54. Todestag des berühmten Baptistenpastors und Bürgerrechtlers Martin Luther King.

Am 4. April 1968 hielt King in Memphis, Tennessee, in einer Kirche seine letzte Rede; eine Ansprache, die im Nachhinein wie eine Todesahnung wirkt:
»Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne einstiger Sklaven und die Söhne einstiger Sklavenhalter zusammensitzen werden am Tisch der Brüderlichkeit. Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, wo man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird. …Wenn dies geschieht, und wenn wir erlauben, dass die Glocken der Freiheit läuten und wenn wir sie von jedem Dorf und jedem Weiler, von jedem Staat und jeder Stadt läuten lassen, werden wir diesen Tag schneller erleben, wenn alle Kinder Gottes, schwarzer Mann und weißer Mann, Juden und Christen, Protestanten und Katholiken Hände halten können und die Worte des alten Spirituals: Endlich frei, endlich frei singen.« (Martin Luther King, Testament der Hoffnung, 6.Aufl. 1989, Gütersloher Verlagshaus, S.124f)
»Ich habe das Gelobte Land gesehen… Aber ihr sollt heute abend wissen, dass wir, als ein Volk, in das Gelobte Land gelangen werden. Meine Augen haben die Herrlichkeit des kommenden Herrn gesehen.« (Martin Luther King, Testament der Hoffnung, 6.Aufl. 1989, Gütersloher Verlagshaus, S.117)

Ich brauche Gottes Wort dann am nötigsten, wenn ich keine Lust zum Beten und Bibellesen habe

Ich habe den Eindruck, dass viele Christen nicht gelernt haben, regelmässig die Bibel zu lesen. Manche behaupten, das sei zwanghaft und gesetzlich, man solle das nur tun, wenn es sich spontan ergibt. Ich frage solche Leute gern, ob sie mit Essen und Trinken, Zähneputzen und sonstiger Körperpflege auch so unregelmässig verfahren. Was für uns lebensnotwendig ist, brauchen wir regelmässig. Überflüssigen Luxus natürlich höchstens dann und wann, wenn überhaupt.
Tägliches Bibellesen ist ein Grundnahrungsmittel für einen gesunden Glauben. Kaum einer kann jeden Tag spontan entscheiden, ob, wann und wie er die Bibel liest. Gute Gewohnheiten helfen. Am besten morgens, bevor das Tagesprogramm über einen hereinbricht. Aber wenn jemand zu einer anderen Tageszeit besser regelmässig zur Stille findet, ist das auch gut. Und was Lust und Laune angeht – ich habe gelernt, dass ich Gottes Wort dann am nötigsten brauche, wenn ich keine Lust zum Beten und Bibellesen habe. Dann brauche ich das Reden meines Herrn, der die Blockierungen in mir wegräumt.
Ulrich Parzany. Was nun, Kirche? scm Hänssler: Holzgerlingen, 2017. S. 136-137.

Ein Jahr ohne “Made in China”

Veröffentlicht am 24. August 2012 von Hanniel
So lautet der Titel eines Buches, das auf meiner Leseliste steht. Um was geht es? Ein Rezensent:
Inhalt des Buches ist der Entschluss der Autorin, ein Jahr lang (2005) keine chinesischen Produkte zu kaufen. Das Ganze ist ein Experiment und auch nicht politisch gemeint (oder aus Sorge um amerikanische Arbeitsplätze). Sara Bongiorni lässt sich allerdings ein Hintertürchen offen: Geschenke fallen nicht unter diese Regelung! Das Jahr ist hart: Es ist in den USA in weiten Bereichen kaum mehr möglich, ohne Produkte “Made in China” auszukommen. Das größte Problem bereiten der Autorin ihre beiden Kinder mit ihren Wünschen; ihr Mann dagegen engagiert sich, je weiter das Jahr fortschreitet, immer mehr und schlägt sogar eine Fortsetzung des Boykotts vor (zu dem es aber nicht kommt). Diese Story wird auch in China bekannt und sofort propagandistisch ausgeschlachtet. Für die Familie bedeutet der Boykott, dass sie Kaufentscheidungen von da an bewusster trifft (und nicht mehr so viel Ramsch im Hause hat).
Dave Bruno hat ein ähnliches Experiment gemacht: Er reduzierte seine Habe auf 100 Dinge (wobei die Bibliothek als ein Ding galt); seine Erfahrungen schrieb er im Buch “The 100 Things Challenge – How I Got Rid of Almost Everything, Remade My Life, and Regained My Soul” nieder.
Ich habe mir über die letzten Jahre einige Gedanken zum Thema “Familie in der Konsumgesellschaft” gemacht, siehe meine Interviews “Ich konsumiere, also bin ich glücklich” (hier und hier).
Hier geht es zu einigen anregenden Ideen von Edith Schaeffer aus ihrem Buch Mit Phantasie und Liebe. Von der Kunst, den Alltag zu verschönern”. Es ist ein wunderbarer Kontrast zu den Botschaften, die uns täglich als Konsumenten eingetrichtert werden.
https://hanniel.ch/2012/08/24/ein-jahr-ohne-made-in-china/

