Folgen der Eitelkeit

Ein Kardinal der Katholischen Kirche wurde besonders umschmeichelt und umworben. Er hat angeordnet, dass man sieben Wochen nach seiner Bestattung den Leichnam aus der Erde nehme und ihn abbilde. Dieses abschreckende Bild sollte seinen Verehrern und Verehrerinnen gezeigt werden, damit man sehe, wie der Dienst der Eitelkeit den Menschen zerstört.

Entnommen aus einer Bibelstunde von Hermann Bezzel zu Römer 8,18-23.
Eitelkeit hat heute so viele Synonyme: Überheblichkeit, Hochnäsigkeit, Wichtigtuerei, Aufgeblasenheit, Snobismus, Großtuerei, Hochmut, Stolz, Blasiertheit, Selbstgefälligkeit…Eitelkeit hat so viele Erscheinungsformen…
Aber letztlich zerfrisst Eitelkeit die Menschen und macht sie hässlich. Das einzige Gegenmittel ist die Selbsterkenntnis durch Gottes Wort.
http://www.lgvgh.de/wp/folgen-der-eitelkeit/7606

Der Anspruch auf die Wahrheit ist selbst schon politisch unkorrekt

Der Anspruch auf die Wahrheit ist selbst schon politisch unkorrekt, weil man ihm unterstellt, die Gleichberechtigung des anderen nicht anzuerkennen. Damit wird aber auch die Toleranz bedeutungslos, denn sie muss einen Grund haben, der nur in der Achtung der Würde des anderen bestehen kann. Dazu gehört, ihm die Wahrheitsfähigkeit zuzusprechen. Nichteinmischung im Meinungsstreit ist keine Toleranz – Gleichgültigkeit vor der Meinung des anderen bedeutet, ihn nicht ernst zu nehmen. Robert Spaemann  
Quelle: In einem Interview des Hamburger Magazins „Spiegel“

Amen

“Amen” is a Hebrew word meaning “yes” or “agreed”. When we pray with others we say “Amen” when we agree with a prayer and don’t say “Amen” if we disagree or are not sure. When we pray alone “Amen” is like a signature at the end of a letter. When others pray or make statements, saying “Amen” is like signing their letter. Saying “Amen” should not be automatic or thoughtless. Amen does not mean “uh-huh” or “whatever”. It means “yes”. We are responsible before God to listen carefully to what people say or pray and agree or not agree.
Amen, Amen′′
Amen ′′ ist ein hebräisches Wort, das ′′ ja ′′ oder ′′ einverstanden ′′ bedeutet. Wenn wir mit anderen beten, sagen wir ′′ Amen „. wenn wir mit einem Gebet einverstanden sind und nicht ′′ Amen ′′ sagen, wenn wir anderer Meinung sind oder nicht sicher sind. Wenn wir alleine beten ′′ Amen ′′ ist wie eine Unterschrift am Ende eines Briefes. Wenn andere beten oder Aussagen machen, ′′ Amen ′′ zu sagen, ist es wie ihren Brief zu unterschreiben. ′′ Amen ′′ zu sagen, sollte nicht automatisch oder gedankenlos sein. Amen bedeutet nicht ′′ uh-huh ′′ oder ′′ was auch immer „. Es bedeutet ′′ ja „. Wir sind vor Gott verantwortlich, sorgfältig darauf zu hören, was die Leute sagen oder beten und einverstanden sind oder nicht einverstanden sind.
Ellis H.Potter

