Judas Iskariot – Teil 2: Woher wissen wir von Judas Iskariot?

Es gibt einige Mythen rings um Judas Iskariot. Wo man nicht viel weiß und eine Persönlichkeit besonders ist, wird viel ausgedacht. Doch was ist wahr und glaubwürdig? Das sollten wir anhand der Glaubwürdigkeit der Quellen entscheiden! Woher wissen wir von Judas Iskariot?
Woher wissen wir von Judas Iskariot? 1. Die biblischen Quellen
Die meisten historischen Informationen über Judas Iskariot finden wir in der Bibel in den vier Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas & Johannes) & der Apostelgeschichte. Diese fünf neutestamentlichen Bücher sind alle von Augenzeugen (bzw. Augenzeugen waren Quelle der Informationen) im ersten Jahrhundert nach Christus geschrieben worden, d.h. wenige Jahre nach dem historischen Leben von Judas Iskariot.
Damit bieten die biblischen Quellen die ältesten und glaubwürdigsten Informationen über Judas Iskariot! Es gibt keine hinreichende Begründung und Belege für eine Verfälschung von Informationen über ihn in diesen Quellen.
2. Das Judas-Evangelium
Vor einigen Jahren machte das sogenannte Judas-Evangelium großes Aufsehen. Manche „Experten“ meinten die Geschichte von Judas Iskariot (und damit auch die von Jesus Christus) müsste durch diese Schrift umgeschrieben werden. Doch was ist da wirklich dran?
Zunächst war die Vermutung, dass das Judasevangelium im 2. Jahrhundert n. Chr. in einer frühchristlich-gnostischen Sekte entstanden ist. Die Schrift sei zum ersten Mal von Irenäus von Lyon in Adversus haereses („Gegen die Irrlehren“ um 180) erwähnt worden (Adv. Haer. I 31,1) und schon von ihm deutlich abgelehnt.
Irenäus schreibt, dass die Gnostiker behaupten würden, Judas habe in Wahrheit als einziger Jünger die wahre Bestimmung Jesu erkannt. Jesus selbst habe Judas, um den Verrat gebeten – um sich von seiner körperlichen Hülle befreien und seinen Daseinszweck erfüllen zu können.
„Du wirst sie alle übertreffen. Denn du wirst den Menschen opfern, der mich kleidet.“
Dies sagt Jesus nach Angaben der National Geographic Society in der wichtigsten Passage des Manuskripts.
Diese Deutung des Judas passt gut in das Gedankengebäude der Gnostiker. Sie glaubten, dass Jesus Gott war, der sich durch die Schein-Kreuzigung seiner menschlichen Hülle entledigt habe. Doch inzwischen ist diese Deutung des Judas-Evangeliums zu hinterfragen:
Deren Gültigkeit ist inzwischen heftig umstritten [5][6] und eine neuere Übersetzung durch Dr. April DeConick (2007: „The Thirteenth Apostle: What the Gospel of Judas Really Says“) besagt, dass Judas im Judas-Evangelium keineswegs als Freund Jesu beschrieben würde, sondern in Wahrheit als ein Dämon. Die ursprüngliche Deutung durch National Geographic beruht laut DeConick eindeutig auf Übersetzungsfehlern.
Wie auch immer das Judas-Evangelium zu verstehen ist – es ist und bleibt eine apokryphe Schrift! Wie wahr kann eine Schrift sein, die mehr als hundert Jahre nach dem Leben von Judas Iskariot geschrieben wurde? Entweder ist sie ein Ausdruck einer christlich-gnostischen Sekte oder aber eine Bestätigung der Evangelienberichte.
„Ob sie nun den Judas aus dem gleichnamigen Evangelium als Helden oder als Dämon sehen — keiner der Wissenschaftler, die den Text untersuchten, ist der Meinung, dass er genaue historische Informationen enthält. Bart Ehrman [Kenner des frühen Christentums und des Gnostizismus] erklärt: „Es ist kein von Judas verfasstes Evangelium, noch erhebt es Anspruch darauf. . . . Dieses Evangelium wurde nicht zu Lebzeiten des Judas geschrieben und auch nicht von jemandem, der ihn wirklich kannte . . . Dieses Buch wird uns also keine zusätzlichen Erkenntnisse darüber liefern, was zur Zeit Jesu geschah“.
3. Woher wissen wir von Judas Iskariot?
Es gibt viele andere alte und neue Bücher, die weitere Informationen über Judas Iskariot versprechen. Sie sind sicher spannend zu lesen. Doch woher haben diese Menschen ihre neuen Informationen hunderte oder tausende Jahre später?
Andere versuchen die vorhandenen Informationen anders zu interpretieren. Zum Beispiel rekonstruiert Martin Meiser in seinem Werk „Judas Iskariot: Einer von uns“ die historischen Tatsachen neu. Was kommt Neues dabei heraus? Mit unserer aktuellen Deutungsbrille enthalten die Texte auf einmal problematische antijüdische Züge und andere aktuelle akute Nöte wie Freitod und Männerprobleme…
Eine Deutung der Informationen aus dem Neuen Testament ist ja legitim, aber nicht durch erfundene Tatsachen oder unberechtigte Literarkritik. Leider wird Judas Iskariot aber gerne für die eigene Ideologie instrumentalisiert.
Aufgrund der Quellenlage sollten wir uns auf die biblischen Berichte über Judas Iskariot fixieren. Sie sind glaubwürdige Primärquellen, die allen anderen angeblich neuen Informationen und Interpretationen vorzuziehen sind.
Von Viktor Janke · Veröffentlicht 3. April 2019 · Aktualisiert 7. April 2019 https://viktorjanke.de/woher-wissen-wir-von-judas-iskariot/
Weiterführende Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Judasevangelium
Spiegel-Artikel „Wirbel um Judas-Evangelium“, 06.04.2006, http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,410159,00.html

