Die Bibel allein lehrt alles, was zur Rettung von Sünde nötig ist

“Wir bekräftigen aufs Neue die unfehlbare Schrift als die einzige Quelle schriftlicher göttlicher Offenbarung, die als einzige das Gewissen binden kann. Die Bibel allein lehrt alles, was zur Rettung von Sünde nötig ist und ist der Standard, an dem alles christliche Verhalten gemessen werden muss. Wir bestreiten, dass irgendein anderes Bekenntnis, ein Rat oder eine Einzelperson das Gewissen eines Christen binden darf, dass der Heilige Geist unabhängig von oder gegensätzlich zu den Inhalten der Bibel spricht, oder das persönliche geistliche Erfahrung jemals ein Mittel der Offenbarung sein kann.”Quelle: Camebridge Erklärung[/quote]

Wo fängt man am besten an, die Bibel zu lesen?

Welches Bibelbuch ist für einen Neuling oder “Schnupperer” im Glauben besonders geeignet? In unserem Kulturkreis ist es häufig üblich mit dem Johannesevangelium anzufangen (z.B. bietet VdHS das Johannesevangelium als Bibelteil zum Verteilen an). Das scheint naheliegend aufgrund der Zentralität Christi, die hier gezeigt wird (Jesus als Weg, Tür, Wahrheit usw…) Ich muss aber rückblickend sagen, dass es mir als Neuling im Glauben ziemlich schwerfiel mit den Themen des Johannesevangeliums klarzukommen. Die langen Dialoge dort haben mich lange ziemlich verwirrt. Mit den theologischen Konzepten konnte ich auch weniger anfangen. In vielen Biographien von Missionaren habe ich gelesen, das man mit dem Markus-Evangelium anfingt. Es ist das kürzeste und kompakteste Evangelium und es scheint mir bis heute ein weiser Anfang zu sein, wobei ich mir für unseren westlichen Kulturkreis auch die Kombination Lukas-Apostelgeschichte vorstellen kann. Markus als einfach zu bezeichnen ist natürlich auch gefährlich, weil man so die Schönheit und Eleganz dieses kurzen Evangeliums übersehen kann.
Aber um ehrlich zu sein führt ziemlich schnell kein Weg am 1 Buch Mose vorbei. 3 und 4 Buch Mose sind anstrengend, und deswegen wäre vielleicht die Kombination aus 2 und 5 Buch Mose hilfreich. Damit hätte man einen guten Überblick über Schöpfung, Vätergeschichten, Gesetzgebung, Bund, Bundesbruch und Bundeserneuerung. Sprüche und Psalter dürfen ebenfalls ein gutes Einstiegesmaterial darstellen, bei Studenten empfehle ich persönlich tatsächlich gerne Prediger und Hohelied. Aber auch Hiob ist natürlich ein Schmuckstück und viele der kleineren Propheten sind viel leichter zugänglich als man denkt (Ich denke an Jona, Amos, Habakuk, Haggai usw). Worauf ich hinauswill ist, dass man schon ganz früh damit anfangen sollte Altes und Neues Testament gleichzeitig oder zumindest beieinander zu lesen.
Meine Empfehlung für einen Neuling wäre in dieser Reihenfolge: Lukas- Apostelgeschichte-1. Mose – Psalmen (eine zufällige Auswahl von mindestens 30 Stück) – Petrusbriefe – Teile von Sprüche oder Prediger – 5. Mose – Ruth – Esther – Eine Auswahl aus Jesaja (z.B. Knecht-Gottes Passage Kap. 49-53) oder Amos oder Habakuk -Matthäusevangelium. Was denkt ihr? Was wäre euer Ansatz?
Auf eine gewisse Weise kann man natürlich mit jedem Bibelbuch anfangen und der Geist wirkt auf seine Weise souverän überall. Worauf ich hinauswill ist, dass ich mir mit obiger Liste einen eher einfachen Einstieg vorstellen könnte.Ich finde, um mit Paulus seinen Schriften klarzukommen, sollte man erst einmal einen Grundriss von wahrer Frömmigkeit besitzen und würde diese erst in einem zweiten Schritt lesen. Aber auf gar keinen Fall sollte man den ganzen vielen Stimmen glauben, die uns glauben machen wollen, die Bibel kann eigentlich nur ein Experte verstehen. https://www.glaubend.de/welche-bibeluebersetzung-soll-ich-lesen-und-mit-welchem-bibelbuch-soll-ich-anfangen/

