Sicherheit sowohl ein Visionär als auch ein Mystiker war. Er hatte mehr Visionen und Offenbarungen als jedes seiner Gemeindeglieder (2Kor 12,1-7).
Wie hängt all dies nun aber konkret zusammen und wie ist es mit dem wichtigsten Ereignis der Menschheitsgeschichte – der Auferstehung Jesu Christi – in Einklang zu bringen?
Das Himmelreich schon jetzt?
Um es gleich vorweg zu sagen, das Thema Mystik ist für das Verständnis so wortgewaltiger Textstellen wie Römer 6,3-8 von entscheidender Bedeutung: „Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein … Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden …“
Das ist Paulus, wie wir ihn kennen. Er betrachtete die Auferstehung als Dreh- und Angelpunkt der christlichen Lehre. So werden Christen durch die Taufe nicht nur symbolisch mit Christus begraben, sie teilen mit ihm auch symbolisch die Auferstehung. Nur geht es hier doch ein bisschen über den reinen Symbolgehalt hinaus. Dieses abgehobene Theologisieren geht schon mit einer gehörigen Portion knallharter Realität einher. Schauen Sie, wie Paulus dieses Thema in seinem Brief an die Epheser im 2. Kapitel, Vers 6 weiter ausführt: „Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe … auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden –, und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus.“
Wie war das? Lesen Sie das noch einmal: Wir sind eingesetzt im Himmel in Christus?
Wie kann das sein? Nun, noch einmal, die Worte des Apostels Paulus sind hier nicht wörtlich und konkret gemeint, sondern von metaphorischer, ja mystischer Bedeutung. Er führt aus, dass wir uns dank Gottes in der Auferstehung Christi manifestierten Macht, Erlösung zu schenken, schon jetzt durch den Heiligen Geist der Teilhabe am Himmelreich, der Wohnstatt Gottes und Christi, erfreuen dürfen. Dies ist uns durch das Leben „in Christus“, seine Auferstehung und Himmelfahrt verheißen. „In Christus“ zu sein macht all dies möglich. Wir könnten diese Einsicht als Auferstehungsprinzip bzw. Auferstehungsfaktor bezeichnen.
Der Auferstehungsfaktor
Wieder einmal können wir nur voller Ehrfurcht auf die immense Triebkraft blicken, die von der Auferstehung unseres Herrn und Heilands ausgeht, wohl wissend, dass sie nicht nur das bedeutendste geschichtliche Ereignis darstellt, sondern darüber hinaus leitmotivisch für all das steht, was der Gläubige im Diesseits hoffen und erwarten darf. „In Christus“ ist ein mystischer Ausdruck, der jedoch mit seiner weitaus tiefgründigeren Bedeutung über den rein symbolischen, eher vergleichenden Charakter hinausgeht. Er steht im engen Zusammenhang mit der anderen mystischen Wendung „eingesetzt im Himmel“. Führen Sie sich die bedeutenden Ausführungen einiger herausragender Bibelexegeten zum Epheserbrief 2,6 vor Augen. Im Folgenden Max Turner in The New Bible Commentary in der Fassung des 21. Jahrhunderts: „Zu sagen, wir seien mit Christus lebendig gemacht worden, scheint die Kurzversion der Aussage zu sein ,wir sollen mit Christus zu neuem Leben wiederauferstehen’, und wir können davon so sprechen, als sei dies bereits geschehen, weil das entscheidende Ereignis der Auferstehung [Christi] erstens in der Vergangenheit liegt und wir zweitens bereits ansatzweise an jenem neu erschaffenen Leben durch unsere gegenwärtige Gemeinschaft mit ihm teilhaben“ (S. 1229).
Vereint mit Christus sind wir natürlich durch den Heiligen Geist. Deshalb erschließt sich die hinter diesen so überaus erhabenen Vorstellungen stehende Gedankenwelt dem Gläubigen nur durch den Heiligen Geist selbst. Schauen Sie sich nun Francis Foulkes’ Kommentar zum Epheserbrief 2,6 in The Tyndale New Testament an: „Im Epheserbrief 1,3 führte der Apostel aus, Gott habe uns in Christus mit allem geistlichen Segen im Himmel gesegnet. Jetzt präzisiert er, unser Leben sei jetzt dort, in die himmlische Herrschaft eingesetzt mit Christus … Die Menschheit ist dank Christi Sieg über Sünde und Tod sowie durch seine Erhöhung ,aus der tiefsten Hölle in den Himmel selbst gehoben worden’ (Calvin). Bürgerrecht haben wir nun im Himmel (Phil 3,20); und dort, der von der Welt auferlegten Beschränkungen und Grenzen ledig, … findet sich das wahre Leben“ (S. 82).
In seinem Buch The Message of Ephesians (Die Botschaft des Epheserbriefs) äußert sich John Stott in Hinblick auf Epheser 2,6 folgendermaßen: „Was uns jedoch in Erstaunen versetzt, ist die Tatsache, dass Paulus hier nicht über Christus schreibt, sondern über uns. Er bestätigt nicht etwa, dass Gott Christus erweckte, erhöhte und in die himmlische Herrschaft einsetzte, sondern dass er uns mit Christus erweckte, erhöhte und in die himmlische Herrschaft einsetzte … Dieser Gedanke der Gemeinschaft von Gottes Volk mit Christus ist Grundlage des neutestamentlichen Christentums. Als Volk, das „in Christus“ ist, [besitzt es] eine neue Solidarität. Kraft seiner Gemeinschaft mit Christus hat es tatsächlich teil an seiner Auferstehung, Himmelfahrt und Einsetzung.“
