Das Buch der Psalmen – Was ist Anbetung?

Didaktische Psalmen

EINLEITUNG ZU DEN PSALMEN

Die Psalmen waren das Lob-Buch der Juden. Mit wenigen Ausnahmen kann jeder Psalm unabhängig von anderen Psalmen verstanden werden. Obwohl in den Psalmen sehr unterschiedliche Themen behandelt werden, gibt es zwei Schwerpunkte:

  1. Die praktische Betonung – Von allen Büchern des AT werden die Psalmen im NT am häufigsten zitiert. Seit eh und je erfreut sich dieses Buch großer Beliebtheit unter den Kindern Gottes. Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass fast alle Erfahrungen, welche ein Mensch im Leben durchmacht, sich in den Psalmen widerspiegeln. Die Psalmen sind aber nicht nur Berichte über menschliche Erfahrungen, sondern sie vermitteln auch praktische biblische Lehre, welche ihre Wurzel in der Unwandelbarkeit der Person und des Charakters Gottes hat. Sogar wenn alle anderen Bücher des AT verlorengingen, könnte man trotzdem klar verstehen, woran die Juden glaubten und wie sie diesen Glauben lebten.Das Buch der Psalmen ist einmalig. Es ist das einzige Buch in der Bibel, in welchem das Grundthema lautet: MENSCHEN SPRECHEN MIT GOTT. In fast allen Büchern der Bibel lautet das Thema: GOTT SPRICHT MIT DEN MENSCHEN.
  2. Die prophetische Betonung – Einige der größten prophetischen Themen der Bibel werden in den Psalmen dargelegt:
    1. die Erwartung des Messias – Dies ist bei weitem die wichtigste Wahrheit in den Psalmen. Einige Aspekte des Messias und seines Werks werden geoffenbart:
      1. Seine Menschwerdung (Ps. 8)
      2. Seine Priesterschaft (Ps. 110)
      3. Seine Sohnschaft (Ps. 2)
      4. Seine Leiden und Sein Tod (Ps. 22)
      5. Seine Auferstehung (Ps. 16)
      6. Seine Wiederkunft als König (Ps. 2; Ps. 24)
    2. die Zukunft Israels – Der zukünftige Segen Israels ist eng mit dem Messias verbunden (Ps. 68; 89; 102).
    3. die Heiden – Auch Wahrheiten über die prophetische Zukunft der Nationen kommen in den Psalmen vor (Ps. 2; 65; 66).

Als die verschiedenen Lieder von David und den übrigen Verfassern um etwa 500 v. Chr. zu einem Werk zusammengefasst wurden, erhielten sie auf Hebräisch die Bezeichnung „Tehillim“, was „die Loblieder“ bedeutet. Etwa 300 Jahre später, als das AT in der griechischen Sprache, in der Septuaginta-Übersetzung, erschien, wurde „Tehillim“ als „Psalmoi“ wiedergegeben. „Psalmoi“ bedeutet „Lieder mit Begleitung für Streichinstrumente“. Dies ist der Name, der auch in den Tagen des NT verwendet wurde (z.B. Apg. 1,20).

DIE ENTSTEHUNG DER PSALMEN

In 1. Chr.. 16,1-43 wird berichtet, wie die Bundeslade in Jerusalem durch David aufgestellt wurde. In Vers 4 steht:

„Und er (David) bestellte vor die Lade Jahwes einige von den Leviten als Diener, dass sie Jahwes, des Gottes Israels, gedächten (eigentlich: preisend gedächten) und Ihn priesen und rühmten.“

In Vers 7 steht:

„Damals, an jenem Tage, trug David zum ersten Male Asaph und seinen Brüdern auf, Jahwe zu preisen…“

In den Versen 8-36 wird das Danklied Davids wiedergegeben, welches Teilen von Ps. 105; 96 und 106 sehr ähnlich ist. Es scheint so, als ob die Psalmen in diesem Anfangsstadium von David geschrieben und dann Asaph und seinen Leviten-Musikern zur Begleitung und Ausführung übergeben wurden. In Vers 36 wird berichtet, dass „alles Volk“ mitwirkte und zu den Psalmen „Amen“ sagte und auch den Herrn lobte.

In Vers 37 kommt es klar zum Ausdruck, dass dieser Lobpreis eine tägliche, beständige Angelegenheit war. Zu einem späteren Zeitpunkt (siehe 1. Chr. 25,1-8) hatten die Söhne Asaphs einen regelrechten Chordienst eingerichtet, um Gott täglich, in Verbindung mit den verschiedenen Opfern, durch Gesang und Musik zu loben und zu preisen.