Wie man die Bibel studiert

Warum ist Gottes Wort so wichtig? Weil es Gottes Gedanken und Willen für dein Leben enthält (2Tim 3,16.17). Für dich, als Diener Jesu Christi, stellt sie die einzige Quelle absoluter göttlicher Autorität dar. Betrachten wir einmal die folgenden Behauptungen, die die Bibel aufstellt.»Das Gesetz des HERRN ist vollkommen, es erquickt die Seele; das Zeugnis des HERRN ist zuverlässig, es macht den Unverständigen weise« (Ps 19,7). »Alle Reden Gottes sind geläutert; er ist ein Schild denen, die ihm vertrauen. Tue nichts zu seinen Worten hinzu, dass er dich nicht strafe und du als Lügner erfunden werdest« (Spr 30,5.6). »Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht; und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen« (Offb 22,18.19). »Also soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es soll nicht leer zu mir zurückkehren, sondern ausrichten, was mir gefällt, und durchführen, wozu ich es sende« (Jes 55,11).
Was ist das kleine Einmaleins des Bibelstudiums?
Persönliches Bibelstudium ist in der Regel einfach, aber du musst Selbstdisziplin mitbringen und dir langfristige Ziele stecken. Ich möchte dir hier fünf Schritte zum Bibelstudium erklären, die dir ein Muster bieten, das du befolgen kannst.
Schritt 1 – Lesen
Entwirf einen Plan, wie du systematisch die Bibel durchlesen willst. Im Gegensatz zu den meisten anderen Büchern wirst du die Bibel wahrscheinlich nicht in einem Zug von vorn bis hinten durchlesen. Es gibt viele gute Bibellesepläne, die dir bei dieser Aufgabe eine Stütze bieten. Lies einen Abschnitt in der Bibel mehrere Male hintereinander. Tu das so lange, bis du die Aussage, die Bedeutung und die Hauptwahrheit dieses Abschnitts verstanden hast.
Das Alte Testament würde ich z.B. über einen bestimmten Zeitraum in einem Zug durchlesen. Lass dich durch den Umfang an Lesestoff nicht entmutigen. Versuch einfach, die von Gott offenbarten Wahrheiten zu finden, um sie zu verinnerlichen und zu lernen. Vielleicht wählst du für das Neue Testament eine andere Variante. Du kannst ein Buch mehrmals lesen, so dass das Gelesene auch wirklich in deinem Gedächtnis verankert bleibt. Falls du dich für diese Variante entscheidest, beginne mit einem kurzen Buch, z.B. 1. Johannes. Nimm dir Zeit, um alle fünf Kapitel in Ruhe und an einem Stück durchzulesen. Nachdem du das einmal gemacht hast, beginnst du wieder von vorn. Das tust du über einen Zeitraum von 30 Tagen. Nach dieser Zeit wirst du wirklich wissen, was im 1. Johannes steht.
Schritt 2 – Auslegen
Behalte beim Lesen der Bibel eine einfache Frage im Sinn: »Was bedeutet das?« Lass den Heiligen Geist dein Lehrer sein (1Joh 2,27), denn er ist schliesslich auch der Verfasser dieses Buches. Bete um Weisheit, damit du die Bedeutung erfasst, und lies genau und aufmerksam. Beim Auslegen der Schrift sollten die folgenden häufig gemachten Fehler vermieden werden.
1. Ziehe keine Schlussfolgerungen auf Kosten richtiger Auslegung.
D.h. lege nichts in die Bibel hinein, wovon du gerne hättest, dass die Bibel es sagt, sondern lass sie das sagen, was Gott beabsichtigte, als er sie schrieb.
2. Vermeide oberflächliche Auslegung.
Wir alle haben Leute schon mal sagen gehört: »Für mich bedeutet diese Schriftstelle …« oder »Ich meine, das bedeutet …« Der erste Schritt zum Auslegen der Bibel ist, die vier Klüfte anzuerkennen, die wir überbrücken müssen: Sprache, Kultur, Geografie und Geschichte. Diese Klüfte verneinen nicht die biblische Wahrheit. Es ist einfach sehr hilfreich für das allgemeine Verständnis der Botschaft, wenn wir uns bewusst sind, welche Umstände zur Zeit der Abfassung herrschten.
3. Vergeistliche den Abschnitt nicht.
Deute und verstehe den Abschnitt in seinem normalen, buchstäblichen, historischen, grammatischen Sinn, genau wie du ein anderes Stück Literatur verstehen würden, das du heute liest. Beim Auslegen der Bibel sollten wir uns von vier Prinzipien leiten lassen: dem wörtlichen, historischen, grammatischen und synthetischen Prinzip.
Das wörtliche Prinzip.
Die Bibel sollte in ihrem wörtlichen, normalen und natürlichen Sinne verstanden werden. Die Bibel enthält zwar sprachliche Bilder und Symbole, doch sind diese dazu gedacht, die wörtliche Wahrheit zu vermitteln. Im Allgemeinen jedoch spricht die Bibel wörtlich, und wir müssen sie für sich selbst reden lassen.