Die Welt steht im Bann einer Epidemie.

Sars-CoV-2, ein winziges Virus, zwingt die moderne Zivilisation in die Knie. Die NZZ überschrieb den samstäglichen Leitartikel mit „Plötzlich war nichts mehr wie bisher“.
Grosse Krisen greifen in den Lauf der Geschichte ein. Leitartikler Gujer: „Das Virus wird auf allen Ebenen zu Veränderungen führen und Machtverhältnisse verschieben – innerhalb von Staat und Gesellschaft, aber auch international. (…) Die Welt ist eingestimmt auf Endzeitszenarien.“ Wie wird die Corona-Krise den Lauf der Zeit formen?
Albert Camus beschreibt im Roman „Die Pest“, wie diese Seuche in den 1940er-Jahren in Nordafrika ausbricht und die soziale Ordnung auf den Kopf stellt. Die schlimme Epidemie hinterlässt Leid und Tod.
Hat das die Überlebenden verändert? Was ist die gewonnene Erkenntnis? Camus zeichnet den Weg eines von Gott losgelösten Humanismus. Er stellt das menschliche Mitgefühl ins Zentrum und betont die Ungerechtigkeit, die den Pestkranken widerfahren ist. Schliesslich lässt er einen Arzt sagen, was man von Plagen lernt: „… nämlich, dass es an den Menschen mehr zu bewundern als zu verachten gibt“.
Nach Camus kann die Tragik des Lebens zwar nicht besiegt werden, aber jeder kann dafür sorgen, es wenigstens etwas menschlicher zu machen.
Der Ansatz ist gut, dennoch – mir fehlt der Boden, mir fehlt die Hoffnung! Mir fehlt ein Wort, das über mich hinausreicht, mein Leben umspannt und trägt.
Darauf verweist Carl Friedrich von Weizsäcker: „Die tiefste Erfahrung von sich selbst, zu der der Mensch in seiner Natur und in der Gesellschaft vordringt, lautet nicht Freiheit, sondern Ohnmacht. Die tiefste Erfahrung vom Gelingen menschlichen Lebens ist nicht eine Erfahrung von eigener Macht, sondern von Gnade. Die tiefste Erfahrung des Menschen ist nicht der Mensch, sondern Gott.“ Chefredaktor: Rolf Höneisen ideaschweiz.ch (FB)

Ein Gebet bei Schlimmer Krankheit

„Allmächtiger und allbarmherziger Gott,
Du allein hältst Leben und Tod in deiner Hand. In dieser schrecklichen Zeit der Krankheit kommen wir zu dir und bitten dich um Hilfe: erlöse uns von unserer Lebensbedrohung, stärke und befähige deine Diener im Gesundheitswesen und in der Heilkunde, und segne ihre Mittel zur Genesung der Kranken.
Vor allem aber lasse uns die Zerbrechlichkeit unseres irdischen Lebens erkennen, dass wir unsere Herzen der himmlischen Weisheit zuwenden, die uns zum ewigen Leben führt. Dies bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.“
Allgemeines Gebetsbuch, das Gebet bei schlimmer Krankheit.