Die Königin des Feminismus

Die Königin des Feminismus

Ein alter Beitrag aus dem Jahr 1999, geschrieben für das litauische Journal „Prizmė“.
Eine Vorkämpferin der modernen Frauenbewegung, des Feminismus, war sie nicht. Die Frauenfrage war nicht ihr Hauptthema. Aber seid ihrer Jugend haßte Simone de Beauvoir die bürgerlich-patriarchalische Gesellschaft und lebte jahrzehntelang in einer ‘modernen’ offenen Beziehung, die beispielgebend für viele Feministinnen wurde. Zur Königin des Feminismus machte sie schließlich ihr gewaltiges Werk Das andere Geschlecht aus dem Jahr 1949 [dt; Orig: Le deuxième Sexe; wörtlich: Das zweite Geschlecht] – bis heute wohl die umfangreichste und intelligenteste Total-Analyse der Situation der Frau.
Simone de Beauvoir wurde 1908 in Paris als Tochter eines Juristen geboren. Von ihrer Mutter wurden sie und ihre jüngere Schwester streng katholisch erzogen und auf eine konfessionelle Schule geschickt, doch Simone trat eher in die Fußtapfen des agnostischen Vaters. Schon als Heranwachsende lehnte sie bald jeden Gottesglauben ab – und behielt diese Auffassung bis zum Lebensende: „Es war mir leichter, eine Welt ohne Schöpfer zu denken, als einen Schöpfer, der mit allen Widersprüchen der Welt beladen war.“ (Christiane Zehl Romero, Simone de Beauvoir, 1998, S. 18) Mit dem Gottesglauben verwarf sie auch praktisch alle anderen bürgerlichen Werte. Was blieb war ihr beeindruckender Fleiß, ein einfaches, strenges Leben und – nicht zuletzt – ihre Sucht (so muß man es wohl schon nennen) nach Literatur.
Aus den gesellschaftlichen Zwängen brach man damals noch nicht so leicht aus – die Eltern de Beauvoir bestimmten die Studienfächer der Tochter: erst Philologie, dann Philosophie, was natürlich die Interessen Simones genau traf. Mit dem Studium gelang dann endlich der Ausbruch aus der Welt der Mutter. Allerdings gründete die junge Intellektuelle keinen eigenen Haushalt, im Gegenteil. Sie lehnte sich nicht nur gegen den Glauben der Mutter, sondern gegen deren ganze Daseinsform auf. In ihrer Autobiographie schreibt de Beauvoir: „Eines Tages half ich Mama beim Geschirrspülen; sie wusch die Teller, ich trocknete ab; durchs Fenster sah ich die Feuerwehrkaserne und andere Küchen, in denen Frauen Kochtöpfe scheuerten oder Gemüse putzten. Jeden Tag Mittagessen, Abendessen, jeden Tag schmutziges Geschirr! Unaufhörlich neu begonnene Stunden, die zu gar nichts führen – würde das auch mein Leben sein?… Nein, sagte ich mir, während ich einen Tellerstapel in den Wandschrank schob, mein eigenes Leben wird zu etwas führen.“ (Zehl Romero, S. 22)
Nur nicht in das Mühlrad der Hausfrau gelangen, so lautete de Beauvoirs Devise – ihr Leben lang. Im „anderen Geschlecht“ spiegelt sich dieser Haß auf die Hausarbeit gleich mehrfach wider: „Nur wenige Tätigkeiten haben so sehr den Charakter einer Sisyphusarbeit wie die der Hausfrau. Tag für Tag wird Geschirr gespült, Staub gewischt, Wäsche geflickt, um die Dinge am nächsten Tag wieder schmutzig, staubig und zerrissen vorzufinden. Die Hausfrau verschleißt ihre Kräfte, indem sie auf der Stelle tritt. Sie macht nichts: sie verewigt lediglich die Gegenwart. Sie hat nicht den Eindruck, etwas Gutes zu erobern, sondern endlos gegen das Böse anzukämpfen… Waschen, bügeln, fegen, Wollmäuse unter den Schränken aufstöbern heißt den Tod aufhalten, das Leben jedoch verweigern… Die Frau ist nicht berufen, eine bessere Welt zu errichten… Es ist ein trauriges Los, immerfort einen Feind aus dem Feld schlagen zu müssen, statt positive Ziele zu verfolgen.“ (Das andere Geschlecht, S. 555–557)
Schon als Heranwachsende stand für de Beauvoir fest, daß sie ein anderes Leben führen wollte: „Kinder zu haben, die ihrerseits wieder Kinder bekämen, hieß nur das ewig alte Lied wiederholen; der Gelehrte, der Künstler, der Schriftsteller, der Denker schufen eine andere, leuchtende, frohe Welt, in der alles seine Daseinsberechtigung erhielt. In ihr wollte ich meine Tage verbringen; ich war fest entschlossen, mir darin einen Platz zu verschaffen.“ (Zehl Romero, S. 22) De Beauvoir blieb diese Vorsatz treu und kannte immer nur ein großes Ziel: eine berühmte Schriftstellerin werden. Sie entfloh dem Hausfrauendasein „zwischen animalischem Leben und freier Existenz“, um in der aristokratischen Welt der Intellektuellen der „Wahrheit, Schönheit und der Freiheit“ zu huldigen. Irgendwie schien es de Beauvoir nicht aufgefallen zu sein, daß auch sie sich die Arbeit der ach so niedrigen Frauen in den Wäschereien, Cafés, Restaurants und Hotels gern gefallen ließ (erst 1954 zog sie in eine eigene Wohnung, vorher lebten sie und Sartre in Hotels). Daß es im Haushalt so etwas wie Kreativität und Erfüllung als Mensch wenigstens geben kann, blieb natürlich meilenweits jenseits von de Beauvoirs ideologisch verengten Horizont.
Während des Studiums lernte de Beauvoir Jean-Paul Sartre kennen. Die junge Studentin erkannte in dem zwei Jahre Älteren sogleich ihren „Doppelgänger“ und vertraute ihm rückhaltlos. Beide spekulierten anfangs zwar durchaus einmal mit dem Gedanken an Heirat, einigten sich aber bald auf den Abschluß eines „Paktes“: Man wollte ‘zusammen’ leben und dann nach zwei Jahre neu über eine mögliche Fortsetzung der Beziehung entscheiden. Die totale Offenheit ließ sich natürlich nicht lange durchhalten – das Modell einer dauerhaften, aber offenen Lebengemeinschaft setzte sich schließlich durch. Besonders Sartre wollte nicht auf seine „Zufallslieben“ verzichten. Und de Beauvoir fürchtete die Selbstauflösung in einer Ehe.
Neben der Hausarbeit galt der Ehe de Beauvoirs lebenslanger Kampf. Sie lehnte sie nicht nur persönlich für sich ab, sondern verwarf die Institution als solche, was einige vielsagende Passagen aus dem „anderen Geschlecht“ illustrieren: „Man sagt – oft mit Recht –, daß die Ehe den Mann schrumpfen läßt. Aber fast immer vernichtet sie die Frau.“ (S. 605) „Nicht die Individuen sind verantwortlich für das Scheitern der Ehe. Die Institution selbst ist… zum Scheitern angelegt. Zu erklären, daß ein Mann und eine Frau… einander auf Lebenszeit in jeder Hinsicht genügen müssen, ist eine ungeheuerliche Anmaßung, die zwangsläufig Heuchelei, Lügen, Feindschaft und Unglück erzeugt.“ (S. 608) „Ökonomisch gesehen ist die Situation der Prostituierten mit der einer verheirateten Frau vergleichbar… Für die eine wie für die andere ist der Geschlechtsakt ein Dienst. Die zweite wird auf Lebenszeit von einem einzigen Mann engagiert, die erste hat mehrere Kunden, die sie nach Leistung bezahlen.“ (S. 701) Und über die Ehe am Lebensende: „Erst am Ende ihres Lebens… findet die alte Frau gewöhnlich zu einer heiteren Gelassenheit. Da ihr Mann meist älter ist als sie, wohnt sie seinem Niedergang mit stiller Genugtuung bei. Das ist ihre Rache. Wenn er als erster stirbt, erträgt sie diese Trauer wohlgemut.“ (S. 746)