Das historische Prinzip.
Das bedeutet, dass wir sie in ihrem historischen Kontext auslegen. Wir müssen uns fragen, was der Text für die Menschen bedeutet, an die er zuerst geschrieben wurde. Auf diese Weise können wir uns ein richtiges kontextuelles Verständnis der ursprünglichen Aussageabsicht des Bibeltextes erarbeiten.
Das grammatische Prinzip.
Dieses Prinzip erfordert, dass wir die grundlegende grammatische Struktur jedes einzelnen Satzes im Grundtext verstehen. Auf wen beziehen sich die Pronomen? Welche Zeitform hat das Hauptverb? Dabei wirst du feststellen: Wenn du einige einfache Fragen wie diese stellst, wird die Bedeutung des Textes sofort klarer.
Das synthetische Prinzip.
Dieses Prinzip ist das, was die Reformatoren die analogia scriptura (Analogie der Schrift) nannten. Es bedeutet, dass die Bibel sich nicht selber widerspricht. Wenn wir zu einer Auslegung einer Schriftstelle gelangen, die einer Wahrheit widerspricht, die an anderer Stelle der Schrift gelehrt wird, muss unsere Auslegung falsch sein. Schrift muss mit Schrift verglichen werden, um ihre volle Bedeutung zu entdecken.
Schritt 3 – Auswerten
Manchmal kann es hilfreich sein, den Rat Dritter zu suchen, um uns zu versichern, dass wir die Bibel auch wirklich korrekt ausgelegt haben. Lies Einführungen in die Bibel, Kommentare und Bücher über biblischen Hintergrund, die dein Denken mit Einsicht bereichern. Sei bei deiner Auswertung ein wahrhaftiger Bibelforscher. Sei jemand, der die Wahrheit des Wortes Gottes annimmt, auch wenn er dabei seine bisherigen Ansichten oder sein praktisches Leben ändern muss.
Schritt 4 – Anwenden
Die Bibel zu studieren, ohne zuzulassen, dass sie die Tiefen unserer Seele durchdringt, wäre wie das Zubereiten eines Festmahls, ohne es zu essen. Das Fazit, das du am Schluss daraus ziehen solltest, ist die Frage: »Wie kann ich die geistlichen Wahrheiten und Prinzipien dieser Schriftstelle auf mich, mein Verhalten und mein Handeln anwenden?« Jesus gab denen eine Verheissung, die ihr persönliches Bibelstudium bis an diesen Punkt durchziehen: »Wenn ihr dies wisst, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut« (Joh 13,17).
Wenn du die Bibel gelesen und ausgelegt hast, solltest du ein grundlegendes Verständnis davon haben, was die Bibel sagt und was sie damit meint. Aber an dieser Stelle ist das Bibelstudium nicht zu Ende. Das letztendliche Ziel sollte sein, die Bibel zu sich reden zu lassen und uns zum geistlichen Wachstum zu befähigen. Das erfordert persönliche Anwendung. Unser Bibelstudium ist nicht abgeschlossen, solange wir uns nicht fragen: »Was bedeutet das für mein Leben und wie kann ich es praktisch anwenden?« Wir müssen aus der Erkenntnis, die wir aus unserem Bibelstudium gewonnen haben, die praktischen Prinzipien herausziehen, die für unser persönliches Leben gelten. Wenn es ein Gebot zu befolgen gibt, gehorchen wir ihm. Wenn es eine Verheissung anzunehmen gilt, nehmen wir sie in Anspruch. Wenn eine Warnung zu beherzigen ist, achten wir darauf. Das ist der wichtigste Schritt: Wir unterwerfen uns der Bibel und lassen unser Leben von ihr umgestalten. Wenn du diesen Schritt überspringst, wirst du niemals Freude an deinem Bibelstudium haben und die Bibel wird nie dein Leben verändern.
Schritt 5 – In den Gesamtzusammenhang einbinden
Dieser letzte Schritt verbindet die gelernte Wahrheit eines bestimmten Abschnittes oder Bibelbuches mit geistlichen Wahrheiten und Prinzipien, die an anderer Stelle der Bibel gelehrt werden, um eine grosse Gesamtschau zu erhalten. Bedenke stets, dass die Bibel ein Buch mit 66 Teilen ist und eine Anzahl von Wahrheiten und Prinzipien enthält, die immer wieder in verschiedener Weise und in unterschiedlichen Umständen gelehrt werden. Wenn du einzelne Stellen in Beziehung zueinander setzt und miteinander vergleichst, wirst du eine gesunde Lehrgrundlage aufbauen.
Und nun?
Es reicht nicht aus, die Bibel nur zu studieren. Wir müssen darüber nachsinnen und in das reinigende Wasserbad des Wortes Gottes eintauchen. »Lass dieses Buch des Gesetzes nicht von deinem Mund weichen, sondern forsche darin Tag und Nacht, damit du darauf achtest, alles zu befolgen, was darin geschrieben steht; denn dann wirst du Gelingen haben auf deinen Wegen, und dann wirst du weise handeln« (Jos 1,8).
Autor: John MacArthur Quelle: Basisinformationen zur Bibel

