Der schwedische Regisseur Ingmar Bergman ist gestorben.

Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot…“ Vor dem Altar stehend zelebriert Pastor Tomas Ericsson die Abendmahlsliturgie – die erste Einstellung in Bergmans Film „Winterlicht“ . Starr blickt Gunnar Björnstrand als lutherischer Geistlicher an der reglosen Kamera vorbei. Jedem Betrachter ist ohne jede Erklärung schon zu Beginn dieses Filmes klar: hier hält ein Ungläubiger einen Gottesdienst, hier steht ein von Berufs wegen Gläubiger, dessen Glaube in Wahrheit erloschen ist.Mit „Winterlicht“ aus dem Jahre 1962 hat der schwedische Film- und Theaterregisseur Bergman (geb. 1918) ohne Zweifel eines seiner großen Meisterwerke geschaffen. Er drehte diesen schwierigen Film aus tiefem persönlichen Antrieb heraus, um seine vergangene „geistliche Krise“ zu beschreiben und seinem Glauben endgültig einen „Grabstein“ zu setzen.Holger Lahayne zeichnet die Reise in den Unglauben nach und liefert zudem eine plausible Erklärung für den Weg des großen schwedischen Regisseurs. Weiterlesen

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Pink Floyd

Das Leben des Syd Barrett

Er genoss nur wenige Jahre seinen Rockstar-Ruhm und verbrachte sein restliches Leben als Pflegefall: Syd Barrett, legendäres Gründungsmitglied der Band „Pink Floyd“. Neben Brian Jones („Rolling Stones“), Jimi Hendrix oder Janis Joplin gehörte er zu den berühmten Drogenopfern dieser Szene in den späten 60er Jahren, obwohl er im Gegensatz zu den anderen überlebte.
Die Anfänge von „Pink Floyd“ waren kurios: Barrett und seine Bandkollegen Roger Waters, Nick Mason und Richard Wright spielten Mitte der 60er Jahre in London Rock’n’Roll-Standards, als sie von der Hippie-Bewegung in San Francisco hörten. Angeblich beschlossen sie, fortan Musik wie Grateful Dead zu machen, obwohl in ganz Großbritannien keine Platte dieser Band aufzutreiben war. Sie spielten psychedelischen Rock, von dem sie meinten, er müsse sich wie der von Grateful Dead anhören.
Der Kunststudent Barrett war in der Anfangszeit der kreative Kopf von „Pink Floyd“. Psychedelik bedeutete für ihn, phantasievolle, rätselhafte, oft kindlich-naive Songs zu machen, wie man sie nie zuvor gehört hatte. Die erste Einspielung bei der Plattenfirma EMI, „The Piper at the Gates of Dawn“ (1967), ist fast allein seine Schöpfung. Zu dieser Zeit experimentierte er aber auch bereits heftig mit LSD. Kaum jemand wusste damals, wie gefährlich diese chemische Substanz ist. Barrett hatte einen Freund, der jedem Besucher Drogen in den Tee tat, auch gegen seinen Willen, und er stand unter seinem Einfluss. Eine Bekannte sagte: „Vier oder fünf Trips pro Tag, und das jeden Tag, das hält keiner aus.“ Aber seine Bandkollegen griffen nicht ein.
Anfangs schrieb Barrett einen verrückten Song nach dem anderen. Aber an der zweiten „Pink Floyd“-Platte „A Saucerful of Secrets“ (1968), war er nur noch mit einem Song beteiligt. Nach etwa eineinhalb Jahren hatte ihn das LSD kaputtgemacht. Bei den letzten „Pink Floyd“-Konzerten, an denen er teilnahm, wurde er von Roger Waters und dem neuen Gitarristen David Gilmour mit umgehängter Gitarre auf die Bühne geführt. Dort stand er dann bewegungslos; er wusste nicht, wo er war. In der Mitte des Konzerts hob er vielleicht eine Hand, was das Publikum frenetisch bejubelte. Er war das beliebteste Bandmitglied – spindeldürr, mit einem magnetischen, wohl auch ein bisschen irren Blick.
Aber so, mit einem Barrett, der von seinem Trip nicht mehr zurückkehrte, konnte es nicht weitergehen. Im April 1968 zog die Band Konsequenzen und warf ihn raus. Mit Bedauern, denn sie widmete ihm später die Hymne „Shine on you crazy Diamond“. Unter dem Einfluss von Roger Waters entwickelte sich „Pink Floyd“ nun in eine ganz andere Richtung – bis zu den Grenzen des Bombast-Rock. EMI hielt Barrett anfangs die Treue und versuchte, Soloplatten mit ihm zu produzieren, während er dachte, er sei immer noch Bandleader von „Pink Floyd“.
Drummer Nick Mason berichtete kürzlich in der Süddeutschen Zeitung, wie Barrett eines Tages in den 70er Jahren im Tonstudio von „Pink Floyd“ auftauchte: „Wir nahmen gerade ,Wish you were here’ auf. Da stand ein dicker Mann mit einer Glatze. Wir haben ihn nicht erkannt. Ich dachte zunächst, einer von den Technikern hat einen ulkigen Kumpel mitgebracht. Er sah andererseits nicht aus wie jemand, den man in die Abbey Road Studios lässt. David schaute lange durch die Scheibe in den Regieraum. Dann drehte er sich plötzlich zu mir um und sagte: Das ist Syd. Er hat ihn nur an seinen Augen erkannt – like black holes in the sky… Wir wollten die Aufnahmen fortsetzen. Aber das ging nicht. Es war traurig, verstehen Sie? Wirklich unfassbar traurig! Ich hatte Tränen in den Augen.“
Ende 1974 war Barrett zum letzten Mal bei Plattenaufnahmen. Er verbrachte viele Monate in der Psychiatrie. Dann kümmerte sich seine Mutter bis zu ihrem Tod 1991 um ihn. Er lebte völlig zurückgezogen in ihrem Haus in Cambridge und arbeitete dort hauptsächlich im Garten. Bei den Fans blühten die Spekulationen darüber, was aus ihm geworden sein mochte. Manche sagen, er habe viele geniale Gemälde produziert, aber jedes nach Fertigstellung gleich wieder verbrannt. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass er seit Mitte der 70er Jahre noch irgendwie kreativ arbeiten konnte. Die „TV Personalities“ griffen 1980 den Kult mit ihrem Stück „I know where Syd Barrett lives“ auf. 1998 wurde bei ihm Altersdiabetes festgestellt. Am 7. Juli 2006 starb er, nach offizieller Darstellung an den Folgen der Krankheit. Es gibt aber auch Gerüchte, er sei einem Krebsleiden erlegen.
Willi Winkler schrieb über Barrett: „Drogen töten, und manchem schenken sie auch gnädiges Vergessen. Syd Barrett wurde nicht vergessen, so sehr er sich auch mühte.“

