Selbsterfahrung und Selbstbestimmung: Historische Streiflichter zur Geschichte des Individualismus

„Ich-AG oder Beziehungs-GmbH“: Die Selbstzentriertheit des modernen Menschen fiel nicht aus heiterem Himmel, sondern bahnte sich in einem jahrhundertelangen Prozess an. Ihren Ausgangspunkt findet man im 15. und 16. Jahrhundert am Übergang zur so genannten Neuzeit.3 Gerade die Entdeckung des Individuums und die Entstehung der Individualität sind Hauptkennzeichen dieses fundamentalen Epochenwechsels.4 Die derzeitige Mentalität der „Ich-AG“ ist deshalb nur der Kulminationspunkt einer langen historischen Entwicklung, die in groben Zügen hier nachgezeichnet werden soll. Weiterlesen

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Gebet

Beim Gebet ist es besser, ein Herz ohne Worte zu haben als Worte ohne ein Herz. John Bunyan

Antony Flew kritisiert das Buch: Der Gotteswahn

Den britischen Philosophen Antony Flew kannten die Gelehrten lange Zeit als Vertreter eines aggressiven Atheismus. Im Jahre 2004 erregte er einiges Aufsehen, als er sich öffentlich dazu bekannte, aus intellektuellen Gründen von der Position des Atheismus abgerückt zu sein, um eine Variante des Deismus zu vertreten (vgl. hier). In einem seiner letzten schriftlichen Beiträge (»last article«) hat Flew sich zu Richard Dawkins’ Buch Der Gotteswahn (The God Delusion) geäußert. Auszüge seiner Stellungnahme, die Deike Sumann freundlicherweise übersetzt hat, gebe ich hier wieder: Der Fehler, den Dawkins als Akademiker gemacht hat, war seine skandalöse und offensichtlich absichtliche Weigerung die Lehre darzulegen, die er glaubt unwiderruflich widerlegt zu haben. Wir finden zum Beispiel in seinem Stichwortverzeichnis vier Verweise auf Einstein. Sie kommen im Gewande Einsteins daher und befassen sich damit, was er über Moral, einen persönlichen Gott und die Situation der Menschheit denkt und über seine Ansicht, dass der Mensch für andere Menschen und vor allem für die da ist, von deren Wohlergehen unsere Lebensfreude abhängt. Aber (und es fällt mir schwer, moderat über diese verdunkelnde Weigerung Dawkins ´zu schreiben) er erwähnt Einsteins wichtigste Folgerung überhaupt nicht: nämlich dass die integrale Komplexität der Welt der Physik ihn davon überzeugt hat, dass hinter den Dingen eine göttliche Intelligenz stehen muss. wenn dieses Argument auf die Welt der Physik angewendet werden kann, finde ich persönlich es offensichtlich, dass es noch viel bedeutsamer sein muss, wenn man es auf die unermesslich kompliziertere Welt der Biologie anwendet. Die ganze Angelegenheit lässt nur zu deutlich werden, dass Dawkins nicht an Wahrheitsfindung interessiert ist, sondern dass es ihm hauptsächlich darum geht, einen ideologischen Gegner mit allen Mitteln in Verruf zu bringen. Das alleine wäre schon Grund genug anzunehmen, dass die ganze Unternehmung The God Delusion nicht, wie sie zumindest vorgab, ein Versuch war, Wissen über die Existenz oder Nicht-Existenz Gottes aufzudecken und zu verbreiten, sondern eher ein – extrem erfolgreicher – Versuch, die Überzeugungen des Autors in diesem Gebiet zu verbreiten. Ein weniger wichtiger Punkt, der an dieser Stelle gemacht werden sollte, ist, dass obwohl das Verzeichnis von The God Delusion sechs Verweise auf den Deismus beinhaltet, es keine Definition des Wortes »deism« liefert. Dies ermöglicht es Dawkins, in seinen Verweisen auf den Deismus die Deisten als eine Ansammlung von Leuten darzustellen, die an alles Mögliche glauben. Tatsache ist, und das hätte Dawkins wissen müssen, bevor dieses Buch in den Druck ging, dass Deisten an die Existenz eines Gottes glauben, aber nicht an einen Gott, der sich in irgendeiner Form offenbart hätte.

Veröffentlicht von Ron am May 21, 2008 07:51 am unter Philosophie http://www.theoblog.de/?p=327

Dostojewski und das Neue Testament

In den „Dämonen“ schreibt Dostojewski: „Ich glaube, es gibt Gesichter, die jedes Mal, wenn sie auftauchen, wieder etwas Neues mitbringen, etwas, das man bis dahin noch nicht an ihnen bemerkt hat, auch wenn man ihnen hundertmal begegnet ist“[ 1 ]. In diesem Sinne hoffe ich, dass Sie auch durch mein Referat etwas Neues an Dostojewski entdecken, das Sie bisher noch nicht entdeckt hatten.Ich bin kein Experte, kein Slawist, obwohl ich einige Semester Russisch studiert habe, sondern nur ein Laie, ein Amateur, ein „Liebhaber“ der Werke Dostojewskis. Von meiner Ausbildung her bin ich Althistoriker, halte eher Vorträge über historische Grundlagen des Neuen Testaments als über russische Literatur.

