Heidnisches Weihnachten?

Jedes Jahr im Dezember machen die christlichen Weihnachtsfeinde mobil. Obwohl sie behaupten, ihnen sei das Christfest vollkommen egal, bemühen sie sich, allen anderen die Festfreude madig zu machen. Vorgeblich sei das Weihnachtsfest eine verkappte babylonische, römische oder germanische Götterfeier.
Das gelegentlich bemühte Jule- Fest hat allerdings rein Gar nichts mit Weihnachten zu tun. Baal wurde tausende Kilometer von Deutschland entfernt verehrt. Die Germanen hatten vollkommen andere Gottheiten. Als einige Heiden im 2.Jahrhundert eine Baals- Verehrung im Römischen Reich einführen wollten, wurden sie ausgelacht. Der Versuch wurde schon sehr bald aufgegeben.
Nach fachkundiger Auskunft wurde das Jule- Fest auf das Datum des schon bestehenden Christfestes verlegt nicht umgekehrt „In vorkirchlicher Zeit wurde Jul laut der im 13. Jahrhundert entstandenen Saga von Haakon dem Guten in Skandinavien ursprünglich zur Mittwinternacht begonnen, also zwischen dem 12. und 14. Januar (Jul). gefeiert und dann auf den 25. Dezember verlegt, auf den bereits das Fest der Geburt Jesu Christi festgelegt war.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Julfest Es war der Versuch, die christlichen Einflüsse durch heidnische Feiern zu verdrängen.
Vollkommen zurecht weisen eingefleischte Weihnachtsgegner darauf hin, dass am selben Datum (24.-26. Dezember) auch andere Religionen ihre Gedenktage feiern. Doch sagt diese Beobachtung alleine natürlich noch nichts aus. An einem bestimmten Tag können durchaus mehrere, sehr unterschiedliche Feiern abgehalten werden, die nichts miteinander zu tun haben. (Hier z.B. eine Liste all der Ereignisse, an die am 25.Dezember erinnert wird: https://de.wikipedia.org/wiki/25._Dezember)
Bloße äußerliche Ähnlichkeiten oder gleiche Termine sagen über eine inhaltliche Verwandtschaft rein Gar nichts aus. Im Römischen Reich gab es allein rund 120 offizielle Feiertage, auch ohne die hier erwähnten Göttergeburtstage (https://de.wikipedia.org/…/Liste_der_Feste_und_Feiertage_im…). Fast jeder Tag an dem Christen ein Fest feiern wollen würde mit irgendeinem römischen Feiertag kollidieren. Deshalb muss es aber keinen Zusammenhang zwischen diesen beiden Anlässen geben. Wenn ich beispielsweise am Geburtstag von Mao (26.Dezember) eine Weihnachtsfeier plane, muss ich deshalb noch kein Kommunist sein.
Einige Weihnachtskritiker verweisen auch gerne darauf, dass wir in der Bibel nie aufgefordert werden, den Geburtstag Jesu zu feiern. Das ist natürlich vollkommen zutreffend. Dese Beobachtung sagt allerdings auch nichts darüber aus, ob wir heute Weihnachten feiern dürfen oder nicht. In der Bibel steht auch nichts über den Gebrauch deines Gesangbuchs, über Missionsgesellschaften, Gemeinden als eigetragene Vereine oder die Feier der Auferstehung Jesu. All das ist deswegen aber nicht gleich verboten. Es widerspricht eben auch keiner Aussage der Bibel. Natürlich ist das Christfest auch nicht für jeden Gläubigen verpflichten.
In einigen weihnachtsfeindlichen Aufsätzen werden auch seitenlang Bibelverse aus dem Alten Testament zitiert, die vor dem Götzendienst warnte und vor der Verehrung heiliger Bäume. Sicher gelten diese Aussagen auch heute noch. Nur ist mir kein Mensch bekannt, der vor dem Christbaum zu Baal oder dem Sonnengott betet. So etwas gab es auch nie in der Vergangenheit des Weihnachtsfestes. Nur weil irgendwann einmal Anhänger einer anderen Religion für ihre Feste Bäume aufgestellt und fremde Götter angebetet haben, muss heute niemand darauf verzichten, sich mit einem Baum an die Heilstatsachen der Bibel zu erinnern. Übrigens tauchen Bäume im Alten Testament nicht nur in negativem Zusammenhang auf. Das Volk Israel sollte beim Laubhüttenfest grüne Bäumchen und Zweige aufstellen. Gott selbst hatte in den Garten Eden den „Baum des Lebens“ gestellt, der auch in der Offenbarung wieder auftaucht und an den der Christbaum eigentlich erinnern soll.
Viele der immer wiederholten Behauptungen gegen ein christliches Weihnachtsfest beruhen in erster Linie auf reinen Spekulationen, auf ungefilterte Argumente der Zeugen Jehovas und auf den europäischen Nationalismus aus dem 19.Jahrhundert. Diese Vorwürfe wurden erfunden, um den christlichen Glauben aus dem Alltag und der europäischen Fest- Kultur zu entfernen.
Lasst Menschen doch einfach das Christfest feiern und nutzt die Gelegenheit Euch einmal ganz intensiv an die Menschwerdung Gottes zu erinnern, sowie Freude und Nachbarn auf dieses außergewöhnliche Ereignis aufmerksam zu machen.
Frohe Weihnachten! https://www.facebook.com/michael.kotsch.9/posts/881260965347016

