Mit Engeln diskutiert man nicht…

Die Geschichte von Zacharias und Elisabeth liest sich wirklich amüsant. Zacharias absolviert seinen Dienst im Tempel und wird für ein Rauchopfer ausgelost. Im Heiligtum begegnet ihm ein Engel – Gabriel, wie sich dann herausstellt – und kündigt die Geburt seines Sohnes an.

Zacharias muss völlig perplex gewesen sein, anders lässt sich die blöde Frage nicht erklären, die er dann stellt, nämlich wie das gehen soll. Wenn man einen Engel vor sich hat (und dem Schrecken nach zu urteilen, den er bekam, sah der nicht so harmlos aus wie der Engel Dudley), dann ist doch wohl klar, dass hier von eine ungewöhnliche Sache läuft. Die Story von Abraham und Sara kannte ja nun wirklich jeder. Aber Sara hatte wenigstens nur leise gelacht, statt Gott zu erklären, er hätte da ein paar Schwierigkeiten übersehen.

Gabriel dagegen ist auf die Frage vorbereitet und legt noch ein weiteres Zeichen nach: Zacharias bekommt ein paar Monate Redeverbot. Die Leute im Tempel haben, anders als der Priester, übrigens sofort begriffen, dass hier Gott am Werk ist, als er nur noch stumm gestikulierend vor ihnen stand. Wir heute würden vielleicht an einen leichten Schlaganfall mit Ausfallerscheinungen im Sprachzentrum denken und dabei ebenso wie Zacharias im Vordergründigen stecken blieben.

Der Rest wird nur knapp erzählt und es bleibt dem Leser überlassen, sich das auszumalen, wie Zacharias das mit Täfelchen und Pantomime seiner Elisabeth erklärt, was Sache ist – sie musste ja aktiv mitwirken an der Erfüllung der Verheißung. Ich frage mich nun, ob das eine Berufskrankheit von “Klerikern” ist, sogar Engel belehren zu müssen und im entscheidenden Moment den Mund nicht halten zu können (und ob Gott nicht also öfter mal Sprachlosigkeit verordnen sollte)?Lukas 1,5-24
http://www.elia-gemeinschaft.de/wordpress/2006/12/19/peters-gedanken/mit-engeln-diskutiert-man-nicht

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“Papa, ich bin schwul”

An einer Bushaltestelle warb “Bild” mit dem Satz: “Papa, ich bin schwul.” Drunter war zu lesen: Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht.

Damit stellt “Bild” die Realität der eigenen Praxis auf den Kopf. Um der Auflage willen “outen” die Redaktuere nicht etwa sich selbst, sondern andere, und zwar ungefragt und unbarmherzig. Durch Bild werden Menschen doch nicht etwa mutiger, selbst einen eigenen Standpunkt zu finden und zu vertreten. Sonst sähe diese Republik anders aus. Der Untertitel müsste vielmehr lauten:
Jede private Angelegenheit braucht einen Skrupellosen, der sie ausbeutet.

Und beim Alternativentwurf mit der Schlagzeile “Das Bier ist alle” müsste man umformulieren:
Jede Banalität braucht eine Nervensäge, die sie hinausposaunt.

http://www.elia-gemeinschaft.de/wordpress/

Die Erneuerung des Menschen

Was meinte der Apostel Paulus mit der „Erneuerung des Menschen“?

Auch im christlich-evangelikalen Jargon wird «Erneuerung» als positives Schlagwort in der Seelsorgeliteratur und -praxis (Erneuerungs-Konferenzen) und im Gemeindebau (Stichwort «charismatische Erneuerung») verwendet. Das deutsche Wort «Erneuerung» gibt allerdings nur unzureichend wieder, was der Apostel Paulus mit der «Erneuerung des Menschen» (2. Kor. 4,16; Röm. 12,2; Eph. 4,23; Kol. 3,10 und Tit. 3,5) meint. Das beginnt schon damit, dass man bei «Erneuerung» an einen Gegenstand oder Zustand denkt, der veraltet ist und deshalb «erneuert» werden sollte. Paulus aber sagt ausdrücklich, dass es der «neue [Mensch ist], der erneuert wird…» (Kol. 3,10)! Was versteht die Bibel also unter «Erneuerung des Menschen»? Weiterlesen

»Erzählungen und Märchen aus dem Reich der Königin von Saba«

Literaturabend mit Prinz Asfa-Wossen Asserate

Der äthiopische Prinz aus dem Hause des letzten Kaisers Haile Selassie, berühmt geworden durch sein Buch »Manieren«, liest Erzählungen aus seiner Heimat. Der Legende nach geht die äthiopische Dynastie der Salomoniden direkt auf den Sohn der Königin von Saba zurück. Dienstag, 12.12. 20 Uhr

http://www.tollwood.de/winter06/c_literaturcafe.htm

„Nicht nur zur Weihnachtszeit“

Heinrich Böll erzählt in seiner Novelle „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ (entstanden 1952) vom silbrig gekleideten rotwangigen Engel an der Spitze des Tannenbaums seiner Tante Milla, „der in bestimmten Abständen seine Lippen voneinander hob und ’Frieden’ flüsterte.“ (Werke, Bd. 1, 813). Als Tante Milla im Krieg beginnt, jeden Abend – ein ganzes Jahr hindurch – Heilig Abend zu feiern und der mechanische Engel an der Tannenbaumspitze ohne Unterbrechung sein „Frieden!“ flüstern muss, ist dessen Mechanik auf Dauer der Anforderung nicht gewachsen. Die Abstände zwischen seinen Rufen verkürzen sich, bis seine Stimme zu guter Letzt kollabiert. Hat sich nicht am Ende auch die Botschaft jener ersten Weihnacht durch ihre alljährliche Wiederkehr bis zur Karikatur hin verbraucht? Drohen nicht ihre Boten angesichts des immer schneller und – zumindest mit Blick auf die Kaufhäuser und Weihnachtsmärkte – immer früher wiederkehrenden Weihnachtsfestes leiser zu werden und am Ende resigniert zu verstummen? Vielleicht wäre längst eine Weihnachtsabstinenz fällig, eine weltweite Entscheidung, wenigstens ein Jahr auf Weihnachten zu verzichten, damit sich unsere Sinne wieder erholen und wir wieder neu empfindsam werden können für das, was Weihnachten sagen will.