Meine Begegnung mit dem Werk Dostojewskis begann durch die Lektüre von Camus. In der Oberstufe des Gymnasiums suchte ich nach dem Sinn meines Lebens. Wofür lohnt sich der Einsatz des Lebens? Ich las damals viel von Sartre und Camus. Vor allen Dingen von Camus war ich beeindruckt, von seiner radikalen Fragestellung: Lohnt das Leben oder lohnt es sich nicht? Die Antwort im „Mythos von Sisyphus“ fand ich allerdings enttäuschend.
Im Vorwort seines Dramas „Die Besessenen“, einer Kurzfassung von Dostojewskis „Dämonen“ stieß ich auf folgende Sätze aus dem Jahre 1959: „Lange Zeit hat man Marx für den Propheten des 20. Jahrhunderts gehalten. Heute weiß man, dass das, was er prophezeite, auf sich warten ließ, und wir erkennen, dass Dostojewski der wahre Prophet war. Er hat die Herrschaft der Großinquisitoren und den Triumph der Macht über die Gerechtigkeit vorausgesehen. Weiterlesen

Der Selbstmord des Denkers

Im 17. und 18. Jahrhundert traten Denker auf, um unsere Welt von überholten Vorstellungen, Vorurteilen und Ideologien zu befreien. Dabei gingen viele Philosophen natürlich vor allem auch gegen das Christentum vor und wollten es in einen Topf mit Aberglauben werfen. Das ging auch eine Weile munter weiter, doch spätestens heute im 21. Jahrhundert ist den meisten klar, dass Glauben weiterhin eine große Rolle spielen wird. Der Rationalismus der Aufklärung konnte dem Christentum nicht den Todesstoß verpassen. Ein Grund dafür ist, dass Vernunft alleine unweigerlich zu Pessimismus und Verzweiflung führt. Vernunft ist wichtig, sehr wichtig sogar und das Christentum ist kein Glaube, bei dem man den Verstand ausschalten kann. Weiterlesen

Christen auf dem Egotrip

Individualismus – ein Phänomen unserer Zeit
„Der Individualismus der Moderne prägt uns alle, ob wir das wahrhaben wollen oder nicht. Er führte zu einer veränderten Gesellschaft: Nicht mehr die Gemeinschaft und die Traditionen bestimmen das Verhalten, sondern der einzelne. Der Mensch hat sich an die Stelle Gottes gesetzt und regelt eigenmächtig sein Schicksal.“ (S. 71) Einen zunehmenden Individualismus beobachtet man auch in Kirchen und Gemeinden. Auch hier zeigt sich die Tendenz, daß der einzelne seine Autonomie fordert. Man läßt sich nicht mehr reinreden, möchte autonom entscheiden. Jeder lebt seinen Glauben nach der ihm eigenen Überzeugung. Auf die Frage, ob man auch ohne Kirche Christ sein könne, antworteten 1992 80% der Deutschen mit «Ja» [Umfrageergebnisse «Was glauben die Deutschen», Emnid-Institut, Bielefeld, 1992. S. 72.]. Der Soziologe James Davison Hunter urteilt über den amerikanischen Evangelikalismus, daß er von einem individualisierten Konzept des Heils und einem subjektivistischen Glaubensbegriff geprägt sei, der sich frappant mit Ent ­wicklungen der Gesellschaft deckt [James Davison Hunter. American Evangelicalism: Conservative Religion and the Quandary of Modernity. New Brunswick: Rutgers University Press. 1983, S. 8.]. Man akzeptiere keine Autoritäten mehr. Deshalb sei der Evangelikalismus ohne eigentliche Führung und würde nur durch den Einfluß einiger Starprediger, Starevangelisten und überkonfessioneller Institutionen zusammengehalten. Viele Christen schotten sich mittlerweile ab, bleiben unverbindlich, leben ihr religiöses «Cocooning». Man möchte alles ausprobieren, aber für nichts haften. Christliche Gästehäuser müssen immer mehr Einzelzimmer bauen, denn niemand will mehr mit anderen das Zimmer teilen. Man zieht sich zurück, müde der vielen Belastungen des Alltags, schließt die Tür zu, will alleine sein. Individualisten sind lieber Beobachter, Zuschauer in der Gemeinde. Man hockt nur mit den Leuten zusammen, die auf der gleichen Wellenlänge liegen. Immer mehr Gemeinden klagen über die Unverbindlichkeit ihrer Mitglieder. Pflichtbewußtsein fehlt. Man macht nur noch, was Spaß macht oder was «mir etwas bringt». Eingeladene Prediger oder Gruppen stehen unter der Woche vor leeren Rängen. Gemeindegruppen suchen händeringend Mitarbeiter. Manche Gemeinden haben viele Gottesdienstbesucher, aber wenig Mitglieder. Man hält sich mit verbindlichem Anschluß vornehm zurück, man beobachtet, konsumiert, hält sich sein Schäfchen im Trockenen. Nur keine Bindungen bitte, das engt mich ein.“ (S. 65-66) Überhaupt gibt es kein Christsein ohne Gemeinde, ohne die geistliche Gemeinschaft der Gläubigen. Die Bibel spricht deutlich von der «koinonia», der brüderlichen Gemeinschaft der Kinder Gottes. Christliche Existenz kann nicht im Eremitendasein geführt werden. Miegel und Wahl stellen mit Recht fest: «Religionen wirken gemeinschaftsbildend [Miegel/Wahl, S. 35.].» Anders kann christlicher Glaube nicht recht existieren. Aber es geht um richtige Gemeinschaft. Die Sehnsucht nach Sinn drückt sich in unserer Gesellschaft in der Sehnsucht nach Gemeinschaft aus. Wir haben ein Bedürfnis nach Nähe, Wärme, Liebe und Zärtlichkeit. Diese Bedürfnisse tragen viele Christen automatisch in die Gemeinde hinein. Hier verlangt man die Stillung der individuellen Sehnsüchte. Gemeinschaft ist deshalb in, aber ihre Motive sind wenig biblisch. Es geht um mich selbst, nicht um den anderen.“ (S. 77) Weiterlesen