In den 30er Jahren arbeitete de Beauvoir als Lehrerin, in den 40ern machte sie durch erste Veröffentlichung auf sich aufmerksam und wurde auch als Partnerin Sartres als des Kopfes des französischen Existentialismus bekannt. Ihr wichtigstes literarisches Werk wurden Die Mandarins von Paris (Les Mandarins) von 1954, wofür sie den Literaturpreis Prix de Goncourt erhielt. Fünf Jahre zuvor erschien ihr berühmtestes und bis heute bekannteste Buch, Das andere Geschlecht. Auf fast 1000 Seiten entfaltet de Beauvoir darin ein umfangreiches Panorama der Situation der Frau. Geradezu ehrfurchtgebietend ist die ungeheure Materialfülle – es scheint auch wirklich nichts zu geben, wovon die Schriftstellerin nicht Ahnung hätte: gekonnt variiert sie ihr biologisches, physiologisches, historisches, psychologisches, philosophisches und literarisches Wissen, wie einen riesigen unbekannten Kontinent durchfährt sie „die Frau“ (noch ganz unfeministisch gebraucht sie nie die 1. Person Plural „wir“!).
Philosophischer Ausgangspunkt des Werks ist der damals top-moderne Existentialismus ihres Partners Sartre. Er unterschied zwischen dem „An-sich-Sein“ und dem „Für-sich-Sein“. Ersteres ist das in der Gegenwart verhaftete, unbewußte Sein, letzteres meint das durch Bewußtsein bestimmte Sein des Menschen. Dieser ist ein Sein, das sich durch einen Entwurf auf die Zukunft hin überschreitet. Bei de Beauvoir heißt es in einem Essay, daß der Mensch ein „Entwurf des Ichs auf anderes hin, eine Transzendenz“ ist. Noch deutlicher sagt sie es in der Einleitung des „anderen Geschlechts“: „Unsere Perspektive ist die der existentialistischen Ethik. Jedes Subjekt setzt sich durch Entwürfe konkret als eine Transzendenz. Es verwirklicht seine Freiheit nur durch deren ständiges Überschreiten auf andere Freiheiten hin.“ (S. 25) Mit einfacheren Worten: Der Mensch ist nicht in erster Linie definiert durch seine Biologie, er ist das, wozu er sich in seiner Freiheit entwirft, er ist das – noch banaler ausgedrückt –, was er aus sich macht. In Bezug auf die Frau kommt de Beauvoir daher zur ihrer Hauptthese, daß man nicht als Frau zur Welt kommt, sondern zur Frau wird: „Nun sind die angeprangerten Verhaltensweisen der Frau nicht durch Hormone zudiktiert, und sie sind auch nicht in den Speichern ihres Gehirns enthalten: sie sind aufgrund ihrer Situation in ihr angelegt.“ (S. 747)
Der Gegenbegriff zur Transzendenz ist bei de Beauvoir die Immanenz. Die Frau „suhlt sich in der Immanenz“. Gemeint ist damit das Hängen am Gegenwärtig-Irdischen, die ‘unwirkliche’ Arbeit, und konkret wieder das Dasein in Haushalt und als Mutter. So heißt es ganz existentialistisch im „anderen Geschlecht“: „Die Wohnung, die Ernährung sind zwar nützlich für das Leben, verleihen ihm aber keinen Sinn. Die unmittelbaren Zwecke des Hausfrau sind nur Mittel, keine wirklichen Ziele, und in ihnen spiegeln sich nur anonyme Entwürfe.“ (S. 563) Und noch deutlicher: „Was die Frau im Haushalt tut, verlieht ihr also keine Autonomie. Ihre Arbeit ist der Gemeinschaft nicht unmittelbar nützlich, sie weist auf keine Zukunft hin, sie produziert nichts. Sie erhält ihren Sinn und ihre Würde nur, wenn sie in Existenzen eingeht, die sich in einer produktiven Arbeit oder Tätigkeit auf die Gesellschaft hin überschreiten.“ (S. 567)
De Beauvoir fordert daher die ökonomische Unabhängigkeit der Frau ohne die die bürgerlichen Freiheiten abstrakt bleiben, denn „solange der Mann die ökonomische Verantwortung für das Paar bewahrt, ist diese Gleichheit Illusion“ (S. 608), „allein die Arbeit kann ihr eine konkrete Freiheit garantieren.“ (S. 841) Den Sozialismus-Marxismus sah sie in diesem Kontext natürlich sehr positiv wegen der Vergesellschaftung der Erziehung und der quasi-Arbeitspflicht der Frauen: „Jeder Sozialismus begünstigt, indem er die Frau aus der Familie herauslöst, ihre [der Frau] Befreiung.“ (S. 155).
Dummerweise bleibt trotz allem Existentialismus die menschliche Biologie. Offensichtlich konnte sich de Beauvoir nie in irgendeiner Weise mit der Mutterschaft anfreunden (sie bekam auch selbst nie ein Kind, adoptierte nur als alte Frau eine erwachsene Tochter): „Der fundamentale Grund, der die Frau seit Urzeiten zur Hausarbeit verurteilt und ihr die Teilnahme an der Gestaltung der Welt verbietet, ist ihr Unterworfensein unter die Gebärfunktion.“ (S. 163) Die verdammte „Gebärfunktion“! Kein Wunder, daß sie für Zeugung, Schwangerschaft und Geburt auch nicht ein einziges positives Wort in ihrem dicken Buch findet und sich vielmehr so ausdrückt: „Eine aus ihrem Fleisch geborene und ihrem Fleisch doch fremde Geschwulst wird Tag für Tag in ihr heranwachsen. Sie ist eine Beute der Spezies, die ihr ihre geheimnisvollen Gesetze aufzwingt…“ (S. 632) Forderungen nach freier Abtreibung, künstlicher Befruchtung und staatlicher Erziehung überraschen da nicht mehr. Nach dem Motto: Leider brauchen wir die nächste Generation – aber bitte nicht zu meinen Lasten!
20 Jahre nach Erscheinen des Buches hatte der Existentialismus viel von seiner Bedeutung verloren, doch Simone de Beauvoir wurde mit der neuen Frauenbewegung erst zu einem Idol. In der ganzen Welt blickten die Frauen nun zu ihr auf. Denn diese Frau hatte es in den Augen der jungen Feministinnen geschafft: ein erfolgreiches, unabhängiges und unbürgerliches Leben in einer ‘funktionierenden’ offenen Beziehung. Und ihre Forderungen nach ökonomischer Unabhängigkeit und Geburtenkontrolle jeder Art fielen Ende der 60er Jahre auf fruchtbaren Boden. Nun erst stellte sich de Beauvoir ganz auf die Seite der Feministinnen und initiierte z.B. mit anderen die Aktion „Ich habe abgetrieben“ („J’ai aborteé“), in der sich prominente Frauen öffentlich zur einer (damals illegalen) Abtreibung bekannten.
Simone de Beauvoir starb sechs Jahre nach ihrem Lebensgefährten Sartre 1986. Ohne Zweifel gilt ihr als wohl intelligenteste Vertreterin der Frauenbewegung auch heute noch hoher Respekt. Ob ihr aristokratisches Leben als Vorbild für die normale Frau von heute gelten kann, ist sicher fraglich. An ihrer Grundthese (Frau ist man nicht, zur Frau wird man) läßt sich sicher auch wahres entdecken, doch die Wissenschaft hat die Schriftstellerin hier eindeutig widerlegt. Ablehnung von Ehe, Mutterschaft und Hausarbeit hat de Beauvoir den nachfolgenden Generation mit auf den Weg gegeben – genausowenig konstruktiv wie ihre einfach nicht vorhandene Selbstkritik. Erst letzteres hätte die so belesene und allwissende zu einer großen Denkerin gemacht. Tags: de Beauvoir, Ehe und Familie, Feminismus, Sartre
Holger Lahayne
http://lahayne.lt/2020/09/18/die-konigin-des-feminismus/