   

Louis Pasteur

Man erzählt sich von Louis Pasteur, dem Chemiker und Physiologeen (+ 1895), dass einer seiner Schüler ihn einst gefragt habe, wie er denn nach so vielem Nachdenken und Studium immer noch gläubig sein könne. Und Pasteur antwortete: „Eben weil ich nachgedacht und studiert habe, bin ich gläubig geblieben wie ein bretonischer Bauer. Und wenn ich mehr nachgedacht und mehr studiert hätte, so würde ich gläubig geworden sein wie eine bretonische Bäuerin.“

Künstler beklagen fehlenden Ernst in evangelischer Kirche

In Brief an Bischof Huber kritisieren Prominente „alberne Gottesdienste“ und zu wenig Spiritualität

Von Claudia Keller Quelle: Der Tagesspiegel vom 11. Februar 2007

Eine Gruppe prominenter Berliner, darunter Filmregisseur Wim Wenders sorgen sich um die evangelische Kirche und kritisieren Landesbischof Wolfgang Huber. „Wir fürchten, dass eine der wichtigsten religiösen und gesellschaftlichen Institutionen in die Spaßgesellschaft abdriftet und sich dabei selbst demontieren könnte“, heißt es in einem dreiseitigen Brief, den die zwanzig Berliner nach frustrierenden Erfahrungen mit Weihnachtsgottesdiensten an Bischof Wolfgang Huber geschrieben haben. Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören Kulturschaffende wie die frühere Theaterdirektorin Nele Hertling, Schauspielerin Jutta Lampe und der Publizist Michael S. Cullen. Zu den Unterstützern des Schreibens zählen Filmregisseur Wim Wenders und Kulturmanager Peter Raue.

In den Weihnachtsgottesdiensten haben die Briefeschreiber „Musical statt Gottesdienst“ erlebt, „Albernheiten statt Weihnachtsbotschaft, keine Predigt, nichts“. „Sitzt unsere Kirche nicht dem grandiosen Irrtum auf, man müsse nur ,zeitgemäß‘ sein, um die Gläubigen zu halten? Ist nicht das Gegenteil richtig?“, fragen sie sich. Es gebe nichts Zeitgemäßeres, nichts Aktuelleres als die Botschaft der Bergpredigt. „Sind die evangelische Kirche und ihre ordinierten Vertreter nicht willens oder nicht mehr in der Lage, diese Botschaft zu vermitteln? Wo schicken Sie denn die Menschen hin, die die Weihnachtsbotschaft hören wollen, die sich Trost, Sinn, Inhalte von ihrer Kirche erhoffen? In das Theater des Westens?“, fragen die Unterzeichner.