Mit „Einsetzung“ bezieht sich Stott im theologischen Sinne auf die gegenwärtige Herrschaft Christi über alle Schöpfung. So sei dieses ganze Reden von unserer gemeinsamen Herrschaft mit Christus nach Stotts Auffassung auch keine „bedeutungslose christliche Mystik“. Es sei vielmehr bedeutsamer Bestandteil christlicher Mystik und ginge sogar darüber hinaus. Stott fügt hinzu: ,Im Himmel’, der unsichtbaren Welt geistlicher Realität, wo die Mächte und Gewalten herrschen (3,10;6,12) und wo Christus über alles herrscht (1,20), hat Gott sein Volk in Christus gesegnet (1,3) und es mit Christus in die himmlische Herrschaft eingesetzt … Es ist leibhaftig bezeugt, dass Christus uns einerseits ein neues Leben geschenkt hat und andererseits einen neuen Sieg. Wir waren tot, wurden aber geistlich lebendig und wachsam gemacht. Wir waren in Gefangenschaft, wurden aber in die himmlische Herrschaft eingesetzt.“
Max Turner hat Recht. In diesen Worten liegt mehr als reiner Symbolismus – so mystisch, wie diese Lehre anmutet. Was Paulus hier erläutert, ist die eigentliche Bedeutung, der tiefere Sinn unseres neuen Lebens in Christus. In diesem Zusammenhang sind zumindest drei Aspekte zu beleuchten.
Die praktischen Auswirkungen
Zunächst einmal sind Christen, was ihre Erlösung anbelangt, „schon so gut wie am Ziel“. Ihnen, die ja „in Christus“ sind, sind ihre Sünden durch Christus selbst vergeben. Sie teilen mit ihm Tod, Begräbnis, Auferstehung und Himmelfahrt und leben gewissermaßen schon jetzt mit ihm im Himmelreich. Diese Lehre sollte nicht als idealistische Verlockung dienen. Sie wandte sich ursprünglich an Christen, die unter schrecklichsten Bedingungen in korrupten Städten ohne jene bürgerlichen und politischen Rechte lebten, die wir oft für selbstverständlich halten. Der Tod durch das römische Schwert lag für die Leser des Apostels Paulus durchaus im Bereich des Möglichen, wobei man nicht außer acht lassen darf, dass die meisten Menschen jener Zeit ohnehin gerade einmal 40 oder 45 Jahre alt wurden.
Somit macht Paulus seinen Lesern mit einem weiteren der Kernlehre entlehnten und für den neuen Glauben charakteristischen Gedanken Mut – der Auferstehung Christi. „In Christus“ zu sein heißt, dass Gott, wenn er uns anschaut, nicht unsere Sünden sieht. Er sieht Christus. Keine Lehre könnte uns hoffnungsvoller stimmen! Im Kolosserbrief 3,3 wird dies noch einmal hervorgehoben: „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus in Gott verborgen“ (Zürcher Bibel).
Zweitens bedeutet „in Christus“ zu sein, als Christ in zwei unterschiedlichen Welten zu leben – im Diesseits der alltäglichen Wirklichkeit und in der „unsichtbaren Welt“ geistlicher Realität, wie Stott sie nennt. Dies hat Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir diese Welt sehen. So sollen wir ein diesen beiden Welten gerecht werdendes Leben führen, wobei unsere aller erste Treuepflicht dem Reich Gottes und seinen Werten gilt, wir andererseits aber auch nicht so Jenseits gerichtet sein sollten, dass wir dem irdischen Wohl nicht dienen. Es ist schon eine Gradwanderung und jeder Christ bedarf der Hilfe Gottes, um sie sicheren Fußes zu bestehen.
Drittens bedeutet „in Christus“ zu sein, dass wir Siegeszeichen der Gnade Gottes sind. Wenn der himmlische Vater all dies für uns getan hat, uns gewissermaßen bereits im Himmelreich einen Platz eingeräumt hat, bedeutet dies, dass wir als Botschafter Christi leben sollten. Francis Foulkes drückt es folgendermaßen aus: „Was Gott nach des Apostels Paulus Verständnis mit seiner Gemeinde vorhat, reicht weit über sie selbst, die Erlösung, die Erleuchtung und die Neuschöpfung des Einzelnen, über ihre Einheit und ihre Nachfolge, ja selbst über ihr Zeugnis gegenüber dieser Welt hinaus. Die Gemeinde soll der ganzen Schöpfung gegenüber vielmehr Zeugnis ablegen von der Weisheit, Liebe und Gnade Gottes in Christus“ (S. 82).
Wie wahr. „In Christus“ zu sein, das Geschenk neuen Lebens in Christus zu empfangen, durch ihn vor Gott unsere Sünden verborgen zu wissen – all das bedeutet, dass wir uns gegenüber den Menschen, mit denen wir Umgang pflegen, Christ gemäß verhalten sollten. Wir Christen mögen unterschiedliche Wege gehen, aber den Menschen gegenüber, mit denen wir hier auf Erden zusammenleben, begegnen wir im Sinne Christi. Mit der Auferstehung des Heilands hat Gott uns nicht ein Zeichen seiner Allmacht gesetzt, damit wir erhobenen Hauptes eitel daher gehen, sondern jeden Tag aufs Neue Zeugnis von seiner Güte ablegen und durch unsere guten Taten ein Zeichen seiner Existenz und seiner grenzenlosen Fürsorge für jeden Menschen auf diesem Erdball setzen. Christi Auferstehung und Himmelfahrt beeinflussen maßgeblich unsere Einstellung der Welt gegenüber. Die Herausforderung, der wir uns zu stellen haben, lautet, diesem Ruf 24 Stunden täglich gerecht zu werden.
Neal Earle http://www.wcg.org/DE/artikel/print.asp?id=545