Fünf Minuten nach dem Tod

Wo befindet sich der Mensch, fünf Minuten nachdem das Herz aufgehört hat zu schlagen? Hiob sagt: „Ein Mann stirb und liegt da; ein Mensch verscheidet, und wo ist er dann?“ (14,10) Wo immer er ist, er wird dort für immer und ewig sein. Haben Sie darüber schon einmal gründlich nachgedacht? Sie sollten es tun, denn auch wir sind sterblich. Der Tod trifft jeden Menschen. Am Tag des Todes ist der Mensch machtlos. Gegen den Tod gibt es keine Schutzmaßnahme.Die ganze Bibel weist auf die Ungewissheit unserer Tage hin. Sie betont, dass das Leben zerbrechlich ist und dass der Tod oft unerwartet und ohne Vorwarnung kommt. Es sterben Kinder, die noch zu klein zum Laufen sind, und auch alte Menschen, die zu schwach zum Laufen sind. Es liegt nicht in unserer Macht, Zeit und Ort des Todes zu bestimmen.Eugene Christian schrieb ein Buch mit dem Titel „Wie man leben muss, um hundert Jahre alt zu werden“ – er selbst starb mit 69 Jahren. Tagtäglich fahren Hunderte von Menschen in ihren Autos weg und kehren nie wieder nach Hause zurück. Lesen Sie die Zeitung und Sie werden sehen, wie plötzlich und unerwartet Menschen in die Ewigkeit eintreten.Der Prophet Amos mahnt: „… mach dich bereit, deinem Gott zu begegnen …“ (4,12) Ohne Christus zu sterben ist das Schlimmste, was einem Menschen widerfahren kann! „Ein Mann stirbt“, sagt Hiob, und fragt weiter: „und wo ist er dann?“ In diesem Punkt wirft die Bibel viel Licht auf den Tod. Der Körper kehrt zur Erde zurück und der Geist geht zu Gott, der ihn gegeben hat. Die Seele überlebt den Tod und ist in den Händen Gottes zum Gericht.Die meisten Menschen fürchten sich vor dem Tod. Und es ist auch ganz folgerichtig, dass sie dies tun. Im Augenblick des Todes sterben auch ihre Hoffnungen. Es gibt für einen Sünder, der in seinen Sünden stirbt, keinen Weg mehr, um in den Himmel zu kommen. Jesus selbst hat dies deutlich gesagt: „… wenn ihr nicht glauben werdet, dass ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben.“ (Johannes 8,24)Wahre Umkehr zu Jesus Christus schenkt uns eine lebendige Hoffnung. Alle Zeiten hindurch haben Christen bezeugt, dass dies stimmt. Der Missionar Adoniram Judson sagte kurz vor seinem Ende: „Ich scheide mit der Freude eines Jungen, der von der Schule nach Hause rennt.“Wenn ein Mensch gestorben ist, wo ist er dann? Dies hängt davon ab, ob er in Christus stirbt oder in seinen Sünden. Menschen sind entweder gerettet oder verloren. Sie enden entweder im Himmel oder in der Hölle. Jesus sagt: „Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber ungläubig ist, wird verdammt werden.“ (Markus 16,16)Gott hat einen Weg für verlorene Menschen bereitet, aber die Sache muss vor dem Tod geklärt werden. Das ewige Leben hier zu gewinnen, bedeutet, es für immer zu gewinnen. Es gibt keine Chance jenseits des Grabes. Mit der Sünde müssen wir uns jetzt auseinandersetzen. Der einzige Weg, um richtig zu sterben, ist, richtig zu leben. Ein Mensch hat wahres Leben, wenn er Christus, der das Leben ist, kennt und sein Vertrauen auf ihn setzt. Wo werden Sie sich befinden, fünf Minuten nachdem Ihr Herz aufgehört hat zu schlagen?(Quelle: Herold seines Kommens)
https://www.herold-mission.com/de/die-frage-aller-fragen.html

Öffentliche Religion als Religionsfreiheit

Religion findet in der Öffentlichkeit statt, das religiöse Denken der Menschen beeinflusst ihr öffentliches Handeln, und erhebliche Teile der Strukturen unserer Gesellschaft und Kultur gehen auf religiöse Überzeugungen und Grundlagen zurück. Unter all den Menschenrechten, die es so gibt, gehört das Recht der Religionsfreiheit zu denen, die am schwierigsten zu konkretisieren und in konkrete Gesetze und Kompromisse zu giessen ist. Warum?
Weil man Religion nicht auf einen bestimmten Bereich eingrenzen kann, sondern sie über die ihr anhängenden Menschen in alle Bereiche des öffentlichen Lebens wie Familie und Sexualität, Medien, Schule oder Kunst hineinreicht. Schon die Frage, was Religion eigentlich ist, beantwortet jede Religion und Kultur anders, wofür im Leben sie zuständig ist, erst recht.
Aus: Friedemann Burkhardt. Thomas Schirrmacher (Hg.) Glaube nur im Kämmerlein? VKW: Bonn 2009.

