„Das Licht auf dem Leuchter“ – die reformierte Tradition über die Bibel

Menschen irren, machen Fehler, und selbst die Schlausten können nur sehr begrenzt in die Zukunft blicken. Wir sind fehlbar, müssen lernen und tasten öfter im Nebel herum als es uns lieb ist. Selbst die Spitzenforschung tut sich oft schwer damit, Antworten auf große Herausforderungen zu finden. So gibt es bis heute keinen Impfstoff gegen HIV, das AIDS-Virus. Und was die heiß ersehnten Impfstoffe gegen das neue Coronavirus wirklich leisten werden, bleibt abzuwarten.

Gott als der Schöpfer und Herr der Welt kann nicht irren. Er braucht nichts zu lernen, weiß die Zukunft und kennt sämtliche Antworten auf alle großen und kleinen Fragen. Gott ist Licht, sein Wesen ist frei von allem Dunklen und Bösen, von aller Falschheit und Lüge. Daher ist auch seine Rede vollkommen. Gottes Wort ist klar, führt keineswegs in die Irre und ist daher „Licht auf meinem Wege“ (Ps 119,105).

Das helle Licht der Bibel, des geschriebenen Wortes Gottes, öffnete um 1520 den Reformatoren die Augen. Sie erkannten in Bibeltexten den hellen Charakter Gottes und die strahlenden Wahrheit des Evangeliums. In Zürich trat Ulrich Zwingli 1519 seinen Dienst am Großmünster an. Er begann programmatisch mit einer Predigtreihe durch das ganze Matthäus-Evangelium. Über viele Monate hinweg legte der Pfarrer jeden Vers aus und ließ den Menschen das Licht der göttlichen Botschaft aufleuchten. Den Startschuss zur Reformation in der Schweiz gab also die konsequent biblische Predigt.

Im Jahr 1522 – auf der Wartburg hatte Luther gerade das Neue Testament übersetzt – erschein Zwinglis Die Klarheit und Gewissheit des Wortes Gottes. Der Reformator warnt davor, sich die Heilige Schrift „zurechtzubiegen“: „Das ist der Hauptfehler, wenn man seine Meinung nach der Schrift bekräftigen will und sein eigenes Vorurteil zur Schrift bringt.“ Das eigene „Verstandeslicht“ könne sicher nicht „die göttliche Klarheit überbieten“.

Heinrich Bullinger begann seine Dekaden, eine Reihe von insgesamt 50 Lehrpredigten, ebenfalls mit dem Wort Gottes. Der Nachfolger Zwinglis in Zürich betont: „Alles, was uns von Gott, von seinen Werken, von seinen Urteilen, von seinem Willen und seinen Geboten, von Christus und vom Glauben an Christus und vom Führen eines heiligen Lebens zu wissen Not tut, ist uns vollständig im Wort Gottes gegeben.“

Nicht zufällig beginnt auch das Zweite Helvetische Bekenntnis (1566) mit dieser Feststellung zum Wesen des geschriebenen Wortes: „Wir glauben und bekennen, dass die kanonischen Schriften der heiligen Propheten und Apostel beider Testamente das wahre Wort Gottes sind…“ Im 2. Kapitel hält der Autor Bullinger fest: „Darum anerkennen wir in Sachen des Glaubens keinen anderen Richter als Gott selbst, der durch die heiligen Schriften verkündigt, was wahr und falsch sei, was man befolgen und was man fliehen müsse…“ Auch er gebraucht die biblische Metapher des Lichts: „Gottes Wort ist gewiss und keinem Irrtum unterworfen. Es ist klar, lässt niemanden im Dunkeln tappen, es legt sich selbst aus und öffnet selbst das Verständnis. Es erhellt die menschliche Seele mit allem Heil und allen Gnaden, füllt sie mit Gottvertrauen, demütigt sie…“

Die Hochschätzung der Bibel zeigt sich auch im Hugenottenbekenntnis aus Frankreich von 1559, das weitgehend aus der Feder von Johannes Calvin stammt: „Wir glauben, dass das in diesen Büchern enthaltene Wort von Gott ausgegangen ist, von dem allein es seine Autorität empfängt, und nicht von Menschen.“ Die Bibel ist Menschenwort und Gotteswort, was einzig von dieser Schriftensammlung gesagt werden kann. Deshalb, so Calvin, müssen „Gewohnheiten“ oder Traditionen, „Menschenweisheit“, Beschlüsse der Kirche und sogar „Visionen“ und „Wunder“ unbedingt an ihrem Maßstab „geprüft, geordnet und verbessert werden“.

