Um wirklich Christus-orientiert zu sein, besteht christliche Überzeugungskraft aus viel mehr als nur Argumenten

Um wirklich Christus-orientiert zu sein, besteht christliche Überzeugungskraft aus viel mehr als nur Argumenten, Beweisen oder einem Kampf um Weltanschauungen. Es ist eine Kunst, sich für die Wahrheit einzusetzen. Diese Kunst sollte den Wahrheiten des christlichen Glaubens selbst treu bleiben und daher sowohl durch das christliche Verständnis der Wahrheit selbst als auch durch besondere Wahrheiten des Glaubens geprägt werden. Dies zu sagen bedeutet nicht, wie einige Leute heute behaupten, dass wir einfach das Evangelium predigen und nie versuchen sollten zu überzeugen.
Proklamation und Überzeugungsarbeit dürfen nie voneinander getrennt werden. Das bedeutet, dass das Einstehen für die Wahrheit (advocacy) immer unabhängig bleiben muss. Sie muss stets in sich schlüssig sein und durch die großen Wahrheiten der Schrift, insbesondere durch die fünf zentrale Wahrheiten der des Glaubens, nämlich der Schöpfung, des Sündenfalls, der Menschwerdung, des Kreuzes und des Heiligen Geistes entscheidend geprägt werden.
Getreu dem biblischen Verständnis der Schöpfung muss die christliche Überzeugungskraft immer die menschliche Fähigkeit zur Vernunft und den Vorrang des menschlichen Herzens berücksichtigen.
Getreu dem Verständnis des Sündenfalls muss die christliche Überzeugungskraft immer die Anatomie eines ungläubigen Geistes in seiner Verleugnung Gottes berücksichtigen.
Getreu der Menschwerdung Jesu muss die christliche Überzeugungskraft immer in erster Linie von Mensch zu Mensch und von Angesicht zu Angesicht sein und nicht Argument gegen Argument, Formel gegen Formel, Medien gegen Medien oder Methodik gegen Methodik.
Getreu dem Kreuz Jesu muss die christliche Überzeugungskraft in ihrer Art und Weise dem Kreuz entsprechen, ebenso wie sie in ihrer Botschaft auf das Kreuz ausgerichtet ist. …
Und getreu dem Heiligen Geist muss die christliche Überzeugungskraft immer wissen und zeigen, dass die entscheidende Kraft nicht unsere ist, sondern von Gott stammt. Denn Gott ist sein eigener Hauptverteidiger, sein bester Fürsprecher und derjenige, der die Welt herausfordert, “ihren Fall darzulegen”. Und wie Jesus es uns sagt, ist sein Geist, der Geist der Wahrheit, derjenige, der das wesentliche Werk der Überzeugung und Verurteilung vollbringt.Os Guinness. Fool’s Talk. S. 27-28.
Gefunden bei Hanniel Strebel https://hanniel.ch/

Logiker (stehen) in der Versuchung, so zu tun, als hätte die Wirklichkeit nur eine Ebene.

Logiker (stehen) in der Versuchung, so zu tun, als hätte die Wirklichkeit nur eine Ebene. Oder, anders ausgedrückt, ein Logiker kann sich vorstellen, dass er die gesamte Wirklichkeit der Forderung unterwerfen kann, dass wir Begriffe ohne eingebaute Analogien haben. Er versucht, Gott und Gottes Geschöpfe „von oben“ aus einer übergeordneten Perspektive zu betrachten, die alles in einem großen Blickwinkel erfassen kann. Er hofft, dass dadurch Vernunft auf einheitliche Weise über das gesamte Feld hinweg funktioniert. Von dieser hohen Ebene aus hat er Kategorien, die gleichermaßen und einheitlich für Schöpfer und Geschöpf gelten. Um dies zu tun, macht er sich stillschweigend Gott überlegen. Er muss im Prinzip überlegen sein, wenn er die Ausdrücke beherrschen will, die er verwenden wird, um zu bestimmen, was sowohl für den Schöpfer als auch für das Geschöpf gültig sein kann. Er leugnet seinen geschöpflichen Status. Er leugnet auch den fundamentalen Charakter der Schöpfer-Geschöpf-Unterscheidung. – Vern Poythress

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Die zwei Aspekte der Seelsorge

In der Seelsorge gibt es immer zwei Aspekte. Einerseits muss der Seelsorger Gottes Gebote kennen und dem Mitchristen Gottes Gesetz als Spiegel vorhalten, um ihn entweder zu ermutigen, Gottes Gebote zu halten, oder um ihn aufzufordern, um Vergebung seiner Schuld zu bitten und umzukehren. Andererseits gibt es Probleme, in denen es nicht um das Halten oder Übertreten der Gebote Gottes geht, sondern in denen weise Entscheidungen gefordert sind. Hier kann der Seelsorger auf biblische Weisheitstexte hinweisen, von seinen Erfahrungen berichten, Ratschläge geben und dazu anleiten, die Folgen von Handlungen und Entscheidungen zu überdenken. Er hat hier aber nicht dieselbe Autorität, wie wenn er sich auf Gottes Wort berufen kann. (S. 104 – Thomas Schirrmacher – Führen in ethischer Verantwortung – Die drei Seiten jeder Entscheidung – Brunnen 2002)

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Noch nie hat das sprachliche Geschlecht mit dem biologischen übereingestimmt.