Die Kritiker vermissen außerdem die Stimme der Kirchen in der aktuellen Wertedebatte. Ausgerechnet die Kirchen, die den Werte-Konservatismus im besten Sinne erfunden hätten, schlössen sich von dieser Debatte aus. Wenn sich die von ihnen beobachtete Entwicklung fortsetze, träten immer mehr Menschen zum Katholizismus über.

Die 14-zeilige Antwort von Bischof Wolfgang Huber fanden die Unterzeichner „mehr als dürftig“, wie Jan D. Schmitt-Tegge, früher leitender Mitarbeiter im Umweltbundesamt, sagt. Er hat den Brief an den Bischof verfasst. Huber stellt in Aussicht, „den Klagen, die an mich gelangen, nachzugehen“. Auf die generelle Kritik an einer Entwicklung innerhalb der evangelischen Kirche geht der Bischof in seiner Antwort nicht ein. „Ich habe den Brief sehr ernst genommen“, sagte Huber dem Tagesspiegel. „Es ist doch klar, dass die Frage nach der Qualität von Gottesdiensten für mich zentral ist.“ Er habe aber so knapp geantwortet, weil er schnell reagieren wollte.

Besorgt sind die Kritiker auch über den Kurs der evangelischen Kirche, der vor zwei Wochen auf dem „Zukunftskongress“ in Wittenberg diskutiert wurde. Pfarrer, Bischöfe und viele Kirchenmitglieder kritisierten vor und in Wittenberg, dass in der Kirche zu viel über Strukturreformen und zu wenig über geistliche, spirituelle Fragen gesprochen werde. „Was machen die bloß? Wo bleiben die Inhalte?“, fragt Jan D. Schmitt-Tegge. Es könne doch nicht vordergründig um „Taufquoten“, „Qualitätsmanagement“ oder die Zusammenlegung von Landeskirchen gehen. Das seien Formalien. Die Kirche müsse sich auf ihre Botschaft und auf die Spiritualität besinnen und etwas gegen das „Zerfleddern der bestehenden Gottesdienstformen“ tun. Denn wenn es so weitergehe, so Schmitt-Tegge, frage er sich, ob die evangelische Kirche noch lange Bestand haben werde. (Seite 7)

http://www.stmichael-online.de/alberne_gottesdienste.htm

Der Papst und die Bibel

Große Aufmerksamkeit fand in den letzten Wochen der erste Band des neuen Jesus-Buches von Joseph Ratzinger. Zu Recht meine ich. Jeder Evangelikale, der die vielen Jesus-Verschnitte in der historisch-kritischen Literatur der letzten 150 Jahre kennt, wird feststellen, dass hier in erfreulicher Klarheit der biblische Jesus bezeugt wird. Wie kommt das? Es liegt wohl daran, dass Joseph Ratzinger mit guten Gründen und in erstaunlicher Deutlichkeit mit der gängigen Bibelkritik ins Gericht geht und die Bibel in dem, was sie von Jesus sagt, ernst nimmt. Immer wieder beruft er sich auf eher konservative evangelische Theologen seiner früheren Tübinger Universität, folgt ihnen aber dann nicht, wenn es um Sachkritik an biblischen Aussagen geht. Als bibeltreuer Christ liest man vieles in diesem Buch mit Zustimmung. Bei manchen Anmerkungen zum Alten Testament merkt man aber, dass Ratzinger hier, wo er keine eigenen Ergebnisse präsentiert, gelegentlich den kritischen Konsens übernimmt. Als evangelischer Christ wird man auch da nicht folgen, wo er mit den Kirchenvätern über den Wortsinn des Bibeltextes hinausgeht. Und doch, die Kritik eines so scharfsinnigen Denkers an der Bibelkritik unterstreicht Anfragen, die Evangelikale seit Jahrzehnten an eine weltanschaulich verengte kritische (aber zu wenig selbstkritische) Theologie stellen. Das Ergebnis ist in diesem Fall ein biblisches Jesusbild. Dass damit noch nicht alle reformatorischen Anliegen aufgenommen sind, ist allerdings auch wahr. So könnte man den Eindruck bekommen, dass die Seligpreisungen als Heilsweg ausgelegt werden. Dann wären es aber wieder die Werke, die selig machen. Es gilt das Wort der Bibel prüfet alles und das Gute behaltet.

 

Narzissmus als Erfüllung des Lebens?

