Historisch-kritische Bibelforschung

Die historisch-kritische Bibelforschung hat ihr Recht: sie weist auf eine Vorbereitung des Verständnisses, die nirgends überflüssig ist. Aber wenn ich wählen müßte zwischen ihr und der alten Inspirationslehre, ich würde entschlossen zu der letzteren greifen: sieh hat das größere , tiefere, wichtigere Recht, weil sie auf die Arbeit des Verstehens selbst hinweist, ohne die alle Zurüstung wertlos ist. Karl Barth
Vorwort zur ersten Auflage des Römerkommentar von 1922

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Lernen aus der Christenverfolgung

Am 11. April 2019 fand an der STH Basel die Tilmann Geske Memorial Lecture statt, eine jährliche Gedenkvorlesung anlässlich des Todestages von STH-Absolvent Tilmann Geske und zwei weiteren türkischen Gläubigen, welche am 18. April 2007 in der Türkei aufgrund ihres Glaubens ermordet wurden. In seinem Vortrag «Doppelbürger in Spannungsfeldern – Kirche in der Auseinandersetzung mit der Marginalisierung. Eine historische und geistliche Perspektive» stellte der Referent Samuel van der Maas, Mitarbeiter des Hilfswerks Open Doors, auf eindrückliche Weise den Zusammenhang zwischen kirchengeschichtlichen Entwicklungen und aktuellen geistlichen Herausforderungen an die Kirche dar.

Fünf globale Verfolgungswellen

Samuel Van Der Maas
Samuel van der Maas

«Die Kirche wurde von Anfang an verfolgt» – Jesus und die Apostel hatten es angekündigt. Dabei lassen sich fünf globale Verfolgungswellen charakterisieren, die über eine Generation hinaus anhielten sowie eine nachhaltige Veränderung der religiösen Landschaft bewirkten. Die erste grosse Verfolgungswelle unter den Römern erlebte ihren unerwarteten Höhepunkt unter Kaiser Decius (250 n. Chr.). Seine Strategie war es, mittels eines imperiumweiten Opfergesetzes Abtrünnige statt Märtyrer zu schaffen. Die dadurch ausgelöste Schwächung der Kirche verursachte indirekt die Ablassproblematik, die ein Grund für die Reformation wurde.

Die Ausbreitung des Islam ab 630 n. Chr. mündete in eine zweite Verfolgungswelle: Durch Besteuerung und Marginalisierung wurden die Christen zu Bürgern zweiter Klasse. Im 13. und 14. Jh. kam es zur mongolischen Verfolgung, die in ihrer Grausamkeit und ihrem Ausmass oft unterbelichtet ist: Mit roher Gewalt wurden etwa 40 Millionen Menschen, ein Zehntel der damaligen Weltbevölkerung, ausgelöscht, das Christentum in Asien und Nordafrika nahezu ausgerottet, welches damit zu einer europäischen Religion wurde. Tragisch ist die Verfolgung von Christen durch die christliche Kirche, welche eine vierte Verfolgungswelle darstellt. Die Marginalisierung der Kirche in der heutigen Gesellschaft findet zum Teil ihre rechtfertigende Wurzel im Rückblick auf die Religionskriege nach der Reformation: Starke religiöse Überzeugungen führen offenbar zu Krieg und Tod – so das Argument.

Als letzte Welle gilt die atheistische Verfolgung ausgehend vom russischen Kommunismus. Die darin u. a. angestrebte Entfremdung der Kirche von der Bildung klappte zwar nicht nachhaltig – sie wird aber in der heutigen Gesellschaft aus anderen Motiven immer weiter realisiert.

Es gibt verschiedene nachweisbare Gründe für den Erfolg mancher Verfolgungen. Der wichtigste darunter ist eine mangelnde Verwurzelung in Sprache und Kultur jeweiliger Gesellschaften. Daraus sollten wir lernen.

Herausforderungen für die Kirche heute

Ausgehend von den Sendschreiben in Offenbarung 2 und 3 – an Gemeinden in der heutigen Türkei gerichtet – leitete der Redner zu Spannungsfeldern für die Kirche über: Es gilt, gegen Anfechtung von aussen und Verfolgung standzuhalten, die geistliche Klarheit zu erhalten und zu vertiefen.

Nach van der Maas wirken Phänomene verwandt an allen fünf Verfolgungswellen in der gegenwärtigen Christenheit nach. Er appellierte daran, bei aller Klarheit im Bekenntnis zum lebendigen und geschriebenen Wort, dennoch keine «Energie zu verschwenden» in der Selbstbeschäftigung auf unfruchtbaren Nebenfronten. Sowohl das Evangelium als auch die Kirchengeschichte enthalten nach van der Maas die warnende Botschaft: «In jedem von uns steckt ein Verfolger».