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Judas Iskariot – Teil 1: Was bedeutet der Name Judas Iskariot?

Judas Iskariot ist einer der berühmtesten Jünger von Jesus. Doch was bedeutet der Name Judas Iskariot? Damit beginnt die Artikelserie zu Judas Iskariot.
1. Namensbedeutung von „Judas“
2. Was bedeutet „Iskariot“?
3. Weitere Namensspekulationen zum Name Judas Iskariot
A) Namensbedeutung von „Judas“
Judas ist die griechische Form von Juda, einem Stammvater der zwölf Stämme Israels (1Mos 29,35 / 35,23). Deshalb war der Name sehr häufig in Israel: es gab z.B. noch einen  Apostel (Judas Thaddäus) und ein Bruder von Jesus (Mk 6,3) und viele andere (Apg 5,37 / 9,11 / 15,22) , die so hießen.
Juda (hebräisch Jehuda oder Jehudi) wird in der Bibel als Zusammensetzung aus dem Gottesnamen (JHWH) und dem Verb hdh („loben, danken“) in der Bedeutung „Ich will JHWH lobpreisen“ (1. Mose 29,35) verstanden.
Zum viertenmal ward sie schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Nun will ich dem HERRN danken. Darum nannte sie ihn Juda. Und sie hörte auf, Kinder zu gebären.
1. Mose 29,35
Während es sehr viele Namen in der Bibel gibt, die hervorragend zu ihrem Träger passen, ist dies bei Judas Iskariot nicht der Fall.
Wegen seiner negativen Assoziation wird der Name Judas als unzulässiger Vorname für ein Kind normalerweise abgelehnt (Begründung: es läuft dem Kindeswohl zuwider).
2. Was bedeutet „Iskariot“?
Zur Klarheit trägt der Judas, der Jesus verraten hat, den Beinamen „Iskariot“. Iskariot – in manchen Übersetzungen auch Iskarioth bzw. Ischariot – ist höchstwahrscheinlich hebräisch (isch kariot) und bedeutet „Mann aus Keriot“ – ein Ort in Judäa (z.B. Josua 15,25).
Dafür spricht auch die nähere Beschreibung von Judas Vater Simon – aus Karioth:
Er redete aber von Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Der verriet ihn hernach und war einer der Zwölf.  (Johannes 6,71)
Jesus antwortete: Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. (Johannes 13,26)
Damit war Judas wahrscheinlich der einzige Judäer unter den zwölf Jüngern gewesen, die nach den NT-Berichten sonst alle aus Galiläa stammten (vgl. „ihr Männer von Galliläa“ in Apg 1,11).
Alle anderen Erklärungsversuche sind unwahrscheinlich!
Name Judas IskariotJudas Iskariot von James Tissot (zwischen 1886 und 1894)
3. Weitere Namensspekulationen zum Name Judas Iskariot
Beim wissenschaftlichen Bibellexikon im Internet „wibilex“ heißt es zum Beinamen:
„Gelegentlich wird der Beiname als Charakterisierung seiner Tat verstanden, das Wort Iskarioth wird dann von aramäisch sakar = ausliefern oder schaqar = lügen verstanden. Die philologische Problematik dieser Deutung besteht darin, dass die Endung –oth nicht erklärt werden kann.
G. Schwarz hat den Beinamen von aram. qarita = Stadt (Jerusalem) abgeleitet (Schwarz, 8-12). Auch dies ist unwahrscheinlich: bereits Markus hätte sie trotz seiner sonst nachweisbaren Aramäisch-Kenntnisse nicht mehr verstanden. Auch hat diese Ableitung in frühchristlicher antijüdischer Polemik keine Rolle gespielt.
Gelegentlich wird der Name von einer Zugehörigkeit des Judas zu den sog. Sikariern her gedeutet, zu einem Kreis von antirömischen Widerstandskämpfern, die auch vor Mordtaten an ihren innenpolitischen Gegnern nicht zurückschreckten. Allerdings müsste man dabei für den Anfang des Beinamens eine Umstellung von Sik- zu Isk- vornehmen. Auch entspricht es nicht dem typischen Verhalten dieser Widerstandskämpfer, der notgedrungen mit der römischen Besatzungsmacht kooperierenden Hohenpriesterschaft zuzuarbeiten.
Als die wahrscheinlichste Erklärung gilt immer noch die Deutung als Ortsangabe: Judas, Mann (איש) aus Kerioth in Judäa.“
https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-ibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/judas-iskarioth/ch/40e73698784d2e872b42ebcb802d33b4/#h3, 02.04.2019 Wer Interesse an weiteren Spekulationen zum Namen hat, wird hier (http://en.wikipedia.org/wiki/Judas_Iscariot#Etymology) fündig.
Viktor Janke Veröffentlicht 2. April 2019 · Aktualisiert 5. April 2019 https://viktorjanke.de/was-bedeutet-der-name-judas-iskariot/

