Wir können vor Gott nicht weglaufen, aber wir können uns in seine Arme werfen.

Zuerst nämlich wendet sie sich in ihrer Sündhaftigkeit – circumferens mortalitatem suam, circumferens testimonium peccati sui – von Gott ab, verlässt ihn und flüchtet vor ihm auf seltsamen Pfaden in abgelegene Gebiete und in tiefste Abgründe, um dann erst um Hilfe zu rufen. Viel später aber begreift sie, dass Gott auch dort anwesend war, um die Seele herauszureißen und sie im letzten , aber eben auch entscheidenden Augenblick zurückzuführen und wieder auf die richtige Fährte zu setzen. So wird es ihr möglich, doch noch, nach so langer Wanderung, das Haus Gottes zu finden. (Augustinus) Soulsaver

Der Christusglaube

An Christus zu glauben heißt, die Versuche aufzugeben, Gottes Gunst durch den eigenen Charakter zu gewinnen. Der Mensch, der an Christus glaubt, akzeptiert schlichtweg das Opfer, das Jesus auf Golgatha dargebracht hat. Das Resultat eines solchen Glaubens ist ein neues Leben, inklusive aller guten Werke; doch die Erlösung selbst ist ein absolut freies Geschenk von Gott. John Gresham Machen (1881–1937).

Weiter kein Zwang zur Organspende

Am Donnerstag den 16.1.2020 hat sich der Bundestag mit der Mehrheit seiner Stimmen für die „erweiterte Entscheidungsregelung“ entschieden. Künftig soll jeder Bürger beim Antrag auf einen neuen Reisepass oder Personalausweis Informationsmaterial zur Organspende erhalten und dann eine entsprechende Entscheidung treffen. Spätestens alle zehn Jahre soll von staatlichen Stellen erneut nachgefragt und der Registereintrag gegebenenfalls verändert werden. Diese Entscheidung ist aus christlicher Sicht absolut begrüßenswert.
Gleichzeitig wurde vom Bundestag allerdings auch beschlossen, weiterhin einseitig für Organspenden zu werben. Statt einer einseitigen Werbung für Organspende sollten zukünftig alle relevanten Aspekte der Organtransplantation auch öffentlich genannt werden. Natürlich gehört dazu die überlebenswichtige Bedeutung der Spenderorgane für Kranke, die sehnlichst auf eine Transplantation warten. Dazu gehört aber auch die Verstümmelung der Organspender, die fehlende Möglichkeit der Angehörigen beim Sterben des Patienten dabei sein zu können und vor allem das ethisch problematische Hirntodkriterium. Demnach wird ein Patient zur Explantation freigegeben, wenn sein Gehirn keine Aktivität mehr zeigt, gleichzeitig der Rest des Körpers aber noch lebt. Für Angehörige zeigt der Hirntote noch viele Kennzeichen es Lebens: er kann schwanger sein, Wunden heilen und verdauen. Es gibt gute medizinische und biologische Gründe, den Hirntoten als Menschen im Sterbeprozess zu betrachten, nicht als bereits Verstorbenen.
Bei allen in der Bibel Verstorbenen wird von einem dauerhaften Herz-Kreislauf-Stillstand oder einem Ganztod der betreffenden Person ausgegangen. Als eindeutiges Kriterium gilt hier nicht das endgültige Versagen eines wichtigen Organs, sondern das Sterben des ganzen Körpers, die Verwesung oder ein anderes sicheres Todeskriterium. Biologisch gesehen ist das menschliche Sterben ein längerer Prozess, an dessen Anfang häufig das Versagen des Gehirns steht und am Ende das Sterben von Haut- und Muskelzellen Stunden später. – Kürzlich durchgeführte Experimente mit Schweinehirnen an der Yale Universität in den USA geben darüber hinaus begründeten Zweifel an der Unumkehrbarkeit des Hirntodes.
Michael Kotsch FB
https://bibelbund.de/2020/01/weiter-kein-zwang-zur-organspende/?fbclid=IwAR0JwL5BJ3MPa0vCPzqpYJhzQZXKazlrqfraVg5T33f3NSPzmyJrA8ymARI