Christen in Europa erleben schleichend eine Marginalisierung, bei der das Ausleben des Glaubens in verschiedenen Bereichen zunehmend erschwert wird. Staat und Gesellschaft fordern für sich und die moralische Autonomie des Menschen eine Absage an andere Glaubensüberzeugung, besonders in der Ausübung öffentlicher Ämter. Hier gilt es, auch durch politisches und soziales Engagement, die Verwurzelung in der Gesellschaft zu stärken, aber nicht auf Kosten einer geistlichen Verwässerung. Dieses Spannungsfeld bildet die schwierigste Herausforderung. Wo Anfeindungen schmerzhaft sind, dürfen Christen wissen: «Das Feuer tut weh – doch Jesus ist mit mir im Feuerofen». Die Auferstehung von Jesus Christus, dem Haupt der Kirche, garantiert ihre Zukunft. Darum lohnt es sich, den «Kampf» weiterzuführen.
https://sthbasel.ch/tilmann-geske-memorial-lecture-2019/

Gerechtigkeit braucht Macht

„Die Gerechtigkeit ist ohnmächtig ohne die Macht; die Macht ist tyrannisch ohne die Gerechtigkeit.“ (Blaise Pascal, 1623-1662)
Häufig wirkt der Ruf zur Gerechtigkeit irgendwie schal und leer. Zumeist beklagen nur diejenigen Ungerechtigkeit, die unter ihr zu leiden haben. Sobald sie aber selbst die Macht errungen haben, zögern dieselben Personen kaum damit ihre ehemaligen Gegner zu unterdrücken. In diesem Fall wird lediglich die eigene Machtlosigkeit beklagen, nicht die Ungerechtigkeit an sich. Gelegentlich wird Ungerechtigkeit auch nur diskutiert, um die Position gesellschaftlicher Kontrahenten zu schwächen. Das Leiden der Menschen hingegen ist den politischen Propagandisten weitgehend egal. Manchmal ist Ungerechtigkeit sogar hochwillkommen, weil sie argumentative Munition gegen eigene Konkurrenten liefert.
Pascal aber geht es hier allerdings noch um einen ganz anderen Aspekt. In einer sehr realistischen Gesellschaftsanalyse stellt er fest, dass Gerechtigkeit nur dann relevant ist, wenn eine einsprechende moralische Instanz auch die Möglichkeit hat, diese durchzusetzen. Anderenfalls bleibt Gerechtigkeit allzu oft nur ein Gedanke, ein verbal beschworenes Ideal. Auf der anderen Seite tendieren die Mächtigen dieser Welt dazu, das als gerecht zu erklären, was ihnen gerade ins Konzept passt. Gerechtigkeit degeneriert dabei zur bloßen Vokabel. Im Grunde geht es vielen Herrschenden nur noch um den Erhalt eigener Macht und Privilegien. – Tatsächlich aber ist Gerechtigkeit immer auf Macht angewiesen, um realisiert werden zu können. Macht braucht Gerechtigkeit, um die eigenen Möglichkeiten nicht zu missbrauchen.
Für Pascal vereinten sich die Aspekte von Macht und Gerechtigkeit in vollkommener Weise in Gott. Mit seiner unendlichen Weisheit erkennt Gott das Gute und Gerechte. Gleichzeitig verfügt er über die Macht, diese Gerechtigkeit auch einzufordern und durchzusetzen. Das allerdings stellen heute nicht wenige Menschen infrage. Ihrer Meinung nach zeigt sich Gott weitgehend ohnmächtig angesichts der unermesslichen Leiden der Welt. Das aber gilt nur für den relativ kurzzeitigen Beobachter.
Realistisch gesehen greift Gott ständig in das Weltgeschehen ein. Dabei verhindert er viele Fälle möglicher Ungerechtigkeit. Außerdem beendet er immer wieder ungerechte Handlungen zahlreicher Machthaber. – Am Ende der Zeiten wird sich jeder Mensch vor Gott für sein Handeln verantworten müssen, Mächtige und Machtlose, Herrscher und einfache Menschen. Oftmals hat Gott allerdings viel Geduld mit seinen Geschöpfen. Das gilt auch für die Ungerechten. Er betreibt nicht deren baldmöglichste Bestrafung, sondern hofft auf ihre Einsicht und Umkehr. Glücklicherweise liebt Gott auch ungerechte Menschen. Schlussendlich aber wird er mit seiner ganzen Macht Gerechtigkeit durchsetzen. Seine Gerechtigkeit ist vollkommen selbstlos, dauerhaft und tragfähig. Sie ist nicht nur eine oberflächliche Floskel zur Förderung eigener Interessen. Gottes Gerechtigkeit werden am Ende der Zeiten alle Menschen bereitwillig zustimmen.
„Gott wird die Armen mit Gerechtigkeit richten und den Elenden im Land ein unparteiisches Urteil sprechen. Er wird die Erde mit dem Stab seines Mundes schlagen und den Gesetzlosen mit dem Hauch seiner Lippen töten.“ (Jesaja 11, 4)
https://www.facebook.com/michael.kotsch.9/posts/1539677952838644

Die Kraft des Evangeliums und die Wurzeln von Rassenkonflikten

Allein das Evangelium verfügt über die Kraft, von diesen neun destruktiven Kräften – allesamt Auswirkungen der Sünde –  nachhaltig zu befreien. Sie alle liegen auch Rassenkonflikten zugrunde.