Sieben Regeln zum Lesen der Schrift

Franz Delizsch predigte 1852 über das Lesen der heiligen Schrift. Dabei stellte er sieben Regeln auf, wie man sie heilsam lesen soll. Eingangs hält er fest: Die Schrift ist für das geistliche Leben das, was die Sonne für das natürliche Leben ist – Grundlage, ohne die nichts wachsen kann. Als eine solche Sonne “empfängt sie ihr Licht nicht erst von der Kirche, sondern sie hat es in sich selber. Im Gegenteil empfängt die Kirche ihr Licht von der heiligen Schrift und ist nicht die rechte Kirche, wenn sie sich nicht gern in dieses Licht stellt.” Dass Delitzsch über dieses Thema predigte, und nicht etwa einen Vortrag hielt, hat einen ganz einfachen Grund: Der Glaube kommt aus dem Anhören des gepredigten Wortes (Röm 10,17). “Aber die mündliche Predigt ist doch nur ein Sonnenstrahl und die heilige Schrift ist und bleibt die Sonne.” Auch zum Lesen ist also anzuregen, und zwar am Besten, indem man darüber predigt. Möge Delitzsch in dieser Hinsicht ein Vorbild für alle PredigerInnen sein!

Aber kommen wir zur Frage: Wie soll ich die heilige Schrift lesen?

Vor allen Regeln ist festzuhalten, dass wir die Schrift nicht ohne Christus lesen können, nur in seinem Licht ist sie erkennbar. Ohne ihn ist sie nur “der Buchstabe, der uns tötet, […] nur ein Feuer des Zorns, das uns verzehrt und nicht die Sonne, die uns erleuchtet.”

I. Regel: Forsche in der heiligen Schrift täglich, denn sie ist das Buch der Bücher!

Die Vielzahl der Verfasser, der Orte, an denen geschrieben wurde und die Zeitspannne, in der die verschiedenen biblischen Bücher entstanden sind, machen die Bibel tatsächlich zu einem universellen Buch, zu einem Buch der Bücher. Sie ist “klar genug dem Einfältigsten und unergründlich auch dem Weisesten.” Nie ist einer gewesen und wird sein, “der sie ausgelernt hätte”. Es ist Gottes Wille, dass du sie vor allen anderen Büchern liest (Jos 1,8): “Lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht”.

II. Regel: Merke demütig auf, denn sie ist das Wort deines Gottes

Mancher studiert fleißig, sucht aber eigentlich nur seine eigenen Gedanken. Er stellt sich über die Schrift, statt sich ihr zu unterwerfen, unterwirft sie seinem Urteil, statt sich unter ihrem Urteil zu beugen. Wer so selbstsüchtig und selbstweise die Schrift liest, wird an ihr zum Narren. “Denn die Schrift ist zwar von Menschen geschrieben, aber von Menschen Gottes.” Also redet in der Schrift Gott zu dir, der Allmächtige redet zum Ohnmächtigen, der Heilige zum Sündhaften, der Majestätische an den Armen.