Gerecht gemacht aus Glauben

Nachdem wir nun aufgrund des Glaubens für gerecht erklärt worden sind, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn Röm. 5,1 Wenn wir im Duden nachlesen, was wir dort unter dem Wort Gerecht finden, dann gibt es einige Möglichkeiten. Diese aber sind immer abhängig vom Maßstab, welcher zur Anwendung kommt. Ist es der Richter, der nach geltendem Recht und bestehenden Gesetzen handelt und Urteilt; ein Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Schüler oder gar unser Nächster, der sein Empfinden von Gerechtigkeit und seine eigenen Wertmaßstäbe mit ins Spiel bringt oder Gott, welcher die Menschen trotz ihrer Sünden, Verfehlungen und Ungehorsams akzeptiert und liebt. Gott stellt alle menschlichen Regeln und Vorstellungen auf den Kopf. Bei ihm gelten andere Regeln und Maßstäbe als bei uns Menschen. Wenn die Gnade Gottes in Christus einen Menschen ergreift, dann tritt eine völlige Umkehr ein: Frieden mit Gott! Wer hat Frieden mit Gott? Viele sehen auf ihre Gefühle, ihre Empfindungen und Anständigkeiten. Sie meinen, ein positives Selbstwertgefühl sei ausschlaggebend für den inneren Frieden, für Ausgeglichenheit. Doch der Friede, von dem Paulus hier schreibt, meint nicht in erster Linie den „Herzensfrieden“, die Ausgeglichenheit des Gemüts, sondern ein neues Verhältnis zu Gott. Wir stehen nun nicht mehr unter dem Zorn Gottes, in der Feindschaft zu ihm. Frieden ist auch viel mehr als das Schweigen der Waffen; Frieden biblisch verstanden, ist die Überwindung des Hasses durch die Liebe. Es bedeutet das Heilsein des menschlichen Herzens. Es ist sowohl der innere Seelenfrieden, als auch Frieden unter den Menschen und Frieden zwischen Gott und Mensch gemeint. Dieser Friede ist eine Wirklichkeit, die in den Herzen und der Umgebung derer beginnt, die mit Gott rechnen und an ihn glauben. Dieser Friede ist uns Menschen durch das Werk Jesus Christus möglich, welcher uns durch den Glauben an ihn zugesprochen wird. Unsere Schuld, welche uns von Gott getrennt hat, wurde beseitigt durch den Tod Jesu am Kreuz auf Golgatha. Durch unsern Glauben an ihn, schenkt er uns die Vergebung unserer Schuld. Im Epheser 2,8+9 wird das auch sehr deutlich zum Ausdruck gebracht: „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es. Nicht aus den Werken, auf dass sich nicht jemand Rühme.“ Frieden mit Gott bezeichnet ein neues Verhältnis zu Gott. Versöhnung und Frieden gehören eng zusammen. Versöhnung kann es nur durch Jesus Christus geben. Der Maßstab Gottes ist die Liebe Gottes zu uns Menschen.