Daniel, Belsazar und die Frage nach der biblischen Prophetie (Teil II)

 Im ersten Teil dieses zweiteiligen Posts habe ich die These aufgestellt, dass die Datierung des Danielbuches leider nicht nur von der objektiven Bewertung der uns vorliegenden Zeugnisse (sowohl der im Danielbuch selbst enhaltenen als auch externen) abhängt, sondern ebenso von zuvor festgesetzten philosophischen Vorraussetzungen. Ich habe außerdem argumentiert, dass die Funde von Qumran eine Abfassung des Danielbuches vor 164 v.Chr. möglich machen. Man muss sich nun die Frage stellen, ob die späte Datierung nicht bloß ein Produkt der oben genannten philosophischen Vorraussetzungen ist und bei genauerer Betrachtung der Zeugnisse ggf. wieder verworfen werden muss?
Doch welche Zeugnisse liegen uns für eine mögliche Datierung des Danielbuches vor? Ich bin mir durchaus darüber bewusst, dass ich hier nur ein Schlaglicht auf die schon lange andauernde Diskussion über die Datierung des Buches werfen kann, möchte es aber dennoch versuchen einige Punkte zu benennen, die in der Diskussion immer wieder aufgeführt werden:
1. Die Aufzählung von Ben Sirach
In seiner Aufzählung berühmter Persönlichkeiten zählt der jüdische Autor Ben Sirach zwar die Propheten Jesaja, Hesekiel, Jeremia sowie die 12 kleinen Propheten auf, erwähnt Daniel allerdings nicht. Da man Ben Sirachs Werk auf etwa 180 v.Chr. datiert, schließen einige Wissenschaftler, dass Ben Sirach Daniel nicht gekannt hat, da es das Danielbuch damals wahrscheinlich noch nicht gab. Es sollte allerdings bemerkt werden, dass auch andere wichtige Persönlichkeiten israelitischer Geschichte wie z.B. Ezra nicht erwähnt werden. Das gesamte Argument funktioniert e silencio, argumentiert also allein auf der Grundlage der nicht-Erwähnung Daniels bei Jesus ben Sirach. Solche Argumente e silencio sind grundsätzlich schwierig und umstritten.
Gleichzeitig ist es wichtig an diesem Punkt darauf hinzuweisen, dass uns hier ein textgeschichtliches Problem vorliegt. Funde aus Kairo, die sogennante Kairo Geniza, deuten daraufhin, dass Ben Sirachs Werk ursprünlich Teile enthielt, die sich auf den hebräischen Text des Danielbuches bezogen. Ben Sirach zu unterstellen, dass er Daniel nicht kannte wird somit schwierig.
2. Der Historische Kontext des Buches
Anhänger einer späten Datierung des Danielbuches (Die sog. „Makkabäerhyopthese“ – Der Autor soll ein Jude zur Makkabäerzeit gewesen sein) gehen vor allem von dem Gedanken aus, dass der makkabäische Autor das Buch geschrieben hat, um den unterdrückten Juden zur Zeit der seleukidischen Oberherrschaft Hoffnung zu geben. Klar allerdings ist, dass der Autor ein enormes Wissen über Babylon zur Zeit Nebukadnezars gehabt haben muss:

  1. Der Autor nennt die Herrschaft Beltschazars in Daniel 7,1: Beltschazar wurde lange als Mythos abgetan, da es eigentlich bekannt war, dass der letzte König Babylons Nabonid, der Sohn Nebukadnezars, war. Doch Babylonische Aufzeichnungen selbst belegen, dass Beltschazar eine sekundäre Königschaft innehielt. Dies ist auch der Grund dafür, dass er Daniel nur den dritten Platz im Königreich anbieten konnte (Dan 5,29), da er selbst nur den zweiten innehielt. Schon in der Zeit Herodots (ca. 450 v.Chr.) aber schien der Name Beltschazars bereits vergessen worden zu sein.
  2. Dem Autor war bekant, dass die Babylonier mit Feuer (Dan 3,11) bestraften, die Perser diese Strafe allerdings verwarfen, da ihnen als Zoroastriern das Feuer heilig war, und stattdessen ihre Gefangenen den Löwen vorwarfen (Dan 6,7).
  3. Würde der Autor die Jüdische Gemeinde zur Zeit der Makkabäer adressieren, muss die Frage geklärt werden, warum Nebukadnezar und Kyrus nicht als Judenfeinde dargestellt werden, wo doch die Seleukiden die Juden aufgrund ihres Glaubens unterdrückten. Gleichzeitig drängt sich die Frage auf warum keine detailreichere Visionen über die Makkabäer und die Seleukiden selbst gegeben werden, obwohl doch die Verhältnisse in Babylon so exakt dargestellt werden.

3. Sprachliche Faktoren 
Einige Wissenschaftler sind sich sicher, dass die Sprache Daniels auf eine späte Verfasserschaft deutet:

  1. Im Text finden sich einige Griechische Lehnwörter, die Musikinstrumente bezeichnen. Einige Forscher sehen hier den Beweis für eine späte Datierung, da Griechisch erst mit Alexander dem Großen ca. 330 v.Chr. eine relevante Sprache für Babylon wurde. Hier muss bemerkt werden, dass mittlerweile klar ist, dass Griechische Söldner im Heer Nebukadnezars gedient haben. Außerdem finden sich ab dem 6.Jh.v.Chr. griechische Händler in den Häfen Palästinas und Syriens, die die dortige Aramäische Sprache beeinflusst haben (Die Griechischen Lehnwörter finden sich in dem Teil des Danielbuches, das auf Aramäisch verfasst ist). Von Elephantine (eine Nilinsel im Süden Ägyptens) sind aramäische Dokumente aus dem 5 Jh.v.Chr. bekannt, die bereits griechische Lehnworte enthalten.
    Gleichzeitig sollte die Frage gestellt werden, warum es eigentlich nur sehr wenig Lehnwörter aus dem Griechischen im Danielbuch gibt. Wäre das Buch nach 200 Jahren Hellenisierung des vorderen Orients geschrieben worden (also zur Zeit der Makkabäer) würde man doch wesentlich mehr griechische Worte erwarten?
  2. Das Aramäisch des Danielbuches soll auf eine späte Abfassung deuten, da es den Dialekt in Syrien-Palästina wiederspiegelt und daher nicht in Babylon geschrieben worden sein kann. Auch hier muss gesagt werden, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. Das Aramäisch des Danielbuches reflektiert das „Reichsaramäisch“ aus Babylon, welches im 6. und 5.Jh. als Verkehrssprache des gesamten Orients fungierte.
    (vgl.:  Archer, Gleason, A Survey of Old Testament Introduction, Chicago 2007; und: Miller, Stephen, Daniel, Broadman&Holman, 1994.)

Der Mensch des 20. Jahrhunderts verlor eine sinnvolle Welt und ein Selbst, das in Sinnbezügen aus einem geistigen Zentrum heraus lebt.

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Der Mensch des 20. Jahrhunderts verlor eine sinnvolle Welt und ein Selbst, das in Sinnbezügen aus einem geistigen Zentrum heraus lebt. Die vom Menschen geschaffene Welt der Objekte hat den, der sie schuf, in sich hineingezogen, und in ihr hat er seine Subjektivität verloren. Er wurde zum Opfer seiner eigenen Produkte. Aber der Mensch weiß noch, was er verlor und beständig verliert. Er ist noch Mensch genug, um seine Entmenschlichung als Verzweiflung zu erfahren. Er weiß keinen Ausweg, aber er versucht, sein Menschsein dadurch zu retten, daß er diese Situation »ohne Ausweg« zum Ausdruck bringt. Er reagiert mit dem Mut der Verzweiflung, dem Mut, diese Verzweiflung auf sich zu nehmen und der radikalen Drohung des Nichtseins zu widerstehen durch den Mut man selbst zu sein. Jeder Analytiker der gegenwärtigen existentialistischen Philosophie, Kunst und Literatur kann deren zweideutige Struktur aufzeigen: eine Sinnlosigkeit, die zur Verzweiflung treibt, ein leidenschaftliches Aussprechen dieser Situation und der erfolgreiche oder erfolglose Versuch, die Angst der Sinnlosigkeit in den Mut man selbst zu sein hineinzunehmen.
Der Mut zum Sein Paul Tillich Seite 141

