Wider die Vernachlässigung der Ethik

Der anglikanische Pfarrer und Theologe John Stott (1921–2011) über Ethik in seinem Kommentar zu den Thessalonicherbriefen (The Gospel & the End of Time – The Message of 1&2 Thessalonians; IVP, 1991):
„Wir haben euch gelehrt, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, und ihr handelt auch danach. Doch nun bitten wir euch im Namen des Herrn Jesus mit allem Nachdruck: Macht darin auch weiterhin Fortschritte! Ihr kennt ja die Anweisungen, die wir euch im Auftrag des Herrn Jesus gegeben haben. Gott will, dass ihr ein geheiligtes Leben führt…“ 1 Thess 4,1–3a
Eine der größten Schwächen der heutigen evangelikalen Christenheit ist unsere relative Vernachlässigung der christlichen Ethik – sowohl in unserer Lehre als auch in der Praxis. Als Folge davon sind wir besser bekannt als solche, die das Evangelium predigen, und weniger als die, die es leben und verehren. Es fällt Außenstehenden zu selten auf, dass wir eine Gemeinschaft sind, die sich der Heiligkeit des menschlichen Lebens verschrieben hat, die soziale Gerechtigkeit anstrebt, die persönliche Ehrlichkeit und Integrität im Geschäftsleben betont, die einen einfachen Lebensstil praktiziert – im Gegensatz zur Gier in unserer Konsumgesellschaft, und deren Heime von Stabilität gekennzeichnet sind, wo Untreue und Scheidung praktisch unbekannt sind und Kinder in der sicheren und liebenden Obhut ihrer Eltern aufwachsen. Zumindest in der Ehe- und Familienstatistik schneiden die Juden besser ab als die Christen!
Einer der Hauptgründe für all dies ist, dass unsere Kirchen im Großen und Ganzen zu wenig Ethik lehren. Wir sind so sehr damit beschäftigt, das Evangelium zu verkündigen, dass wir nur selten das Gesetz lehren. Wir haben Angst davor, uns den Vorwurf der „Gesetzlichkeit“ einzuhandeln. „Wir leben nicht unter dem Gesetz“, sagen wir fromm – als ob wir frei wären, es zu ignorieren oder ihm gar ungehorsam zu sein. Dagegen meinte Paulus doch, dass unsere Annahme bei Gott nicht von unserer Beachtung des Gesetzes abhängt. Christen sind jedoch immer noch verpflichtet, das moralische Gesetz und die Gebote zu halten. Tatsächlich war der Zweck von Christi Tod, dass „die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde“ (Röm 8,4), und der Heilige Geist, der in unseren Herzen wohnt, schreibt Gottes Gesetz in diese (s. Jer 31,33; Hes 36,27; 2 Kor 3,3–8). Weiterlesen

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Frankreich: Ein verstörendes Verbot

Das oberste französische Verwaltungsgericht hat die Ausstrahlung eines TV-Werbespots verboten, der glückliche Jugendliche mit Downsyndrom zeigt. Begründung: Der Clip könne auf Frauen, die abgetrieben haben, verstörend wirken.

PRO schreibt:

Das Video „Dear Future Mom“ (Liebe zukünftige Mutter) darf im französischen Fernsehen nicht gezeigt werden. Das hat das oberste Verwaltungsgericht im Land entschieden. Der zweieinhalbminütige Clip, den ursprünglich die italienische Organisation „CoorDown“ 2014 veröffentlicht hat, zeigt glückliche Kinder und Jugendliche mit Downsyndrom. Sie wollen Mütter, die ein Kind mit Trisomie 21 erwarten, ermutigen und sprechen in die Kamera: „Habe keine Angst.“

Dann erklären sie der potentiellen Mutter, dass ihr ungeborenes Kind später viele Dinge werde tun können, wie etwa sprechen und ihr sagen, dass es sie lieb hat. Auch glücklich sein, in die Schule gehen und schreiben lernen, sei mit Downsyndrom möglich, ebenso wie reisen, arbeiten und Geld verdienen. Gleichzeitig werde der Alltag aber auch manchmal „schwer, sehr schwer, fast unmöglich“ sein. Dann ist die Frage eines Jugendlichen ergänzt: „Aber ist das nicht so für alle Mütter?“ Schließlich zeigt das Video, wie sich die betroffenen Kinder und die Mütter umarmen und vor Freude strahlen.