Denn dazu steht nichts in der Bibel, …

Jeder kennt das: Themen, zu denen nichts in der Bibel steht: Internet, Smartphones, McDonald’s…, ja sogar Eiscreme und so weiter. Wenn du jetzt tatsächlich vor einer Entscheidung stehst, sich Weichen in deinem Leben stellen oder du dich einfach nicht mehr vor einer Stellungnahme zu einem Thema drücken kannst: Welche Faktoren sind ausschlaggebend für dich?
…darum: Fragen wir nach Gottes Blick auf die Welt, …
Ohne eine bestimmte Sicht auf die Dinge, die uns umgeben, auf uns selbst und auf so ziemlich alles, kann kein Mensch existieren. Diese Sicht nennen wir der Einfachheit halber „Weltanschauung“. Auch wir Christen haben einen Blick auf die Welt, die Gott zum einen geschaffen hat, die sich zum anderen aber auch entschieden von ihm abgewandt hat. Jesus in dieser Welt nachzufolgen bedeutet eben auch, immer mehr seinen Blick auf die Welt zu bekommen, wie er zu denken und zu handeln. Aber wie lernt man das?
…indem wir sensibel werden für den „Geschmack“ Gottes!
Am deutlichsten wird das vielleicht so: wenn du jemanden schon lange kennst, sei es ein Freund, deine Geschwister oder sogar Eltern, dann ist dir irgendwann „der Geschmack“ dieser Person vertraut. Du könntest etwa sagen, welche Dinge, Sorten, Farben, Eigenschaften, Verhaltensweisen, usw. ihr gefallen würden. Wie kommt das? Stell dir mal eine konkrete Person vor und denke über folgende Fragen nach:

  1. Wie viel Zeit verbringst du mit ihr?
  2. Was hast du bis jetzt alles mit ihr erlebt?
  3. Wie drückst du dein Interesse an dem, was sie dir mitteilt und sagt, aus?
  4. Nimmst du sie beim Wort? Wie zeigt sich das?