Zur Organspende

Es ist einigermaßen befremdlich, demnächst möglicherweise in einem Rechtssystem zu leben, bei dem man zwar jeder Speicherung eines Cookie ausdrücklich zustimmen muss, seine Organe aber – wenn man sich nicht rührt – automatisch Dritten überlässt.
Die Ethik bekommt ebenso einen Knacks: Altruismus zeichnete sich bisher dadurch aus, moralisch für gut gehalten, aber nicht geboten zu sein. Auch das Gebot der Nächstenliebe verlangt den ersten Schritt von dem, der es befolgen will.
Selbst sprachlich verändert sich möglicherweise einiges: Eine Spende war bisher immer der Ausdruck bewusster Freiwilligkeit – im Gegensatz zu Preis, Abgabe, Gebühr. Künftig spendet man am Ende alles, wenn man nicht rechtzeitig widersprochen hat. (Josef Bordat)
https://jobosblog.wordpress.com/2020/01/16/zur-organspende/

Orthodoxie Eine Apologetik von Gilbert Keith Chesterton

Je komplexer ein Thema ist, desto schwieriger wird es in Kürze einen roten Faden aufzuzeigen, ohne den Inhalt des Besprochenen zu korrumpieren. Zu Chestertons Werk „Ketzer“ gibt es zahlreiche Rezensionen, ich habe mich aber lieber für „Orthodoxie“ entschieden. Chesterton ist immer dann stark, wenn er das Christentum verteidigt, und immer dann schwach wenn er den Katholizismus verteidigt. So habe ich auch dieses Werk empfunden. Chesterton argumentiert offen und emotional von seiner Erfahrung und verweist von verschiedenen Argumenten her auf die Vollständigkeit und Fülle eines christlichen Denkens, welches er Dogma nennt. Das uralte Dogma wusste bereits alles, was die Denker mühselig entdecken mussten. Das Dogma ist auch ein Segen und einer Bereicherung, denn der Glaube schenkt den Menschen Freude, Zufriedenheit und … Demokratie! Für Chesterton auch eine Frucht des Glaubens.
Dieser Freude (und gleichzeitiger Leidensbereitschaft) des Glaubens steht entweder ein blinder Optimismus von Idealisten oder ein fataler Pessimismus von Materialisten entgegen. Chesterton beschreibt letzteren folgendermaßen:
Menschen, die die Kirche zunächst im Namen von Freiheit und Menschlichkeit bekämpften, schleudern am Ende Freiheit und Menschlichkeit von sich, nur um die Kirche zu bekämpfen. Das ist keine Übertreibung; ich könnte ein ganzes Buch mit Beispielen füllen. Als zielstrebiger Bibelkritiker zog Mr. Blatchford aus, um zu beweisen, dass Adam sich nicht gegen Gott versündigt hat; während er sich noch trickreich mühte, diese These zu untermauern, bekannte er ganz nebenbei, kein einziger Tyrann, von Nero bis König Leopold, habe sich gegen die Menschheit versündigt. Ich kenne einen Mann, der fanatisch zu beweisen sucht, dass es für ihn kein persönliches Leben nach dem Tod geben wird, und der bei der Ansicht landet, für ihn gebe es auch jetzt kein persönliches Leben. (…) Sie verbrannten ihr eigenes Getreide, nur um die Kirche in Brand zu stecken, sie zerschlugen ihr eigenes Werkzeug, nur um sie damit zu zerschlagen.; jeder Stock war gut genug, um auf sie einzuprügeln, auch wenn er das letzte Stück ihres eigenen zerbrochenen Mobiliars war. Den Fanatiker, der das Diesseits aus Liebe zum Jenseits zugrunde richtet, bewundern wir ganz und gar nicht und würden ihn kaum entschuldigen. Aber was halten wir von dem Fanatiker, der das Diesseits aus Hass gegen das Jenseits zugrunde richtet?
Was mich überrascht hat war, wie leicht das Buch zu lesen war. Chesterton arbeitet die Stärken eines Denkens aus, dass Supernaturalismus berücksichtigt. Hier sieht er generell das reichere Leben, das freiere Denken, die bessere Kunst. Diese Ansicht teile ich mit dem Autor. Die vor allem zum Schluss des Werkes stärker werdende Verteidigung des Katholizismus muss ich aber verwerfen. Von Sergej Pauli https://www.nimm-lies.de/tipp-orthodoxie/12912

