Nachfolge Christi

Der Ausdruck stammt aus dem Leben der Rabbinenschüler

Das Verhältnis des Jüngers zu seinem Rabbi war zur Zeit Jesu kein so loses wie heute das eines Schülers zu seinem Lehrer. Der Jünger kam mit seinem Meister nicht nur für bestimmte Stunden zusammen. Es bestand vollständige Lebensgemeinschaft zwischen ihnen; und da die Schriftgelehrten oft ein Wanderleben führten, kam diese Lebensgemeinschaft nur dadurch zustande, dass der Jünger seinem Lehrer nachfolgte.

Nachfolge heisst: sich mobil machen, sich führen lassen, das Schicksal teilen

Um ein Jünger zu werden, also mit der Nachfolge zu beginnen, musste man zuerst einmal sich lösen aus den bisherigen Bindungen. Nachfolgen heisst: sich mobil machen, alles hinter sich lassen, was aufhält.

Wie unbedingtes Mobilsein Jesus von seinen Jüngern fordert, sehen wir daraus, dass er unter Umständen den Verzicht auf die Teilnahme am Begräbnis des eigenen Vaters fordert (Luk. 9,59.60) oder die völlige Veräusserung allen Besitzes (Mark. 10,21).

Nachfolgen heisst: sich beweglich machen, sich auch nicht mehr festhalten lassen im Rahmen bestimmter Sitten und Traditionen. Es bedeutet aber auch: in steter Bewegung sein. Immer dort sein, wo der Meister ist, da mittun, wo er eine Sache anfasst. Petrus will gern in Kapernaum bleiben, weil aber Christus weitergeht, folgt er ihm (Mark. 1,38).

Nachfolgen heisst: einen anderen vorangehen lassen, auf alle eigene Wahl verzichten. Das meint Jesus, wenn er sagt: »Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst.«

Selbstverleugnung ist nicht das, was man oft darunter versteht: Selbstquälerei. Sie besteht nicht darin, dass man sich selbst möglichst viel Entbehrungen, Arbeit und Schweres zumutet, wobei man oft doch ganz selbstherrlich bleibt. Sich selbst verleugnen heisst: darauf verzichten, sein eigener Herr zu sein, sich selbst zu führen und statt dessen eben unweigerlich der Führung eines Höheren folgen.

Sich selbst verleugnen, heisst: die selbstgewählten Werke, und wären es hochasketische oder anerkannt fromme, aufgeben und sich jeden Dienst weisen lassen.

Endlich, nachfolgen heisst: das Schicksal teilen. Wo man Christus kreuzigt, darf der Jünger sich des Kreuzes nicht weigern (Matth. 16,24).

Nachfolge heisst: unter der persönlichen Leitung Christi stehen

Zu beachten ist: Die Glieder der Gemeinde heissen auch nach Pfingsten Jünger. Auch sie sind Lernende und Nachfolgende. Das ist nicht bloss so zu verstehen, als ob nun die Christen durch Studium und andächtige Betrachtung dessen, was Christus einst gesagt oder getan hat, versuchen, es ihm nachzutun.

Das bedeutet vielmehr, dass der auferstandene Christus unter ihnen gegenwärtig ist als der, der sie lehrt und ihnen vorangeht. Es ist eine Unterstellung, ein grosses Als-ob, von Nachfolge Christi zu sprechen, wenn man gar nicht davon überzeugt ist, unter der persönlichen Leitung Christi zu stehen, sich statt dessen das, was der Weg Christi sein könnte oder müsste, selbst konstruiert.

Nachfolgen bedeutet gewiss auch zu Zeiten: suchen und fragen und hangen und bangen nach Klarheit. Aber zuletzt bedeutet nachfolgen immer: eine klare Führung haben. Jede andere Erklärung dieses Wortes ist Sinnentleerung.

Nachfolgen heisst: einen gewissen Weg gehen; Nachfolgen heisst seines Weges so gewiss sein, dass man einer ganzen widersprechenden Welt ihre Lüge in den Hals zurückschleudern kann.
Autor: Ralf Luther
Quelle: Neutestamentliches Wörterbuch

Warum sollten wir Jesus nachfolgen?