  1. Satan: Das Evangelium verleiht die Kraft, Menschen und Strukturen aus der Gebundenheit des Teufels zu befreien (1Joh 3,8).
  2. Schuld: Jesus hat unsere Schuld am Kreuz getragen (1Petr 2,24; 3,18). Wird diese nicht anerkannt, muss man sie verleugnen, sich in ihnen „baden“ oder diese zum eigenen Vorteil ausnützen.
  3. Stolz: Es gibt viele Formen des Stolzes (Überlegenheit, intellektuelle Analysen, anti-intellektueller Ärger, laute verbale Attacken, das Verachten von Stille, falsches Sicherheitsgefühl, versteckte Angst). Gott bringt den Stolz zum Schweigen (Jes 2,12+17).
  4. Hoffnungslosigkeit: Ohne Hoffnung auf die Auferstehung ist der Glaube dahin (1Kor 15,17). Ohne Hoffnung kaum Bemühung, Rücksicht und Achten auf zivile Rechte!
  5. Gefühle der Minderwertigkeit und der Selbstzweifel: In Christus sind wir als seine Kinder adoptiert worden (1Joh 3,1-2). Von Minderwertigkeit gehen viele selbstzerstörerische Impulse aus, die sich u. a. in ständigem Klagen und Nörgeln auswirken können.
  6. Eifersucht: Gier nach Besitz ist eine Quelle alles Bösen (1Tim 6,9-10). Wer Christus vertraut, kann den Bedürfnissen anderer begegnen und wahrhaft Diener werden.
  7. Hass:  Das Evangelium durchtrennt den Strang des Hasses und füllt das Herz mit Freude darüber, dass Gottes Zorn von uns weggenommen ist und die Zukunft Vergeltung und Gerechtigkeit von seiner Seite bringen wird.
  8. Angst: Wer aus der Todesfurcht erlöst worden ist (Hebr 2,14-15), muss nicht mehr das untergründige Gefühl der Angst wuchern lassen.
  9. Apathie ist leidenschaftsloses Leben, ein Dahinvegetieren von der einen Ablenkung zur nächsten. Sie kann sich nicht für die Verlorenheit und das Leid der Welt aufraffen. Christus hat sich ein Volk gereinigt, das eifrig in guten Werken ist (Tit 2,14; geschaffen zu guten Werken, Eph 2,10; sich einen guten Ruf in guten Werken erwirbt, 1Tim 5,10; reich ist in guten Werken, 1Tim 6,18; sich als Modell für gute Werke präsentiert, Tit 2,7; sich guten Werken widmet, Tit 3,8+14; den anderen zu guten Werken anreizt, Hebr 10,24).

John Piper. Bloodlines. Race, Cross and the Christian. Crossway: Wheaton, 2001. S. 87-106. The Power of the Gospel and the Roots of Racial Strife (6. Kapitel).

Moralischer Totalitarismus

Ich finde es erfrischend, wenn linke Denker wie Svenja Flaßpöhler feststellen, dass Betroffenheitsgesten die Diskussionskultur in der Gesellschaft und an den Hochschulen nicht nur beschädigen, sondern erdrücken. Das Ende eines Debatten-Diskurses ist ganz schnell erreicht; wenn „an die Stelle von Argumenten Gefühle treten, ist an Diskutieren nicht zu denken. Das würgt alles ab“.

Svenja Flaßpöhler:

Der zentrale Unterschied ist doch der: Der Faschismus wendet sich gegen Minderheiten, gegen Schwache. Wenn aber zum Beispiel Studierende dafür kämpfen, dass ein Eugen-Gomringer-Gedicht von der Wand ihrer Hochschule verschwindet, dann ist der Feind der weiße, erfolgreiche Mann. Dreh- und Angelpunkt ist also das Verhältnis von Privilegierten und Nichtprivilegierten. Oder auch: von Betroffenen und Nichtbetroffenen. Es gibt im Feminismus die sogenannte Standpunkttheorie, die besagt, dass jede Position an einen Standpunkt gebunden ist, aber dass die Unterdrückten einen objektiveren Zugang zur Wahrheit haben, weil sie viel mehr sehen als die privilegierte Gruppe, die gar kein Interesse an einer höheren Erkenntnis hat. Sicher ist es richtig, dass ich nicht weiß, wie es ist, eine schwarze Hautfarbe zu haben. Insofern kann mich die Sicht eines dunkelhäutigen Menschen, der tagtäglich Diskriminierung erfährt, zu neuen, wertvollen Einsichten führen. Problematisch finde ich aber, wenn Menschen, die keiner solch unterdrückten Gruppe angehören, unterstellt wird, dass sie zu bestimmten Themen nichts Wertvolles sagen können. Ich als weiße, heterosexuelle Frau in einer Führungsposition habe in bestimmten Themenkomplexen ganz schlechte Karten.

Ich empfehle die vollständige Lektüre dieses Interviews mit der Chefredakteurin des Philosophie Magazins gern: taz.de.
https://theoblog.de/moralischer-totalitarismus/33728/

Habeck ist zu schlau fürs Glauben

Ich bin, wenn Sie so wollen, ein säkularer Christ. Als solcher glaube ich nicht an Gott und gehöre keiner Kirche an, teile aber die Werte des Christentums. (Robert Habeck)
Lieber Herr Habeck, das ist Unsinn. Es klappt so nicht.
Das Christentum ist keine Wertegemeinschaft. Es bringt unter anderem Werte hervor, doch das sind Früchte, und die wachsen nun einmal irgendwo dran; man findet die nicht einfach auf der Straße. Bastian Volkamer
Was Sie sagen, ist so intelligent wie: ich bin ein nicht-floraler Vegetarier. Jemand, der nicht an den Apfelbaum glaubt und keinen Garten bestellt, aber gerne Obst isst.
Ich bin Robert. Ich glaube an nichts. Ich lasse aber ungern das Wählerpotenial der Christen links liegen. Ich weiß natürlich als Philosoph, dass die Selbstdefinition als Christ obwohl ich keinen Cent an diesen Jesus Christus glaube, inhaltlicher und verbaler Bullshit sind aber hey, vielleicht merkt das ja keiner und ich komme damit durch. Das gibt garantiert wieder Pluspunte bei den nächsten Umfragen. Es menschelt doch auch so sehr auf der christlichen Seite, die Katrin hat damit seit Jahren riesen Erfolge. Und Nächstenliebe haben wir schließlich auch im Parteiprogramm: Make peace not war! So long, Euer Robert. FB Birgit Kelle

Hamed Abdel-Samad

Heute 55 Min ·

Liebe Freunde,

Danke für eure Unterstützung und Solidarität. Mein YouTube-Kanal ist wieder Online. Besonders will ich Sascha Lobo und Tobias Huch danken, aber auch allen, die meinen Kommentar auf Facebook und Twitter geteilt haben. Jedoch ist es immer noch sehr traurig, dass allein die Berühmtheit des Betreibers des Kanals und die Intervention einflussreicher Personen dabei entscheidend war. Vergessen dürfen wir nicht jene, die immer noch gesperrt sind, nur weil sie kritische Inhalte zum Islam veröffentlichen und keine mediale Rückendeckung haben. Für sie und für alle, die nicht einmal öffentlich reden können, will ich immer ein Sprachrohr sein!

Hamed Abdel-Samad

Gestern um 17:23 ·

Bravo, YouTube! Islamisten wollen mich umbringen, um mich zum Schweigen zu bringen, und YouTube erfüllt Ihnen den Wunsch! Mein YouTube-Kanal Hamed.TV wurde heute von YouTube gelöscht, ohne Vorwarnung. In diesem Kanal richte ich mich hauptsächlich an Muslime in der arabischen Welt. Ich diskutiere darin mit gläubigen Muslimen, mit säkularen Stimmen und mit Atheisten über die Probleme der islamischen Welt. In diesem Kanal veröffentlichte ich letztes Jahr ein Appell an junge Muslime, und warnte sie darin vor der terroristischen Propaganda des IS. Mein Kanal hat über 120.000 Abonnenten und über 25 Millionen Klicks. Aber das interessiert YouTube nicht. Das soziale Netzwerk lässt sämtliche islamistische Kanäle laufen, die für Hass und Gewalt aufrufen, bringt aber ständig kritische Stimmen zum Schweigen und unterstützt somit den medialen Dschihad, den die Islamisten weltweit betreiben! Wo soll das hinführen? Wollen wir das einfach hinnehmen?
An alle meine Freunde,
BITTE, teilt diesen Kommentar so oft, bis YouTube davon erfährt, und zeigt YouTube, dass wir die Meinungsfreiheit ernst nehmen!
#YouTube
#Hamed.TV
#Meinungsfreiheit
#Freedon_of_speech