DIE VERFASSER DER PSALMEN

Das Buch der Psalmen wurde oft „die Psalmen Davids“ genannt. Diese Bezeichnung ist verständlich, wenn man bedenkt, dass 73 der 150 Psalmen (d.h. 49 %) „offiziell“ David zugeschrieben werden. (Es gibt noch weitere Psalmen, die zwar den Namen Davids nicht tragen, aber dennoch ihm zugeschrieben werden, wie z.B. Ps. 2, der „offiziell“ anonym ist, doch in Apg. 4,25 vom Heiligen Geist als ein Psalm Davids bezeichnet wird.

Die folgende Karte gibt einen Überblick über die Verfasser der Psalmen:

117 – Die Verfasser der Psalmen

DIE VERFASSER

BUCH 1
(1-41)

BUCH 2
(42-72)

BUCH 3
(73-89)

BUCH 4
(90-106)

BUCH 5
(107-150)

GESAMTZAHL FÜR JEDEN VERFASSER

DAVID

37

18

1

2

15

73

ASAPH

1

11

12

KORAH

7

3

10

SALOMO

1

1

2

MOSES

1

1

ETHAN

1

1

HEMAN

1

1

ANONYM

4

4

14

28

50

 

Die Unterteilung der Psalmen

1-41

42-72

73-89

90-106

107-150

BUCH 1

BUCH 2

BUCH 3

BUCH 4

BUCH 5

VEREHRENDE ANBETEUNG

STAUNENDE ANBETUNG

UNABLÄSSIGE ANBETUNG

ERGEBENE ANBETUNG

VOLLENDETE ANBETUNG

Lobpreis
41,13

Lobpreis
72,18-19

Lobpreis
89,52

Lobpreis
106,48

Lobpreis
150,6

41 Psalmen

31 Psalmen

17 Psalmen

17 Psalmen

44 Psalmen

 

Die 150 Psalmen werden in 5 Bücher unterteilt, welche jeweils durch einen Lobpreis Gottes voneinander getrennt werden. Einige Bibellehrer behaupten, dass diese 5 Lobpreise Aufschluss über den jeweiligen Charakter der Anbetung in den verschiedenen Büchern geben.

EINTEILUNG DER PSALMEN

HAUPTGEDANKE: DIE ERFAHRUNGEN DES LEBENS

 

  1. BUCH 1 – VEREHRENDE ANBETUNG: Ps. 1-41
  2. BUCH 2 – STAUNENDE ANBETUNG: Ps. 42-72
  3. BUCH 3 – UNABLÄSSIGE ANBETUNG: Ps. 73-89
  4. BUCH 4 – ERGEBENE ANBETUNG: Ps. 90-106
  5. BUCH 5 – VOLLENDETE ANBETUNG: Ps. 107-150

DIE DIDAKTISCHEN PSALMEN

Die didaktischen (lehrenden) Psalmen wurden für formelle Unterweisung verwendet, um das Volk Gottes geistliche Wahrheiten zu lehren. Diese Psalmen enthalten hauptsächlich wichtige Lehren hinsichtlich des Wandels und des Charakters des Gerechten.

PSALM 1

Psalm 1 ist ein gutes Beispiel für einen didaktischen Psalm. Er dient als gute Einleitung zu dem ganzen Buch der Psalmen. Es kommen darin zwei Männer vor, welche in den Psalmen immer wieder vorkommen.

DER GERECHTE
(V. 1-3)

DER GESETZLOSE
(V. 4-6)

die Personenbeschreibung

die Erläuterung – der Vergleich
„wie die Spreu“

die Erläuterung – der Vergleich
„wie ein Baum“

die Erklärung

Der Gerechte (V. 1-3) – Zuerst wird dargestellt, was er nicht macht; danach was er macht:

D E R    G E R E C H T E

wandelt NICHT

im Rate

der Gottlosen

steht NICHT

auf dem Wege

der Sünder

sitzt NICHT

auf dem Sitze

der Spötter

Nun wird beschrieben was er macht und wie er ist:

 

D E R   G E R E C H T E   I S T   W I E   E I N   B A U M

1) Dauerhaftigkeit – er steht fest und unbeweglich
2) Fruchtbarkeit   – er bringt Frucht Jahr für Jahr
3) Wohlergehen   – er hat Gelingen im Willen Gottes

Der Gesetzlose (V. 4-6) – Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen dem Gerechten und dem Gesetzlosen; er ist wie die Spreu – leblos, wertlos und vergänglich. Er wird im Gericht nicht bestehen können.