In der heutigen Kultur sind wir eher pragmatisch als nachdenklich. Besessen davon, zu erkennen, was funktioniert und wie es funktioniert, streben wir danach, die Glücksformel zu kopieren. Uns geht es weniger darum, warum die Dinge funktionieren. Jüngerschaft ist da keine Ausnahme. Viele haben das Warum für das Wie eingetauscht, die Motivation für die beste Methode. Das ist verstörend. Der Grund dafür ist, dass Methoden uns nur ein Stück weit bringen können. Wenn Schwierigkeiten auftauchen, brauchen Methoden Motivation, um fortgeführt zu werden.
Was motiviert dich, Jesus nachzufolgen? Wenn diese Frage nicht zu denen gehört, über die du beständig nachdenkst und die du beantworten willst, wirst du von Jesus wegwandern, statt ihm nachzufolgen.
Der pragmatische Jünger
Aufgrund der pragmatischen Neigung unserer Kultur ist das moderne Jüngerschaftsmantra: „Mache Jünger, die andere zu Jüngern machen“. Dieses Mantra ist pragmatisch und reproduzierend. Ist jedoch die pragmatische Reproduktion das Hauptanliegen von Jesus? Als er kam und das Evangelium vom Reich Gottes verkündigte, gab er da einen inspirierenden Vortrag mit drei Anwendungspunkten darüber, wie man Jünger macht? Natürlich war er ein Vorbild, lehrte und sandte seine Jünger aus (Lukas 9–10). Das Reich Gottes ist eingebettet in eine reproduzierende DNA (was sich in manchen landwirtschaftlichen Gleichnissen von Jesus widerspiegelt). Aber das Reich Gottes ist auch langsam und tief. Es erstreckt sich über beschwerliche Lebensspannen und in die Tiefen des menschlichen Herzens. Die Herrschaft Christi durchdringt unsere DNA und treibt uns beständig an.
Statt sein Training auf das Wie zu konzentrieren, kam Jesus immer wieder auf das Warum zu sprechen. Deshalb sind so viele seiner Aussprüche aufrüttelnd. Als meisterhafter Lehrer provozierte er zum Nachdenken, nicht nur zum Handeln:
Es geschah aber, als sie ihre Reise fortsetzten, da sprach einer auf dem Weg zu ihm: Herr, ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst! Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel des Himmels haben Nester; aber der Sohn des Menschen hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann. (Lk 9,57–58)
Es sprach aber auch ein anderer: Herr, ich will dir nachfolgen; zuvor aber erlaube mir, von denen, die in meinem Haus sind, Abschied zu nehmen! Jesus aber sprach zu ihm: Niemand, der seine Hand an den Pflug legt und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes! (Lk 9,61–62)
Jesus zwingt uns dazu, über unsere Motive für die Nachfolge nachzudenken. Wenn wir für Komfort und Bequemlichkeit leben, werden wir unsere Betten, unser Geld und unsere Unterhaltung nicht aufgeben, um ihm nachzufolgen. Wenn idyllische Gemeinschaft das ist, was uns in unseren Entscheidungen motiviert, werden wir nicht enge Freunde und Familienmitglieder aufgeben. Jesus spricht deutlich. Wenn wir seine Jünger sein wollen, müssen wir durch etwas Größeres motiviert sein als Komfort und Gemeinschaft. Sein Reich muss uns motivieren und dieses Reich kommt mit Kosten.