Die reformierten Bekenntnisse beginnen meist mit Artikeln über das Wesen Gottes und Gotteserkenntnis oder über seine Offenbarung, Wort Gottes und Heilige Schrift. Beide Lehrpunkte hängen ja zusammen. Da um 1600 die rationalistische Bibelkritik einsetzte, widmete das englische Westminster-Glaubensbekenntnis von 1647 den Kennzeichen der Bibel ein langes erstes Kapitel. Ihre Autorität beruht „völlig auf Gott, der die Wahrheit selbst ist, als ihrem Autor“. Die Heilige Schrift ist „der oberste Richter, vor dem alle Religionsstreitigkeiten zu entscheiden sind und alle… Lehren der Menschen… zu prüfen sind“. In dieser Tradition hält übrigens auch das Glaubensbekenntnis der deutschen Baptisten genau zweihundert Jahre später fest, dass die Bibel „alleinige Regel und Richtschnur des Glaubens und Lebenswandels“ sein muss.

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Schließlich ist noch das Belgische oder Niederländische Bekenntnis (1561) zu nennen, das dem genannten Bekenntnis Calvins in vielen Abschnitten ähnelt. Autor Guido de Brès stammte aus der Wallonie, dem französischsprachigen Teil des heutigen Belgiens. Nach intensivem Bibelstudium wandte er sich dem evangelischen Glauben zu, der in der damals von Spanien beherrschten Region aber massiv unterdrückt wurde. De Brès  musste ein unstetes Leben führen, kehrte 1559 in die belgische Heimat nach Tournai zurück, wo er heirate und als Pastor arbeitete. In dieser Zeit entstand auch seine Bekenntnisschrift. 1566 wirkte de Brès in Valenciennes (heute Nordfrankreich). Der Ort wurde von den spanischen Truppen erobert. Diese setzten den Pastor mit einem Kollegen gefangen. Am 31. Mai 1567 starb de Brès am Galgen den Märtyrertod.

Eingangs erläutert de Brès das Wesen und die Erkenntnis Gottes, es folgen gleich fünf Artikel zur Bibel. Mehrfach bezeichnet er sie als „heiliges und göttliches Wort“. Er skizziert die klassische Inspirationslehre, nennt die Bücher des protestantischen Kanons und betont, „dass auf ihnen unser Glaube beruhen und begründet und festgestellt werden kann“. Schließlich folgt mit Artikel 7 eine sehr gute zusammenfassende Darstellung der Genügsamkeit und Vollkommenheit der Bibel: „Wir glauben auch, dass diese Heilige Schrift vollkommen den ganzen Willen Gottes umfasst und dass in ihr all das in vollem Maße gelehrt wird, was von den Menschen geglaubt werden muss, damit sie die Seligkeit erlangen.“

Da die „heilige Lehre“ in der Heiligen Schrift „in allen ihren Beziehungen und Teilen vollendet und abgeschlossen ist“, muss sich jeder „sorgfältig hüten, dass er ihr nicht etwas hinzufügt oder wegnimmt, wodurch menschliche Weisheit mit göttlicher Weisheit vermischt werden könnte. Deshalb sind mit diesen göttlichen Schriften und dieser Wahrheit Gottes keine anderen Schriften der Menschen, von welcher Heiligkeit sie auch seien, keine Gewohnheit, nicht irgendeine Menge noch das Alter, noch Vorschrift der Zeiten oder die Nachfolge von Personen, noch irgendwelche Konzile, keine Beschlüsse und Satzungen der Menschen endlich zusammenzustellen oder zu vergleichen, da ja die Wahrheit Gottes vorzüglicher ist als alle Dinge.“