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Gib dich nicht mit dem Oberflächlichen zufrieden

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  • Grabe tief und lebe tief – gib dich nicht mit dem Oberflächlichen zufrieden.
  • Sei vorbereitet auf Widerstand und Gegenwind – auch aus den eigenen Reihen.
  • Suche Gemeinschaft mit Menschen die deine Vision teilen.
  • Der Herr wird mit dir sein, dich segnen und gebrauchen.  J.I. Packer
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Daniel, Belsazar und die Frage nach der biblischen Prophetie (Teil I)

Die Entstehung des Danielbuches (oder die letzte Redaktion) in einem Zeitraum zwischen ca. 167.v.Chr. und ca. 164.v.Chr. zu vermuten ist in den meisten universitären Disziplinen, die sich mit dem Danielbuch und/oder dem Alten Orient beschäftigen, gängiger Konsens geworden. Die jüdisch-christliche Tradition schreibt das Buch allerdings Daniel, einem Juden im babylonischen Exil des jüdischen Volkes (585-515.v.Chr.) zu. Schon die Qumran-Essener, eine jüdische Gruppe, die ein asketisches Leben in der Wüste führten, haben Daniel als Autor des Buches anerkannt. Was daran besonders ist? Dafür sei zunächst eine kurze Vorbemerkung zur Zeit der Makkabäer gemacht, die später noch einmal sehr wichtig werden soll. Weiterlesen

2.Petrus 1, 20 Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist.

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In den letzten zwei Versen des Kapitels betont Petrus, dass die prophetischen Schriften von Gott kommen, und nicht von Menschen, dass sie also göttlich inspiriert sind.
Auch die Falschlehrer berufen sich auf das prophetische Wort der Heiligen Schrift (3,16). Petrus beharrt darauf, daß die Schrift nicht aus Privatmeinungen besteht, sondern daß sich Gott durch den Heiligen Geist darin den Menschen offenbart hat und daß die Schriftauslegung daher nicht von irgendwelchen Privatansichten abhängen darf, sondern stets von dem gleichen Heiligen Geist geleitet sein soll, der gelehrte Männer leitete, die Jesus Christus ergeben waren, und der noch immer in der Kirche wirksam ist.
Auch sonst ist mit der „Schrift“ das AT gemeint (Joh 2,22; Joh 5,39; Joh 13,18; 1. Petr 2,6; ) oder das AT heißt „die Schriften“ (Mt 21,42; Lk 24,27). Sowohl Lukas als auch Paulus gebrauchen Einzahl und Mehrzahl wechselweise (Apg 1,16 -17,2.11; Apg 18,24; oder Röm 4,3; Röm 1,2; Röm 9,17; Röm 15,4; Röm 16,26; oder Gal 3,8; 2. Tim 3,16; 1. Kor 15,3). Der Umfang der Schriften, die zum AT gehören, d. h. der Kanon des AT wurde im Judentum vom Synhedrium, dem Hohen Rat, erst auf der Synode von Jabne um 90 n. Chr. festgelegt.
Ohne Erleuchtung durch den Hl. Geist können wir die Hl. Schrift nicht verstehen.
Petrus geht es hier nicht um die Interpretation der Bibel, sondern vielmehr um den Ursprung der Schrift, aus welcher Quelle sie stammt. Es waren die falschen Propheten, die eigene Ideen entfalteten und von sich gaben. Doch kein Teil von Gottes Offenbarung wurde aus einer menschlichen Quelle offenbart oder verkündet oder von den Propheten aus eigenem Denken und ohne Hilfe von außen erdacht (s. V. 21).