Wahre Jünger werden über diese Kosten immer wieder reflektieren und sie annehmen. Sie werden ausharren, denn indem sie das Reich gefunden haben, haben sie einen König gefunden, der ihres Opfers wert ist. Indem sie nach dem Warum ihrer Existenz suchen, entdecken sie eine kostbare Perle. Jünger, die von Pragmatismus allein angetrieben sind, werden über die Kosten nachdenken und es sich zum Ziel setzen, Jünger zu machen, die andere zu Jüngern machen, aber wenn es hart auf hart kommt, werden sie von Jesus weggehen und ihm nicht nachfolgen. Wir brauchen mehr als nur pragmatische Ansätze, wie wir den großen Missionsbefehl erfüllen können, um uns durch die Bedrängnis zu bringen, die dadurch entsteht, dass wir zuerst nach dem Reich Gottes trachten.
Der Jünger Jesu
Als Jesus seinen großen Missionsbefehl gab, hat er ihn mit der Motivation für das Reich Gottes gefüllt. Der Hauptauftrag, Jünger zu machen, folgt auf ein Bild des auferstandenen, strahlenden Königs, der ausgestattet ist mit Macht und Autorität sowohl im Himmel als auch auf Erden (Dan 7,9-14; Mt 28,17). Er ist stark genug, die Nationen zu lenken und herrlich genug, ihre Anbetung zu gebieten. Wir sind ausgesandt unter seiner Oberherrschaft. Wir sind nicht ausgesandt in der Autorität unserer eigenen Erfahrung, sondern in der Autorität seiner Herrschaft. Unsere Geschichte ist nicht groß genug, einen „Jünger zu machen“, sondern Jesu Geschichte. Wieso gehen wir hin? Um auf seinen Namen zu taufen, nicht auf unseren. Alle Völker zu Jüngern zu machen ist keine persönliche Angelegenheit; es ist eine Erlösungsmission von Gott selbst. Unsere Motivation fließt folglich daraus, dass wir in die Gnade Gottes eingetaucht sind, nicht dass sich andere an die Art und Weise anpassen, wie wir leben.
Wie machen wir andere zu Jüngern, wenn wir selbst mit Sünde zu kämpfen haben? Wir müssen uns daran erinnern, dass der Erfolg unserer Mission nicht nur der Autorität unseres Königs bedarf, sondern auch der Barmherzigkeit des Messias. Er ist der Jünger, der da Erfolg hat, wo wir in dem vollkommenen Gehorsam gegenüber Gott versagen. Wir geben Barmherzigkeit weiter von seinen Gnadenbeweisen, die jeden Morgen neu sind.
Aber was ist, wenn das Missionsfeld zu schwierig ist? Siehe, er ist bei uns alle Tage bis an das Ende der Weltzeit. Wir sind nicht nur von dem vergangenen Gehorsam des treuen Jüngers abhängig, sondern auch von der momentanen Gegenwart des auferstandenen Herrn. Wir machen Jünger in der Autorität Jesu, eingetaucht in die Gnade Jesu, ausharrend in der Barmherzigkeit Jesu, mit der ewigen Verheißung der Gegenwart von König Jesus. Jünger müssen eine einzigartige Motivation wiedererlangen, die sie dazu befähigt, alle Kosten zu tragen. Diese Motivation kommt aus der unendlichen Genugsamkeit und Pracht unseres Herrn.
Warum folgen wir Jesus? Wegen dem, wer er ist. Wenn wir Jesus haben, haben wir mehr als genug, um Jünger zu machen. Jonathan Dodson
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Ligonier Ministries. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr Ressourcen von Ligonier Ministries.
https://www.evangelium21.net/media/1247/warum-sollten-wir-jesus-nachfolgen