Beten ohne Unterlass

Der Kampf um ein konsequentes Gebetsleben
Wie viele andere Gläubige habe ich seit jeher versucht, mir jeden Morgen Zeit für Hingabe und Gebet zu nehmen. Und wie die meisten anderen Gläubigen habe ich es immer als Kampf empfunden, konsequent dran zu bleiben.
Stell dir meine Überraschung vor, als ich in Calvins Institutio auf eine Stelle stieß, wo er erklärt, dass es nicht ausreicht, nur einmal am Tag zu beten. Calvin verweist auf die Ermahnung, „Betet ohne Unterlass“ (1Thess 5,17) und sagt, dass jeder Christ danach streben sollte, beständig im Gebet zu verharren. Aber er fügt hinzu: „Da wir so schwach sind und viel Hilfe brauchen, und so lustlos, dass wir angetrieben werden müssen, ist es sinnvoll, dass jeder von uns bestimmte Stunden zum Gebet einplanen sollte.“
Fünf Zeiten zum Gebet
Laut Calvin sollten wir bestimmte Zeiten festlegen, wenn auch nur kurze, in denen wir uns mit ganzem Herzen dem Gebet widmen sollten. Er schlug fünf Tageszeiten vor:

  • nach dem Aufstehen
  • bevor wir mit der Arbeit beginnen
  • mittags
  • nach dem Abendessen (oder nach der Arbeit des Tages)
  • wenn wir uns bettfertig machen