PSALM 101

Anlass für diesen Psalm war wahrscheinlich der Entschluss Davids, ein guter König zu sein. David zeigt in diesem Psalm große Entschlossenheit. Er kannte die Wahrheit von Psalm 1. Man könnte sagen, dass Psalm 101 die praktische Anwendung der Wahrheit aus Psalm 1 ist.

Man kann den Psalm in zwei Abschnitte unterteilen:

Der gerechte König (V. 1-4)

D E R   G E R E C H T E   K Ö N I G

ICH WILL   von Güte und Recht singen
ICH WILL   Psalmen singen
Davids Beziehung zu Gott
ICH WILL   weislich handeln
ICH WILL   in Lauterkeit wandeln
ICH WILL   keine Götzen haben
ICH WILL   den Bösen nicht kennen
Davids Beziehung zu anderen Menschen
und seine Einstellung sich selbst gegenüber

Das gerechte Reich (V. 5-8)

D A S   G E R E C H T E   R E I C H

ICH WILL   vertilgen, wer seinen Nächsten heimlich verleumdet
ICH WILL   den Hochmütigen nicht dulden
ICH WILL   alle Gesetzlosen des Landes täglich ausrotten

Nur die Treuen im Lande und die, welche auf vollkommenem Wege wandeln, sollen David dienen.

http://www.evangeliumszentrum.at/bs/bibelueberblick/bueb_058.php

„Warum ich als schwuler Atheist meine, die Kirche muss gegen die Homo-Ehe sein“

Ein schwuler Atheist erklärt der Kirche, weshalb sie sich dem öffentlichen Begehren nach der gleichgeschlechtlichen Ehe widersetzen muss. An solchen Beispielen wird deutlich, wie weit es die Kirchen mit ihrer Anbetung „soziologischer Wahrheiten“ gebracht hat.

Können diese Christen nicht sehen, dass die moralische Grundlage ihres Glaubens nicht in der Arithmetik der Meinungsforscher gesucht werden darf? Was hat das irische Referendum uns gezeigt? Eine Mehrheit der Menschen in der Republik Irland ist im Jahr 2015 nicht mit der jahrhundertealten Lehre ihrer Kirche einig, dass nämlich sexuelle Beziehungen zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts eine Sünde sind. Fein: Wir können diese Feststellung nicht bezweifeln. Aber kann ein Übergewicht in der öffentlichen Meinung das Verhältnis zwischen Tugend und Laster umkehren? Wäre es Mose für einen Moment in den Sinn genommen (ganz zu schweigen von Gott), dass er sich lieber der Moloch-Verehrung zuwendet, weil es das ist, was die meisten der Israeliten tun wollten?

Hier der empfehlenswerte Beitrag von Matthew Parris: blogs.spectator.co.uk.