Der Römerbrief: Das Evangelium von der Gerechtigkeit Gottes

Der Römerbrief ist der längste und bedeutendste Brief des Neuen Testaments. In ihm legt der Apostel Paulus eine relativ systematische Darstellung „seines Evangeliums“ vor. Aus diesem Grund hat der Römerbrief in der Kirchengeschichte eine beeindruckende Wirkung erzielt. Für zahlreiche Theologen wie Augustinus, Martin Luther, Johannes Calvin oder auch John Wesley war dieses Brief von zentraler Bedeutung. So erkannte z.B. Martin Luther durch das Studium von Röm 1,16-17, dass allein Gottes Gnade und nicht die guten Werke den Menschen vor Gott gerecht sein lässt – der wesentliche Gedanke, der zum Anstoß für die ganze Reformation wurde.
Der Apostel Paulus verfasste diesen Brief vermutlich während seiner dritten Missionsreise aus der Hafenstadt Korinth im Jahr 57/58 aus. Dafür spricht die Erwähnung der Phöbe, die zusammen mit dem Brief unterwegs war (Röm 16,1-2) und im Dienst der Gemeinde in Kenchreä stand, der Hafenstadt bei Korinth. Mit dem Römerbrief wollte sich Paulus mitsamt seiner Lehre der Gemeinde in der Welthauptstadt Rom vorstellen. Er wollte ihnen erklären, warum er bisher noch nicht ihre Gemeinde besucht hatte (Röm 15,20-22), ihnen mitteilen, dass er dies vorhabe (Röm 15,23-24) und dass er auf ihre Unterstützung für eine Weiterreise nach Spanien hoffe (Röm 15,24).

Der Römerbrief lässt sich in sechs Teile gliedern:

  1. Der Briefanfang (Röm 1,1-17), in dem Paulus eine Einführung in das Thema seines Briefes gibt, mit dem markanten und programmatischen Abschluss in 1,16-17.
  2. Der Kern des Evangeliums: Rechtfertigung durch Glauben (Röm 1,18-4,25). Paulus verdeutlicht zunächst die universelle Herrschaft der Sünde über alle Menschen (1,18-3,20) und erklärt danach, wie Gott den Sünder durch Glauben rechtfertigt (3,21-31) und veranschaulicht dies dann am Beispiel Abrahams (4,1-25).
  3. Die Folgen des Evangeliums: Wachstum in der von Gott geschenkten Gerechtigkeit (Röm 5,1-8,39). Paulus erklärt, dass durch Jesus Christus echter Friede mit Gott möglich ist (Röm 5,1-21). Er verdeutlicht ferner, wie der Gläubige durch die Rechtfertigung aus der Gefangenschaft der Sünde befreit ist (Röm 6,1-23) und dass er nicht länger an das Gesetz gebunden ist (Röm 7,1-25). Dieser Hauptteil schließt damit ab, dass es nun gilt „im Geist“ zu leben (Röm 8,1-39), der neues Leben geschenkt hat und ebenso der Unterpfand für das zukünftige ewige Leben in Herrlichkeit ist.
  4. Das Evangelium und seine Beziehung zu Israel (Röm 9,1-11,36). Paulus erörtert die schwierige Frage, wie Gottes Geschichte mit Israel weitergehen wird, da er Israel einerseits Verheißungen gegeben hat, der Großteil Israels aber andererseits das Evangelium bisher abgelehnt hat.
  5. Die Veränderungen durch das Evangelium (Röm 12,1-15,13). In den letzten Kapiteln gibt Paulus – wie in allen seinen Briefen üblich – eine Vielzahl konkreter, praktischer Anweisungen. Hier im Römerbrief liegt der Schwerpunkt darauf, zu zeigen, wie das Evangelium das Verhalten des gläubigen Christen total erneuert (Röm 12,1-2!) – z.B. im Hinblick auf den Dienst aneinander (Röm 12,3-8), gegenüber den weltlichen Herrschern (Röm 13,1-7) oder in der Bereitschaft der gegenseitigen Rücksichtnahme (Röm 14,1-15,13).
  6. Der Briefschluss (Röm 15,14-16,27). Paulus schließt seinen Brief ab, indem er seine Reisepläne mitteilt (Röm 15,14-33) und zahlreiche Grüße übermittelt (Röm 16).