„Noch nie hat das sprachliche Geschlecht mit dem biologischen übereingestimmt. Schon «das Weib» ist ein Skandal, die Eselsmilch natürlich ebenso. Was wäre weiblich an der Rhone und männlich am Rhein? Haben die Vögel drei Geschlechter, weil wir der Spatz, die Amsel und das Rotkehlchen sagen? Macht es uns Probleme, unter den Katzen auch die Kater zu verstehen? Oder glaubt irgend jemand, in der Einwohnerstatistik wären die Frauen nicht mitgezählt?“
Aus einem Essay von Wolf Schneider

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Theologie der Anpassung

Ein gut Teil heutiger Theologie ist Theologie der Anpassung an den Geist des »We never had it so good« mit seinem gezähmten Gottesgedanken und der Ablehnung jeglichen Urteils über die Sünde des Menschen. Im allgemeinen scheint die Botschaft der Theologie an die Öffentlichkeit zu lauten: Doch, es gibt einen Gott, aber wir können versprechen, daß er sich nicht einmischt. Die Theologie vermittelt, gewollt oder ungewollt, den Eindruck der Unwirklichkeit Gottes. Klaus Bockmühl
(„Aufgaben der systematischen Theologie heute“, in: Denken im Horizont der Wirklichkeit Gottes: Schriften zur Dogmatik und Theologiegeschichte, Abt. 2, Bd. 1, 1999, S. 105-121, hier S. 114)

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Theologie ist eine harmlose Angelegenheit geworden

Heute haben wir es mit einer Dialoginflation zu tun. Man will mit jedem und möglichst allen „ins Gespräch kommen“. Theologie muss relational und kommunikativ sein. Der Gegenstand, über den wir sprechen, ist nicht so wichtig, die Beziehung, die wir im Dialog eingehen, ist wichtiger. Der Dialog unserer Tage dient nicht der Wahrheit, sondern der Gemeinschaft. Diese gemeinschaftssuchenden Dialoge gehen von einer Kirchengemeinschaft zur anderen, von einer Religionsgemeinschaft zur anderen. Zugleich entstehen wahrheitssuchende Dispute in allen Kirchen und in allen Religionen zwischen Konservativen und Progressiven, zwischen Fundamentalisten und Modernisten. Warum sind die gemeinschaftssuchenden Dialoge und die wahrheitssuchenden Dispute getrennt? Warum gehen Gemeinschaft und Wahrheit nicht zusammen?
Es gibt einen flachen Witz über die moderne Philosophie der Kommunikation: Ein Reisender ist in einer fremden Stadt. Er fragt einen, der ihm begegnet: „Wissen Sie, wo es zum Bahnhof geht?“ Der antwortet: „Das weiß ich auch nicht, aber ich freue mich, dass wir ins Gespräch gekommen sind.“ Es ist kein Wunder, dass es in der Theologie still geworden ist. Ich erinnere noch die heftigen Dispute über „Entmythologisierung“ oder „feministische Theologie“, um nur zwei zu nennen. Heute sind Theologen friedlich geworden. Es gibt kaum noch Streit. Die Öffentlichkeit nimmt kaum noch Notiz. „Wissenschaftliche Theologie“ hat die Kirchen verlassen und konzentriert sich auf Anerkennung im Haus der Wissenschaften. Dogmatik geht zur Religionsphilosophie über. In früheren Zeiten klagten die Leute über die Streitlust der Theologen, die rabies theologorum. Heute ist Theologie eine harmlose Angelegenheit geworden. Ist das nicht gut so? Nein! Wir müssen wieder lernen. Ja oder Nein zu sagen. Ein Streit kann mehr Wahrheit enthalten als ein toleranter Dialog.
Christliche Erneuerungen in schwierigen Zeiten, 2019, S. 14–16

Jürgen Moltmann: Theologie ist eine harmlose Angelegenheit geworden

Geistlicher Ehebruch heute

Wenn diejenigen, die behaupten, daß sie Gott gehören, sich von dem Wort Gottes und dem Christus der Geschichte abwenden, dann ist das in Gottes Augen sehr viel schlimmer als der schlimmste Fall von ehelicher Untreue, denn das zerstört die Wirklichkeit des großen, zentralen Braut-Bräutigam-Verhältnisses. Ich habe mich bemüht zu betonen, daß Gott Promiskuität in geschlechtlichen Beziehungen keineswegs auf die leichte Schulter nimmt, aber Abfall vom Glauben — geistlicher Ehebruch — ist viel schlimmer. Und das ist genau das, was der moderne liberale Theologe getan hat. Und was sagen wir dazu? Ich würde meinen, daß wir uns bemühen sollten, die Situation nicht weniger klar zu beurteilen, als Gott das tut. Wenn man sich die liberale Theologie von heute ansieht, so wird deutlich, daß sie den Gott, den es gibt, leugnet. Sie leugnet den göttlichen historischen Christus. Sie leugnet die Bibel als das Wort Gottes in menschlicher Sprache. Sie leugnet den Heilsweg Gottes. Die Liberalen erheben ihre eigenen humanistischen Theorien in eine Stellung, die über dem Wort Gottes, der offenbarten Mitteilung Gottes an den Menschen, gilt. Sie machen sich durch bloße Projektionen ihres Denkens Götter, die keine Götter sein können.
Francis Schaeffer (Die Kirche Jesu Christi, 1981, S. 43–44)

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