Gastfreundschaft

Rosaria Butterfield beschreibt in einer Videobotschaft, wie ihr Leben durch „radikale, gewöhnliche Gastfreundschaft“ verändert wurde. Eine offene Haustür, offene Ohren und offene Herzen haben ihrem Leben eine neue Ausrichtung gegeben. Butterfield lebte damals noch als lesbische Feministin im Bundesstaat New York, wo sie als Professorin für Anglistik und Frauenstudien an der Syracuse Universität lehrte. In einem Forschungsprojekt versuchte sie damals herauszuarbeiten, warum die religiöse Rechte in den USA eine so hasserfüllte Gruppierung war, die, obwohl sie wohl relativ anständige Leute waren, die Bibel so hasserfüllt in ihrem Umgang mit der LGBT-Community benutzten. Auf einen Leserbrief, in dem sie diese und viele weitere Fragen aufwarf, reagierten Ken und Floy Smith mit einer Einladung zu sich nach Hause. Was Butterfield bei ihrem ersten Besuch bei diesem Pastorenehepaar vor allem erstaunte, war, dass sie nicht gleich versuchten, ihr das Evangelium zu verklickern oder sie sofort in ihre Gemeinde einluden. Das war für Butterfield wunderbar, denn es zeigte ihr, dass diese Christen sie nicht als ein Projekt sahen—sondern als ihre Nachbarin.

Bei dieser und vielen weiteren Einladungen in das Heim der Smiths „und der Art und Weise, wie sie Gastfreundschaft praktizierten, [sah sie] ein lebendiges, atmendes Beispiel für die Theologie, die sie lehrten“, wie Butterfield in dem Interview erklärt. Eine offene Tür, offene Ohren und offene Herzen ihr gegenüber — und das trotz ihres so radikal gegensätzlichen Lebensstils und ihrer Weltanschauung — eröffneten für Butterfield einen Prozess des Dialogs und der Tischgemeinschaft, in dem sie immer mehr ihre eigenen Positionen hinterfragte, bis sie zu der Überzeugung kam, dass Jesus Christus wirklich derjenige sei, der er von sich selbst behauptete zu sein.

„Gastfreundschaft—ein lebendiges, atmendes Beispiel für die Theologie, zu der wir halten?!“ Rosaria Butterfield

Das ist eine herausfordernde Aussage. Was hat die Art und Weise, wie wir Gastfreundschaft praktizieren, mit unserer Theologie zu tun? Es ist unsere Überzeugung vom Evangelium, die uns radikale gewöhnliche Gastfreundschaft zeigen lässt, wie sie das Ehepaar Smith Rosaria Butterfield gezeigt hat. Gastfreundschaft und radikale Nächstenliebe sind fest in einem evangeliumszentrierten Denken verankert! Das macht der 2. Johannesbrief für uns deutlich.

Der 2. Johannesbrief (so wie auch der 3. Johannesbrief) beschäftigt sich mit dem Thema Gastfreundschaft. Der Brief lobt eine radikale Nächstenliebe, die sich in der Bereitschaft zur Gastfreundschaft zeigt (vgl. 3Joh 5–8), bzw. fordert dazu auf, dass Gastfreundschaft Wanderpredigern und Lehrern verwehrt werden solle, die sich von der orthodoxen christlichen Lehre abgewandt haben (2Joh. 7–11). In der Einleitung zum Brief macht Johannes sehr deutlich: Die Liebe, zu der er seine Leser auffordert (und die sich in Gastfreundschaft zeigt), ist eine Liebe, die fest in Wahrheit verankert ist. Johannes erklärt:

„Ich … und alle, die die Wahrheit erkannt haben …  liebe(n) in (der) Wahrheit.“ 2.Johannes 1

Aber was ist ganz konkret die Wahrheit, in der die Gläubigen jetzt Liebe üben sollen? Johannes macht deutlich: Die Gnade, Barmherzigkeit und der Friede, die wir von Gott, dem Vater, und Gott, dem Sohn, in unserer Errettung empfangen haben, sind die Basis und die Realität, die unsere Liebe anfeuern und bestimmen—auch und insbesondere in Form von Gastfreundschaft. Denn Johannes schreibt in V. 2 und 3 weiter:

„…[wir lieben] um der Wahrheit willen, die in uns bleibt und mit uns sein wird in Ewigkeit.Mit uns wird sein Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, dem Sohn des Vaters, in Wahrheit und Liebe.“ 2.Johannes 2-3

Genauso, wie die Wahrheit des Evangeliums in uns lebt und zu unserem Lebensprinzip wird, erklärt Johannes jetzt weiter, dass auch Gnade, Barmherzigkeit und Friede von Gott „mit uns sein werden“— also in uns bleiben — und sich in Liebe erweisen.

Da stellt sich die Frage: Was haben Gnade, Barmherzigkeit und Friede von Gott mit meiner Liebe für meinen Nächsten zu tun?

Gnade ist die Motivation, die unsere Liebe anfeuert. 

Überlegen wir einmal: In seiner Gnade hat Gott uns geliebt, obwohl wir diese nicht verdient haben und ihrer unwürdig sind. Deshalb lehrt uns die Gnade Gottes, dass auch wir unabhängig davon lieben, ob unser Nächster sich unsere Liebe „verdient“ hat. Insbesondere unsere Liebe für Geschwister im Herrn wird radikal von dieser Gnade motiviert, die wir vom Vater durch den Sohn empfangen haben. Denn wenn ich anfange über die Gnade zu staunen, die der Herr mir unverdient in seiner Liebe bewiesen hat, wie kann ich dann denjenigen nicht lieben, dem der Herr ebenfalls diese Gnade erwiesen hat? Sehen wir unsere „IN-Christus“-Geschwister mit den Augen Gottes? Sehen wir in ihnen diejenigen, die aus Gnade mit demselben kostbaren Blut Jesu Christi erkauft worden sind wie wir selbst? Oder sehen und behandeln wir unsere Mitchristen kein Stück anders als die Menschen in der Welt einander sehen und behandeln?