Bedeutet geistliches Leben Welt flucht oder Anpassung, Selbstliebe oder Selbstverneinung? Unsere Erwartungen an das Leben wie unsere speziellen Existenzängste gehen letztlich auf den bewussten oder unbewußten Einfluß der jeweiligen Zeitströmungen zurück, denen Christen und Nichtchristen, gleichermaßen ausgesetzt sind ”” wie der legendäre Londoner Nebel, der selbst vor verschlossenen Türen nicht halt machte und alles durchdrang. Keiner von uns ist imstande, ein völlig steriles Leben zu führen und wenn es gelänge, wäre keine Kommunikation zur Umwelt mehr möglich. Die Welt, in der wir leben und uns als Bürger bewegen, ist jedoch keine «heile sondern Abbild einer in der Gesamtheit «gefallenen» Welt, so daß es sorgfältig zwischen «menschlichem» und «gefallenem» zu differenzieren gilt. Wenn Christen in der Gesellschaft leben und zu ihrem Wohlergehen beitragen möchten, bedeutet dies, in innerer Verantwortung und Anteilnahme, aber auch in kritischer Distanz zu ihr zu stehen. Als Menschen, die mit ihrer Kultur verbunden, aber dennoch nicht an sie gebunden sind, sind sie berufen, «in der Welt, aber nicht von der Welt zu sein» (Joh. 17,9). Weiterlesen

Perfektionismus Der Weg zum Himmel – oder zur Hölle?

In unserer Kultur sind wir von den verführerischen Sirenen des Perfektionismus umgeben. Überall wo wir gehen und stehen, wohin wir uns auch wenden, finden wir Werbung, Zeitschriften, Diät- und Fitnessprogramme, die uns dazu verleiten wollen, den perfekten Körper, perfekte Gesundheit, das perfekte Hausund perfekte Kleidung zu haben. Darüber hinaus sind wir umgeben von einer hoch entwickelten Technologie, sodass wir nahezu perfekte Autos, Computer usw. haben können. Letztendlich können wir in jeder Lebenssituation Perfektion erwarten– selbst Fußballfelder mit immer-grünem Gras. Nun ist es natürlich nicht falsch, sich an einem hohen Standard zu freuen. Es ist wundervoll, den Klang von einer fast perfekten HiFi-Anlage zu genießen. Es ist nicht falsch, nach höchster Qualität im Leben zu streben. Auch nicht alle Perfektion ist falsch. Ich möchte dies betonen, denn am Ende dieser Vorlesung mag der Eindruck entstehen, dass Perfektionismus ein großes Übel ist. Es gibt aber auch einige sehr gute Aspekte des Perfektionismus. Viele große wissenschaftliche Errungenschaften und bedeutende Werke der Kunst, Musik und Literatur wurden von Perfektionisten hervorgebracht. Hier möchte ich mich jedoch auf die negativensten Aspekte konzentrieren, weil ich der Ansicht bin, dass sie eine sehr destruktive und lähmende Wirkung bei vielen Menschen haben. Das Problem entsteht, wenn wir zwanghaft glauben, dass Perfektion möglich ist und wir so hohe Maßstäbe haben, dass sie in der Realität unmöglich zu erreichen sind. Allerdings stellt sich die Sache nicht so einfach dar, weil ich in mir bestimmte Lebensbereiche sehe, wo ich Perfektionist bin, während dies in anderen Bereichen nicht einmal annähernd der Fall ist. Ich denke beispielsweise an eine wundervolle Lehrerin, ihre Schüler lieben sie und sie erzielt hervorragende Ergebnisse. Aber als sie ihr erstes Baby bekam, das wie fast alle Babys ziemlich unvorhersehbar und unordentlich war, fühlte sie, dass die Kontrolle verlor und wurde ziemlich deprimiert. Bestimmte Situationen bringen Perfektionismus auf eine sehr negative Art und Weise zum Vorschein, andere führen zu einem positiven Perfektionismus. Wenn der Selbstwert einer Person davon abhängt, solche hohen Maßstäbe zu erreichen, führt dies unweigerlich zur Selbstverurteilung und in eine persönliche Hölle aus sich wiederholenden Fehlern und ewigem Bedauern. Manchmal führt Perfektionismus auch zu verschiedenen Formen der Psychopathologie – von extremen Angstzuständen, Depressionen, Phobien, zwanghafter Sauberkeit, bis hin zu Kontrollzwängen und Ähnlichem. Zunächst möchte ich die dem Perfektionismus zugrunde liegenden Gedankenmuster und Ängste betrachten. Dann werden wir seine Wurzeln untersuchen und schließlich noch auf einige praktische Änderungsstrategien zu sprechen kommen. Weiterlesen