Er fügt jedoch sofort hinzu: „Es darf keine abergläubische Einhaltung dieser Zeiten sein“ – um damit „unsere Schuld bei Gott bezahlen“ und ihn zwingen zu können, dass er uns hört.
Tägliche Gebete zusammenstellen
Obwohl ich diese Ermahnung seit Jahren kannte, habe ich erst kürzlich erfahren, dass Calvin tatsächlich fünf Gebete für diese verschiedenen Tageszeiten vorformuliert und sie in seinen Genfer Katechismus 1542/45 aufgenommen hat. Sie sollten als Beispiele für Einzelpersonen und Familien dienen. Das hat mich ermutigt, seine Gebete als Grundlage für das Verfassen meiner eigenen zu verwenden.
Ich möchte andere ermutigen, dasselbe zu tun, was ich mit Calvins Vorlage gemacht habe: Nimm diese als Beispiele und verwende sie, um deine eigenen Gebete zu formulieren. Etwas Geschriebenes zu haben, das ich lesen und als Grundlage für das Gebet zu Gott verwenden konnte – und für jedes nur eine einzige Minute zu benötigen – war äußerst hilfreich, um mich an die Gegenwart Gottes und die Wahrheiten zu erinnern, die ich am Morgen in der Bibellektüre gelernt hatte. So wird der ganze Tag von Gott und dem Evangelium „umrahmt“.
Nachfolgend die Gebete, die ich verwende. Auch hier gilt: Benutze sie einfach als Grundlage, um deine eigenen anzufertigen.
1. Nach dem Aufstehen: um Liebe
Vater, danke für die Gnade, die mein Leben bis heute erhalten hat. Gib mir genug Liebe für diesen Tag – ein Gefühl deiner Liebe zu mir (damit ich nicht ängstlich bin oder mich getrieben fühle), ein Aufblühen meiner Liebe zu dir (damit ich nicht stolz oder egoistisch bin) und eine daraus resultierende Liebe zu anderen Menschen (damit ich nicht kalt oder abgelenkt bin). Erleuchte meinen Verstand und öffne mein Herz durch deinen Geist. Und weil es keinen Wert hat, zwar gut anzufangen, aber nicht ausdauernd dran zu bleiben, bitte ich dich, dass du deine Gnade in mir erhältst und vergrößerst, bis du mich in die volle Gemeinschaft mit deinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn, geführt hast, damit ich seine wunderschöne und gewaltige Herrlichkeit sehe. Halte mich, so wie ich mich nur durch deine Gnade zum Schlafen niedergelegt habe und heute Morgen wieder aufgestanden bin, in einer freudigen, lebendigen Erinnerung daran, dass ich, was auch immer geschieht, eines Tages ein letztes Mal aufstehen werde – zur Auferstehung –, weil Jesus Christus für mich in den Tod ging und für meine Rechtfertigung auferstanden ist. Ich bitte dich in Jesu Namen.
2. Vor dem Arbeitstag: um Durchhaltevermögen
Herr, gib mir den ganzen Tag ein Bewusstsein deiner Gegenwart, lass mich produktiv sein und trotzdem geduldig, wenn du Unterbrechungen schickst, gib mir Weisheit und Mitgefühl in meinem Handeln sowie deinen väterlichen Schutz vor Gefahren und Widrigkeiten. Lass mich jeden Erfolg oder jede Herausforderung in der Arbeit, die du mir heute gibst, akzeptieren, wie groß sie auch sein mögen. Und gib mir vor allem Mitgefühl und die Bereitschaft, in meiner Tätigkeit unterbrochen zu werden, um anderen Gutes zu tun. Ich bitte dich in Jesu Namen.
3. Mittags: um Gegenwart und Erinnerung
O Herr, Gott, danke, dass du mein Leben durch Nahrung und Unterkunft erhältst; dass du mir ein neues Leben durch das Evangelium geschenkt hast; danke für die Gewissheit, dass sich die schlechten Dinge in meinem Leben für immer zum Guten wenden werden und dass meine guten Dinge mir nicht genommen werden können; und für die Gewissheit, dass das beste und vollkommenste Leben noch vor mir liegt. Gib mir jetzt ein freudiges Gefühl deiner Gegenwart und befreie mich von meinen typischen Sünden wie perfektionistischer Werkgerechtigkeit, Angst vor Kritik und Bequemlichkeit. Lass nicht zu, dass sich meine Neigungen in übertriebenen Begierden zu Dingen dieser Welt verwickelt werden, sondern lass mich mein Herz auf die himmlischen Dinge richten, wo Christus, mein Leben, zu deiner Rechten sitzt. Ich bitte dich in Jesu Namen. (Erinnern Sie sich an die Erkenntnisse beim Lesen der Bibel am Morgen)
4. Am Ende des Arbeitstages: für Menschen, mit denen ich mich heute getroffen oder beschäftigt habe
Herr, sende meiner Familie, meinen Freunden und Nachbarn deine irdischen und geistlichen Segnungen. Segne diejenigen, die uns heute Gutes getan haben, und vergib all denen, die uns Übles getan oder gewünscht haben. Gib ihnen Reue und eine bessere Gesinnung. Sei barmherzig zu denen, die in Schwierigkeiten sind und leiden. Sorge entsprechend ihrer Bedürfnisse für sie. Tue dies um desjenigen willen, der umherging, Gutes zu tun, der Schmerzensmann, dein Sohn und unser Erlöser, Jesus Christus. Ich bitte dich in seinem Namen.
5. Beim Schlafengehen: um Erholung
O Herr, beschütze uns heute Nacht vor allen Gefahren und auch vor der Angst davor. Sei uns gnädig, dass wir nicht nur körperlich, sondern unsere Seele und unser Gewissen in deiner Gnade und Liebe auch geistlich ausruhen, damit wir in jeder Hinsicht beruhigt und erleichtert sein können. Und da kein Tag vergeht, an dem ich nicht auf vielfältige Weise sündige, bitte ich dich, dass du alle meine Vergehen in deiner Gnade zudeckst, damit ich deine Gegenwart nicht verliere. Vergib mir um Jesu willen. Zuletzt: Gewähre uns die Gnade, immer so zu leben, dass wir uns nicht fürchten müssen, zu sterben; dass wir, lebend oder sterbend, durch den Verdienst und die Sühne deines Sohnes Christus Jesus, in dessen Namen wir diese unvollkommenen Gebete darbringen, dir gehören. Amen. Gebet 1. Thessalonicher 5,17
Tim Keller
https://www.evangelium21.net/media/1679/beten-ohne-unterlass