In dem Video-Interview schildert Rosaria Butterfield das Folgende:

„In unserer LGBT-Gemeinschaft gab es jeden Abend der Woche offene Türen und ein Willkommen bei jemandem Zuhause, und es gab nie eine Frage, wohin ich gehen werde, wenn ich Hilfe brauche, denn die Gemeinschaft selbst ist organisch, flüssig und so haben wir Krisen bewältigt.“ Rosaria Butterfield

Liebe an sich ist noch keine Kunst. Gastfreundschaft und Liebe für Gleichgesinnte und die, die einem wohlgesonnen sind, wäre zu erwarten (vgl. die Worte Jesu in der Bergpredigt:Matthäus 5, 43-48.

Ist es lediglich ein Gemeinschaftsgefühl, das uns zur Liebe für unsere geistlichen Geschwister motiviert, oder tatsächlich die Gnade, die wir gemeinsam in Jesus Christus empfangen haben? Wie Jesus am Ende seines Besuches im Haus Simons erzählt, der ihm nicht einmal die Füße gewaschen hat im Gegensatz zu der sündigen Frau, die Jesus sogar mit ihren Tränen die Füße wusch: „Wem viel vergeben wurde, der liebt viel!“ (vgl.Lukas 7,47 ) Wer viel Gnade empfangen hat, liebt viel!

Barmherzigkeit ist der Motor, der unsere Liebe anfeuert.

Wenn Gnade die Motivation ist, die unsere Liebe anfeuert, dann ist Barmherzigkeit der Motor, der unsere Liebe anfeuert. Wir waren absolut Bedürftige und Hilflose, als Jesus sich für uns aufopfernd hingab. Als Empfänger solch einer unendlichen Barmherzigkeit lieben und geben auch wir uns nun unseren Mitmenschen—und insbesondere Geschwistern im Herrn—hin und nehmen uns ihrer Bedürfnisse und ihrer Hilflosigkeit an. Bedenken wir doch einmal die Liebe und Barmherzigkeit Jesu Christi: Hat er zu irgendeinem Zeitpunkt in seinem Leben gesagt: „Jetzt reicht es mir!“? Hat er je zu irgendjemandem von uns gesagt: „Vergiss es! Ich will nicht mehr! Ich steig aus!“? Hat Jesus je einen von uns aufgegeben? Nein! Die Klagelieder beschreiben die Barmherzigkeit Gottes wie folgt:

„Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue.“ Klagelieder 3,22-24

Wie leicht lassen wir die Verfehlungen anderer oder ihre Bockigkeit, vielleicht sogar die Enttäuschungen unserer eigenen Erwartungen, uns daran hindern, anderen aufopfernd zu dienen und sie radikal zu lieben? Hier zeigt sich die Realität der Worte Jesu, die er in der Bergpredigt über Nächstenliebe gelehrt hat:

„Wenn ihr nur die liebt, die euch Liebe erweisen, was für einen Lohn habt ihr dafür zu erwarten? Tun das nicht sogar Leute wie die Zolleinnehmer?  Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht sogar die Heiden, die Gott nicht kennen? Ihr aber sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ Matthäus 5,46-48 NGÜ

Und so ist es allein die Barmherzigkeit, die der Vater uns im Sohn gezeigt hat, die uns wie ein Motor befähigt, radikal zu lieben — mit einer Liebe, die die gewöhnliche Bereitschaft zu lieben weit überschreitet.

Frieden ist die Vision, die unsere radikale Liebe anfeuert.

Drittens erwähnt Johannes dann auch noch den Frieden vom Vater und Sohn, der bei uns sein wird. Dieser Friede ist die Vision, die unsere radikale Liebe anfeuert. Jesus hat in seiner Liebe für die verlorene Welt das große Ziel verfolgt, Frieden zwischen Gott und der Welt und zwischen den Menschen in der Welt zu schaffen. Mit dieser Vision Jesu vor Augen fangen auch wir jetzt an, in unserer Liebe für die Mitmenschen und insbesondere die Gemeinde Jesu Christi dieses radikale Ziel der Harmonie mit Gott, anderen und uns selbst zu verfolgen.

Jesus Christus hat dich und mich aus unserer Verlorenheit, Zerstrittenheit, Isolation und dem Getrenntsein errettet, um uns zu seiner Ehre zu einem Teil seines großen Friedensprojekts zu machen. Durch Jesus Christus hat Gott das Unmögliche möglich gemacht — er hat Frieden geschaffen und schafft weiter Frieden! Und wir sehen uns nun in unserer radikalen Bereitschaft aufopfernd zu lieben als Teil dieser Mission!

Wenn Johannes also sagt:

„Mit uns wird sein Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, dem Sohn des Vaters, in Wahrheit und Liebe“, 2.Johannes 3

dann führt er uns vor Augen, dass die Wahrheit des Evangeliums zum Fundament einer radikalen Liebe wird. Denn die Gnade ist die Motivation, die Barmherzigkeit der Motor und der Frieden die Vision, die unsere Liebe anfeuern.

Schlussfolgerung für Gastfreundschaft

Und wie und wo zeigt sich diese Realität dessen, was wir in dem Sohn vom Vater empfangen haben, besser als in Gastfreundschaft — wo wir unser Zuhause, unser Leben, unsere Zeit, unsere Ressourcen miteinander teilen? Und das nicht nur unseren Geschwistern im Herrn gegenüber, sondern die Wahrheit des Evangeliums wirkt sich auch radikal auf unsere Bereitschaft zur Gastfreundschaft Menschen gegenüber aus, die anders denken, anders leben, anders glauben, anders lieben als wir — einfach anders sind als wir! Dabei begrenzt sich die Liebe, zu der Johannes uns auffordert, natürlich nicht nur auf Gastfreundschaft. Er fordert uns auf zu einem Leben in der Liebe, in der wir radikal Christen und Nichtchristen zugleich in aufopfernder, geduldiger und demütiger Liebe begegnen!