Licht nach der Dunkelheit  – lateinisch „post tenebras lux“ – wurde zu einem beliebten Motto der reformierten Christen. Die Reformatoren lutherischer und reformierter Prägung betonten einhellig, dass das Ziel ihrer Reformen war, den Leuchter wieder auf den Tisch zu stellen (s. ganz o. die Darstellung der Reformatoren aus dem 17. Jhdt. mit Luther und Calvin der Mitte). Damals wie heute muss der helle Schein Gottes, des Evangeliums und der Bibel vor dem Ausblasen bewahrt werden. Im 16. Jhdt. untersagte die römische Kirche Laien das Bibelstudium, heute leugnen viele evangelische Theologen, die Bibel habe irgendwelchen Anteil an Gottes Absolutheit und Vollkommenheit – „göttlich ist nur Gott“, so z.B. Siegfried Zimmer. Nein, auch das Reden Gottes, in welcher Form auch immer, ist göttlich. Gott ist Licht, und sein Wort ist eine Leuchte. Evangelische berauben sich ihres Wesenskerns, wenn sie daran nicht festhalten. Holger Lahayne
http://lahayne.lt/2020/12/02/das-licht-auf-dem-leuchter-die-reformierte-tradition-uber-die-bibel/

„Aber wer sich lange dumm stellt, wird vielleicht eines Tages wirklich dumm“

Aus Erich Kästner, die Schildbürger

Die Schildbürger sind ursprünglich für ihre Klugheit weithin bekannt und werden überall in der Welt gefragt um mit ihrer Klugheit die Dinge zu regeln. Doch Schilda, ihr Heimatort geht dadurch den Bach runter. Also muss etwas unternommen werden. Die Schildbürger nehmen sich nun vor, sich besonders dumm zu stellen. Allen sagt der Plan zu, außer dem Lehrer, der einwendet:

„Wer klug tut, wir davon noch lange nicht klug.Aber wer sich lange dumm stellt, wird vielleicht eines Tages wirklich dumm“. Die anderen lachten ihn aus. „Seht, es fängt schon an.“ „Was?“, meinte der Schmied neugierig. „Eure Dummheit“, rief der Lehrer. Da lachten sie ihn alle aus.

Als erste Dummheit beschließt man den Bau eines dreieckigen Rathauses ohne Fenster. Dieser wird bald eine weltbekannte Kuriosität und spült Geld in die Stadtkasse:

>„So wurden die Schildbürger zwar nicht wegen ihres dreieckigen Rathauses, sondern vielmehr wegen ihrer vergessenen Fenster berühmt. Es dauerte nicht lange, so kamen auch schon die ersten Reisenden nach Schilda, bestaunten die Einwohner, übernachteten und ließen überhaupt ein gutes Stück Geld in der Stadt. „Seht ihr“, sagte der Ochsenwirt zu seinen Freunden, „als wir gescheit waren, mussten wir das Geld in der Fremde verdienen. Jetzt, da wir dumm geworden sind, bringt man es uns ins Haus!“ 

Doch wie viel Dummheit ist eigentlich ideal? Als man Minna, die Kuh des Bürgermeisters dazu bringen möchte, das Gras auf einer Mauer abzugrasen und sie beim Hinaufhieven erstickt, bemerkt der Bürgermeister voll Kummer:

„Liebe Freunde«, sagte er zerknirscht, »an Minnas vorzeitigem Ableben ist einzig und allein unser Scharfsinn und Verstand schuld. Hätte ich das Gras auf der Mauer nicht bemerkt und daraus gefolgert, daß es nutzbringend verwendet werden müsse, wäre das brave Tier noch munter und guter Dinge. Ich fürchte, wir sind noch immer nicht dumm genug.« Die anderen nickten nachdenklich.“

Weil die Schildbürger irgendwann mit dem Umgang mit einem „Maushund“ überfordert sind, zünden sie ihre ganze Stadt an und sind so gezwungen in die ganze Welt auszuwandern:

„Und so kommt es, daß es heutzutage die Stadt Schilda nicht mehr gibt und die Schildbürger auch nicht. Das heißt: Es gibt sie natürlich noch. Nur ihre Enkel und Urenkel und deren Enkel und Urenkel leben über die ganze Erde verstreut. Sie wissen gar nicht mehr, daß sie von den Schildbürgern abstammen. Von Leuten also, die sich, um glücklich zu werden, dumm stellten und dadurch ins Unglück gerieten, daß sie dumm wurden. Und sie können es auch gar nicht wissen.