Dass dieses Video im französischen Fernsehen nicht gezeigt werden darf, hat das oberste Verwaltungsgericht in zweiter Instanz bestätigt und damit ein schon früher ausgesprochenes Urteil in der Revision bekräftigt. Unter anderem hieß es in der Urteilsbegründung, dass die Bilder auf Frauen, die abgetrieben haben, möglicherweise „verstörend“ wirken könnten, berichten französische Medien.

Mehr: www.pro-medienmagazin.de.

„Wir weigern den Gehorsam“

Wir weigern den Gehorsam und stehn in deinem Heer, wir singen dir Gesänge, doch unser Herz bleibt leer.
Wir nennen dich den Richter und brechen frech das Recht, wir künden die Erlösung und sind so oft noch Knecht.
Lös‘ du uns von uns selber und mach für dich uns frei, dass Leben und Bekenntnis zu deiner Ehre sei. Fritz Woike (1890-1962)

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Konservativ

Wer das Alte, das er für wertig erkannt hat, erhalten will, darf nicht konservativ, sondern muss progressiv sein. Zum Erhalt braucht es immer wieder eine Revolution. Wer seinen weißen Gartenzaun erhalten will, darf ihn nicht sich selbst überlassen, sondern muss ihn regelmäßig neu streichen, sonst wird er schwarz. Bewahren geschieht durch regelmäßige Erneuerung. Erneuert man es nicht, wird man von dem, was man zu bewahren versucht, letztendlich tyrannisiert. G. K. Chesterton

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Donald Trump

Hillary Clinton hat in den wichtigsten Direktdebatten gegen Donald Trump gesiegt – und trotzdem verloren. Trump hat sich mit verbalen Aussetzern diskreditiert – und trotzdem gewonnen. Was ist da passiert? Clinton sei mit einer „grösseren Macht“ konfrontiert gewesen, analysiert der Historiker Allan J. Lichtman. Er hat Trumps Wahl vorausgesagt. Sein Prognosemodell basierte auf Analysen der in den vergangenen Wahlen jeweils unterlegenen Partei. Lichtman sagt, Clinton habe nichts falsch gemacht. Trump habe nicht wegen sich und seiner Kampagne gewonnen, sondern trotz allem.
Viele Amerikaner sehen sich als Verlierer von Globalisierung und Welthandel. Mit Trumps Wahl verpassten sie dem politisch-medialen Establishment einen Denkzettel. Die NZZ bezeichnete seine Wahl als „gewaltigen Weckruf“. Menschen suchten Politiker und Parteien, die ihnen Sicherheit und Vertrauen vermitteln.
Viele Christen wählten Trump, weil sie ihre Anliegen von den Republikanern besser vertreten sehen. Sie vergleichen Trump mit Figuren wie Kyros oder Nebukadnezar. Dazu nehmen sie aber eine Verkürzung des Evangeliums in Kauf: Abtreibung ist durchaus Sünde, aber Rassismus und Frauenfeindlichkeit sind es eben auch! Geht es um Gemeindeleiter, um Bischöfe, dann fordert die Bibel nicht zuerst Fachkenntnis, sondern Integrität: von gutem Ruf, in der Beziehung treu, besonnen, verantwortungsbewusst, freundlich, rücksichtsvoll. Sollten wir von einem Staatspräsidenten viel weniger erwarten?
Was war das jetzt? Ist dem Allmächtigen mit Trumps Wahl in einem entscheidenden Moment der Weltgeschichte ein Unfall passiert? Im alttestamentlichen Israel wollte das Volk Könige. Es bekam sie. Doch über allem stand und steht Gott. „Er bestimmt den Wechsel der Zeiten, er setzt Könige ab und setzt Könige ein“, steht im Buch Daniel. Und er wird die Weltgeschichte zu Ende schreiben. Wir sollen uns auf Gott, nicht auf Menschen verlassen. Psalm 146 ist wegweisend. Ja, wir wollen uns die Erkenntnisse der Reformatoren neu verinnerlichen – allein Gnade, allein Glaube, allein Christus, allein die Schrift und alles zur Ehre Gottes. Um dann zu verstehen, dass es unser Auftrag ist, die Hoffnung und Kraft des Evangeliums zu verkündigen und jesusgemäss zu handeln: Arme, Gefangene, Blinde und Zerschlagene in die Freiheit zu entlassen. Trump hin oder her. Rolf Hoeneisen
https://www.facebook.com/rolf.hoeneisen?fref=nf&pnref=story