Instantgesellschaft

In einer [Instantgesellschaft wie der unseren] ist es nicht schwer, einen Menschen für die Botschaft des Evangeliums zu interessieren; es ist aber immens schwierig, das Interesse aufrechtzuerhalten. Millionen von Menschen in unserer Kultur entscheiden sich für Christus, aber es gibt eine erschreckend hohe Fluktuationsrate. Viele behaupten, wiedergeboren worden zu sein, aber die Beweise für eine reife christliche Nachfolge sind dürftig. In unserer Kultur lässt sich alles gut verkaufen, sogar Neuigkeiten über Gott, wenn sie frisch verpackt werden. Aber wenn sie ihre Attraktivität verlieren, landen sie auf dem Müllhaufen. In unserer Welt gibt es einen großen Markt für religiöse Erfahrungen; es gibt jedoch wenig Begeisterung für das geduldige Erlernen von Tugenden, wenig Bereitschaft, sich für eine lange Lernphase in dem zu entscheiden, was frühere Generationen von Christen Heiligung nannten.
E.H. Peterson (A Long Obedience in the Same Direction: Discipleship in an Instant Society, 2019, S. 12)
https://theoblog.de/schule-der-heiligung/37215/

„Seid heilig, denn ich bin heilig.“

Oft machen wir den Standard für unser Verhalten an falschen Maßstäben fest. Wir denken: „Solang ich mehr in der Gemeinde mache als der Durchschnitt, reicht es.“ „Wenn ich in Gesprächen merke, dass ich mein Christenleben besser im Griff habe als mein Gegenüber, habe ich alles erreicht was ich brauche.“ „Schau mal auf ihn/sie. Zum Glück bin ich da doch ein wenig christlicher.“
Gott gibt uns unsere Geschwister nicht, damit wir uns mit oder an ihnen messen. Wenn er auf unser Leben schaut, dann wird er unsere Taten auch nicht mit dem Durchschnitt der Christenheit vergleichen. Er wird seinen eigenen Maßstab an unser Verhalten legen. Und wer kann dann von sich behaupten, ein wirklich guter Christ zu sein?
Gott sagt: „Seid heilig, denn ich bin heilig.“ (1. Petr 1,16). Die Hürde, die wir dafür überspringen müssten, ist zu hoch für uns. Niemand ist völlig heilig. Völlig perfekt. Niemand liebt Gott zu jeder Zeit mit allem was er hat und seinen Mitmenschen wie sich selbst. Und weil wir das merken, suchen wir uns eine niedrigere Hürde: Die Mit-Sünderinnen und Sünder dieser gefallenen Welt. Solang wir da im Mittelfeld mithalten, fühlen wir uns gut genug.
Lasst uns neu darauf ausrichten, Gottes Maßstab an unser Leben zu legen und uns in seinem Licht zu sehen. Er will uns heiligen, nicht nur „ein bisschen besser“ als den Durchschnitts-Christen machen. Sind wir dazu bereit?
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Zum Thema Nachfolge gibt es dazu noch etwas zu sagen?

Sicher, wie es der alte Dr. Johnson, Samuel Johnson, gesagt hat: People need more often to be reminded that they need to be instructed. Wir müssen öfter an etwas erinnert als in etwas instruiert werden.
Nachfolge macht uns nicht zu Söhnen, sondern weil wir Söhne sind, werden wir zu Nachfolgern Jesu. Martin Luther.
Gerade je fortgeschrittener jemand in der Nachfolge ist, desto mehr wird er entdecken, dass er der Versöhnung und Gnade bedarf. Kierkegaard
Nichts kann einen so zum Nachfolger Christi machen wie die Sorge um den Nächsten. Johannes Chrysostomus
„Man kann nicht Nachfolger Jesu sein und dann ein frommer Einsiedler werden.“ Friedrich von Bodelschwingh
Jeder tritt allein in die Nachfolge, aber keiner bleibt allein in der Nachfolge. Bonhoeffer
„Nachfolger Jesu müssen Menschen der Barmherzigkeit sein, denn sie haben Barmherzigkeit gefunden und Barmherzigkeit hat sie gefunden.“ Charles Haddon Spurgeon
In der Nachfolge Jesu geht keine Anstrengung verloren, deshalb geh weiter! Corrie ten Boom