Denn heutzutage gelangen die Dummen zu Ruhm und Rang, zu Geld und Glück genauso wie die Gescheiten. Woran sollten also die Dummen auf unserer Erde merken, daß sie dumm sind? Ein einziges Merkmal gibt es, woran man die Dummen erkennt: Mit dem, was sie erreicht haben, sind sie selten, aber mit sich selber sind sie stets zufrieden. Gebt also gut Obacht! Bei den anderen, und bei wem noch? Ganz recht,bei euch!“
Alle Zitate aus Erich Kästner: Die Schildbürger. Veröffentlicht von Sergej Pauli
https://www.nimm-lies.de/aber-wer-sich-lange-dumm-stellt-wird-vielleicht-eines-tages-wirklich-dumm/14299
Siehe auch
Der gefährlichere Feind des Guten
Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit.
Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt.
Dietrich Bonhoeffer Quelle: Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 26 ff
http://www.dietrich-bonhoeffer.net/zitat/id/604

Das Drama der evangelischen Kirche

Prof. Gerhard Maier fasste schon 1974 das Drama der evangelischen Kirche treffend zusammen. Leider wurde er nicht gehört – im Gegenteil: Inzwischen begegnet mir genau diese Sichtweise immer öfter auch im freikirchlichen Bereich:
„Die Exegeten können das NT nicht mehr als Einheit begreifen, sondern nur noch als Sammlung verschiedener Zeugnisse, die unter sich widersprüchlich sind … Es steht für sie fest, dass der formale Kanon nicht gleichzusetzen ist mit dem Wort Gottes. Bis heute hat die Semlersche Scheidung von Schrift und Wort Gottes unumstrittene Bedeutung. … Das feine Gewebe der historisch-kritischen Methode ergab eine neue babylonische Gefangenschaft der Kirche. Sie wurde mehr und mehr abgesperrt von dem lebendigen Strom der biblischen Verkündigung und deshalb immer unsicherer und blinder, sowohl was ihren eigenen Gang betrifft, wie auch in Beziehung auf das Wirken nach außen. … Die Vertreter der historisch-kritischen Methode sind in einen scharfen Gegensatz zu den orthodoxen Gedanken von der Klarheit und der Genügsamkeit der Schrift getreten. Sie haben die Klarheit durch den von ihnen geführten Nachweis der Widersprüchlichkeit beseitigt und die Unklarheit durch die vergebliche Suche nach einem Kanon im Kanon festgehalten und vertieft. Sie haben die Genügsamkeit der Schrift aufgehoben, indem die historisch-kritische Arbeit nötig wurde, um die Schrift zu begreifen. Soweit ihre Anschauungen sich durchsetzten, kam es zu einer Trennung von Schrift und Gemeinde. Da es bei der Schrift jedoch nicht sein Bewenden hat, sondern die Schrift uns Gott begegnen und kennenlernen lässt, ist durch die Aufhebung der Klarheit und Genügsamkeit der Schrift auch die Gewissheit des Glaubens zerstört. Ist unsicher, WO der lebendige Gott redet, dann weiß ich auch nicht mehr, WER da redet. Damit ist Vertrauen unmöglich geworden. … Es wäre ein großer Fehler, die Schuld an solcher Entwicklung der Dinge etwa im Unvermögen der METHODIKER zu suchen. Vielmehr ist es die Schuld der METHODE, die man gewählt hat. Die Methode musste scheitern, weil sie ihrem Gegenstand nicht entsprach.“ (Prof. Gerhard Maier 1974 „Das Ende der historisch-kritischen Methode“ S. 44/45)

Angemessener Appell

Ich bleibe dabei: Alice Schwarzer denkt ihre Ansichten konsequent zu Ende, ohne Angst vor Widerspruch aus den eigenen Reihen. Den von ihr mit initiierten Appell gegen Prostitution unterstütze ich aber nicht nur deshalb. Sondern weil das deutsche Prostitutionsgesetz von 2002 in etwa dieselben Schwierigkeiten mit sich bringt wie der in den 70er Jahren entwickelte § 218a des Deutschen Strafgesetzbuchs: Die Intention war durchaus gut. In der Praxis hat’s aber offensichtlich nicht funktioniert. Nach wie vor prostituiert sich nur ein Bruchteil von Frauen – und Männern! – aus freien Stücken. Die anderen bleiben fremdbestimmte Opfer. Fein raus sind höchstens die Zuhälter. Das muss nicht so bleiben.
http://www.daniel-renz.de/wordpress/angemessener-appell/

Herr, segne dieses Smartphone

Herr, lass dieses Smartphone ein Werkzeug zum Guten sein.
Ich begreife dieses Gerät als einen spürbaren Erweis deines Segens,
für den ich dankbar sein will, indem ich ihn als Zeugnis deiner Güte verstehe.
Du lässt dein Angesicht scheinen über mir, und ich will es zu einem Segen für andere machen.