Welchen Sinn hat das Coronavirus? Vier biblische Wahrheiten

Ich werde versuchen, die gestellte Frage – „Wie kann man so etwas begreifen? Wie kann man sich einen Reim darauf machen?“ – von der Schrift her zu beantworten. Aber bevor ich das tue: Ich verspüre ein Unbehagen dabei, weil es hier einen großen Unterschied gibt. Einerseits gilt es, Menschen durch die biblische Lehre zum Thema Leid zu helfen und sie darauf vorzubereiten. Es ist es aber etwas anderes, diese Lehre körperlich und emotional zu vermitteln, wenn jemand gerade mitten im Leid steckt. Es sterben gerade tausende von Menschen. Das bedeutet, dass hunderttausende trauern. Was ich also gleich sagen werde, könnte für einige zur falschen Zeit kommen. Wenn ich vor Ort wäre, in einer Kirche etwa, würde ich erkennen können, ob es der richtige Moment ist, etwas zu sagen oder nicht.

Nichts und niemand ist stärker als Jesus

Nach dieser Einleitung werde ich nun versuchen, die Frage zu beantworten. Wie lässt sich ein tödliches Virus begreifen? Lasst mich mit einer empirisch und historisch belegten Tatsache sowie einer klaren biblischen Tatsache beginnen. Die empirische Tatsache ist, dass am Sonntag, dem 26. Dezember 2004, mehr als 200.000 Menschen durch einen Tsunami im Indischen Ozean getötet wurden. Zu den Opfern gehörten ganze Kirchengemeinden, die sich wie gewöhnlich zum Gottesdienst versammelt hatten und in den Tod hinweggefegt wurden. Das ist eine historische Tatsache. So etwas geschieht mit Christen, seitdem es Christen gibt. Nun zur biblischen Tatsache, nämlich Markus 4,41: „… auch der Wind und der See [sind Jesus gehorsam]“. Das ist heute genauso wahr wie damals. „Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und auch in Ewigkeit“ (Hebr 13,8).
„Die Frage ist nicht, ob Jesus alle Katastrophen und Krankheiten der Welt in ihrer sündigen und satanischen Dimension überwacht, einschränkt, leitet oder regiert. Er tut es.“
Diese zwei Tatsachen zusammen – die historische und die biblische – ergeben folgende Wahrheit: Jesus hätte die Naturkatastrophe verhindern können. Er hat es im Jahr 2004 nicht getan. Da er immer tut, was weise und richtig und gut ist, hat er auch mit dieser tödlichen Katastrophe weise und gute Absichten gehabt.
Ich würde daher dasselbe über das Coronavirus sagen. Jesus hat alles Wissen und alle Autorität über die natürlichen und übernatürlichen Kräfte dieser Welt. Er weiß genau, wo das Virus angefangen hat und wohin es als Nächstes geht. Jesus hat die volle Macht, das Virus zurückzuhalten – oder auch nicht. Das können wir auch jetzt beobachten. Weder Sünde, Satan, Krankheit oder Sabotage sind stärker als er. Er kann nie in die Ecke gedrängt werden; er kann niemals gezwungen werden, hinzunehmen, was er nicht will.

„Der Ratschluss des Herrn bleibt ewig bestehen, die Gedanken seines Herzens von Geschlecht zu Geschlecht“ (Ps 33,11).

„Ich erkenne, daß du alles vermagst, und daß kein Vorhaben dir verwehrt werden kann“ (Hi 42, 2).

Die Frage ist nicht, ob Jesus alle Katastrophen und Krankheiten der Welt in ihrer sündigen und satanischen Dimension überwacht, einschränkt, leitet oder regiert. Er tut es. Die Frage ist, wie wir all das auf Grundlage der Bibel verstehen können. Wie können wir es begreifen?
Ich möchte vier biblische Realitäten aufzeigen, die uns in unserem Bemühen unterstützen können, diese Krise zu verstehen.

