Säkularisierte Gottesbilder

Die Gottesbilder der modernen Philosophie, Psychologie und Dichtung sind mannigfaltig, zum Beispiel
• ein schwebendes, vieldeutiges und letztlich gesichtsloses Numen, das sich in tausend Masken chiffriert (Jaspers)
• Ruf des Gewissens aus der Ferne in die Ferne (Heidegger)
• die Welt ist voll Anlage zu etwas, Tendenz auf etwas, Latenz von etwas (Bloch)
• Über-Ich (Freud)
• kollektives Unbewusstes (Jung)
• Existenzform des Seins (geben, teilen, opfern; Fromm)
• Wille zum Sein (Frankl)
• öffentliches Gewissen, Stimme des Man (A. Peters)
• auf Leben und Tod ausgeliefert (Kafka)
• Stimme hinter dem Vorhang (Benn)
• der dunkle Unbewusste, Rätselhafte (Rilke)
• tauber Gott (Andersch)
• Gnadenbild (Handke)
Andere Decknamen Gottes sind das Schicksal, der Zufall, die höhere Macht, die Fügung, der Sinn des Lebens, die Ordnung, das Gewissen, die innere Stimme, das Gute im Menschen, der letzte Halt, das utopische Totum der Erfüllung all seiner Wünsche und Hoffnungen.
Aus: Horst Georg Pöhlmann. Abriss der Dogmatik. Chr. Kaiser Gütersloher Verlagshaus: Gütersloh 20026.

Matthäus 6,21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Matthäus 6,21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Luther 1984
Johannes Calvin schrieb: „Wo Reichtümer in einem Herzen dominieren, hat Gott seine Autorität verloren.“ Alle Tatsachen deines Lebens können nicht auf den kleinen Bereich, in dem du lebst, begrenzt werden. Du gehörst der Unendlichkeit. Wenn du dein Vermögen auf der Erde anhäufst – arme und, entschuldige, törichte Seele – dann hast du ein Vermögen an einem Ort verstaut, wo du es nicht bewahren kannst. Häufe dein Vermögen an, aber lagere es an einem Ort, wo es dich im Morgenrot des neuen Tages empfangen wird.
http://bibelkreis-muenchen.de/?p=1040
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Matthäus 6,21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Wenn vom Herzen gesprochen wird, wird nicht nur Liebe oder Empfindungen, sondern die Gesamtrichtung des innersten Wollens beansprucht. Ist Wille und Herz auf den Himmel gerichtet, so ist es auf Gott gerichtet. Jesu Wort fragt also, ob der Schatz und Besitz des Herzens bei Gott gesucht wird, ob das innerste Wollen auf ihn gerichtet ist; ähnlich redet er in Gleichnissen und Sprüchen wie Mt.13,44-46;Luk.16,1-12. Beim „Schatz im Himmel“ ist also an die „Herrschaft des Himmels“ gedacht. Die Frage ist die, ob Gott oder der Reichtum über uns herrscht. So stellt unser Spruch vor die gleichen Fragen wie die Gegensatzstücke 5,20-48. Er trägt die gleiche Form der scharf zugespitzten (paradoren, radikalen) Aussage. Er meint weit mehr als eine bloße neue Gesinnung, nämlich ein ganz neues Handeln. Um zu zeigen, wie sich das im Alltag auswirkt, müsste man die die Geschichte der Kirche von den paulinischen Briefen bis zur Gegenwart durchgehen. Forschungen der Nationalökonomie (Max Weber) haben gezeigt, daß am Anfang gerade der abendländischen Wirtschaftsentfaltung im Calvinismus und Puritanismus die Verantwortung vor Gott der Beweggrund ist: aller Besitz gehört nicht uns, sondern Gott. Umso schärfer richtet sich Jesu Wort gegen jedes Besitzen, über dem Gott vergessen wird; und sein Wehe über die Reichen (Luk.6,24;16,25) trifft den Stolz, der sich gegen Gott erhebt.
Schniewind, Julius: Das Evangelium nach Matthäus. Das neue Testament Deutsch Bd. 2 Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht 8.Auflage 1956 Seite 91
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Der andere Bonhoeffer: Die Herausforderung des Modernismus.