Hilf mir, meine Zeit damit nicht zu vergeuden,
sondern weise zu gebrauchen.
Ich will meine Zeit damit auskaufen,
will es als Zeitsparer und nicht als Zeitverschwender einsetzen.
Will es nicht zum Dienst am Mammon verwenden,
sondern mich in meinem Leben stets auf das Wesentliche konzentrieren.
Dieses Smartphone soll kein Altar meiner Launen sein,
sondern Hilfsmittel für einen Diener an deinem Altar.

Herr, dieses Smartphone ist wahrscheinlich nicht unter fairen Arbeitsbedingungen entstanden.
Ich bitte dich für die zahlreichen Arbeiter aus aller Welt,
durch deren harte Arbeit es entstanden ist.
Ich bitte dich, dass du ihnen Hoffnung und Kraft durch das Evangelium schenkst,
und dass auch ihre Herren dich als ihren Herren erkennen.
Dieser Arbeiter will ich bei zukünftigen Kaufentscheidungen gedenken
und will dich für Sie um ein Ende der Ausbeutung bitten.

Herr, segne dieses Smartphone.

Dieses Jahr habe ich mir Anfang April anlässlich einer Geschäftsreise nach Deutschland endlich ein eigenes Smartphone zugelegt. Ich freue mich, dass das Wundergerät einige Dinge viel einfacher macht – war aber im Vorfeld auch nervös, ob das Handy keinen negativen Einfluss auf mein Leben nehmen würde.

Jahrelang stand ich schon in der Versuchung, konnte den Kauf aber vor mir selbst nie rechtfertigen. Da ich zuhause arbeitete, kamen meine Frau und ich gut zurecht, indem wir uns ihr iPhone teilten. Stattdessen besitze ich seit zwei Jahren ein Kindle-Tablet – wunderbar zum Lesen, aber auch für nicht viel mehr. Nun hätte ich eigentlich gerne ein fair hergestelltes Handy gekauft, aber verschiedene Faktoren haben das verhindert.

Mein literarisch sicherlich eher anspruchsloser bis grausamer Smartphone-Segen ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, für mich selbst einen vor Gott verantwortungsvollen Umgang mit dem Gerät festzulegen.

Die theologische Inspiration dazu kommt von Psalm 67 (1. Teil), Eph 5,15-20 und einigen Jesusworten der Bergpredigt (2. Teil). Die Gedanken im 3. Teil sind ein wenig von der Wirtschaftsethik des AT in Gesetz und Propheten sowie von Jak 5,1-6 beeinflusst.

Besonders wichtig ist mir bei meinem Smartphone aber, dass es mir nicht noch mehr Zeit wegfrisst, als ich ohnehin schon am Bildschirm verbringe. Dazu habe ich mir einige Richtlinien formuliert. Alles folgt dem Prinzip: Nicht am Bildschirm kleben.

Die vielen Ausnahmen funktionieren in der Praxis sehr gut – wer sich hier anregen lässt und große Probleme hat, das Handy wegzulegen, mag vielleicht eine rigorosere Linie nötig finden.

Meine Smartphone-Regeln:

  1. Zuhause und im Büro wird es weggelegt. Ausnahme: Zum Lesen von Ebooks und Artikeln.
  2. Im Auto ist es tabu. Ausnahme: Navigation
  3. Keine Social Apps. Ausnahme: Facebook (ohne Benachrichtigungen), das ich aber nur alle paar Wochen zum Teilen eines Artikels oder Fotos verwende. Social Media benutze ich sehr bewusst nur auf meinem Laptop.
  4. Keine Chat-Apps, insbesondere Facebok Messenger. Ich bin kein großer Chatter, deshalb komme ich damit zurecht, dass ich sowohl Whatsapp als auch eine andere App zum Chatten mit einem kleinen Kreis installiert habe. Es funktioniert, weil ich die Apps so wenig benutze. Da das Handy meist weggelegt ist, schaue ich ohnehin nicht ständig darauf.
  5. Strikte Kontrolle von Benachrichtigungen. Facebook-Benachrichtigungen sind aus, ebenso wie die anderer Apps, die keinen echten Mehrwert haben. Diese Maßnahme ist vielleicht die wichtigste. Die meisten Benachrichtigungen sind auf stumm geschaltet, sodass mein Handy nicht ständig piepst. Ich lasse im Wesentlichen nur Nachrichten, Emails und die gelegentliche Chat-Nachricht zu.
  6. Arbeit bleibt in der Arbeit. Auch Apps, die ich aus beruflichen Gründen installiert habe, dürfen mir keine Benachrichtigungen anzeigen. Finde ich einen ganz wichtigen Grundsatz in der Work-Life-Balance. Zur Produktivität habe ich ja einen Laptop.
    https://biblio-blog.de/smartphone-segen/