III. Regel: Bitte um den heiligen Geist, denn sie ist das Werk des heiligen Geistes

Die heilige Schrift kann unmöglich von denen verstanden werden, welche nicht den heiligen Geist haben, denn dieser hat Gottes Wort in menschliche Rede gefasst.  Er hat in allen Verfassern gewirkt und macht aus den vielen Schriften die eine heilige Schrift. “Was aber aus dem heiligen Geiste hervorgegangen ist, das ist uns nur insoweit verständlich, als dieser uns das Verständnis öffnet.” Deshalb bete oft: “Öffne mir die Augen, dass ich die Wunder an deinem Gesetz sehe!” (Ps 119,18).

IV. Regel: Erkenne dein Sündenelend, denn die Schrift ist das Zeugnis von Christus deinem Erlöser

Die Schrift besteht aus Gesetz und Evangelium. “Das Gesetz verkündigt uns verheißend und drohend die Forderungen Gottes des Heiligen, das Evangelium bietet uns die rechtfertigende und heiligende Gnade der Erlösung an.” Wir können die Forderungen des Gesetzes nicht erfüllen, gerade das zeigt uns das Gesetz. Es weckt die Sehnsucht nach Erlösung in uns. Weil also die ganze Schrift von Christus dem Erlöser predigt, kann ein Selbstgerechter sie nicht verstehen. Wenn ihn die Drohungen des Gesetzes nicht erschrecken, rührt ihn auch die im Erlösungswerk offenbar gewordene Liebe Gottes nicht, die Tröstungen des Evangeliums erquicken ihn nicht. So folge David, wenn du in der Schrift über Gottes Gericht über die Sünder und das große Opfer der Erlösung liest, und bete bußfertig.

V. Regel: Öffne gläubig dein Herz, denn sie ist das Mitteilungsmittel aller Gnade

Die heilige Schrift ist das in menschliche Rede gefasste Wort Gottes. “In und mit dem Wort Gottes wirkt überall wo es gelesen oder gehört wird der heilige Geist; durch das Wort nahen sich dir der Vater und der Sohn; von dem Wort strömen die Kräfte der zukünftigen Welt auf dich”. Dieser Schatz wird durch den Glauben ergriffen. Deshalb bete: “Ich tue meinen Mund auf und begehre deine Gebote, denn mich verlangt danach” (Ps 119,131). Lass es wie Lydia an dir geschehen, dass der Herr dein Herz öffnet und du darauf acht hast, was gepredigt wird (Apg 16,14).

VI. Regel: Lass die Schrift ein neues Leben in dir wirken, denn sie ist der Same der Wiedergeburt

Die Gnadengüter werden erst da genossen, wo inmitten unseres alten selbstbezogenen Lebens ein neues, göttliches Leben begonnen hat. “Christi Leben muss Saft und Kraft deines Lebenswerden und dein Leben muss mehr und mehr in Wesen und Art des Lebens Chrsti verwandelt werden, und dieser Fortgang des neuen Lebens kann nicht ohne das Wort geschehen, wie auch der Anfang desselben durch die Taufe nicht ohne das Wort in dir gewirkt worden ist.” Im Wort Gottes hast du Christus vor dir, den du durch die Taufe in dir hast. Jedes Wort Gottes ist wie ein Same, es fällt in dein Herz wenn du es aufnimmst und macht dein neues Leben immer fester.

VII. Regel: Prüfe dich täglich in der heiligen Schrift, denn nach ihr entscheidet sich deine ewige Seligkeit oder Verdammnis

Welche am Gesetz gesündigt  haben, werden durch das Gesetz verurteilt (Röm 2,12f). “Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht auf, der hat sich schon gerichtet (Joh 12,48). Dein ewiges Geschick entscheidet sich nach deinem Verhältnis zu dem in der heiligen Schrift verzeichneten Willen Gottes und nach deinem Verhältnis zu dem in der Schrift verzeichneten Worte Jesu Christi.” Es ist nicht möglich, sich einen eigenen Heilsweg auszudenken, nach eigener Facon selig zu werden. Nur nach dem Wort Gottes wirst du gerettet. “Darum stelle dich täglich in das Licht dieses Wortes und lasse es alle Winkel deines Inwendigen durchleuchten.”

Zusammenfassung: Lies die Schrift unablässig mit der Absicht, dass sie dich unterweise zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus (2. Tim 3,15).