Georg Huntemann. Der andere Bonhoeffer: Die Herausforderung des Modernismus. Brockhaus Verlag: Wuppertal. 1989. 318 S. geb.
Es war höchste Zeit, dieses Buch zu schreiben! Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) gilt im evangelikalen Lager zwar als Lieferant für fromme Spruchkarten, seine Theologie wird jedoch kaum beachtet und eher beargwöhnt, scheint er doch ein Kirchenvater der Linken zu sein. Mit solchen Vorurteilen und Fehlinterpretationen räumt der Theologieprofessor Georg Huntemann gründlich auf, indem er Bonhoeffer radikal anders versteht. Dabei Stülpt er dem Theologen des Kirchenkampfes eben nicht einfach ein neues Verständnis über, sondern analysiert sorgfältig sein Werk. So kommt Huntemann von den Quellen her zu einem authentischen Bonhoeffer-Verständnis, das viele nötigen wird, ihre Meinung zu ändern; zumal Evangelikale, für die er dieses Buch geschrieben hat. Engagiert und zupackend im Stil entfernt er den »dunklen Schatten des Nachkriegsmodernismus«, den man über Bonhoeffer gelegt hatte, und stellt ihn überzeugend als Ordnungs- und Verantwortungsethiker dar. Aspektreich wird sein theologisches Werk analysiert, wobei Huntemann gerade auch die befremdlichen Aussagen („Ohnmacht Gottes«, »religionsloses Christentum«, »Mündigkeit ohne die Arbeitshypothese Gott“) eingehend behandelt und bei aller Sympathie für Bonhoeffer nicht blind wird für dessen Schwächen. Aufregend wird das Buch, weil Huntemann es nicht bei der Darstellung der Theologie Bonhoeffers beläßt, sondern die erforderlichen Konsequenzen zieht, nicht nur theologisch, sondern vor allem geistesgeschichtlich und gegenwartskritisch. Die herausfordernde Analyse der Situation des modernen Menschen und der Kirche mittels Bonhoeffers Werk – das ist der Kern des Buches. Es versteht dessen Leben und Denken als radikale Verneinung der Ideologie durch die Christologie und wird gerade dadurch aktuell. Scharf, aber nie ungerechtfertigt werden Fehlentwicklungen von Pietismus und Kirche markiert, wobei Huntemann deutliche Worte nicht scheut: »Die Verweltlichung der Volkskirche, die ungefragt in der Vergeudung von Wort und Sakrament die billige Gnade über die Welt ausgießt, verdeckt mit religiösem Fassadenchristentum den Atheismus des Abendlandes- (S. 178). Die Konzentration auf Bonhoeffer wird dadurch zu einer Anklage gegen den heutigen Weg der Volkskirche, die weder Lehrzucht noch Kirchenzucht kennt. Huntemanns Fazit ist eindeutig: »Die gegenwärtigen Herausforderungen der christlichen Kirche durch Feminismus, durch den Kritizismus und durch die Perversion können nur durch einen Kirchenkampf, der noch aussteht, beantwortet werden. (S. 293). »Dabei ist zu bedenken, daß eine Kirche der Zukunft nur als bekennende Kirche unter dem Wort möglich, denkbar und verheißungsvoll ist« (S. 292). Diese Darstellung der Theologie Bonhoeffers, der am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg als Märtyrer der Kirche Jesu Christi hingerichtet worden ist, wird in ihrer Prägnanz manchen Leser aufschrecken. Es ist zu hoffen, daß es für den Protestantismus ein heilsamer Schrecken sein wird.
Lutz E. von Padberg, D-Everswinkel Bibel und Gemeinde 1/ 90

Die dunkle Nacht der Seele

Die dunkle Nacht der Seele. Dieses Phänomen beschreibt ein Leiden, das die Größten unter den Christen von Zeit zu Zeit erdulden mussten. Es war das Leiden, das David dazu brachte sein Kissen mit Tränen zu durchnässen. Es war das Leiden, das Jeremiah den Beinamen „Der weinende Prophet“ bescherte. Es war das Leiden, das Martin Luther so sehr betrübte, dass seine Melancholie ihn zu zerstören drohte. Das ist keine gewöhnliche Gemütslage einer Depression, sondern eine Depression, die mit einer Glaubenskrise zusammenhängt, eine Krise, die hervorgerufen wird durch das Gefühl der Abwesenheit Gottes oder durch das Gefühl von Ihm verstoßen zu sein.
Geistliche Depression ist real und kann heftig sein. Weiterlesen

„Sind Pastorinnen biblisch?“

Kein Theologe kann die Frage „Sind Pastorinnen biblisch?“ im engeren Wortsinne positiv beantworten– die Bibel kennt schlichtweg keine Pastorinnen.
Vielmehr gebraucht die Schrift verschiedene Worte für die Funktion eines „Pastors“. Keiner der Begriffe wird dabei je in weiblicher Form angeführt und auch bei allen in der Bibel namentlich erwähnten „Pastoren“ handelt es sich ausnahmslos um Männer.
Ebenso sehen die Passagen, die direkt die Qualifikation für das Ältestenamt benennen, von dem für gewöhnlich das Pastorenamt als hauptamtliches Ältestenamt abgeleitet wird, dieses Amt nur Männer für vor (1.Tim 3,1-7; Tit 1,5-9).
Trotzdem kann die Frage nach Frauen im Pastorendienst gestellt werden.
Laut Bibel sind Mann und Frau in Ihrer Gottesebenbildlichkeit absolut gleichwertig. Auch bestätigt die Bibel, dass Frauen einander lehren (Tit 2,3) und als Diakone wirken können (Röm 16,1).
Daneben benennt die Schrift klar unterschiedliche Rollen für Mann und Frau, sowohl in der Ehe (1.Kor 11,3; Eph 5,22-33; Kol 3,18; Tit 2,5; 1.Pet 3,1) als auch in der Gemeinde, wo es Frauen untersagt ist, im Gottesdienst zu lehren und über den Mann zu herrschen (1. Kor 14,33f; 1.Tim 2,12). Dies soll die Unterordnung der Frau unter ihren Ehemann im Gemeindeleben widerspiegeln. Begründet wird das unter Verweis auf Schöpfungsordnung und Sündenfall, also keineswegs zeithistorisch. Auch stellt es ein Bild für die Unterordnung Christi unter den Vater dar (1.Kor 11).
Aktuell jedoch geben viele Männer die Verantwortung in Gemeinden auf, während Frauen diese anstreben. Hier ist Korrektur erforderlich. Gott will, dass entsprechend begabte Männer das Pastorenamt zur Ehre Gottes und zum Wohle der Gemeinde wahrnehmen. Das ist eindeutig biblisch.
Matthias Lohmann