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Von meinem Recht, dagegen zu sein.

In der Nacht, als Trump siegte, sangen vor dem Weißen Haus Chöre gegen Ausgrenzung und Rassismus. Sie sorgten damit bei mir für einen Schub des Nachdenkens, dessen Ergebnis dieser Artikel ist: warum, fragte ich mich, stellen sich da bei mir die Nackenhaare auf, obwohl ich weder Rassist bin noch irgendjemanden ausschließen möchte? Was ist daran falsch, oder erscheint mir zumindest so?
Das Problem, so scheint mir, ist, dass in weltanschaulichen Fragen heute keine Meinung mehr vertreten wird, sondern eine Nicht-Meinung. Genauer noch: es ist MEINE Nicht-Meinung, für die andere eintreten. Sie vertreten nicht ihre Meinung, sondern fordern, dass ich keine habe oder sie zumindest für mich behalte. Nicht mehr bestimmte Meinungen werden bekämpft, sondern Meinungen an sich. Sind nämlich persönliche Einstellungen erst Privatsache, entfallen alle Reibungspunkte in der Gesellschaft. Dann gibt es keinen Konflikt mehr und es herrscht Frieden. Weniger nett formuliert ist es die Logik jeder Diktatur: solange alle die Schnauze halten, herrscht Ruhe.
Folglich darf ich beispielsweise für mich entscheiden, niemals abzutreiben, aber ich darf dies von niemandem fordern. Schon die Äußerung, dass ich Abtreibungen möglicherweise für falsch hielte, darf nicht sein. Selbst die Idee, dass Kinder etwas Schönes sind, könnte jemanden stören, der sich gegen sein Kind entschieden hat, und darf folglich nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Nichts erscheint zu übertrieben, als dass es nicht Realität werden könnte: „Dear Future Mom“, ein Spot, der Eltern von Kindern mit Down-Syndrom ermutigen soll, darf in Frankreich nicht im Fernsehen gezeigt werden. Gerichtliche Begründung: Der Spot könne auf Frauen verstörend wirken, die abgetrieben haben.
Hier stehen zwei Rechte gegeneinander: das tatsächliche Recht zu reden und das vermeintliche, nichts hören zu müssen. In meiner Jugend kursierte ein dummer Spruch: Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern, aber niemand hat die Pflicht, ihm zuzuhören. Heute ist daraus eine noch viel dümmere Realität erwachsen: jeder Hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern, solange sichergestellt ist, dass niemand sie anhören muss. So werden Meinungen jeder Art immer weiter aus der Öffentlichkeit verbannt. In diesem Licht gesehen bekommen positive Aussagen plötzlich einen Beigeschmack. Wenn ein Chor singt, man solle niemanden ausgrenzen, meint er, ich dürfe nicht sagen, dass ich gegen ausgelebte Homosexualität sei. Aus „grenze nicht aus!“ wird: „Schweig!“. Daher die stehenden Nackenhaare.
Da Meinungen an sich schlimm sind, setzt man sich nicht mit ihnen auseinander. Stattdessen bekämpft man die, die eine Meinung haben, als Ursache des Übels. Nicht für Abtreibung wird demonstriert, sondern gegen Abtreibungsgegner. Nicht für die Rechte Ausgegrenzter gehen die Leute auf die Straße, sondern gegen Rassisten. Brücken werden gebaut, um die gespaltene Gesellschaft wieder zu einen. Doch die Brücken sind verlogen: sie tragen nur Nackte, die ihre Meinung nicht mitnehmen. Jeder ist willkommen, solange er die Schnauze hält; die geeinte Gesellschaft ist meinungsfrei. Nur ein Chor ist erlaubt: der, in dem gegen Meinungen polemisiert wird. Und jeder, der mit anderen Menschen eine Meinung teilt, gilt als Populist.