Stell dir doch diese Fragen einmal in Bezug auf Jesus. Woher nimmst du die Maßstäbe, mit denen du Fragen und Herausforderungen deines Alltags begegnest? Wie gehst du mit allgemeinen Geboten Gottes um?
In der Bibel gibt es ganze Bücher, die so „arbeiten“: Die Weisheitsliteratur (am anschaulichsten das Buch der Sprüche). Sie zeigen auf, was es heißt, Gottes Willen auf unser Leben anzuwenden. Sie sagen dir nicht, was du wann ganz genau machen sollst, sondern verdeutlichen an konkreten Situationen die großen Prinzipien des Willens Gottes, hinter denen er selbst mit seinem Wesen steht. Hinter der Frage nach unserer Sicht auf die Welt steht also eine noch größere Aufgabe: Weise werden wie Jesus!
Denn ALLES gehört Jesus!
In den folgenden Wochen werden wir deshalb einige Artikel zu Themen veröffentlichen, zu denen die Bibel auf den ersten Blick vielleicht nichts sagt. Damit wollen wir dir beispielhaft aufzeigen, dass es keinen Bereich des Lebens gibt, von dem Jesus nicht will, dass wir nach seinem Willen fragen und leben. Wir wollen dir Einblick dahinein geben, was es heißt, sein Denken von Gottes Wort prägen zu lassen und sein Wort weise und konkret auf unser Leben anzuwenden. Im ersten Artikel klärt Hanniel darüber auf, was es eigentlich mit dem biblischen Begriff „Welt“ auf sich hat und in welchem Verhältnis er zum nichtbiblischen Begriff „Kultur“ steht. Bleibt dran, es wird sich lohnen! Jonathan Malisi
http://www.josiablog.de/2019/04/das-darf-ein-christ-nicht/

Logiker (stehen) in der Versuchung, so zu tun, als hätte die Wirklichkeit nur eine Ebene.

Logiker (stehen) in der Versuchung, so zu tun, als hätte die Wirklichkeit nur eine Ebene. Oder, anders ausgedrückt, ein Logiker kann sich vorstellen, dass er die gesamte Wirklichkeit der Forderung unterwerfen kann, dass wir Begriffe ohne eingebaute Analogien haben. Er versucht, Gott und Gottes Geschöpfe „von oben“ aus einer übergeordneten Perspektive zu betrachten, die alles in einem großen Blickwinkel erfassen kann. Er hofft, dass dadurch Vernunft auf einheitliche Weise über das gesamte Feld hinweg funktioniert. Von dieser hohen Ebene aus hat er Kategorien, die gleichermaßen und einheitlich für Schöpfer und Geschöpf gelten. Um dies zu tun, macht er sich stillschweigend Gott überlegen. Er muss im Prinzip überlegen sein, wenn er die Ausdrücke beherrschen will, die er verwenden wird, um zu bestimmen, was sowohl für den Schöpfer als auch für das Geschöpf gültig sein kann. Er leugnet seinen geschöpflichen Status. Er leugnet auch den fundamentalen Charakter der Schöpfer-Geschöpf-Unterscheidung. – Vern Poythress

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Heil­sa­mes Selbst­ge­spräch