Butterfield schließt ihr Interview mit der Aussage: „Für mich ist Gastfreundschaft der Nullpunkt (engl. „ground zero“) des christlichen Glaubens.“ Das steht im Einklang mit den Worten Jesu, wenn er sagt:

„Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ Johannes 13,35

(Dieser Artikel ist ursprünglich im Oktober 2018 bei Evangelium21 erschienen)
https://www.wortzentriert.at/lehre/evangelium/evangeliumszentrierte-gastfreundschaft/ Von Kai Soltau

Warnende Gedanken an junge Theologen

Helmut Thielicke, der nach seiner Emeritierung insbesondere ein Herz für junge Prediger offenbarte, schreibt zu Anfang seines Buches Auf dem Weg zur Kanzel[1] über den theologischen Stimmbruch. Mit dieser Formulierung meint er die Phase im Leben eines jungen Theologen, die den angehenden Prediger nach den ersten Semestern an der theologischen Bildungsstätte erfasst.
Es besteht ein Hiatus [eine Kluft] zwischen dem Stadium des jeweils eigenen geistlichen Wachstums und dem, was er über dieses Stadium hinaus intellektuell weiß. Man hat ihm sozusagen wie einem Bauernjungen eine zu große, bis unter die Knie herunterreichende Hose angemessen, in die er erst noch hineinwachsen muß[!] – so wie auch ein Konfirmand erst noch in die zu lange Hose des Katechismus hineinwachsen muß. […]
Man hat nämlich dann irgendeine Wahrheit nicht als Urerlebnis ,durchgemacht´, sondern man hat sich durch ,Anempfindung´ in die literarische oder gedankliche Verdichtung hineinversetzt, die das Urerlebnis eines andern (etwa Luthers) gefunden hat. Man lebt also aus zweiter Hand. […]
Das Theologiestudium erzeugt oft intellektuell langaufgeschossene Jungen, bei denen die inneren Organe nicht gleichmäßig mitgewachsen sind. […]
Während des Stimmbruchs singt man nicht, und während des theologischen Stimmbruchs predigt man nicht – jedenfalls nicht ungehemmt und mit allen verfügbaren ,PS´, sondern viel eher summend und einen vorsichtigen Kontakt mit dem Chor suchend.
[1] Thielicke, Helmut (1983): Auf dem Weg zur Kanzel – Sendschreiben an junge Theologen und ihre älteren Freunde. Stuttgart: Quell Verlag

Selbst-Interview: Gehörst du auch zu diesen Hinterwäldler-Kreationisten? – Hanniel

Kürzlich fand eine gut besuchte Konferenz zur Schöpfungstheologie kreatikon 2019 statt. Die Vorträge sind onlineidea.de berichtete davon. In den sozialen Medien haben sich “progressive Christen” ausgetobt. Ich habe mir einige Fragen zu meiner eigenen Überzeugung gestellt.

Darf man das Paradigma (noch) anzweifeln?

Die Naturwissenschaft ist nach wie vor der Hauptgötze für alles, was das öffentliche Leben betrifft. Das erlebe ich im Alltag mit meinen Kindern. Deren Kollegen gehen selbstverständlich von einer festen Grösse «Naturwissenschaft» aus, die «alles» zu erklären vermag. Dieses Bild transportieren die Medien. Wir sind es uns gewohnt, ihre Begründungsmuster auf andere Fachbereiche zu übertragen.

Wissenschaft lebt doch vom Widerspruch.

Ich bin der Letzte, der meine Augen vor der Schöpfung meines Vaters verschliessen will. Jedoch weiss ich um meine Beschränkung und – noch viel mehr – meinen Eigenwillen durch die Sünde.

Genau da verlassen wir die Grenze naturwissenschaftlicher Erkenntnis und betreten die Sphäre des Glaubens. Bist du unfähig diese Unterscheidung zu treffen?

Die Moderne ist von einer Zweiteilung gekennzeichnet. Da wird zwischen dem öffentlichen und privaten Raum unterteilt. In theologischen Begriffen ausgedrückt: Gnade ist von der Natur getrennt.

Die Methoden in der Beobachtung der Natur und in der Erforschung der Bibel unterscheiden sich. In beiden Bereichen handelt es sich jedoch letztlich um Glaubensannahmen, spätestens wenn es um das Woher und das Weshalb geht. Der heutige Stand ist schlicht: Die Natur hat die Gnade verschlungen. Es gibt jedoch nur einen Herrn der gesamten Wirklichkeit.

Ist das nicht peinlich, Vertreter der Schöpfungstheologie zu sein?

Das ist meines Erachtens der Hauptgrund für viele Christen in einer schamorientierten Gesellschaft, ihre Position zu wechseln. Nur keine Minderheitsposition vertreten! Scham lässt immer auf Gruppendruck bzw. eine abweichende dominante Leitidee schliessen. (Das bedeutet nicht, dass ich «Märtyrertum» liebe und absichtlich eine exotische Position vertrete.)

Ist das nicht düsteres Mittelalter?

Ich frage zurück: Wer hat dein Bild des Mittelalters geprägt? Wohl die Lehrbücher der Schule? Das Mittelalter ging von einem offenen Universum aus. Ich bin überzeugt, dass viele Menschen aus dem Mittelalter uns heute sagen würden: Moderne? Gruselig. Ich meine damit nicht nur die Betonbauten und die Grossstädte. Ich meine das geschlossene Weltbild und die verheerenden Folgen missbrauchter Technologie. Am deutlichsten wird das Gruselige im Mord an ungeborenen Kindern.

Gehörst du auch zu denen mit fundamentalistischem Bibelverständnis?

Der Begriff Fundamentalismus ist diffus. Es bedeutet Bindung an eine externe Autorität. Daran kommt jedoch kein Mensch vorbei. Jeder Mensch trifft Glaubensaussagen, zumindest gelebte.

Der Befund ist einfach überwältigend.