Es herrscht Angst, und es ist die Angst von Weicheiern. Angemessen wäre es, mir in Diskussionen zu sagen, dass ich Blödsinn rede, und zwar aus folgenden Gründen: erstens, zweitens, drittens. Das bringt etwas. Doch was ist von Menschen zu halten, die es nicht ertragen, dass ich auch nur beginne, in ihre Richtung Einwände vorzubringen? Die bei der bloßen Möglichkeit in Panik geraten und da ein Gesetz gegen machen wollen? In „1984“ fällten wenigstens noch grausame Menschen die Urteile über Meinungsverbrechen, die wussten, was sie taten – heute sind es dümmliche Mimosen, die aus lauter Panik vor dem, was sie selbst tun, die Augen verschließen. Um nicht erkennen zu müssen, dass es um Meinungen geht, flüchten sie sich in die Idee, es seien Krankheitsbilder: der Begriff „Homophobie“ spricht Bände. Dass damit die absurde Situation entsteht, dass eine Angst strafbar gemacht werden soll, ist ihnen egal. Wenn nur die andere Meinung keine Meinung mehr ist, sondern eine Erkrankung, und damit auf jeden Fall falsch. Und wenn die eigene Meinung nur endlich hinter der Idee verschwindet, sie sei keine Position unter anderen, sondern alle Andersdenkenden seien einfach krank. „Homophobie“ schafft keinen Konflikt, sondern ist der verzweifelte Versuch, einen zu vermeiden.
Und alles, was da nicht mitspielt, wird in Panik niedergebrüllt, intellektuell verlacht, verachtet oder sonstwie auf Distanz gehalten. Denn was man selbst vertritt, ist nicht etwas, das man auch anders sehen könnte. Man selbst vertritt die vermeintliche Grundlage der Gesellschaft überhaupt, Gesundheit, Freiheit. Nur eines ist wichtig: keine Auseinandersetzung mit anderen Meinungen, denn das ist gefährlich. Memmen! Sie folgen jedem, der ihnen erklärt, man müsse zu diesem oder jedem keine Meinung haben.
Ein anständiger Gegner hat eine Rüstung, doch innen ist er weich. So kann man ihn treffen und verwunden, doch man muss geschickt dazu sein. Und man kann die Rüstung ausziehen und sich mit ihm anfreunden. Die Gegner heute jedoch sind außen weich und offen für alles. Entsprechend werden sie von allem und jedem schwer getroffen und sind so verwundet, dass sie vor jeder Berührung Panik haben. Innerlich aber sind sie so verhärtet, dass sie nur noch äußerlich zu Freundschaften fähig sind. Mit ihnen zu ringen muss bedeuten, sie innerlich wieder weich zu machen. Irgendwie in den Bereich vorzudringen, in dem sie ihre Eigenschaften weggesperrt haben, um die Nicht-Eigenschaften nicht zu stören, wo sie ihr Geschlecht knechten, um ihr Gender vor Zweifeln zu schützen. Den ganzen anonymen Mitläufern der aggressiven Masse von Meinungsgegnern fehlt vor allem eines: Ermutigung zu sich selbst.
Das einzige, was wir tun können, ist, nicht nur zu unseren Meinungen zu stehen, sondern immer auch zu Meinungen an sich, seien sie nun unsere oder nicht. Kurz: zur politischen Freiheit zu stehen. Pluralismus können nur die garantieren, die ihr eigenes Singular zum Plural beisteuern und so die Idee als Unsinn entlarven, Vielfalt entstehe, wenn keiner mehr denkt. Mein Recht, dagegen zu sein, ist die Grundlage für andere, dafür zu sein. Wer es mir nehmen will, kann mir viel Ärger bereiten. Doch sich selbst nimmt er die Basis für Persönlichkeit. http://echoromeo.blogspot.de/2016/12/von-meinem-recht-dagegen-zu-sein.html