Wir führen in unseren Leben sehr viele Gespräche mit sehr vielen Menschen. Mit einigen reden wir sehr viel, mit anderen tauschen wir nur ein paar Worte und Zeilen aus.
Dann hat meist jeder von uns eine Person, mit der er besonders viel redet. Das kann unser Partner/ unsere Partnerin sein oder unsere Eltern. Das kann auch unser bester Freund sein. Bei anderen ist es vielleicht auch der Friseur oder die Frau, die in der Dorfbäckerei an der Kasse steht.
Tatsache ist aber, dass die Person mit der wir am meisten reden, nicht irgendjemand anders ist, sondern wir selbst. Wir sind ständig mit uns selbst im Gespräch, führen Diskussionen, wägen ab, urteilen über Dinge und Personen und treffen Entscheidungen. Kurz: Die Person, mit der ich am meisten rede, bin ich selbst.
Dass dies keine ungewöhnliche Beobachtung ist, wird uns deutlich werden, wenn wir uns einmal die Zeit nehmen, um die Psalmen durchzulesen. Dort, so werden wir merken, kommt es immer wieder vor, dass die Autoren mit sich selbst reden.
Eines dieser Selbstgespräche, vielleicht das bekannteste, finden wir im Doppelpsalm 42-43, der das zweite Psalmenbuch einleitet.
Der Autor dieses Psalms sieht sich mit Fragen und Zweifeln konfrontiert, die sowohl von außen (von seinen Feinden), als auch von innen (von ihm selbst) kommen.
Und in diesen Zweifeln an der Gegenwart, Gnade und Treue Gottes wendet er sich dreimal an sich selbst mit denselben Worten, indem er sich fragt und selbst zuruft: „Warum bist du so aufgelöst, meine Seele, und warum stöhnst du so in mir? Harre auf Gott! Denn du wirst ihn noch preisen, deinen Retter und deinen Gott. „
Ich glaube nicht, dass es sich hierbei um eine psychologische Aufmunterungsformel handelt oder ein Gebet, dass man für Leidenszeiten parat haben sollte, um sich lästiger Leiden zu entledigen.
Was tut der Psalmist hier? Nun, zum einen nimmt er sich selbst, sein Empfinden und seine Situation ernst. Er verschönert nicht sein inneres Befinden und gebraucht deshalb zwei Ausdrücke, die auf seine innere Unruhe und Zermürbung hinweisen (unruhig, stöhnen).
Aber er tut noch etwas anderes. Er spricht sich mitten in seinen Zweifeln und Fragen selbst an. Wenn er von Seele spricht, meint er damit nicht irgendeine Instanz, die außerhalb von ihm ist. Er meint sich selbst, seine Persönlichkeit.
Mit seiner Anrede an sich selbst, richtet er sich auf Gott aus. Nun, ich weiß, dass der Ausdruck „auf Gott ausrichten“ mehr als verbraucht und oft auch nichtssagend klingt (wie so viele „fromme“ Floskeln, die wir gebrauchen und nicht so recht wissen, was wir damit meinen). Deshalb fragen wir einfach mal: Was bedeutet es, sich ganz auf Gott auszurichten?
Oder fragen wir erst einmal andersrum: Was bedeutet es nicht? Sich auf Gott auszurichten, bedeutet nicht, dass ich auf Krampf versuche, mich gut zu fühlen. Es bedeutet auch nicht, dass ich versuche, das Leiden wegzulächeln (mit einer Art gespielter Freude im HERRN).
Das alles ist nicht, was der Psalmist darunter versteht. Er ruft sich selbst dazu auf, auf den Gott zu harren bzw. zu vertrauen, der sein Retter ist. Er hatte sich mit seinen Fragen und Zweifeln herumgeplagt, mit der Erinnerung an vergangene, freudige Tage, mit der Frage, ob Gott ihn verlassen hat oder sogar gegen ihn ist.
Und jetzt? Er richtet sich auf seinen Retter aus, indem er seine Gedanken weg von seinen Zweifeln, weg von seinen Taten, auf den ausrichtet, der sein Retter ist – sein Gott.
Sich auf Gott auszurichten, bedeutet deshalb, dass ich in meinen Zweifeln und Fragen (die uns alle irgendwann treffen) meine Gedanken weg von dem richte, was ich tue, fühle, denke – hin auf das, was Gott in seinem Sohn Jesus Christus (unserem Retter) getan hat.
Sich auf Gott auszurichten, bedeutet, dass ich im Leiden, in den Anfechtungen, meine Gedanken mit dem Evangelium fülle; also mit all dem, was Christus, mein Retter, für mich getan hat.
Dies ist kein Konzept zur Lösung jeglicher Probleme. Aber wie im Psalmisten, lässt uns die Ausrichtung unserer Gedanken auf unseren Retter Hoffnung fassen und in uns eine große Zuversicht wachsen auf sein Eingreifen. Durch das Evangelium erkenne ich, dass Gott, der seinen eigenen Sohn für uns nicht verschont hat, seine Gnade niemals von mir weichen lassen wird.
Hier sehen wir, dass es sich bei dem Aufruf des Psalmisten nicht um eine gefühlsmäßige Beruhigungsstrategie handelt. Vielmehr klammert er sich an Tatsachen; an die Tatsache, dass der HERR sein Retter ist.
Die Person mit der ich am meisten rede, bin ich selbst. Und deshalb ist es ungemein wichtig, womit ich meine Gedanken fülle – vor allem im Leiden, wenn uns von rechts und links Anfechtungen und Zweifel bedrängen. Der Psalmist zeigt uns, was er tat, um zum Ende des Psalms voller Hoffnung und Zuversicht zu sein: Er richtete sich selbst, seine Gedanken auf seinen Retter.
So ist das Evangelium auch die Nachricht, die uns in unserem ganzen Leben trösten und ermutigen kann. Das Evangelium allein kann uns diesen Trost schenken, denn es richtet uns auf das aus, was nicht wir, sondern unser Retter vollbracht hat.
Damit fordert der Psalm eigentlich dazu auf: Predige dir selbst das Evangelium – mitten in deinen Zweifeln und Fragen und erkenne, dass Gott wegen seinem Sohn für dich ist und dich niemals verlassen wird!
Über den Autor
Rudi Tis­sen (Jg. 1989) ist mit Chris­ti­na ver­hei­ra­tet und Pas­tor der EFG Unna. Sport, Musik und Lesen be­stim­men einen gro­ßen Teil sei­ner Frei­zeit. Phi­lo­so­phi­sche und apo­lo­ge­ti­sche Fra­ge­stel­lun­gen im Zu­sam­men­hang mit dem christ­li­chen Glau­ben fas­zi­nie­ren ihn ge­nau­so wie das An­lie­gen, Ju­gend­li­chen das Wort Got­tes nä­her­zu­brin­gen und des­sen Re­le­vanz für ihr Leben auf­zu­zei­gen.