Toleranz

Toleranz bedeutet nicht, alles anzuerkennen, was von aussen an eine Gesellschaft herangetragen wird. Diese Feststellung muss man sich in Zeiten von Globalisierung, Migration und einem verbreiteten Gefühl des «Anything goes» immer wieder in Erinnerung rufen. Auch der weltoffene, freiheitlich-pluralistische Staat hat die Aufgabe, eigene Massstäbe zu setzen und zu verteidigen. Eric Gujer, NZZ
https://bibelkreismuenchende.wordpress.com/2020/11/25/was-bedeutet-es-fur-die-religionsfreiheit-wenn-christen-muslime-oder-menschen-anderen-glaubens-aus-vermeintlichen-toleranzgrunden-keinen-wahrheitsanspruch-fur-ihre-religion-erheben-durfen/

https://bibelkreismuenchende.wordpress.com/2011/06/29/wahrheit-und-toleranz/

Ein paar Fragen an die Duden-Redaktion

Ein Lektor und Verleger stellt der Duden-Redaktion etliche hilfreiche Fragen (Auszug aus einem FAZ-Leserbrief, 01.02.2020, Nr. 26, S. 19):

Die Duden-Redaktion, die das generische Maskulinum abschaffen will, sowie alle Befürworter und Propagandisten des Genderns müssen sich folgende Fragen stellen lassen: Weshalb haben sie sich (eventuell wider besseres Wissen) dem moralischen und politischen Druck der Sprachaktivisten gebeugt? Gibt es in ihrem Kreis niemanden, der die Funktion des generischen Maskulinums als unmarkierte sexusneutrale Sammelform im Sprachsystem erklären kann? Warum unterstützen sie eine Modeideologie, die sich bei näherer Betrachtung als undurchdachter Aktivismus am falschen Objekt entpuppt und in der praktischen Wirkung dem erklärten Anliegen, mehr Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen, zuwiderläuft? Sehen sie nicht, dass beim Gendern eine feministische Agenda über ein gewachsenes und funktionierendes Sprachsystem gestellt wird und dass hier begründeter Ideologieverdacht besteht? Ist ihnen nicht klar, dass es sich beim Gendern um eine akademische Blüte handelt, die mit dem Sprachgebrauch der meisten Menschen nichts zu tun hat? Sehen sie nicht, dass eine Sprachpolitik von oben den natürlichen Sprachwandel manipuliert und verfälscht? Sehen sie nicht die Gefahr, dass das Gendern die Sprachgemeinschaft spaltet in solche, die sich als Avantgarde und als die „Guten“ fühlen, weil sie gendern, und auf den Rest herabschauen, weil sie sich verweigern? Sehen sie darüber hinaus nicht die Gefahr, dass das Gendern zum sozialen Distinktionsmerkmal wird? Registrieren sie nicht, dass trotz jahrelanger Propaganda eine überwiegende Mehrheit der Sprecherinnen und Sprecher des Deutschen das Gendern ablehnt?
https://theoblog.de/ein-paar-fragen-an-die-duden-redaktion/36213/