Wie man Künstler in der Gemeinde entmutigt

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Viele christliche Künstler leben zwischen zwei seltsamen Welten. Ihr Glaube an Christus erscheint vielen ihrer befreundeten Künstler befremdlich. Fast so befremdlich, wie ihre Berufung zum Künstler einigen ihrer Freunde in der Gemeinde erscheint. Trotzdem haben Christen, die zum zeichnen, malen, bildhauern, singen, schauspielern, tanzen oder Musik machen berufen sind, außergewöhnliche Möglichkeiten, Gott durch ihre tägliche Arbeit zu ehren und die Gnade, Schönheit und Wahrheit des Evangeliums zu bezeugen. Wie können Pastoren (und Gemeinden) Christen mit künstlerischer Begabung in ihrer doppelten Berufung als christliche Künstler ermutigen? Weiterlesen

Das Versagen der christlichen Psychologie

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Je mehr weltliche Psychologie die Gemeinde beeinflusst, desto weiter bewegen sich die Leute von einer biblischen Sicht der Probleme und ihrer Lösungen weg. Schritt für Schritt ersetzen Therapeuten die Bibel, Gottes Hauptwerkzeug heiligender Gnade (Joh 15,3; 1Kor 1,21; Heb 4,12). Der Rat dieser Profis ist geistlich gesehen oft verheerend. Vor nicht allzu langer Zeit hörte ich fassungslos, wie ein christlicher Psychologe während einer Radio-Livesendung einem Anrufer riet, seinem Ärger gegenüber seinem Therapeuten durch eine obszöne Geste Luft zu machen. „Machen Sie’s nur!“ sagte er dem Anrufer. „Es ist ein ehrlicher Ausdruck Ihrer Gefühle. Versuchen Sie nicht, Ihren Ärger zu verbergen.“ „Was ist mit meinen Freunden?“ fragte der Anrufer. „Soll ich gegenüber allen so reagieren, wenn ich wütend bin?“
„Warum nicht?“ sagte dieser Seelsorger. „Sie können dies gegenüber jedermann tun, wann immer Sie sich danach fühlen. Außer gegenüber denen, von denen Sie denken, dass sie das nicht verstehen – sie wären keine guten Therapeuten für Sie.“ Das ist eine Umschreibung mit eigenen Worten. Ich habe eine Aufzeichnung der ganzen Sendung, und was der Seelsorger tatsächlich vorschlug, war noch viel drastischer und ging so weit, dass es unangebracht wäre, es in gedruckter Form wiederzugeben.
In derselben Woche hörte ich eine andere populäre christliche Rundfunksendung, die Anrufern landesweit live telefonische Seelsorge anbietet. Eine Frau rief an und sagte, sie habe seit Jahren ein Problem mit zwanghafter Unzucht. Sie sagte, sie gehe mit „jedem Beliebigen“ ins Bett und fühle sich ohnmächtig, ihr Verhalten zu ändern.
Der Seelsorger meinte, ihr Verhalten sei ihre Art zurückzuschlagen und die Folge der Wunden, die ihr passiver Vater und ihre herrschsüchtige Mutter ihr zugefügt hätten. „Es gibt keinen einfachen Weg zur Besserung“, sagte ihr dieser Radiotherapeut. „Ihr Problem wird nicht sofort verschwinden; es ist eine Sucht, und so etwas verlangt eine ausgedehnte Seelsorge. Sie werden Jahre der Therapie benötigen, um Ihr Bedürfnis nach unerlaubtem Sex zu überwinden.“ Anschließend wurde der Anruferin vorgeschlagen, sich eine Gemeinde zu suchen, die tolerant damit umginge, während sie ihren Weg aus den „schmerzlichen Wunden“ heraus finde, die sie zur Unzucht „zwingen“ würden.
Was für ein Rat ist denn das? Erstens gab der Seelsorger dieser Frau praktisch die Erlaubnis, den Gehorsam gegenüber einem klaren Gebot der Hl. Schrift aufzuschieben: „Flieht die Unzucht!“ (1 Kor 6,18; siehe auch 1Thes 4,3). Zweitens gab er ihren Eltern die Schuld und rechtfertigte ihre Rache an ihnen. Drittens schien er zu meinen, sie könnte Schritt für Schritt von ihrer Sünde loskommen – unter therapeutischer Anleitung natürlich. Außerdem vermittelte er seinen Hörern landesweit die klare Botschaft, dass er tatsächlich nicht darauf vertraut, dass der Heilige Geist die Kraft hat, das Herz und das Verhalten einer Person auf der Stelle zu verwandeln. Schlimmer noch: Er forderte Gemeinden dazu auf, die sexuellen Sünden einer Person zu tolerieren, bis die Therapie zu wirken beginnt.
Vergleichen Sie den Rat dieser beiden Radioseelsorger mit dem, was Galater 5,16 schlicht aber tiefgründig sagt: „Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen.“ Meinen wir wirklich, eine jahrelange Therapie könnte Menschen bis an den Punkt führen, von wo an sie im Geist wandeln? Gewiss nicht, wenn der Therapeut obszöne Gesten und Aufschub von Buße empfiehlt und dass Gemeinden gegenüber chronischer Unmoral tolerant sein sollen! Es gibt keine biblische Rechtfertigung für solcherlei Rat; tatsächlich steht er dem Wort Gottes rundweg entgegen. Der Apostel Paulus befahl den Korinthern, einen Ehebrecher dem Satan zu übergeben und aus der Gemeinde auszuschließen (1Kor 5).
Quelle: John MacArthur, Biblische Seelsorge, S.38ff.
http://www.cbuch.de/MacArthur-Mack-Biblische-Seelsorge-p3579/
http://issuu.com/betanien/docs/biblische-seelsorge-auszug?e=0