„Warum ich als schwuler Atheist meine, die Kirche muss gegen die Homo-Ehe sein“

Gebetsketten – mit oder ohne Gott

Gerade habe ich ein Werbemail erhalten. Darin bietet mir eine Firma buddhistische Gebetsketten (Malas) in ganz unterschiedlichen Farben und Designs an. Schnell werfe ich einen Blick auf die Bewertungen bei Amazon. So ganz zufrieden scheinen die Kunden hier nicht zu sein. Über den geistlichen Nutzen der Ketten wird in den Kommentaren nur wenig gesagt. Buddhistische Accessoires sind gegenwärtig durchaus beliebt. Aber an der Qualität der Ketten scheint es zu hapern. Mehrere Käufer beklagen sich, dass ihre Ketten schon nach wenigen Wochen gerissen waren. Nun, vielleicht ist das ja auch beabsichtigt. Immerhin glauben Buddhisten an den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen.
Im Gegensatz zu den 99 Perlen der islamischen Gebetsketten – sie erinnern an die 99 Namen Allahs – bringen es ihre buddhistischen Pendants auf 108 Perlen. In der Mitte sitzt die etwas dickere Guru- Perle. Für manche ist es ein Symbol Buddhas. Für andere zeigt sie lediglich den Anfang bzw. das Ende.
Über den Grund, warum diese Ketten genau 108 Perlen haben müssen kursieren unterschiedliche Erklärungen: 1. Die ersten 27 Perlen stehen für die zu überwindenden Leidenschaften. Die zweiten 27 Perlen symbolisieren die zu erreichenden Geistesqualitäten. Die dritten 27 Perlen meinen die zu überwindenden Herzenstrübungen. Und die letzten 27 Perlen erinnern an die erstrebten buddhistischen Eigenschaften. 2. Andere sehen in den 108 Perlen die 108 Bände der Lehren Buddhas. 3. Wieder andere interpretieren sie als die Potenzierung der 6 von Buddha genannten Schlüssel- Emotionen. 4. Es könnte sich aber auch um eine Erinnerung an die 108 im m Buddhismus genannten schlechten Eigenschaften oder Illusionen handeln.
In jedem Fall sollte der Nutzer bei jeder Perle, die ihm durch die Finger gleitet ein Mantra sprechen, ein hinduistisch- buddhistisches Gebet. Dabei sollte man die Kette zwischen Daumen und Ringfinger nehmen, keinesfalls aber den Zeigefinger benutzen, weil dieser im Buddhismus für den eigenen Egoismus steht, den man überwinden will. Während man betenden meditiert, möglichst im Lotussitz, sollte man Buddha visualisieren; das heißt, ihn mit geistiger Kraft in Erscheinung rufen.
Manche Gebetsketten- Träger wollen auch gar keine Buddhisten werden oder sich meditativ mit Buddha vereinen. Als Christ brauche ich keine buddhistischen Gebetsketten. Zum einen glaube ich nicht an die geistige Kraft der magischen Mantras. Zum anderen habe ich Verbindung zu Gott durch Jesus Christus und brauche keine weitere Hilfe von Buddha. Irgendwie ist es doch da sehr beruhigend, dass Christen keine Gegenstände nötig haben, um sich Gott zu vergegenwärtigen, sondern ihn „im Geist und in der Wahrheit anbeten“ können (vgl. Joh 4,24). Michael Kotsch

Darf ein Atheist seinem Denken vertrauen?

Nehmen wir an, es gäbe keine Intelligenz hinter dem Universum, keinen kreativen Geist. In diesem Fall hätte niemand mein Gehirn designed, damit ich es benutze, um zu denken. Es wäre dann lediglich so, dass die Atome in meinem Schädel herumfallen, durch physikalische und chemische Kräfte, die sich selbst durch irgendeine Art und Weise rearrangieren, und das gibt mir – als Nebenprodukt – das Gefühl, das wir Gedanken nennen. Aber wenn dem so ist, wie kann ich dann darauf vertrauen, dass mein eigenes Denken richtig ist?
Das ist genauso wie wenn ich eine Kanne Milch aufstelle zum Kochen und dann darauf hoffe, dass sich aus den Spritzern die Stadtkarte von London bildet. Und wenn ich meinen eigenen Gedanken nicht trauen kann, dann kann ich auch nicht den Argumenten trauen, die zum Atheismus führen. Deswegen gibt es keinen einzigen Grund, Atheist zu sein. Wenn ich nicht an Gott glaube, kann ich auch nicht an den Gedanken glauben: So kann ich meinen Gedanken auch nicht benutzen, um nicht an Gott zu glauben.” C. S. Lewis

Wer will hier die Uhr zurückdrehen?

Hadmut Danisch hat das „Fachgespräch: Wer will die Uhr zurückdrehen? Strategien gegen Anti-Feminismus und Homophobie” der Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsfraktion im Deutschen Bundestag besucht.

Vor allem intellektuell haben die überhaupt nichts zu bieten (gleichwohl sie sich für ungeheuer intellektuell halten). Und Selbstkritik oder die Überlegung, was man besser oder richtiger machen könnte, gar die Frage, ob man richtig liegt, gibt es gar nicht. Die sind fest davon überzeugt, dass sie die perfekte und die einzig zulässige Meinung haben, und alles außer ihrer Meinung „Müll” ist, ohne dass das noch irgendeiner Begründung oder Betrachtung bedürfe. Und man jede andere als ihre Meinung auch nur lächerlich machen und auslachen könnte.

Sein Fazit:

Erstens: Es läuft nicht mehr rund. Sie bekommen Gegenwind und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen.

Zweitens: Allianzen zerbrechen. Die Verbindungen zwischen Grünen und Ostblock, zwischen Schwulen und Frauen und zwischen Feministen und Journalisten scheinen massiv zu erodieren.

Drittens: Frauen sind nach Ansicht der Grünen dumm und unselbständig, nicht der eigenen Meinung fähig. Sie haben sich gefälligst einer eigenen Meinung zu enthalten und sich dem sozialistischen-traditionellen Kollektiv-Bündnis zwischen Frauen und Schwulen zu unterwerfen. Haben sie doch eine eigene Meinung, können sie nur von den Russen ferngesteuert sein.