 

Die Autoren des Neuen Testaments

10 Gründe, warum die Autoren des Neuen Testaments die Wahrheit sagten:
(Unser Thema letzten Sonntag in der Sonntagsschule).
1. Die Autoren des NT schrieben Dinge auf, die ihre Bewegung in ein ungünstiges Licht rückten. (Jünger waren fortwährend schwer von Begriff, Jünger verließen Jesus, Petrus verleugnete Jesus, etc.)
2. Die Autoren schrieben unangenehme Aussagen anderer über Jesus auf. (Jesus sei ein „Fresser und Weinsäufer“, von Dämonen besessen, etc.)
3. Die Autoren schrieben Worte Jesu mit sehr schwer zu erfüllenden Anforderungen auf. (Feindesliebe, Scheidungsverbot etc.)
4. Die Autoren des NT unterschieden klar zwischen Jesu Worten und ihren eigenen Worten. (Sie schrieben Jesus nicht Worte zu, um theologische Dispute zu regeln)
5. Die Autoren des NT beschrieben Ereignisse bei Begräbnis und Auferstehung Jesu, die sie nicht erfunden hätten. (Z.B. dass nicht sie, sondern ein Mitglied des Sanhedrin (Joseph von Arimathäa) das Begräbnis für Jesus organisierten; dass Frauen die ersten Zeugen der Auferstehung waren, u.a. die früher dämonenbesessene Maria Magdalena).
6. Die Autoren des NT erwähnten mehr als 30 Personen, die durch außerbiblische Quellen historisch bestätigt wurden. (Wäre daran etwas falsch gewesen, hätte man es leicht nachprüfen und widerlegen können, z.B. die Begegnungen und Gespräche von Paulus mit Festus, Felix, etc.).
7. Die Schriften des NT enthalten genügend Abweichungen in Details, um unabhängige Zeugenberichte zu sein, und genügend Übereinstimmungen in der Kernbotschaft, um über die gleichen Ereignisse zu schreiben. (Simon Greenleaf, Harvard Professor in Law: „Die Evangelien würden heute vor Gericht problemlos als Augenzeugen-Aussagen anerkannt“.)
8. Die Autoren des NT fordern ihre Leser heraus, die Fakten zu überprüfen, und auch Wunder nachzuprüfen. (Paulus spricht in 1. Kor. 15 von 500 Augenzeugen der Auferstehung, „von denen die meisten noch leben“).
9. Die NT Autoren beschreiben Wunder wie alle anderen Ereignisse: mit einfachen Worten, ohne Ausschmückungen.
10. Die Autoren des NT gaben tief verwurzelte, 1500 Jahre alte Überzeugungen auf (Tieropfer, Gesetz, Beschneidung, Sabbat am Samstag, etc.), und nahmen radikale neue Überzeugungen an (Abendmahl: Brot und Wein (Leib und Blut Jesu), vollkommenes Opfer Jesu am Kreuz (also Rettung nicht durch Gesetz), Feiertag am Sonntag, Taufe etc.) und waren bereit, dafür in den Tod zu gehen. Rod Nolte
(Quelle: Turek, Geisler: I don’t have Enough Faith to Be an Atheist).
„Undesigned Coincidendes“: Wie sich die Evangelien gegenseitig als wahr erweisen.
Auf einen kürzlichen Vortrag von Tim McGrew zurückgehend.
(Eine neue – oder wieder neu bekannt gewordene – Argumentform dafür, dass die Evangelien Augenzeugenberichte sind.)
Wenn zwei Bibelstellen aus verschiedenen Evangelien sich hervorragend ergänzen, und es gleichzeitig unwahrscheinlich ist, dass dies mit Absicht so verfasst wurde, ist dies ein Hinweis auf die historische Verlässlichkeit der Berichte. (Es ist ein Hinweis darauf, dass beide Berichte entweder Augenzeugenberichte desselben Ereignisses sind, oder auf verlässliche Augenzeugenberichte zurückgehen).