Reiß dein rechtes Auge aus

Das bringt uns zu V. 29-30: „Wenn dich aber dein rechtes Auge zum Abfall verführt, so reiß es aus und wirf’s von dir … Wenn dich deine rechte Hand zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir.“ Hier haben wir offenbar einen von Jesus’ Lieblingssätzen, denn er sagt ihn später im Evangelium noch einmal. Dort fügt er dem Auge und der Hand noch den Fuß hinzu und bezieht sich nicht speziell auf sexuelle Anfechtungen, sondern allgemein auf „Verführungen“ (Mt 18,7-9). Das Prinzip gilt an sich also umfassender. Doch in der Bergpredigt wendet Jesus es auf diesen Bereich an. Was meint er damit?
Auf den ersten Blick ist es ein seltsames Gebot, ein Auge oder eine Hand oder einen Fuß abzuhauen, die einem Ärger machen. Einige wenige Christen, deren Eifer ihre Weisheit weit überstieg, haben Jesus beim Wort genommen und sich selbst verstümmelt. Am besten bekannt ist vermutlich Origenes, der große Theologe des 3. Jahrhunderts. Er wurde immer extremer in seiner Askese, lehnte Besitz, Essen und sogar Schlaf ab und ließ sich in einer überwörtlichen Auslegung dieser Bibelstelle und der in Matthäus 19,12 tatsächlich kastrieren. Kurz danach verbot das Konzil von Nicäa 325 n. Chr. diese barbarische Praxis zu Recht.
Die Anweisung, ärgernde Augen, Hände und Füße loszuwerden, ist ein Beispiel dafür, wie unser Herr dramatische Stilfiguren einsetzt. Er plädiert hier nicht für eine buchstäblich physische Selbstverstümmelung, sondern für unnachgiebige Selbstverleugnung, wenn es um Dinge der Moral geht. Nicht Verstümmelung, sondern Sterben ist sein Weg der Heiligung, und Sterben oder „sein Kreuz auf sich nehmen und Jesus nachfolgen“ bedeutet, sündhafte Verhaltensweisen so resolut zurückzuweisen, dass sie für uns und wir für sie gestorben sind.139
Was heißt das in der Praxis? Lassen Sie es mich so übertragen:
„Wenn dein Auge dich zur Sünde reizt, weil die Anfechtung über deine Augen zu dir kommt (Dinge, die du siehst), dann reiß dir deine Augen aus – das heißt: Schau nicht hin! Tu so, als ob du dir wirklich die Augen ausgestochen und sie weggeworfen hättest, als ob du jetzt blind wärst und könntest die Dinge gar nicht sehen, die dich vorher zur Sünde verleiteten. Oder wenn deine Hand oder dein Fuß dich zur Sünde verführen, weil die Versuchung durch die Hände und Füße zu dir kommt (Dinge, die du tust oder Orte, an die du gehst), dann hau sie ab – das heißt: Tu’s nicht! Geh nicht hin! Tu so, als ob du deine Hände oder Füße tatsächlich abgeschlagen und weggeschmissen hättest, als wärst du jetzt verkrüppelt und könntest die Dinge gar nicht tun oder die Orte aufsuchen, die dich vorher zur Sünde verleiteten. Das heißt Sterben.
Es fragt sich, ob es je eine Generation gegeben hat, für die diese Lehre Jesu nötiger und auch offensichtlicher anzuwenden gewesen wäre, als die jetzige, die einer Flut von Schmutzliteratur und -filmen ausgesetzt ist. Pornografie ist ein Angriff auf Christen (wie auf alle gesund empfindenden Menschen) – zuallererst, weil sie Frauen zu Sexobjekten degradiert, aber dann auch, weil sie den Betrachter künsdich sexuell stimuliert. Wenn wir ein Problem mit sexueller Selbstbeherrschung haben und uns unsere Füße dann trotzdem zu solchen Filmen tragen, unsere Hände solche Zeitschriften in die Hände nehmen und unsere Augen sich in ihren Bildern suhlen, dann sündigen wir nicht nur, sondern holen uns eine Katastrophe ins Haus.
Damit will ich bestimmt keine Regeln darüber aufstellen, welche Bücher und Zeitschriften ein Christ lesen darf, welche Filme und Theaterstücke er sich ansehen sollte (live oder im Fernsehen) oder welche Kunstausstellungen er besuchen darf. Die Menschen sind verschieden, einige werden schneller erregt als andere und die Auslöser können unterschiedlich sein. Sexuelle Selbstbeherrschung ist für manche leichter als für andere. Manche können eindeutig erotische Bilder (in Printmedien oder im Film) anschauen, ohne irgendwelchen Schaden zu nehmen, während andere sie fürchtbar schädlich finden. Unsere Temperamente sind verschieden und damit auch unsere Versuchungen.
Deshalb haben wir kein Recht dazu, andere zu verurteilen, wenn sie sich mit etwas beschäftigen und dabei ein gutes Gefühl haben. Wir können anderen nur sagen, was Jesus auch gesagt hat: Wenn dich dein Auge zur Sünde verleitet, dann schau nicht hin, wenn dein Fuß dich zur Sünde führt, dann geh nicht hin, und wenn deine Hand dich in Sünde bringt, dann tu’s nicht! Die Regel, die Jesus aufgestellt hat, ist hypothetisch, nicht allgemein. Er verlangt nicht von allen seinen Jüngern – im Bilde gesprochen – sich zu blenden oder zu verstümmeln, sondern nur von denen, die von ihren Augen, Händen oder Füßen zur Sünde verleitet werden. Andere können beide Augen, Hände oder Füße gerne ungestraft behalten, auch wenn sie von manchen Freiheiten vielleicht aus Liebe zu denen mit schwächerem Gewissen oder Willen abstehen werden, aber das ist hier nicht unser Thema.
John Stott zu Matthäus 5,29–30 (Die Botschaft der Bergpredigt, 2010, S. 99–100)