Viertens: Die Leute dort. Widerlich. Arrogant, selbstgefällig, selbstgerecht, narzisstisch, herablassend, dumm, andere verächtlich machend, intrigant, verfassungswidrig, kriminell, mit mehrerlei Maß messend, beliebig den Standpunkt wechselnd, unlogisch, selbstwidersprüchlich, miserables Benehmen. Und unglaublich hässlich angezogen.

Nachtrag: Und weil ein Kommentator s.u. richtig ergänzt:

Fünftens: Maskulisten sind Intellektuelle.

Sechstens: Gender Studies sei das Infragstellen von Mutter-Vater-Kind und Heterosexualität.

Ich empfehle, den gesamten Bericht zu lesen. Nicht nur, dass der Humor köstlich angeregt wird, er eröffnet tiefe Einblicke in eine verlogene Debatte. Auch die Kommentare seien empfohlen!

Hier: www.danisch.de.

Glaube und Denken

Über die Notwendigkeit des Nachdenkens
Christen wird gerne vorgeworfen, dass sie das vernünftige Denken vernachlässigen. So schreibt der berühmte Astrophysiker Carl Sagan (1934–1996):

„Methodik und Ethik von Wissenschaft und Religion unterscheiden sich grundlegend. Die Religion fordert uns zum fraglosen Glauben auf, sogar (oder besonders) dann, wenn es keine eindeutigen Beweise gibt. Das ist ja gerade die zentrale Bedeutung des Glaubens. Die Wissenschaft dagegen fordert uns auf, nichts auf Treu und Glauben hinzunehmen, nicht unserem Hang zur Selbsttäuschung nachzugeben und angebliche Beweise abzulehnen. Der Wissenschaft gilt tiefe Skepsis als höchste Tugend. Die Religion erblickt darin oft ein Hindernis auf dem Weg zur Erleuchtung.“ (Gott und der tropfende Wasserhahn)

Gewiss ist in diesen Sätzen auch Wahrheit enthalten, dennoch zeichnet Sagan hier ein falsches Schwarz-Weiß-Bild. Noch schärfere Äußerungen in dieser Richtung gibt es natürlich beim Kopf der „Neuen Atheisten“, in Richard Dawkins Der Gotteswahn. Dort wirft der Oxforder Biologe allen Christen pauschal Irrationalismus und Unterdrückung des vernünftigen Denkens vor.

Natürlich gibt es Christen, die denkfaul sind. Doch dass das Christentum einen blinden Glauben verlangt, ist ein Mythos, der durch ständige Wiederholung nicht wahrer wird. In der griechischen Philosophie wurde der Verstand als höchster ‘Teil’ des Menschen angesehen. Dem ist tatsächlich zu widersprechen, denn die Vernunft ist nicht wichtiger als die Emotionen oder der Wille. Dennoch gilt, dass der Gläubige das Denken hoch achtet.

Das Denken ist grundsätzlich gut, denn Gott ist eine denkende Person und der Mensch denkt, weil er das Ebenbild Gottes ist. 26 Mal heißt es im AT über Gott, dass er „in seinem Herzen spricht“, d.h. nachdenkt (1 Sam 2,35; Ps 33,10–11; Jer 44,21). Natürlich denkt Gott nicht in der genau gleichen Weise wie wir. Er braucht nichts zu durchdenken, ist nicht gezwungen, mühsam zu Schlussfolgerungen zu kommen. Denn ihm sind alle seine Gedanken immer vollkommen gegenwärtig. Insofern ist Gott kein Philosoph, kein Freund der Weisheit, der diese suchen muss. Er ist die Sophia, die Weisheit, schlechthin.

Gott hat den Menschen den Verstand gegeben zur Kommunikation untereinander, mit ihm und für seine Aufgaben auf der Erde. Ein Gläubiger ist ein gern und bewusst denkender Mensch. John Stott betonte dies in Es kommt auch auf den Verstand an: „Durch die Heilige Schrift hat Gott gesprochen, das heißt, er hat sich durch Worte mitgeteilt… Kommunikation durch Worte setzt einen Verstand voraus, der verstehen und deuten kann“. Das Christentum ist in seinem Wesen eine Offenbarungsreligion, und diese rationale Offenbarung will verstanden werden.Stott