Empfindsamkeit hat mit Ästhetik zu tun. Aber was im Geschiebe der Weihnachtsmärkte, im Geschrei der Lichterketten und illuminierten Weihnachtsmänner und im Gebrüll der Gerüche aus Bratwurst- und Glühweinbuden, was im Kaufzwang der vorweihnachtlichen Zeit mit uns geschieht, ist wohl eher unästhetisch zu nennen. Ich will das nicht verdammen und niemandem – auch mir selber nicht – die Freude an all diesen Dingen nehmen. Aber ich will bewusst machen, was da mit uns geschieht: dass sie unablässig am Werk sind, die „Weihnachtsanästhesisten“. Dass sie uns unempfindlich machen für die Momente, in denen sich Himmel und Erde berühren. Friede und Wohlgefallen aber sind Kategorien der Empfindsamkeit.

Dr. Thomas Meurer Predigt zu Lukas 2,14 in der Jugendvesper der Abtei Königsmünster, Meschede 13. 12. 2001 http://www.predigtpreis.de/predigtpreis2002/predigten2002/meurer3.html

Friedrich Nietzsche. Der Wille zur Macht von Reinhold Widter

Das Taschenbuch von Reinhold Widter ist in der TELOS Reihe Leben – Werk – Wirkung erschienen und hat: 176 Seiten Telos Schwengeler – Verlag CH 9442 Berneck ISBN: 3856662855

Der Buchklappentext auf der Rückseite des Buches enthält einen kurzen Anriß auf den Inhalt des Buches um den Leser zum Lesen zu ermuntern.

Friedrich Nietzsche zieht den Schluß Gott ist tot. In Gotte ist das Nichts vergöttlicht.

Wie kommt Nietzsche zu dieser blasphemischen Erkenntnis?

Ein Blick in die Biographie und das Werk Nietzsches zeigt uns die tragische Gestalt eines Menschen, der von frühester Kindheit – buchstäblich von Geburt an – ein Christentum kennen lernt, dem das Fundament der Bibel fehlt. Spricht Nietzsche von Gott, so hat er stets eine Karikatur Gottes vor Augen.

Die vorliegende Biographie zeigt wichtige Zusammenhänge auf: Wie wurde Nietzsche zum Propheten der Gottlosigkeit? Welche Weichenstellungen wurden ihm auf den Weg gegeben? In welchen Krisen ist er hineingetrieben?

Hinter solchen Fragen liegt auch eine persönliche Anfrage an den Leser dieser Biographie:

Ist unser Glaube eine wahre Begegnung mit dem lebendigen Gott oder vielleicht doch nur ein mystisches Phantasieprodukt?

Szene einer Ehe im 16. Jahrhundert

Der berühmte Maler Peter Paul Rubens wurde 1577 in Siegen in Westfalen geboren, war aber ein Niederländer und hatte sein Atelier in Antwerpen. Das kam so: Um 1570 saß ein Mann namens Jan Rubens in Antwerpen im Gefängnis und wartete auf den Henker. Er war wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt. Das gab es damals! Seine Frau, die er betrogen hatte, war nach Köln gezogen, vielleicht zu ihren Eltern. Jan Rubens schrieb ihr aus dem Gefängnis und bat sie um Verzeihung. Darauf schrieb ihm seine Frau: „Mein lieber und geliebter Mann! Ich vergebe Euch jetzt und immer. Ihr seid in so großem Kampf und Ängsten, daraus ich Euch gern mit meinem Blut erretten würde. Könnte da überhaupt Hass sein, dass ich eine kleine Sünde gegen mich nicht vergeben könnte, verglichen mit soviel großen Sünden, wofür ich alle Tage Vergebung bei meinem himmlischen Vater erflehe? Meine Seele ist so mit Euch verbunden, dass Ihr nicht leiden dürft. Ich leide alles mit Euch. Ich werde mit ganzer Kraft Gott für Euch bitten und mit mir unsere Kinder, die Euch sehr grüßen lassen und so sehr verlangen, Euch zu sehen. Das weiß Gott! Geschrieben zu Köln am 1. April, nachts zwischen zwölf und eins. Nachsatz: Schreibt doch nicht mehr … „ich unwürdiger Mann“! Es ist Euch doch vergeben! Eure treue Ehefrau Marie Rubens.“ Die Fürsprache der tapferen Frau rührte auch die Richter in Antwerpen. Nach zwei Jahren Haft kam Jan Rubens frei. Das Ehepaar zog nach Siegen und blieb dort. Zu ihren bisherigen Kindern wurde ihnen noch ein Sohn geschenkt. Sie nannten ihn Peter Paul, und er wurde der berühmte Maler.

„Vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ (Kolosser 3,13)

Ausgabe 2/2003 Autor: Axel Kühner http://www.cfc-online.org/impulse/content/heftarchiv/artikel.php?id=2008604617