Heilsames Selbstgespräch

Es gibt zwischen Glauben und Wissenschaft mehr Parallelen, als man denken könnte

Das erste Bild eines schwarzen Lochs aus einer fernen Galaxie versetzt die Wissenschaft in Partystimmung. 8 Radioteleskope auf 4 Kontinenten und ein 200-köpfiges Team haben es geschafft. Ein Algorithmus hat die Unmengen von Daten zu einem Bild zusammengesetzt. Der Blick ins Nichts am Ende von Raum und Zeit schürt die Hoffnung auf tiefere Einblicke in die Geheimnisse des Universums.
Einer der Initiatoren hinter dem Verbund der Observatorien ist der Astrophysiker Heino Falcke. Über schwarze Löcher sagt er: „Wir wissen nicht, was in ihnen vor sich geht. Darin kann alles passieren. Man kann hinein, aber nicht mehr heraus. Das macht manchen Menschen Angst. Und hat etwas Mystisches, fast wie der Eingang zur Hölle.“
Falcke bekennt sich zu seinem Glauben an Gott. Dem „Spiegel“ sagte er: „Es gibt zwischen Glauben und Wissenschaft mehr Parallelen, als man denken könnte. Beide suchen nach dem Grund von allem. Nur traut sich die Physik nicht, einen Schritt weiterzugehen und die Frage nach Gott zu stellen. Ich glaube aber, dass der Mensch nicht nur aus Naturgesetzen besteht. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass da noch mehr ist. Wir haben Geist, Gefühl und Seele. Und diesem Bauchgefühl folge ich auch in der Wissenschaft oft.“
Schwarze Löcher sind extreme Phänomene. Diese Monster der Schwerkraft verschlucken alles Licht. Um sie herum brodelt es, rast alles. Gas wird enorm heiss. Die Energien sind gewaltig, während die Zeit beinahe stillzustehen scheint.
Ein anderes Loch, wo die Zeit für einen Augenblick stillstand, ist ein Felsengrab in Jerusalem. Die Energie, die dort herrschte und den toten Jesus verwandelt wieder ins Leben setzte, muss grösser gewesen sein als in jedem lichtschluckenden Monsterloch im Universum.
Am Kreuz wurde es dunkel; im Grab herrschte Licht. Es ging um alles: um Sünde und Tod besiegen. Raum und Zeit durchbrechen. Ins Leben auferstehen. Den Weg in die Ewigkeit bahnen. Solches vermag nur eine Kraft, die ausserhalb des Sichtbaren existiert.
Das Grab war leer, ein schwarzes Loch. Und doch der Eingang zum Himmel. „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier. Er ist auferstanden!“ Der Blick ins leere Grab weckt die unbändige, begründete Hoffnung auf neues, ewiges Leben. Der Glaube sieht weiter und tiefer als ein Radioteleskop. Frohe Ostern! Rolf Hoeneisen

Tolstoi und Nietzsche stehen am Scheideweg

Tolstoi und Nietzsche stehen am Scheideweg. Der eine haßt alle Wege, während der andere sie alle liebt. Das Ergebnis ist nicht schwer vorherzusehen - sie stehen und stehen am Scheideweg -- Chesterton, Orthodoxie

Erklärung: Tolstoi findet alles Handeln böse, Nietzsche alles Handeln gut. Und so werden beide untätig, weil sie keine Entscheidungen fällen können, da sie schlicht nicht beurteilen können welcher Weg nun besser ist:
Beide sind sie ohnmächtig – der eine, weil er nichts festhalten, und der andere, weil er nichts loslassen darf. Der Tolstoische Wille ist gelähmt durch das buddhistische Gefühl, daß jedes beschränkte Handeln böse ist. Aber der Nietzscheaner ist ebenso gelähmt durch seine Ansicht, daß jedes beschränkte Handeln gut ist — Chesterton: Orthodoxie, S. 90
http://www.philippkeller.com/pages/chesterton-orthodoxie.html#mybook/7