Stott zitiert den schottischen Theologen James Orr (1844–1913): „Wenn es eine Religion in der Welt gibt, die die Bedeutung der Lehre unterstreicht, dann ist das die Religion Christi. Es ist oft darauf hingewiesen worden, dass das Lehrelement in heidnischen Religionen verschwindend klein ist – es geht hauptsächlich um die Ausführung eines Rituals. Genau an dieser Stelle unterscheidet sich das Christentum von anderen Religionen – es enthält Lehre. Es kommt zu den Menschen mit einer bestimmten, positiven Lehre; es beansprucht, die Wahrheit zu sein; es gründet Religion auf Wissen, obwohl es Wissen ist, das nur unter moralischen Voraussetzungen zu erlangen ist… Religion, losgelöst von ernsthaftem, erhabenem Denken, hat sich noch immer, durch die ganze Geschichte der Kirche, als eine Religion erwiesen, die immer schwächer, geistloser und ungesünder wurde. Der Intellekt, der so um seine Rechte innerhalb der Religion betrogen wurde, hat dann außerhalb nach Befriedigung gesucht – und dabei einen gottlosen Rationalismus entwickelt.“

Der US-Soziologe Rodney Stark hat auf diese Zusammenhänge in The Victory of Reason hingewiesen. Nur im Judentum und Christentum waren die Grundlagen für eine rationale Theologie gegeben (ein personaler, allmächtiger mit einer vernünftigen Kommunikation an seine Ebenbilder); nur dort wurde das intensive Nachdenken über Gott und seine Welt zu einer Tugend. Er schildert dann im Buch ausführlich die Folgen für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.victory_of_reason_hirez

Christen haben eine „neue Gesinnung“, sind „Umdenkende“ (gr. metanoia – Umkehr, Buße, wörtl. Umdenken; von gr. nous – Verstand). Wir sollen deshalb nicht gedankenlos in den Tag hineinleben (Spr 15,28; 14,15). Ein Christ unterstellt alles Denken dem Gehorsam Christi (2 Kor 10,3–6). Selbstbeherrschung/Besonnenheit hat auch viel damit zu tun, nicht den Trieben zu folgen, sondern erst nachzudenken und dann zu handeln (Spr 15,28; Apg 24,25; Röm 12,3; 1 Pt 4,7; 2 Pt 1,6; 1 Kor 7,29; Tit 1,8).

Gott will der Ausgangspunkt unseres Denkens sein, aber nicht unser Denken ersetzen! Der große Prediger Martyn Lloyd-Jones (1899–1981) in Studies in the Sermon on the Mount zu Mt 6,30 (das falsche Sorgen):

„Nach der Lehre unseres Herrn in diesem Abschnitt ist Glaube zunächst Denken, und die Schwierigkeit mit den Kleingläubigen ist, dass sie nicht denken. Und Gott lässt es zu, dass die Umstände sie dann strafen… Wir müssen mehr Zeit darauf verwenden, die Lektionen unseres Herrn durch Beobachtung und Anwendung zu lernen. Die Bibel ist voller Logik. Wir dürfen uns den Glauben nie als etwas rein Mystisches vorstellen. Wir setzen uns nicht einfach in den Sessel und erwarten Wunderdinge. Das ist nicht christlicher Glaube. Christlicher Glaube hat wesentlich mit dem Denken zu tun. Seht die Vögel an, denkt über sie nach und zieht eure Folgerungen, seht das Gras an und die Lilien auf dem Feld [Mt 6,26–30]… Der Glaube kann auch folgendermaßen beschrieben werden: Er ist wie ein Mann, der darauf besteht, zu denken, obwohl alles um ihn herum ihn intellektuell zu frustrieren scheint. Das Problem des Kleingläubigen ist, dass er sein Denken nicht kontrolliert und stattdessen sein Denken von etwas anderem kontrolliert wird. So bewegt er sich im Kreis. Das ist das Wesen der Sorge und der Quälerei… Das ist aber nicht Denken, sondern Gedankenlosigkeit, Unfähigkeit zu denken.“

In der deutschen pietistischen und erwecklichen Tradition wird dagegen das Denken nicht unbedingt hochgeschätzt. Recht einflussreich war Otto Riecker (1896–1989), Gründer der Bibelschule Adelshofen, mit seinem Buch Bildung und Heiliger Geist. Darin findet sich neben berechtigter Kritik am „Theologismus“ teilweise scharfe Polemik gegen den „griechischen Geist“. Manchmal ist nicht ganz klar, was Riecker meint, wenn er z.B. fordert, man solle „liebend“ statt „philosophisch denken“. Riecker bevorzugt die „unmittelbare Erfahrung“; der Glaube habe seinen Platz „in der unmittelbaren Erlebnissphäre“, nicht im „begrifflichen Denken“. Die direkte Steuerung durch den Hl. Geist stellt er der Lenkung durchs Gehirn, d.h. durch das Denken gegenüber. Wir müssten erlöst werden „von diesem ewigen Denkenmüssen“.Riecker