Der Professor und sein Knochen

86 Jahre nach der Niederschrift so aktuell wie eh und je:
Es ist noch kaum jemand aufgefallen, wie hilflos die Wissenschaft in bezug auf die prähistorischen Tatsachen herumtappt. Hier hinkt die Wissenschaft, deren moderne Wunder wir alle anstaunen, nach und sammelt nur unablässig neue und immer neue Daten. Bei allen praktischen Erfindungen, bei den meisten naturwissenschaftlichen Entdeckungen lässt sich die Wahrheinlichkeit stets durch Experimente bekräftigen, aber die Wissenschaft ist unfähig, experimentell einen Menschen herzustellen, ja, sie kann nicht einmal beobachten, was die ersten Menschen taten. Ein Erfinder vermag Schritt um Schritt die Konstruktion eines Aeroplans zu fördern, und wenn er auch nur mit Stöcken und Metallabfällen auf seinem Hinterhof herumprobiert. Sollte ihm bei seinen Berechnungen ein Irrtum unterlaufen sein, so wird das Flugzeug diesen Fehler dadurch berichtigen, dass es auf dem Boden zerschellt. Aber der Forscher hat keine Möglichkeit, zu beobachten, wie das ‚Missing Link‘ sich auf seinem eigenen Hofe entwickelt. Und wenn ihm ein Irrtum in bezug auf die Baumlebensweise seiner Ahnen unterlaufen ist, dann sieht er nicht, ob seine auf Bäumen lebenden Vorfahren von dem Baum herunterplumpsen. Er kann auch einen Höhlenmenschen nicht einer Katze gleich auf dem Hofe halten und durch Beobachtung feststellen, ob dieser tatsächlich Menschenfresserei treibt, oder sich seine Eheliebste durch Raub erobert. Er kann nicht einen Stamm primitiver Menschen wie eine Hundemeute im Zwinger halten, um festzustellen, inwieweit sie von Herdeninstinnkten beeinflusst werden. Wenn er bemerkt, dass sich ein spezieller Vogl auf eine ganz spezielle Art benimmt, kann er sich andere Vögel beschaffen und beobachten, ob diese sich in gleicher Weise verhalten; doch wenn er in einer Berghöhle einen Schädel oder den Bruchteil eines Schädels entdeckt, so kann er dieses Stück nicht zu einer Vision des Tales der Gebeine vervielfältigen. Beim Studium einer Vergangenheit, die fast gänzlich ausgetilgt ist, kann der Forscher sich nur vom Augenschein und nicht vom Experimente leiten lassen, und das Beweismaterial ist schwerlich ausreichend, um beweiskräftig zu sein. Während die meisten Wissenschaften sich in einer Art Kurve bewegen, die ständig durch neues Beweismaterial korrigiert wird, entflieht diese Wissenschaft in grader Linie unkorrigiert durch die Erfahrung ins Leere. Aber die Gewohnheit, Schlüsse zu ziehen, wie sich solche tatsächlich auf fruchtbareren Betätigungsfeldern ziehen lassen, ist dem wissenschaftlichen Denken so tief eingewurzelt, dass er auch hier nicht widerstehen kann, ins Blaue hinein zu reden. Der Wissenschaftler spricht über die durch ein Bruchstück eines Knochens angeregte Idee, als handle es sich um ein Flugzeug, das doch zum wenigsten aus einem ganzen Haufen von Metallabfall gebaut worden ist. Das Schlimme bei dem Professor  der Prähistorie ist, dass er es nicht über sich bringt, seinen Abfall zum Abfall zu werfen. Das wunderbare, triumphierende Flugzeug ist aus hundert Irrtümern entstanden. Wer dem Ursprung der Dinge nachforscht, kann nur einen Irrtum begehen und bleibt an diesem dann haften. … Manchmal wird ein Professor mit seinem Knochen fast so bösartig wie ein Hund mit seinem Knochen. Aber der Hund leitet wenigstens von seinem Knochen keine Theorie ab und will nicht beweisen, dass sich das Menschtum auf die Hunde vererbte – oder von ihnen herstammte.
G. K. Chesterton. Der unsterbliche Mensch. Carl Schünemann: Bremen, 1930. (47-49)

Zitat der Woche: Der Professor und sein Knochen

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Trump for president!?