„Wollt ihr auch weggehen?“

Da fragte Jesus die Zwölf: „Wollt ihr auch weggehen?“ Simon Petrus antwortete Ihm: „Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.“ Johannes 6, 67 – 68
Jesus hatte zeitweise sehr viel mehr als die zwölf uns namentlich bekannten Jünger. Das ist doch klar: Wenn jemand durchs Land zieht und alle Kranken heilt, denen er begegnet, dann sind die Leute begeistert und wollen mehr davon sehen. Natürlich erhofften sie sich von Ihm auch (genau wie die zwölf Jünger des engeren Jüngerkreises), daß Er die verhaßten Römer aus dem Land verjagen würde mit Seinen übernatürlichen Kräften.
Aber unser Herr legte keinen Wert auf solche „Fans“. Und deshalb hielt Er eines Tages eine Rede, die sie total vor den Kopf stieß (bitte nachlesen in Johannes 6!). Auch das zeigt Seine Größe. Jeder von uns würde sich geschmeichelt fühlen, wenn viele Menschen von ihm begeistert wären und ihn anhimmeln würden. Aber Jesus wußte, was von solchen Anhängern zu halten ist. Und Er konnte sich bestätigt sehen dadurch, daß sich diese „Jünger“ nach Seiner harten Rede von Ihm abwandten.
Umso dankbarer hätte Er eigentlich sein sollen für die Zwölf, die dennoch bei Ihm blieben. Hätte Er ihnen nicht dafür danken sollen und sie ermutigen sollen, auch weiterhin Ihm die Treue zu halten? Nein – auch sie provoziert er mit der Frage: „Na, was ist mit Euch – seid Ihr auch solche Schönwetterjünger wie die, die sich soeben verdünnisiert haben?“ Jesus – wie konntest Du diese Männer so vor den Kopf stoßen? Nun, Er wäre wohl lieber ganz ohne Jünger geblieben, als sich mit sensationslüsternen Gaffern zu umgeben.
Merkst Du, wie hochaktuell das ist? Auch heute wollen viele Gläubige in der Gemeinde vor allem etwas erleben, was sie erhebt, was ihnen ein gutes Gefühl gibt und sie bestätigt. Was sie nicht leiden können, ist, daß die Verkündigung sie in Frage stellt. Daß sie sie geistlich herausfordert. Daß sie die Bibel tiefschürfend auslegt und auf sie anwendet. Daß sie ihnen aufzeigt, wie sehr ihr Denken vom Zeitgeist geprägt ist und korrigiert werden muß. Immer wieder höre ich, daß Pastoren, die so predigen, geschaßt werden.
Gibt es in Deiner Gemeinde auch solche Tendenzen? Dann stemme Dich dagegen. Bete für Deinen Pastor und unterstütze ihn, indem Du Dich für ihn aussprichst. Wenn das fruchtlos bleibt, ist es vielleicht an der Zeit, Dir eine andere Gemeinde zu suchen – eine, die einen bibeltreuen Pastor hat und ihn zu schätzen weiß.
Mich bewegt aber auch immer wieder die Antwort des Petrus auf die Frage Jesu. Ja, zu wem sollten wir gehen, wenn wir uns von Jesus abwenden würden? Ich bin nicht selten drauf und dran gewesen, mich von Ihm abzuwenden. Aber was sind denn die Alternativen? Wir können nur verlieren, wenn wir nicht mehr zum Herrn Jesus gehören wollen!
Ich hatte hier immer noch den Luther-Text im Ohr: „Wohin sollten wir gehen?“ Aber es geht nicht nur um eine Richtung, sondern um eine Person. Wer sich von Jesu abwendet oder gar nicht erst Ihm zuwendet, der wird Opfer irgendwelcher Bauernfänger oder Verführer.
Mir gefällt auch seine Begründung: „Du hast Worte ewigen Lebens“. Die haitianische Bibel übersetzt im Sinne von: „Du hast Worte, die das Leben geben, das niemals aufhört.“ Ist das nicht wunderbar? Es gibt nichts, was wir dringender brauchen, als diese lebenspendenden, aber auch oft sehr unbequemen Worte des Evangeliums.
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1.Petrus 5,10 Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen.

Der Ring schließt sich. Das ist das „Thema“ des ganzen Briefes, mit dem er begonnen, unter dem er geschrieben ist und mit dem er jetzt schliessen wird: der Gott aller Gnade. Wer Gott sagt, der sagt: alle Gnade, ganze Gnade Wie wenig verstehen wir oft, was Gnade ist, und wie groß die Gnade Gottes ist. Gnade setzt voraus, dass wir Sünder sind. Wenn wir keine Sünder wären, dann hätten wir nicht Gnade nötig, sondern Gerechtigkeit.
Der euch berufen hat macht deutlich: das neue Leben beginnt nicht mit dem Tun des Menschen, sondern mit Gottes Berufung. Die Berufung aber zielt hin auf unser Teilhaben an seiner ewigen Herrlichkeit. „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und was in keines Menschen Herz gekommen ist“, das „hat Gott bereitet denen, die ihn lieben“ (1 Ko 2, 9).
Petrus liefert eine präzise Beschreibung dieses irdischen Heiligungsprozesses durch Gott anhand von vier nahezu synonymen Begriffen: aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. All diese Worte beinhalten Stärke und Festigkeit, die Gott allen Gläubigen im geistlichen Kampf geben will (1Kor 15,58; 16,13; Eph 6,10; 2Tim 2,1).
„Herrlichkeit“ ist also nicht nur, nicht einmal primär unser individuelles Glück, sondern endgültige Heilung einer abgespaltenen Welt.
Gott selbst ist nicht Zuschauer oder Schiedsrichter im Kampf der Christen, sondern Bundesgenosse und machtvoller Helfer im Streit. Er bleibt auch inmitten des Kampfes „der Gott aller Gnade“. So wie am Anfang des Christenweges Gottes wirksamer Anruf stand, so ist von Anfang an das Ziel dieses Weges im Auge, das dieses innerzeitliche Zwischenstadium („kurze Zeit“, vgl. 1,6) der Leiden übergreift. Gott aber wird auch auf diesem Wege selbst den Bedrängten zu Hilfe kommen und ihnen Kraft verleihen.