Zu Calvins (aber nicht nur Calvins!) Lehre von der doppelten Prädestination meint er selbstsicher: „Das war eine klare, theologistische Operation, die viel Streit hervorrief und die niemals christlich ist. So kann ein Jünger nicht denken. Das ist griechisches Denken… Niemals bestimmt Gott Menschen zur Verdammnis!“ Es wäre gerade an dieser Stelle zu fragen (und dies gilt aber auch für seinen gesamten Ansatz), wie er dies biblisch fundiert begründet. Riecker ist selbst viel stärker von seinen (platonistischen?) Denkvoraussetzungen geprägt, als ihm das bewusst ist. Intensiveres und selbstkritisches Nachdenken hätte ihm an mancher Stelle sicher geholfen. So presst er alles in sein doch arg enges Schema Philosophie/Scholastik/Theologismus gegen lebendigen Glauben/Geistesleitung/spirituelle Erfahrung.

Für hilfreicher halte ich die Schriften der Mitarbeiter der „L’Abri fellowship“, gegründet von Francis A. Schaeffer (1912–1984) Mitte der 50er Jahre in der Schweiz. L’Abri verbindet tiefe Frömmigkeit, evangelistische Motivation, Bibeltreue und eine Betonung von Kultur, Denken, Weltanschauung. Auf Deutsch zugänglich ist z.B. Jerram Barrs Artikel „Das vernachlässigte Denken“ (s. hier). Der langjährige Mitarbeiter des britischen L’Abri-Zweiges (nun in den USA lehrend) schreibt dort:

„Wir haben es versäumt, ein christliches Denken zu entwickeln, und wir haben es versäumt, dieses Denken auf unsere Kultur zu beziehen und anzuwenden, wenn wir versuchen, ihre Götzen bloßzustellen und Menschen für Jesus Christus zu gewinnen. Man braucht nur an die gängigen Redensarten zu denken, die es in der Kirche und um uns her gibt. Die Leute reden von einem „Sprung des Glaubens“, und sie sagen,  „Stell’  keine Fragen, glaub’ einfach!“, „Verlass dich nicht auf deinen Verstand“,  „Folge dem Herzen und nicht dem Verstand“, „Das Herz hat Gründe, von denen der Verstand nichts weiß.“ Ein christliches Denken und Bewusstsein ist von grundlegender Bedeutung, und darüber muss sich diese Generation von Christen Gedanken machen, wenn sie die Herausforderung der Zeit annehmen will…  Gott hat uns mit einem Verstand erschaffen, ob wir das nun mögen oder nicht. Wenn wir es nun versäumen, ein christliches Denken und Bewusstsein zu entwickeln oder in unseren jungen Leuten zu fördern, dann werden wir uns entweder in ein kulturelles Ghetto zurückzuziehen oder wir werden uns dem Denken der Welt anpassen.“ (s. auch www.labri-ideas-library.org/ und die Seite der britischen Studentenbewegung UCCF www.bethinking.org)

BlamiresSchon vor fast 50 Jahren beklagte der Brite Harry Blamires in The Christian Mind: How Should Christians Think? die Vernachlässigung des christlichen Denkens: „Der Verstand der Christen hat sich dem Trend der Zeit gebeugt. Er ist schwach und rückgratlos geworden wie nie zuvor“. Damit hat man sich selbst in der Öffentlichkeit zum Schweigen verdammt; der Glaube wurde privatisiert, die Wahrheit subjektiviert. Stott geht im Kapitel „Können wir konsequent denken?“ in Christsein in den Brennpunkten unserer Zeit I auf Blamires berühmtes Buch ein und formuliert gut: „Wenn wir ein rechtschaffenes, aufrichtiges Leben führen wollen, dann müssen wir auch in unserem Denken rechtschaffen und aufrichtig sein“ (im Original prägnanter: „If we want to live straight, we have to think straight“). Diese Tradition setzt der US-Theologe David F. Wells (geb. 1939) fort mit Werken wie God in the Wasteland oder No Place for Truth, or, Whatever Happened to Evangelical Theology?