Es ist überwältigend, wie das gesamte öffentliche Leben ein Paradigma internalisiert hat. Schulbücher, Museen, Dokumentarfilme – wir sind von klein auf «indoktriniert». Dabei gibt es drei Ebenen der Wahrnehmung. Zuerst das konkrete Einzelereignis, z. B. einen Knochenfund. Dann die Einordnung in ein Gesamtes. Innert Sekunden entsteht in einem Dokumentarfilm ein braunes Riesentier. Das ist jedoch eine Modellierung. Drittens die weltanschaulichen Vorannahmen, die es steuern: Vor x Jahren… Letztlich stossen wir stets auf diese dritte Ebene vor. Wir Menschen können gar nicht anders, als nach den Zusammenhängen zu fragen!

Man muss doch Evolutionismus und Atheismus voneinander trennen.

Ich glaube nicht, dass dies das richtige Vorgehen ist nach über 100 Jahren, in denen die Metaphysik – also die Frage nach Gott und dem Sein – verpönt war. Atheismus war nicht nur Treiber in der Forschung der letzten Jahrzehnte (übrigens im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten, in denen gerade der christliche Glaube der Antrieb für zahllose Erfindungen war). Unsere inneren Einstellungen sind auf «Atheismus» programmiert. Wir leben im Alltag so, wie wenn es Gott nicht geben würde.

Auf welche Experten verlässt du dich?

Das ist eine der wichtigsten Frage. Welches Argument hat dich am Ende überzeugt? Welche Person(en) trugen dazu bei? Die Komplexität eines Modells sagt noch nichts über richtige Vorannahmen aus. Die Wissenschaftler sind unsere Priester. Kein Wunder werden die Redner einer Schöpfungskonferenz verächtlich hinterfragt. Sie haben nicht die Weihen der öffentlichen Mehrheit empfangen.

Du willst doch nicht allen Ernstes sagen, dass Kurzzeit-Kreationismus plausibel sei.

“Plausibilität” ist abhängig von der vorgelagerten Plausibilitätsstruktur. Diese ist nun mal dominant naturalistisch eingefärbt. Das hat ein Teilnehmer der Diskussion schön ausgedrückt: «Eine Geschichte mit magischen Bäumen und einer sprechenden Schlange ist natürlich viel plausibler.» Wir gehen mit unseren unbewusst naturalistisch geprägten Vorannahmen an den Bibeltext heran. Auf diese Weise werden wir niemals beim Schöpfungsbericht bleiben. Nach Genesis 2 kommt Genesis 3.

Wurde der Kurzzeit-Kreationismus in der Theologiegeschichte nicht schon lange vorher angezweifelt?

Das ist richtig. Schon die Kirchenväter, welche mit der griechischen Philosophiegeschichte vertraut waren, äusserten den Gedanken der Entwicklung. Viele Theologen haben während Jahrhunderten über der Frage gerungen.

«Ich finde es oft quälend, wenn der großartige Hymnus der Schöpfung (1. Mose 1) mit Gewalt in eine Art kümmerliche Naturgeschichte gepresst und gegen die Naturwissenschaft ins Feld geführt wird. Wir sollten in den Hymnus einstimmen und die Menschen überzeugen, dass er sie zutiefst betrifft. Am Anfang schuf Gott die Welt und am Ende wird er Frieden schaffen. Warum soll ich mir da diese Gefangenenkugel des Kreationismus ans Bein binden?» Wie liest du die Schöpfungsberichte?

Die vergangenen Jahrzehnte waren in der Theologie von der Erforschung der unterschiedlichen Genre geprägt. Dafür bin ich sehr dankbar. Gegenwärtig müssen wir darauf achten, nicht von der anderen Seite vom Pferd zu fallen. Vor lauter Betonung der Vielfalt sollten wir nicht die Einheit des Textes übersehen. Genesis 1 ist tatsächlich kunstvoll und theologisch intentional angeordnet. Für reine Poesie reicht es jedoch nicht – und schon gar nicht für einen mythologischen Bericht. Es geht um einen Schöpfer, der diese Wirklichkeit aus dem Nichts hervorgebracht hat.

«Es steht doch nichts da, wie er geschaffen hat. Die Evolutionstheorie beschreibt einen Vorgang, durch den sich das geschaffene Leben entwickelt hat, vom Einzeller über den Mehrzeller bis zu so hochspezialisierten Geschöpfen wie wir Menschen es sind. Warum sollte Gott diese Entwicklung nicht gesteuert haben?»

Die Bibel berichtet, dass Gott sprach und es dastand (Psalm 33) und dass er das Nichtseiende hervorgerufen hat (Römer 4). Die ersten Kapitel stellen uns den ersten Menschen als erwachsenen, entscheidungsfähigen Menschen vor. Da ist kein Platz für Leben durch Tod. Ohne Metaplan des Evolutionismus käme man nie auf den Gedanken einer langsamen Entwicklung!

Was hältst du von der Lückentheorie?

Es ist ein möglicher Ansatz, der mich exegetisch jedoch nicht überzeugt. Manchmal wird eingewendet: «Der Mensch kann sich vermutlich gar nicht vorstellen wie viel ‘Zeit’ Gott hat.» Einzelne haben die Idee von Arbeitstagen Gottes. Das kann man jedoch gerade so gut umkehren: «Der Mensch kann sich gar nicht vorstellen, wie schnell Gott Verhältnisse ändern kann.»

Es gibt doch viele bibeltreue Theologen, die auch an die Evolution glauben.

Das ist richtig. Timothy Keller ist einer der bekanntesten. Auch wenn ich viel von ihm profitiert habe, vermag er mich mit seinen exegetischen Argumenten nicht überzeugen. In dieser Hinsicht spricht er einfach wie ein Grossstädter des 21. Jahrhunderts. Ich würde jeden Theologen fragen, wer ihn in seiner Entscheidung letztlich beeinflusste und was sein «Wendepunkt-Erlebnis» in dieser Hinsicht war.

Weiterlesen: In der Buchbesprechung “Der Streit um den Anfang” habe ich verschiedene Ansätze einander gegenüber gestellt.

Von Mathias · Veröffentlicht Juni 29, 2020 · Aktualisiert Juni 29, 2020
Original veröffentlicht am  von Hanniel.ch mit freundlicher Genehmigung.
https://www.wortzentriert.at/cat-unterscheidung/weltanschauung-und-kultur/selbst-interview-gehoerst-du-auch-zu-diesen-hinterwaeldler-kreationisten-hanniel/