Eine Absprache zwischen zwei Evangelien-Autoren (z.B. Matthäus und Lukas) über das Weglassen oder Hinzufügen von unwesentlichen Details erscheint unwahrscheinlich.
Erstmalige Erwähnung dieser Argumentform: William Paley 1850: Horae Paulinae. Zwischen Apg. und Paulusbriefen. Danach entwickelte John James Blunt diesen Ansatz weiter und wandte die „Methode“ auf das gesamte AT, das NT, sowie auf das NT im Verhältnis zu Josephus an. Danach geriet der Ansatz in Vergessenheit. Kürzlich wurde er von Tim und Lydia McGrew (USA) wieder neu „entdeckt“ und in einigen Youtube-Videos popularisiert.
Beispiel 1:
Matth 14,1-2 „Herodes sprach zu seinen Dienern: Das ist Johannes der Täufer; er ist von den Toten auferstanden.“ (Man fragt sich: woher wusste Matthäus, dass Herodes dies zu seinen Dienern sprach?)
Lk 8,3 hat die Antwort: „Und Johanna, die Frau des Chuzas, eines Verwalters [Dieners] des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihnen dienten mit ihrer Habe“.
Beispiel 2:
Joh 2,6-7: Sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung, die leer waren. (Man fragt sich: Warum sind die leer? Reinigen die sich nicht mehr rituell?)
Matth 15,1-2 hat die Antwort: „Da kamen zu Jesus Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem und sprachen: Warum übertreten deine Jünger die Satzungen der Ältesten? Denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen.“
Beispiel 3:
Lk 9,28-35: Verklärung Jesu: Sie sagten es niemanden. (Man fragt sich: Warum sollte man ein so extremes Erlebnis nicht sofort weitererzählen?)
Mk 9,9 hat die Antwort: „Er gebot ihnen, es niemandem weiterzusagen.“
Beispiel 4:
Joh 6,5: Jesus fragt Philippus: „Wo kann man hier etwas zu essen kaufen?“
Philippus ist einer der unbedeutendsten Jünger; hätte man die Story erfunden, hätte man eher geschrieben: Jesus fragte Petrus, oder Jesus fragte Judas (Kasse) etc. Man fragt sich also: Warum fragt Jesus gerade den Philippus?
Lk 9,10: Speisung der 5000 war in Betsaida. Joh. 12: Philippus stammte aus Bethsaida. (Lukas bestätigt Joh)
Beispiel 5:
Lk 23,1-4: Pilatus sagt: „Ich finde keine Schuld an diesem Menschen“, V4. (Man fragt sich: Warum „keine Schuld“, denn Jesus hatte in Vers 3 doch zugegeben, dass er der „König der Juden“ sei, was als gegen die Autorität des Kaisers gerichtet gedeutet werden konnte).
Joh. 18,33-38: Jesus zu Pilatus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“. (Deshalb war es kein Angriff auf die Autorität des Kaisers.)
Beispiel 6:
Joh. 21,15-17: Jesus fragte Petrus drei Mal: „Hast du mich lieb?“ (Man fragt sich: Warum fragt Jesus ihn genau drei Mal? Das würde sich aus dem Johannesevangelium nicht so klar ergeben).
Mk 14,30 erklärt dies: Jesus sprach zu Petrus: „Heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen“. Mk 14, 66-72: Petrus verleugnet Jesus 3x. ==> Diese Ankündigung der dreimaligen Verleugnung fehlt in Johannes.
Zu dieser „Argumentform“ (Undesigned Coincidences) erscheint ca. 1. Halbjahr 2017 ein Buch von Lydia McGrew mit viel mehr Beispielen, auch mit gegenseitigen Bestätigungen zwischen Evangelien, Apostelgeschichte sowie den Paulusbriefen.