All dies ist relevant für die Praxis, ja für die Ethik entscheidend wichtig. Denn Gott will nicht, dass wir seine Gebote einfach nachplappern, sondern über sie nachdenken, sie durchdenken und sie dann richtig anwenden – in unserer jeweiligen Situation; wir müssen gezielt und bewusst nachdenken, um gute Entscheidungen im Alltag fällen zu können. Und wir müssen uns meist viel mehr Gedanken darüber machen, warum wir nun so handeln wie wir handeln. Thomas Schirrmacher nennt den Bereich der Familie:

„Für Kinder christlicher Familien stellt es ein großes Problem dar, dass ihre Eltern oft einen frommen Lebensstil pflegen, aber nicht wissen, warum sie so oder so handeln. Das Vorbild der Eltern ist enorm wichtig, aber wenn Eltern nicht darüber nachgedacht haben, warum sie dieses für wichtig halten und jenes für grundfalsch, haben die Kinder keine Möglichkeit, einen eigenen Standpunkt zu finden. Entweder kopieren sie alles, oder werfen alles über Bord. Das Ziel ist aber, dass die Kinder verstehen, warum die Eltern so handeln, damit sie später in völlig anderen Situationen dieselbe Wahrheit anwenden können.“ (Führen in ethischer Verantwortung)TS

Ohne Nachdenken kommt man besonders in der Ethik nicht weit, da die Bibel ja zu vielen Themen gar nicht direkt Stellung nimmt. Wir müssen daher nachdenken, um aus der Bibel die richtigen Schlüsse zu ziehen. Das Westminster-Bekenntnis (Art. 1,6): „Der ganze Ratschluss Gottes – bezüglich alles dessen, was notwendig ist zu seiner eigenen Ehre, zum Heil, Glauben und Leben der Menschen – ist entweder ausdrücklich in der Schrift niedergelegt oder kann mit guter und notwendiger Folgerichtigkeit aus der Schrift abgeleitet werden..“.

Als Beispiele aus der Sexualethik seien hier nur die Abtreibung, die künstliche Befruchtung  und der voreheliche Geschlechtsverkehr genannt, zu denen die Bibel herzlich wenig direkt sagt. Dennoch können gut begründete Positionen durch Exegese und eben Denken aus der Schrift abgeleitet werden. Schirrmacher weißt schließlich sehr gut auf den Zusammenhang von Nachdenken und Liebe hin: „Liebe ist zwingend auf das Denken und die Kommunikation angewiesen. Wer Liebe umsetzen will, muss bereit sein, viel Zeit zu investieren, um auf dem Wege des Denkens, des Gewissens und der Beratung zu einer Entscheidung zu gelangen, die den größten Nutzen für alle hat und gerechtfertigt werden kann.“
http://lahayne.lt/2014/10/20/glaube-und-denken/

Weiterlesen

Den Sinnhorizont füllen

„Der amerikanische Autor Ernest Hemingway erzählt in einer seiner Kurzgeschichten von einem Kellner in einem kleinen Café. Mitternacht ist schon vorüber. Der letzte Gast ist gegangen. Müde gähnend schaut er über das leer gewordene Lokal hin. Was hat der Tag eigentlich gebracht, der nun vergangen ist? So denkt er bei sich selbst. ‚Es war alles ein Nichts, und der Mensch ist auch ein Nichts.‘ Und auf einmal beginnt dieser Mann in seinem Selbstgespräch zu beten. Er betet das Vaterunser, aber mit einer schrecklichen Veränderung. Er betet in die Leere, in das absolute Nichts hinein:
‚Unser Nichts, der du bist im Nichts. Nichts ist dein Name. Dein Nichts komme. Dein Nichts geschehe wie im Nichts so im Nichts. Unser tägliches Nichts gib uns heute…. Erlöse uns vom Nichts, denn dein ist das Nichts und das Nichts und das Nichts. Heil dem Nichts voll vom Nichts. Nichts ist mit dir. ’Dieses abgrundtiefe Nichts verspüren ungezählte Menschen unserer Zeit. Der Sinnhorizont ihres Lebens ist leer geworden. Vielleicht haben sie einige Ideen, Ideale und Idole an den Wänden ihres Lebens aufgehängt, zu denen sie aufschauen, die sie verehren, anbeten, vielleicht sogar vergötzen. Aber die Gedanken, Gebete und Beschwörungen, die sie dorthin schicken, fallen wieder auf sie selbst zurück und machen ihr leeres Leben nur noch öder, nur immer sinnloser.“ – Theo Sorg aus „Wenn ihr aber betet“