1. Der Vergänglichkeit unterworfen

Als die Sünde durch Adam und Eva in die Welt kam, bestimmte Gott, dass die geschaffene Ordnung einschließlich unserer leiblichen Körper, obwohl nach seinem Bild geschaffen, Verderben und Vergänglichkeit unterliegen sollten. Alle Lebewesen müssen sterben. Christen entkommen dem leiblichen Verderben, der Vergänglichkeit und dem Tod nicht, auch wenn sie durch das Evangelium der Gnade Gottes gerettet werden. Die Grundlage für diese Feststellung findet sich in Römer 8,20–23:

Die Schöpfung ist nämlich der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin, dass auch die Schöpfung selbst befreit werden soll von der Knechtschaft der Sterblichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt; und nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir erwarten seufzend die Sohnesstellung, die Erlösung unseres Leibes.

Es wird der Tag kommen, an dem die gesamte Schöpfung von ihrer Knechtschaft, d.h. von Krankheit, Katastrophen und Tod befreit wird und die Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes erbt. Bis dahin seufzen Christen – Paulus sagt: „sogar wir, die den Geist haben“ – mit der ganzen Schöpfung. Sie teilen Verderben, Vergänglichkeit, Krankheit, Katastrophen und Tod, während sie mit Seufzen auf die Erlösung des Körpers warten (was bei der Auferstehung geschieht).

Der Unterschied für Christen, die Christus vertrauen, besteht darin, dass unsere Erfahrung mit diesem Verderben keine Verdammnis bedeutet. Römer 8,1: „So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr.“ Der Schmerz reinigt uns, er ist keine Strafe. „Gott hat uns nicht zum Zorngericht bestimmt“ (1Thess 5,9). Wie alle Menschen sterben wir an Krankheiten, nicht unbedingt wegen einer bestimmten Sünde – das ist sehr wichtig. Wir sterben wie alle Menschen an Krankheiten wegen des Sündenfalls. Aber für diejenigen, die in Christus sind, hat der Tod keinen Stachel mehr (1Kor 15,55). Das ist der erste Baustein, um zu verstehen, was gerade passiert.

2. Krankheit als Gottes Gnade

Gott fügt seinem Volk manchmal Krankheiten als reinigendes und rettendes Gericht zu. Nicht zur Verdammnis, sondern als Akt der Gnade, zur Rettung. Dieser Punkt baut auf 1. Korinther 11,29–32 auf. Der Text befasst sich mit dem falschen Gebrauch des Abendmahls, aber das Prinzip dahinter gilt allgemein.

Wer unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich selbst [hier geht es um Christen am Tisch des Herrn] ein Gericht, weil er den Leib des Herrn nicht unterscheidet. Deshalb sind unter euch [euch Christen] viele Schwache und Kranke, und eine beträchtliche Zahl sind entschlafen. Denn wenn wir uns selbst richteten, würden wir nicht gerichtet werden; wenn wir aber gerichtet werden [mit dieser Krankheit und Schwachheit und Tod], so werden wir vom Herrn gezüchtigt [gezüchtigt wie ein Kind], damit wir nicht samt der Welt verurteilt werden.

Lassen Sie das einmal sacken. Der Herr Jesus nimmt das Leben seiner Geliebten durch Schwächen und Krankheiten – dieselben Worte übrigens, die zur Beschreibung der Schwächen und Krankheiten verwendet werden, die Jesus in seinem irdischen Leben heilt (Mt 4,23; 8,17; 14,14) – und bringt sie in den Himmel. Er bringt sie wegen der Entwicklung ihrer Sünde dorthin, von der er sie trennt und vor der er sie erlöst. Nicht um sie zu bestrafen, sondern um sie zu retten.
Anders ausgedrückt: Einige von uns sterben an Krankheiten, „damit wir nicht samt der Welt verurteilt werden“ (V. 32). Wenn er das bei einigen seiner Geliebten in Korinth tun kann, dann kann er es auch bei vielen von uns tun, auch durch das Coronavirus. Und das nicht nur wegen des Missbrauchs des Abendmahls, sondern auch wegen anderer Sünden – obwohl nicht jeder Tod auf eine bestimmte Sünde zurückzuführen ist. Das ist der zweite Baustein.