„postfaktisch“

Gefragt, was „postfaktisch“ bedeute, war mein erster Verdacht, daß das ein neues postmodernistisches Werkzeug sei. Falsch geraten. Es ist ein Werkzeug, um zu behaupten, daß die gegnerische Meinung falsch sei, und dabei davon abzulenken, daß man keine Gründe für diese Behauptung vorgetragen hat. Man nennt den Gegner „postfaktisch“ und transportiert damit die Behauptung, daß die die Meinung des Gegners offensichtlich falsch und die eigene offensichtlich wahr und „bewiesen“ („Die Wissenschaft hat festgestellt…“) sei. Der Gegner werde von Unvernunft oder bösen Motiven getrieben. Was ja stimmen kann, aber der Propagandavorwurf trifft da erst einmal auf den Sprecher zu. Es gibt ja schon viele Strategien, um inhaltliche Auseinandersetzungen und den Austausch von Argumenten zu vermeiden. Oft kann man eben eine Meinung wirkungsvoller verbreiten, wenn man keine Gründe dafür vorträgt, denn wenn man einen Grund nennt (d.h. ein Argument vorträgt), fängt der Zuhörer an, darüber nachzudenken, ob der Grund stichhaltig ist. https://www.facebook.com/profile.php?id=100013129871729
Daniel von Wachter 7. Dezember um 10:55 ·

Veröffentlicht unter Zitate

„Der Ernstfall“

Die Moderne ist ihrer innersten Natur und ihrem innersten Wesen nach nichts anderes als der Wille, ein Programm des Fortschritts zu verwirklichen. (45)
Das Christentum stirbt als substanzielle Wahrheit, so hat man den Eindruck, aber es überlebt als Moral. Die schlimmste Wunde, die sich das Christentum selbst zufügte, ist die Moralisierung des Sündenbegriffs. … Ist der Mensch von Natur aus gut, dann ist das ganze Christentum abgetan … Es ist in der Tat nicht einzusehen, wovon das Christentum erlösen sollte, wenn es nichts mehr im Menschen gibt, was der Erlösung bedarf. (63)
Sophistik ist eine Form des Denkens, bei der die Politik und selbst ethische Fragen in technisch lösbare Verfahren transponiert werden. Alles gilt als lösbar, wenn man nur die richtige Technik beherrscht. (123)
Pragmatismus bedeutet, dass sich eine Partei bei allen Überlegungen von dem Ziel leiten lässt, entweder an die Macht zu kommen oder, wenn man schon an der Macht ist, sich so lange wie möglich dort zu halten. (152) Weiterlesen