Wir können vor Gott nicht weglaufen, aber wir können uns in seine Arme werfen.

Zuerst nämlich wendet sie sich in ihrer Sündhaftigkeit – circumferens mortalitatem suam, circumferens testimonium peccati sui – von Gott ab, verlässt ihn und flüchtet vor ihm auf seltsamen Pfaden in abgelegene Gebiete und in tiefste Abgründe, um dann erst um Hilfe zu rufen. Viel später aber begreift sie, dass Gott auch dort anwesend war, um die Seele herauszureißen und sie im letzten , aber eben auch entscheidenden Augenblick zurückzuführen und wieder auf die richtige Fährte zu setzen. So wird es ihr möglich, doch noch, nach so langer Wanderung, das Haus Gottes zu finden. (Augustinus) Soulsaver

Der Christusglaube

An Christus zu glauben heißt, die Versuche aufzugeben, Gottes Gunst durch den eigenen Charakter zu gewinnen. Der Mensch, der an Christus glaubt, akzeptiert schlichtweg das Opfer, das Jesus auf Golgatha dargebracht hat. Das Resultat eines solchen Glaubens ist ein neues Leben, inklusive aller guten Werke; doch die Erlösung selbst ist ein absolut freies Geschenk von Gott. John Gresham Machen (1881–1937).

Ohne absoluten moralischen Massstab…

    …lässt sich nicht endgültig sagen, ob etwas gut oder böse ist. Mit absolut meinen wir hier etwas, das immer gilt, das immer einen endgültigen Massstab liefert, ein ‚Allgemeines’. Es muss ein Allgemeines geben, wenn es Moral geben soll, und es muss ein Allgemeines geben, wenn es wirkliche Werte geben soll. Wenn es jenseits der menschlichen Gedanken kein Allgemeines gibt, dann gibt es keine letzte Instanz, an die man sich wenden könnte, wenn die moralischen Entscheidungen verschiedener Einzelner und Gruppenmiteinander in Konflikt geraten. Es bleiben lediglich widersprüchliche Meinungen, von denen eine so gut wie die andere ist.
Wenn die Absoluta verschwunden sind und wir weder das hedonistische Chaos noch die bestimmende Mehrheit der ‚einundfünfzig Prozent’ wollen, bleibt nur noch eine Alternative: Ein einzelner oder eine Elite muss autoritäre, willkürliche Absoluta setzen. Hier gilt eine einfache, aber inhaltsschwere Regel: Wenn keine Absoluta vorhanden sind, nach denen die Gesellschaft zu beurteilen ist, dann ist die Gesellschaft absolut.
Der moderne Mensch hat keine wirklichen Maßstäbe dafür, was er tun sollte; er weiss nur, was er tun kann. Moralische Pflichten und das im Augenblick soziologisch Akzeptierte werden gleichgesetzt. Aus: Francis Schaeffer. Wie können wir denn leben? Hänssler: Holzgerlingen 2000.

Die grosse Trennung zwischen Gott und Mensch

(Eine Perspektive, auf den Sündenfall zu blicken, ist die Beachtung der) Trennungen, die durch die Sünde verursacht werden. Zuerst ist die große Trennung zwischen Gott und Mensch. Sie liegt allen anderen Trennungen zugrunde, nicht nur in der Ewigkeit, sondern auch jetzt. Der Mensch steht nicht mehr länger in Gemeinschaft mit Gott, zu der er bestimmt war. Deshalb kann er den Zweck seiner Existenz nicht erfüllen, Gott mit ganzem Herzen, ganzer Kraft und ganzem Verstand zu dienen und als persönlich-endliches Wesen vor einem unendlich persönlicher Gott in Gemeinschaft zu sein. Als der Mensch sündigte, war der Zweck seiner Existenz zertrümmert. Der moderne Mensch hat Recht, wenn er sagt, dass der Mensch tot sei. Es ist nicht so, dass der Mensch nichts ist, sondern dass er nicht mehr in der Lage gesetzt ist, sein “Menschsein” (mannishness) zu leben.
Francis Schaeffer. Complete Works. Vol. 2. S. 69f.

Die atheistische Kontingenzbewältigung ist radikaler als die religiöse.

Der Gedanke, die Welt könnte anders sein, als sie ist, ja sogar die Naturgesetze sein kontingent, konnte erst entstehen auf dem Hintergrund des Gedankens eines Ursprung der Welt aus einer freien Entschließung. Gottesglaube als Kontingenzbewältigung kann deshalb nichts anderes heißen, als dass die Wunde nur geheilt werden kann durch das Eisen, das sie schlug. Darum taugt dieser Gedanke kaum für eine funktionalistische Religionsbegründung. Die atheistische Kontingenzbewältigung ist radikaler als die religiöse. Sie ist Kontingenzbeseitigung. Dies ist allerdings vielleicht aus psychologischen Gründen unmöglich. Menschen können sich schwer von dem Gedanken trennen, etwas könnte anders sein, als es ist. Aber das heißt vermutlich nur, daß Menschen sich schwer vom Gedanken an Gott trennen können.

[Robert Spaemann. Das unsterbliche Gerücht]

Skeptisch gegenüber Wunderberichten

In der Regel sind Menschen, die an Gott glauben, skeptisch gegenüber Wunderberichten; geneigt, ihnen keinen Glauben zu schenken, gleichzeitig aber jederzeit auf das Wunder zu warten, das sie überzeugt. Die höchste Form des Bedürfnisses der Kontingenzbewältigung ist das Bedürfnis, dankbar zu sein. Hier kann der Atheismus keinen Ersatz bieten, denn Kontingenzbeseitigung wäre hier gleichbedeutend mit der Beseitigung des Glücks, danken zu können. [Robert Spaemann. Das unsterbliche Gerücht]

Du sollst den Namen des Herrn nicht zum Eitlen anrufen!

Man möchte sich in die Reihen der Gläubigen mengen, um den Philosophen, die den Gott der Religion zu retten glauben, indem sie ihn durch ein unpersönliches, schattenhaft abstraktes Prinzip ersetzen, die Mahnung vorzuhalten: »Du sollst den Namen des Herrn nicht zum Eitlen anrufen!« [Siegmund Freud. Das Unbehagen in der Kultur]