Was uns noch immer trennt Reformatorische Lehre und römisch-katholisches Dogma im Vergleich

Thema Reformatorische Position Römisch-katholische Position
Bibel Die Bibel gilt als alleinige Autorität und Regel für Lehre und Leben der Gläubigen (sola Scriptura). Kirchliche Lehre muss sich stets messen lassen am Kanon (Richtschnur) der Heiligen Schrift. Allein die Kirche kann die Schrift richtig auslegen. Die offizielle Lehre der Kirche (magisterium) und ihre Tradition sind auf einer Ebene mit der Heiligen Schrift zu sehen
Kirchen-oberhaupt Jesus Christus allein ist Herr und Haupt der Kirche. Kein Mensch kann von sich behaupten, der Kirche als Stellvertreter Christi vorzustehen. Amtsträger der Kirche (Pastoren, Älteste, Diakone) sind lediglich Diener (minister) und haben keinen anderen Status als alle anderen Gläubigen auch. Der Papst wird als geistlicher Nachfolger Petri verstanden, den Christus als Herr der Kirche eingesetzt hat. Er gilt als das irdische Oberhaupt der Kirche und Stellvertreter Christi auf Erden. Christus geht in der ›mystischen Person‹ der Kirche nahezu auf.
Heil Gott erklärt Sünder für gerecht allein aus Gnade (sola gratia) aufgrund des stellvertretenden Gehorsams und Leidens Jesu Christi (solo Christo), auf das der Glaube sich beruft (sola fide). Werke (Heiligung) sind keine Ergänzung des Glaubens, sondern dessen Frucht. Das Heil kommt allein von Gott. Christus hat durch seinen Tod einen Verdienst (Kirchenschatz) erworben, der mittels der Sakramente den Gläubigen eingegossen wird. Diese Gnade muss allerdings durch eigene Werke (d.h. die Heiligung) ergänzt werden. Das Heil kommt von Gott, der Mensch muss aber seinen Beitrag leisten.
Kirche Die Kirche ist die Versammlung der Gläubigen, bei der das Evangelium rein gepredigt, die Sakramente demgemäß dargereicht und Kirchenzucht geübt wird. Außer ihr gibt es kein Heil. Wenn es eine ›Sukzession‹ (d.h. Amtsnachfolge) gibt, besteht sie in der reinen Verkündigung der apostolischen Botschaft, wie sie in der Schrift überliefert ist. Die römisch-katholische Kirche ist die eine wahre Kirche aufgrund der apostolischen Sukzession der Bischöfe und versteht sich als Mittlerin des Heils. Andere christliche Konfessionen gelten als ›getrennte Brüder‹. Allerdings können auch andere Religionen (z.B. die sogenannten ›abrahamitischen Religionen‹ Judentum und Islam) ein Heilsweg sein.
Sakramente Es gibt nur zwei Sakramente, die Jesus Christus selbst eingesetzt hat und auf denen die Verheißung Gottes liegt: die Taufe und das Abendmahl. Sie sind Gnadenmittel, d. h. Zeichen und Siegel des Bundes Gottes, die Gott seinem Volk darreicht. Sie müssen im Glauben empfangen werden. Es gibt sieben Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Krankensalbung, Priesterweihe und Trausakrament), die aus sich selbst heraus effektiv (ex opere operato) denen Gnade vermitteln, die sie empfangen.
Taufe Die Taufe ist das Zeichen und die Verheißung dafür, dass der Mensch von seinen Sünden rein gewaschen ist und ein neues Leben empfangen hat. Sie deutet auf die Wiedergeburt hin, ist aber nicht an sich schon die Wiedergeburt. Der Glaube muss hinzutreten, beim getauften Kind später.  In der Taufe geschieht die Rechtfertigung (Auslöschung der Erbsünde und Vergebung der Sünden) und Wiedergeburt des Sünders effektiv, unabhängig von dessen Glauben.
Abendmahl Beim Abendmahl werden die Gläubigen gemeinsam an das vollbrachte Werk Jesu Christi am Kreuz erinnert und haben geistliche Gemeinschaft mit dem erhöhten Christus. Brot und Wein sind gewisse Wahrzeichen seines Leibes und Blutes, die den Gläubigen versichern, dass Christus für sie geopfert wurde. Die sogenannte ›Heilige Messe‹ ist eine ständige unblutige Wiederholung des einen Sühnopfers Christi, wobei Brot und Wein wesenhaft in Leib und Blut Jesu verwandelt werden.