Aus: Franz Delitzsch, Anweisung zu heilsamem Lesen der heiligen Schrift, Erlangen 1852
https://lutherischeslaermen.de/2020/11/28/sieben-regeln-zum-lesen-der-schrift-in-der-bankreihe-bei-delitzsch/?fbclid=IwAR1kU9SQP_jsmcrozmakK7-V4CZ_eY9XBOArNAweSKH_ceDUIqVf1RvhdtU

Die Kunst des Schriftstudiums

Es gibt ein Studium der Schrift, durch das man nicht reicher wird. Man liest alte, längst bekannte Dinge und Gedanken und erfährt durch all sein Schriftstudium nichts Neues. Die Kunst des Schriftstudiums besteht darin, daß man liest, als läse man zum erstenmal. Man muß glauben, daß es hier etwas zu lernen gibt, was uns neu ist. Wir müssen unsere eigenen Gedanken beiseitesetzen und auf den Gedanken des Textes eingehen. Wer Gottes Gedanken fassen will, muß seine eigenen Gedanken preisgeben. Wer lernen will, muß verlernen können.
Wir müssen ferner mit Fragen an die Schrift herantreten. Wer nicht fragt, erhält auch keine Antwort. Fragen aber regt unser Leben täglich und reichlich in uns an. Gegen diese Fragen, die uns das Leben stellt, darf man sich nicht abstumpfen. Man muß sie hören. Hört das Fragen auf, so hört das Wachsen auf. Wenn das Fragen in uns erlischt, so ist das nicht minder schlimm, als wenn wir das Bitten verlernen und nichts mehr zu bitten haben. Der Reichtum Gottes wäre dann für uns umsonst da. So ist auch der Reichtum Gottes an Wahrheit für uns vergeblich da, wenn wir nicht mehr fragen, sondern uns einbilden, daß es für uns nichts mehr zu fragen und zu lernen gäbe.
Mit immer neuen Fragen an die Bibel heranzutreten, das ist der sicherste Schutz vor Verarmung. Daß es immer neue Fragen für uns gibt, dafür sorgt der Gang unseres Lebens reichlich. Doch gibt uns die Welt nur Fragen und nicht auch Antworten. Antworten, solche Antworten, die gewisse Erkenntnis geben, kann nur Gott geben. Mit dem Verlangen nach immer neuem Licht, immer reicherer Erkenntnis, immer mehr Wahrheit, müssen wir daher an die Schrift herantreten.

Wilhelm Lütgert 1905 Andacht in der Zeitschrift Die Studierstube

Die Kunst des Schriftstudiums

Es gibt ein Studium der Schrift, durch das man nicht reicher wird. Man liest alte, längst bekannte Dinge und Gedanken und erfährt durch all sein Schriftstudium nichts Neues. Die Kunst des Schriftstudiums besteht darin, daß man liest, als läse man zum erstenmal. Man muß glauben, daß es hier etwas zu lernen gibt, was uns neu ist. Wir müssen unsere eigenen Gedanken beiseitesetzen und auf den Gedanken des Textes eingehen. Wer Gottes Gedanken fassen will, muß seine eigenen Gedanken preisgeben. Wer lernen will, muß verlernen können.
Wir müssen ferner mit Fragen an die Schrift herantreten. Wer nicht fragt, erhält auch keine Antwort. Fragen aber regt unser Leben täglich und reichlich in uns an. Gegen diese Fragen, die uns das Leben stellt, darf man sich nicht abstumpfen. Man muß sie hören. Hört das Fragen auf, so hört das Wachsen auf. Wenn das Fragen in uns erlischt, so ist das nicht minder schlimm, als wenn wir das Bitten verlernen und nichts mehr zu bitten haben. Der Reichtum Gottes wäre dann für uns umsonst da. So ist auch der Reichtum Gottes an Wahrheit für uns vergeblich da, wenn wir nicht mehr fragen, sondern uns einbilden, daß es für uns nichts mehr zu fragen und zu lernen gäbe.
Mit immer neuen Fragen an die Bibel heranzutreten, das ist der sicherste Schutz vor Verarmung. Daß es immer neue Fragen für uns gibt, dafür sorgt der Gang unseres Lebens reichlich. Doch gibt uns die Welt nur Fragen und nicht auch Antworten. Antworten, solche Antworten, die gewisse Erkenntnis geben, kann nur Gott geben. Mit dem Verlangen nach immer neuem Licht, immer reicherer Erkenntnis, immer mehr Wahrheit, müssen wir daher an die Schrift herantreten.
Wilhelm Lütgert 1905 Andacht für die Zeitschrift Die Studierstube
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