3. Krankheit als Gottes Gericht

Gott benutzt manchmal Krankheiten, um diejenigen gezielt zu richten, die ihn ablehnen und sich der Sünde hingeben. Ich nenne zwei Beispiele. In Apostelgeschichte 12 ließ sich der König Herodes gottgleich verehren. „Sogleich aber schlug ihn ein Engel des Herrn, weil er Gott nicht die Ehre gab; und er verschied, von Würmern zerfressen“ (Apg 12, 23). Gott kann das mit allen tun, die sich selbst erhöhen. Wir sollten uns wundern, dass nicht jeden Tag mehr Machthaber wegen ihrer Arroganz vor Gott und Menschen tot umfallen. Das ist allein Gottes allgemeiner Gnade und Barmherzigkeit zuzuschreiben. Ein weiteres Beispiel ist die Sünde der Homosexualität. In Römer 1,27 heißt es: „Gleicherweise haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind gegeneinander entbrannt in ihrer Begierde und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den verdienten Lohn ihrer Verirrung an sich selbst empfangen.“ Dies ist ein Beispiel für den Zorn Gottes. In Römer 1,18 heißt es: „Es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten.“ Das ist der dritte Baustein. Gott kann Krankheiten nutzen und tut es manchmal auch, um diejenigen zu richten, die ihn und seinen Weg ablehnen.

4. Gottes Donnerschlag

„Ich und du, jeder, der zuhört, und jeder Machthaber auf dem Planeten, jeder, der davon hört, erhält eine donnernde Botschaft Gottes, die lautet: ‘Kehr um!’.“
Alle Naturkatastrophen – ob Überschwemmungen, Hungersnöte, Heuschreckenschwärme, Tsunamis oder Krankheiten – sind ein Donnerschlag göttlicher Gnade inmitten des Gerichts. Er ruft alle Menschen dazu auf, umzukehren und ihr Leben durch Gottes Gnade neu auf einen unendlichen Wert auszurichten, die Herrlichkeit Gottes. Die Grundlage dafür findet sich in Lukas 13,1–5. Pilatus hatte Besucher des Tempels niedergemetzelt. Der Turm in Siloah war zusammengebrochen und hatte achtzehn Umstehende getötet. Die Menge möchte nun, genau wie ich gefragt wurde, von Jesus wissen: „Okay Jesus, erklär uns das mal. Sag uns, was du über diese Naturkatastrophen und diese Grausamkeit denkst. Diese Leute standen nur da und jetzt sind sie tot.“ Jesus antwort (Lk 13,4–5)

„Jene achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und sie erschlug, meint ihr, daß diese schuldiger gewesen sind als alle anderen Leute, die in Jerusalem wohnen? Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut, so werdet ihr alle auch so umkommen!“

Das ist die Botschaft Jesu an diese Welt. Es ist eine Botschaft an jeden einzelnen Menschen in diesem Moment der Geschichte, angesichts des Coronavirus. Ich und du, jeder, der zuhört, und jeder Machthaber auf dem Planeten, jeder, der davon hört, erhält eine donnernde Botschaft Gottes, die lautet: „Kehr um!“. (Ich denke, die chinesische Regierung sollte besonders aufmerken. Sie ist in letzter Zeit – erst gestern habe ich einen neuen darüber Artikel gelesen – gegenüber den Nachfolgern Christi harsch und repressiv vorgegangen.) Kehr um und suche Gottes Gnade, um dein Leben – unser Leben – auf seinen unermesslichen Wert auszurichten.Coronavirus John Piper
John Piper ist leidenschaftlicher Prediger und Professor für Praktische Theologie am Bethlehem College und Seminar in Minneapolis, Minnesota (USA). Er hat viele Bücher verfasst, von denen etliche auch in deutscher Sprache erhältlich sind.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr Ressourcen von Desiring God.
https://www.evangelium21.net/media/1926/welchen-sinn-hat-das-coronavirus