 

Raphael Schuster studiert evangelische Theologie am Reformatorisch-Theologischen Seminar (RTS) in Hannover.
http://www.reformationheute.de/was-uns-noch-immer-trennt/#more-55

Demut als christliche Lebensweise – was wir von Paulus lernen können

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Im Neuen Testament hat sich besonders der Apostel Paulus zu den Grundlagen für das ethische Verhalten der Christen in seinen Briefen geäußert. Dabei geht es nicht nur um das Einhalten bestimmter Regeln, auch wenn es auch um das «Halten der Gebote Gottes» geht. Die Begründung und die Motivation spielen in der paulinischen «Ethik» eine wichtige Rolle. Dazu gehört neben der Liebe zentral auch die Demut. Damit stellt sich die Frage, was christliche Demut ist und warum sie so zentral ist. Darf der «Demütige» keine eigene Meinung haben? Soll man einfach «untertänig» sein? Oder ist Demut in der Feigheit begründet, wie immer wieder behauptet wurde? Das griechische Wort tapeino-phrosyne bedeutet wörtlich etwa «niedrige Gesinnung». Es ist vor Paulus nicht bezeugt und erscheint im Neuen Testament außer in 1. Petr 5,5 nur fünfmal in den Paulusbriefen und zudem einmal aus dem Munde des Paulus (Apg 20,19). Das griechische Wort tapeinos («niedrig, demütig») wurde ausserbiblisch in der Regel abwertend verwendet. Für Paulus ist dagegen die Diensthaltung, die Jesus Christus prägte, wesentlich. Demut ist somit kein Selbstwert – nach dem Motto: «Schaut, wie demütig ich bin!» –, sondern eine Diensthaltung in der Gemeinschaft der Gläubigen. Grundlage für Paulus ist dabei nicht nur das Vorbild Jesu Christi, sondern auch die Gewissheit, dass sowohl die Erlösung als auch die Fähigkeiten zum Dienst eine Gabe Gottes sind. Eine solche Einstellung schließt jeden Neid aus. Konkurrenzdenken ist damit im Reich Gottes auszuschließen. Vielmehr freut sich jeder über den «Erfolg» des anderen, weil es nicht um Menschen geht, sondern um das Werk Gottes. Und wenn wir Anerkennung erhalten, so wissen wir, dass es sich um Gottes Werk handelt und dass ihm die Ehre dafür gebührt. In Röm. 12,16, einer Parallelstelle zu Phili. 2,2f., betont Paulus, dass die Gläubigen gegeneinander gleichgesinnt sein (bzw. nach dem Gleichen trachten; fronountes) sollen, indem sie nicht nach hohen Dingen trachten (fronountes), sondern sich zu den niedrigen Dingen (tois tapeinois) halten und sich nicht selbst für klug/besonnen (fronimoi) halten. Mit dieser Beschreibung einer demütigen Haltung knüpft der Apostel an Röm. 12,3 an, wo ein ähnliches Wortspiel um das Wort froneo («gesinnt sein, denken, trachten nach») vorliegt: «Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben wurde, jedem, der unter euch ist, nicht höher [von sich] zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern darauf bedacht zu sein, dass er besonnen sei/gesund denke (me hyper-fronein par’ ho dei fronein alla fronein eis to so-fronein), wie Gott einem jeden das Mass des Glaubens zugeteilt hat.» Bei dem «Mass des Glaubens» handelt es sich in Röm 12,3 dem Kontext nach nicht um die Grösse des Glaubens, sondern um die Wirkung der Gnade im Leben der Gläubigen (vgl. Röm 12,4: «hat nicht dieselbe Tätigkeit»), nämlich um die Gnadengaben (vgl. Röm 12,4-6). Es handelt sich also um die Gnadengaben, wie sie vom Heiligen Geist den Gliedern des Leibes Christi, der Gemeinde, zugeteilt wurden (vgl. dazu auch 1. Kor 12,11). Jeder Christ soll seine Dienstfähigkeiten, die Gott ihm zum Dienst in der Gemeinde geschenkt hat, richtig einschätzen und sie dankbar annehmen. Wie es falsch ist, zu hoch von sich zu denken, so ist es ebenso falsch, zu denken, man habe keine Fähigkeiten, um Aufgaben im Reich Gottes zu übernehmen. Hinter einer solchen Haltung steckt Undankbarkeit den Gaben Gottes gegenüber und auch verborgener Stolz, indem man sich selbst zu ernst nimmt und nicht mit dem dient, was Gott uns anvertraut hat.
Prof. Dr. Jacob Thiessen Rektor der STH Basel und Professor für Neues Testament Zusammenfassung eines Referats, gehalten an der Abschlussfeier der STH Basel am 2. Juni 2013.
http://www.sthbasel.ch/docs/20134c81659589ba46ebd9a3138459aa/Perspektive-3-2013.pdf