Aus dem Römerbrief kann man unendlich viel lernen. Als Anregung mal nur zwei eher allgemeine Fragen, die man auf jeden Abschnitt anwenden kann:

  1. Was lerne ich in diesem Abschnitt über das Evangelium der Gerechtigkeit Gottes?
  2. Was folgt daraus für mich praktisch, wenn ich diese Sicht mir zu Eigen mache?

Schlüsselvers: Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.  Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: »Der Gerechte wird aus Glauben leben.«“ (Röm 1,16-17)
Dieser Text wurde anlässlich der 5x5x5-Bibelleseaktion meiner Gemeinde, der EFG Borken, verfasst. Er soll den Lesern eine kurze Einführung in die Apostelgeschichte geben. Mehr zur Aktion 5x5x5 und wie auch du mit dabei sein kannst, findest du hier.
Ähnliche Beiträge
Der Galaterbrief: Kein anderes Evangelium!
Der Jakobusbrief: Sei ein Täter des Wortes!
Das Matthäusevangelium: Jesus, der verheißene Messias

Gott ist kein Add-on

Bei Computerprogrammen gibt es sogenannte „Add-ons“. Das sind optionale Zusatzprogramme, die das Hauptprogramm um bestimmte Funktionen erweitern. Sie sind häufig ganz nützlich, aber nicht notwendig für das Funktionieren des Hauptprogramms.
Ein wesentliches Problem unserer säkularisierten westlichen Gesellschaften ist aus meiner Sicht, dass wir Gott wie so ein optionales Add-on behandeln. Er kann, so meinen wir, ganz nützlich sein für den, der bestimmte Zusatzfunktionen im Leben braucht, sei es Trost in schweren Stunden, einen spirituellen Erweckung, oder sogar die Aussicht auf ein Weiterleben angesichts des nahenden Todes. Das Leben an sich aber funktioniert auch ganz gut ohne das Add-on Gott. Das Hauptprogramm benötigt die Ergänzung nicht…
Wenn es Gott aber tatsächlich gibt, einen Gott, der diese Bezeichnung wirklich verdient, dann müssen wir völlig anders von ihm denken. Dann ist er nämlich kein optionales Add-on, sondern dann ist er das Betriebssystem, ohne das im Computer überhaupt nichts läuft. Das Betriebssystem ist die Basis für alles andere, es gibt den Rahmen, die Sprache, die Abläufe aller anderen Elemente vor. Und wenn ein Programm richtig funktionieren soll, dann muss es sich an die Vorgaben des Systems halten, alles andere führt unweigerlich ins Chaos.
Genauso sieht es die Bibel. Sie bezeichnet den, der sein Leben ohne das Betriebssystem Gott führt, als Narren, als Dummkopf. „Die Toren sprechen in ihren Herzen: ‚Es ist kein Gott‘. Sie taugen nichts; ihre Treiben ist ein Gräuel; da ist keiner, der Gutes tut“ (Psalm 14,1). Umgekehrt ist das Rechnen mit Gott, die Beachtung des Betriebssystems, die Voraussetzung für ein gelingendes Leben: „Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang“ (Psalm 111,10). Wir täten gut daran, zu dieser Grundeinsicht zurückzukehren: dass das Leben nur dann richtig gelebt werden und gelingen kann, wenn wir die Basis, die Rahmenbedingungen, die Vorgaben beachten. Nur so lässt sich Chaos vermeiden bzw. Ordnung wiederherstellen. Die Basis ist Gott. Denn er ist kein Add-on. Er ist das Betriebssystem. Kurt Igler