„Jedes Land bekommt die Regierung, die es verdient“, heißt es. Was bedeutet das wohl jetzt für die USA? Nun haben die Amerikaner einen weitgehend unberechenbaren Selbstdarsteller als Regierungschef am Hals. Wie bei den meisten Wahlen wurde Trump vor allem von den zahlreichen Unzufriedenen ins Amt gebracht, denjenigen, denen die USA militärisch zu zurückhaltend auftritt, denjenigen, die in den vergangenen Jahren ihren Job verloren haben, denjenigen, die gerne alle Ausländer loswerden und nur noch amerikanische Produkte kaufen wollen, denjenigen, die allem was aus anderen Ländern kommt grundsätzlich misstrauen usw.
In Demokratien ist es häufig so, dass nach einer längeren Regierungszeit einer politischen Partei zur Abwechslung eine andere gewählt wird. Man hat eben genug von immer demselben. Und man lastet alles was einem nicht gefällt den gerade Regierenden an.
Auch wenn niemand wirklich weiß, was von einer Regierung Trump zu erwarten ist, höchstwahrscheinlich wird die Welt auch jetzt nicht untergehen. Denn selbst der politische Spielraum eines amerikanischen Regierungschefs ist begrenzt. Im Augenblick aber ist nicht absehbar, wie Trump die USA voranbringen will und wie sich Amerika unter der neuen Führung international verhalten wird.
Äußerst bedenklich ist die fast zwanghafte Festlegung amerikanischer Evangelikaler auf den republikanischen Kandidaten. Umfragen zufolge sollen 81% der Evangelikalen für Trump gestimmt haben. Viele evangelikale Prediger haben sogar auf der Kanzel Wahlwerbung für den Republikaner gemacht. Klug taktierend hatte er sich in einigen sexualethischen Fragen, wie Homosexualität, Gender und Abtreibung, in ihrem Sinne geäußert. Dabei machen diese Fragen m politischen Alltagsgeschäft nur etwa 5% der Entscheidungen aus. Leider lassen sich evangelikale Amerikaner so einfach berechnen. Politiker brauchen nur zwei oder drei Schlüsselbegriffe fallenlassen und schon haben sie die Sympathie der Christen.
Das sehr einseitige Abonnement der meisten amerikanischen Evangelikalen auf die Republikaner ist durchaus problematisch. Auf diese Weise verliert auch ihre christliche Botschaft mit jeder falschen Entscheidung der Regierung massiv an Glaubwürdigkeit. Viele Junge und Gebildete verlassen deshalb jedes Jahr in den USA die Gemeinden. Für die amerikanischen und auch die deutschen Evangelikalen wäre es weit besser, mehr zu beten und mutiger vom Evangelium zu reden, als sich an unsauberen, politischen Intrigen zu beteiligen. In einzelnen Sachfragen sollten sie dann durchaus auch öffentlich ihre Stimme erheben, aber nicht immer im Interesse einer politischen Partei.
Die deutschen Medien reagieren bei jeder US-Wahl sehr voraussehbar: Immer sind sie für den Kandidaten der Demokraten, ganz gleich wer es ist. Immer malen die die Katastrophe für den Fall an die Wand, wenn der Republikaner gewinnen sollte. Das ist zwar eine durchaus effektive Wahlhilfe, wird mit der Zeit aber langweilig und zeigt eine beängstigende Unfähigkeit, objektiv und ausgewogen zu berichten.
Frau Clinton war aus meiner Sicht auch keine gute Alternative. Wahrscheinlich hätte ich als amerikanischer Christ intensiv gebetet und einen ungültigen Wahlschein angegeben. – Im Nachhinein können Gläubige natürlich für eine echte Bekehrung Trumps beten, dann würde aus einem konservativen Präsidenten vielleicht noch ein an christlichen Werten orientierter.
Wahrscheinlich werden wir uns auch in Europa auf Jahre einrichten, in denen die politischen „Klartext-Redner“ den Ton angeben, Leute, die heftig vom Leder ziehen können, die starke Feindbilder haben, einfache Lösungen propagieren, die den Nationalismus fördern und grundsätzliche Skepsis allem ausländischen gegenüber.
Doch wie schon in den vergangenen 2000 Jahren gilt auch heute für Christen: „So ermahne ich euch nun, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und alle Obrigkeit, auf daß wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Denn solches ist gut und angenehm vor Gott, unserm Heiland, welcher will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ (1Tim 2, 1-4) Michael Kotsch https://www.facebook.com/michael.kotsch.9/posts/852794174860362