Das Evangelium

Das Evangelium ist die himmlische Verkündigung der Gnade Gottes uns gegenüber, durch die der ganzen Welt, die unter dem Zorn Gottes steht, verkündet wird, dass Gott, der himmlische Vater, in seinem eingeborenen Sohn, unserem Herrn Jesus Christus, versöhnt ist, den er uns dargegeben hat, so wie er es den heiligen Vätern einst verheißen hatte; außerdem wird verkündet, dass uns alles, was zum glückseligen Leben und ewigen Heil notwendig ist, in Christus in Fülle gegeben worden ist, der ja für uns als Mensch geboren, gestorben, von den Toten wieder auferstanden und in den Himmel aufgenommen worden und zu unserem einzigen Herrn und Retter geworden ist, sofern wir unsere Sünden erkennen und an ihn glauben.
Heinrich Bullinger Schriften IV, 2006, S. 265

Der Sühnetod Jesu

„Der Sühnetod Jesu, durch den alle, auch die früher geschehenen Sünden vergeben werden, stellt unter Beweis, dass Gott gerecht ist – Sünder gehen als Gerechte aus dem Endgericht hervor, weil Jesus an ihrer Stelle die Strafe Gottes getragen hat. Weil ἔνδειξις in V. 26 eine soteriologische Bedeutung hat, ist in V. 25 ein Bezug auf Gott selbst plausibel, was das Resümee in V. 26 bestätigt (εἰς τὸ εἶναι αὐτὸν δίκαιον, „damit er gerecht ist“). 2. Das Wort ἔνδειξις bedeutet „Taterweis“, und δικαιοσύνη verweist wie in V. 21.22 auf das Heil schaffende, Gerechtigkeit wirkende Handeln Gottes im Tod Jesu. Der Sühnetod Jesu ist der „Erweis seines gnädigen Tuns“, durch das er den Sündern Gerechtigkeit zueignet. Der erste Auslegungsvorschlag ist am plausibelsten: Gott demonstriert, dass er gerecht ist. Wichtig ist 3,5–6, wo es um die Gerechtigkeit des Zornes Gottes geht: Es gibt keinen Zweifel daran, „dass Gott, wenn er die Vergehen der Menschen nicht beiseite lässt, sondern Ungerechte bestraft, gerecht handelt. Als Zorn gegen Ungerechte stellt der Zorn Gottes nämlich einen gerechten Zorn dar, die Bestrafung der Sünder eine gerechte Handlung, wohingegen die bloße Verschonung von Ungerechten gerade ungerecht wäre.“ Die durch den Tod Jesu erwirkte Sündenvergebung ist keine Amnestie in dem Sinn, dass Gott die Realität des Sündigens der Sünder jetzt einfach ignoriert, nachdem er zuvor ihre Bestrafung im Endgericht angedroht hat. Der Tod Jesu zeigt, dass Gott sich treu bleibt und Sünde bestraft: Jesus ist anstelle der Sünder gestorben, denen deshalb Gerechtigkeit zugesprochen werden kann. Da beide Interpretationen einen Sinn ergeben, sollten sie allerdings nicht streng auseinandergehalten werden, zumal ἔνδειξις in 2Kor 8,24 (wo es zusammen mit dem Verb ἐνδείκνυμι steht) sowohl das Erbringen eines Beweises bezeichnet als auch die Verbindung dieses Beweises mit Zuneigung und eigenem Engagement beschreibt, das auf das Wohlergehen anderer ausgerichtet ist.“ Eckhard Schnabel Römerbrief 3,25 HTA